Moby Dick ist ein nach dem gleichnamigen Roman von Herman Melville im Jahr 1956 entstandener US-amerikanischer Film des Regisseurs John Huston. Das Drehbuch schrieben Ray Bradbury und John Huston.
Im Laufe der Walfangexpedition wird immer deutlicher, dass Ahab deren hauptsächlichen Zweck darin sieht, Moby Dick zu erlegen. Aber damit nicht genug: Ahab verfolgt dieses Ziel mit einer derartigen Wut und Besessenheit, dass der wirtschaftliche Nutzen der Expedition und sogar menschliche Schicksale zunehmend zweitrangig werden. So lässt er unter anderem die Bergung gefangener Wale stoppen, weil Moby Dick in der Nähe sein soll. Aus dem gleichen Grund weigert er sich später auch noch, die Pequod nach Schiffbrüchigen eines anderen Walfängers suchen zu lassen. Ein Akt unterlassener Hilfeleistung, der in Seefahrerkreisen unweigerlich zur Ächtung führt. Was Ahab aber nicht kümmert. "Ich würde sogar die Sonne angreifen, wenn sie mir etwas zu leide täte!" hat er nämlich bereits für sich festgestellt.
Widerstand gegen das wahnhafte Treiben Ahabs regt sich nur beim besonnenen Steuermann Starbuck, der allerdings bald erkennen muss, dass er nicht mit Unterstützung rechnen kann. Nachdem das Schiff in ein schweres Unwetter geraten ist, muss er stattdessen zusehen, wie der Kapitän eine Elmsfeuererscheinung als vielversprechendes Zeichen für die Jagd nach dem weißen Wal erklärt, die Mannschaft frisch geschmiedete Harpunen mit eigens dafür gespendetem Blut abkühlt, und Ahab mit diesem Blutschwur alle anderen Besatzungsmitglieder bedingungslos auf seiner Seite hat.
Kurze Zeit später kommt es zum "Showdown". Moby Dick taucht auf und wird mit Walfangbooten verfolgt, doch der Wal zerstört ein Boot nach dem anderen. Ahab gelingt es, den Wal zu entern, verfängt sich auf ihm allerdings in Tauen, und wird von seinem ärgsten Feind unter Wasser befördert. Nach dem erneuten Auftauchen hängt Ahab tot an der Flanke Moby Dicks und vollführt eine Armbewegung, mit der er den noch lebenden Besatzungsmitgliedern scheinbar zuwinkt. Der Wal pflügt auf die Pequod zu, umrundet diese, und reißt das Schiff in einem gigantischen Strudel in die Tiefe. Der einzige Überlebende ist Ismael, der sich auf dem Deckel des Sarges, den Queequeg in Vorahnung seines eigenen Todes für sich hat zimmern lassen, retten kann.
Ursprünglich hatte John Huston seinen Vater Walter Huston (u.a. Oscar für Nebenrolle in Der Schatz der Sierra Madre, 1948) für die Rolle des Ahab vorgesehen. Über mehrere Jahre versuchte er dann, einem Hollywood-Studio die Verfilmung Melvilles Roman schmackhaft zu machen. Weil es sich um einen eher düsteren Stoff ohne weibliche Sprechrollen und ohne Liebesgeschichte handelt, fand er zunächst keinen Interessenten. Schließlich war Huston Junior erfolgreich. Allerdings unter der Bedingung, dass ein "großer Name" die Ahab-Rolle übernehmen soll. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits verstorben.
Für den weißen Wal konnte naturgemäß kein lebender "Darsteller" vorgesehen werden. Stattdessen wurden drei mehr als dreißig Meter lange Attrappen angefertigt, die aus Stahlskeletten mit Kunststoffhaut bestanden. Eine davon ging unter, bei einer zweiten rissen die Schleppleinen, weshalb für geraume Zeit nach dem Verlust davon die Rede war, ein weißer Geisterwal treibe im Atlantik herum.
Einen besonderen Stellenwert besitzt Moby Dick wegen der Farbtönung seiner Bilder. Huston wollte Bilder liefern, die an die entsättigten Sepiatöne von Walfangstichen aus dem 19. Jahrhundert erinnern. Dafür entwickelte der Kameramann Oswald Morris auf der Grundlage des eingeführten Technicolor-Verfahrens ein spezielles Verfahren. Das Ergebnis waren grobkörnigere Bilder, auf denen das Licht aufgeraut und leicht verschmutzt wirkt.
Der Name des Kapitäns Ahab nimmt unter anderem Bezug auf den gleichnamigen Herrscher des Nördlichen Israel, der laut der biblischen Überlieferung ein gottloser König gewesen sei. Diesem sei vom Propheten Elija (Name der vermeintlich mit seherischen Kräften ausgestatteten Figur in Moby Dick) die Strafe Gottes angedroht worden.
In der Tat ist Gregory Peck auch nach der Premiere des Films von großen Teilen des Publikums und der Kritik nicht als Idealbesetzung gesehen worden. Zwar ist anerkannt worden, er habe eine vom Hass deformierte Persönlichkeit durchaus passabel dargestellt und die Kameraführung habe ihren Teil dazu beigetragen. Andererseits habe sein Gesicht, insbesondere der weich geformte Mund und der an Abraham Lincoln erinnernde Bart, doch auch eine gewisse Sanftmut ausgestrