Modelisme-ferroviaire-echangeur.jpg einer Modelleisenbahn]] Eine Modelleisenbahn ist die maßstäbliche Nachbildung eines Teils der echten Eisenbahn im Kleinformat. Die Größe reicht dabei von einer Bahn im Koffer über eine Bahn im Tischformat bis zu einer Modelleisenbahn, die mehrere Räume benötigen kann. Nachgebildet werden nicht nur Landschaften und Gebäude, sondern hauptsächlich auch Fahrzeuge. Typisch ist, dass die Lokomotiven durch einen eingebauten Antrieb selbst fahren können. Die Steuerung erfolgt dabei entweder manuell über ein Bedienpult oder aber vollautomatisch.
Der Grad der Miniaturisierung wird als Maßstab bezeichnet. Modellbahnen in besonders großem Maßstab werden häufig als Gartenbahn im Freigelände ausgeführt.
Aufgrund der Komplexität und Ausdehnung des Gesamtsystems Eisenbahn ist bei der Nachbildung im Modell eine thematische Eingrenzung erforderlich. So kann sich das Thema z.B. auf eine Eisenbahngesellschaft, eine Eisenbahnstrecke, einen Bahnhof, eine Betriebsstelle oder eine bestimmte Epoche beschränken. Ebenfalls kann sich die Nachbildung auf die möglichst originaltreue modellhafte Darstellung von Gebäuden, Gleisanlagen und Fahrzeugen (z.B. Diorama) beziehen, oder es kann der Schwerpunkt auf Darstellung eines Betriebsablaufs gelegt werden. Im einfachsten Fall wird eine Modelleisenbahn zum „Spielen“ verwendet.
Bei den Fahrzeugen und beim Zubehör (Schienen, Gebäude, Elektronik) gibt es mittlerweile eine große Industrie, die entsprechende Fertigprodukte herstellt. Komplette Modellbahnanlagen können zwar teilweise auch über den Handel bezogen werden, das ist jedoch eher die Ausnahme, da der Reiz bei der Modelleisenbahn auch im Aufbau einer Anlage liegt. Die Montage sowie der Landschaftsbau erfordern üblicherweise etwas handwerkliches Geschick.
Bei den Anlagen unterscheidet man Anlagensysteme, die ein eigenständiges abgeschlossenes Thema nachbilden und autark ausgestellt oder betrieben werden können, oder Teile mit genormten Schnittstellen oder Übergängen, sogenannte Module, die nur einen begrenzten Teil oder Streckenabschnitt der Eisenbahn darstellen, dafür aber jederzeit frei beliebig miteinander verbunden werden können.
Personen, die sich mit Modelleisenbahnen beschäftigen, kann man grob in drei Gruppen aufteilen:
Die zur Zeit (Stand März 2006) größte Modelleisenbahnanlage der Welt ist das Miniatur-Wunderland in Hamburg. Die Anlage befindet sich in der Speicherstadt und ist eine Dauerausstellung. Die zweitgrößte digitale Modellbahnanlage, Loxx Miniatur Welten Berlin, befindet sich in der Berliner City in der Nähe des Kurfürstendamms. Eine weitere Anlage, mit mehr als 700 m² Ausstellungsfläche, Der Deutschlandexpress, befindet sich in Gelsenkirchen. Die ehemals größte Modelleisenbahnanlage der Welt (Northlandz) befindet sich in Flemington/USA. Ihren „Titel“ verlor die us-amerikanische Anlage im Juli 2005, als der im Jahr 2004 begonnene Abschnitt Skandinavien des Miniatur-Wunderlandes fertiggestellt wurde.
Modelllokomotiven werden im allgemeinen mit geringer Gleichspannung versorgt, es gibt aber Ausnahmen von Märklin, welche auf Wechselstrom setzen.
Die ersten Modelle für den Spielzeugmarkt wurden von einem aufziehbaren Uhrwerk angetrieben. Obwohl das die Kontrolle der Modelle erschwerte, waren diese robust gebaut, so dass sie auch das Greifen der Schalter in voller Fahrt überstanden. Es gab auch Langsamfahr- und Stopp-Gleise, welche die Steuerung der Lokomotive übernahmen und diese sicher anhalten konnten. Andere, speziell Lokomotiven im größeren Maßstab, waren richtige Dampfmaschinen. Solche Exemplare sind heute Sammlerstücke.
Heute wird, auch auf Grund der größeren Realitätsnähe, das 2-Leiter Gleichstromverfahren verwendet. Auf der einen Schiene liegt die positive Versorgungsspannung an, auf der anderen Masse. Damit die Lok rückwärts fahren kann, wird die Spannung umgepolt. Die maximale Spannung liegt dabei bei 12-16 Volt, so dass das Berühren der Gleise ungefährlich ist.
Die ersten Modelle mit Uhrwerk liefen einfach, bis das eingebaute Uhrwerk entspannt war; eine Kontrolle von Geschwindigkeit und Richtung oder auch Anhalten waren nicht möglich. Mit der Einführung von Transformatoren konnte die Spannung und damit auch die Geschwindigkeit stufenlos geregelt werden. Verschiedene Module ermöglichen einen Blockbetrieb, damit auch mehrere Züge auf der Anlage verkehren können.
Moderne Anlagen werden digital vom Computer gesteuert. Dieser erzeugt ein digitales Signal, was ein eingebauter Decoder in der Lok erkennt und in entsprechende Befehle umsetzt. Während die Steuerung vorher eher einem Stellwerkpersonal vergleichbar war (Blockbetrieb, Weichen & Signale stellen), kann man mit dem Digitalsystem erstmals Lokführer sein und seine Lok sowie die eingebauten Zusatzfunktionen steuern. Die Digitaltechnik erlaubt die gleichzeitigen Einsatz von mehreren Controllern sowie eine vollautomatische Fahrstraßensteuerung.
Den Beginn der Modellbahn-Geschichte könnte im Jahr 1784 fixiert werden. Der englische Lokomotivkonstrukteur Murdock baute in diesem Jahr nämlich ein Versuchsmodell eines gleislosen Dampfwagens.
Im Mutterland der Eisenbahn, in England, werden seit Beginn des 1900 Jahrhunderts Modelle von Eisenbahnzügen gefertigt. Sie dienen aber noch nicht als Spielzeug für Kinder, sondern sind mehr als Werbemodelle anzusehen. So erhält der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe 1829 von englischen Freunden ein Modell der Rocket „für seine Enkel“ zum Geschenk. (Siehe Abb.) Leider ist dieses Modell dann später auf geheimnisvolle Weise verschwunden und bis heute nicht wieder aufgetaucht. Modell_der_Rocket_von_Goethe.png | BahnhofsmodellBlech-Um1910.png | UhrwerkDampflok.png | BlechdampflokUhrwerk.png | BlechE-LokBatterie.png
Ebenfalls im Jahr 1829 baut Diez Imbrechts eine betriebsfähige Modellbahn als Geschenk für den spanischen Königshof.
Im Jahr 1835, als der Adler erstmals auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth verkehrt und damit die Eisenbahn in Deutschland ihren bescheidenen Anfang nimmt, erscheint auch ein farbiger Ausschneidebogen vom Adlerzug, sowie passende Zinnfiguren. Fünf Jahre später, 1840, tauchen dann in Deutschland die ersten aus Blech hergestellten Eisenbahnnachbildungen auf.
Das erste nachweisbare Kind das eine Modelleisenbahn besitzt, ist 1859 der kaiserliche Prinz von Louis Napoléon Bonaparte (Napoléon III), die allerdings nicht bescheiden im Zimmer ihre Runden dreht, sondern im Park von Saint-Cloud aufgebaut wird. Bewundern kann man diese „Modellbahn“ heute noch im Museon di Rodo in Uzés (Frankreich). (Siehe unten: Weblink)
1862 offeriert die Firma Myers in London dampfbetriebene Lokomotiven in ihrem Katalog und 1869 findet sich die erste nachweisbare Anzeige auch in Deutschland. Die Firma Carogatti aus Königsberg preist dort „... im Zimmer fahrende Lokomotiven mit oszillierendem Zylinder“ an.
Die erste elektrisch betriebene Eisenbahn taucht 1882 auf (Planck) und bereits ein Jahr später, 1883, wird erstmalig das „Zweischienen-Zweileiter-System“ bei elektrischen Eisenbahnen angewendet.
Das erste nachgewiesene Lok-Modell mit Uhrwerkantrieb stammt von 1886. Wohlgemerkt ist es das erste „nachgewiesene“ Modell, denn technisch machbar wäre es schon ab ca. 1855 gewesen, wo bereits erstmals andere Spielsachen mit Uhrwerkantrieb auftauchen. Ebenfalls 1886 bietet der Spielwarenhersteller Bing aus Nürnberg die erste komplette Zuggarnitur mit Gleisen an.
1887 zieht die Firma Schönner aus Nürnberg nach und präsentiert dampfbetriebene Modelle mit Lok, Wagen und Gleisen in zwei Spurweiten. (65 mm, ca. 1:22 und 115 mm, ca. 1:12)
1891 präsentiert der heute noch führende deutsche Modellbahnhersteller Märklin auf der Leipziger Messe erstmals seine Eisenbahnmodelle. Nicht nur das, Märklin ordnet als erster Hersteller die Spurweiten seines Programms, als da waren die Spuren 0, 1, 2 und 3, somit Bezeichnungen die heute noch Gültigkeit haben. 1895 ist es ebenfalls Märklin, die erstmals Weichen und Eisenbahnzubehör (Gebäude, Signale, Tunnel) anbieten.
Die erste ausgesprochene „Modell-Lok“ nach deutschem Vorbild bietet die Firma Schönner im Jahr 1900 an. Im selben Jahr gibt es erstmals das „Dreischienen-Gleis“ von Märklin (Mittelschiene zur Stromversorgung) und ein Jahr später, 1901, ist es ebenfalls Märklin, die eine mechanische sowie eine elektrische Fernbedienung für Weichen auf den Markt bringen.
Daneben finden sich im Jahr 1901 auch die ersten Diskussionen in Zeitschriften, welche sich mit der Normung von Modellbahnen befassen. Diese münden wohl in das erste „Handbuch der Modellbahn“ von Bassett-Lowkes, in dem der von Greenly entwickelte Normenvorschlag bekannt wird, welcher sich wiederum an die Märklin-Norm von 1891 anlehnt und nach dem sich künftig die Hersteller richten.
Die Spurweite H0, (sprich „halb Null“, demzufolge halb so groß wie Spur Null) mit 16,5 mm Spurweite, hat 1923 ihr Debüt. Bassett-Lowkes führt sie in England ein und nennt sie zunächst 00 (Null-Null). Erster Serienhersteller dieser Spurweite ist die Firma Bing in Nürnberg. Ab 1928 auch erstmals mit elektrischem Antrieb. Zuvor hatten Märklin und Bing bereits eine mit Spur 00 bezeichnete Bahn im Programm, aber diese hatten noch nicht die 16,5 mm Gleisabstände, sondern 26 mm (1908, Märklins Liliput-Bahn) und 28 mm (1912, Bing, Batterieantrieb). Als die Deutsche Reichsbahn 1935 mit viel NS-Pomp 100 Jahre Eisenbahn in Deutschland feiert, kommen zuerst mit Trix (Trix-Express, mit Mehrzugsteuerung!) und dann im Herbst mit Märklin weitere Hersteller der 16,5 mm Spur H0 hinzu.
1927 führt der VDE Kleinspannungen von maximal 22 Volt für Modelleisenbahnen ein. Die bis dahin üblichen Fahrpulte mit Lampenvorwiderständen sind ab jetzt nicht mehr zulässig. (Bei diesen Fahrpulten mit Lampenvorwiderständen, wurde die normale Netzspannung von 230 V lediglich mit einer in reihe geschalteten Glühbirne reduziert. Es bestand also keine galvanische Trennung zur Netzspannung wie es die nun eingeführten Transformatoren sicherstellten.)
Erst 1949 gibt es eine erneute Innovation in Richtung „Es geht noch kleiner“. Mit 12 mm Spurweite präsentiert Rokal auf der Hannovermesse die erste TT-Bahn Deutschlands im Maßstab 1:120. In der ehemaligen DDR erlangt die Spur der Mitte – wie sie nach dem erscheinen der N-Bahn oft genannt wird – eine größere Bedeutung als in der BRD. So bleibt die niederrheinische Firma Rokal (später RÖWA) im Westen einziger Hersteller dieser Spurweite. Als diese 1974 / 75 Konkurs anmeldete war das Ende dieser Spur im Westen besiegelt. Nicht so in der DDR (Zeuke), wo sie eine beliebte und weit verbreitete Spurweite darstellt.
1952 stellt die Firma Fleischmann aus Nürnberg erstmals ihre H0-Bahn vor. Seither gehört bis heute auch Fleischmann zu einem der führenden, etablierten Modellbahnhersteller Deutschlands.
Die Firma Trix experimentiert 1958 mit Rollmodellen im Maßstab 1:180, die aber aus der Versuchsphase nie herauskommen.
1960 gelingt es der Spielwarenfirma Arnold (Spielwaren) aus Nürnberg eine zunächst mit 8 mm Spurweite herausgebrachte Modellbahn im Maßstab 1:160 vorzustellen. Daraus wird dann eine maßstabgerechtere Spurweite von 9 mm und damit ist die Spur N(eun) der nächste Meilenstein im Sinne von „Es geht noch kleiner“.
Zwölf Jahre später, 1972, setzt Märklin die Marke auf 6,5 mm Spurweite (Spur Z) herab, die mit einem Maßstab von 1:220 die bis heute kleinste funktionsfähige Modellbahn darstellt.
Mit Uhrwerk, Dampf und Strom - Reder (Alba-Buchverlag 1977)
Hobby | Modellbau | Modelleisenbahn
Modeltog | Rail transport modelling | Tren eléctrico | Pienoisrautatie | Modélisme ferroviaire | Modellismo ferroviario | 鉄道模型 | Modeltrein | Modelljernbane | Modelarstwo kolejowe | Ferreomodelismo | Modelljärnväg
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Modelleisenbahn".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world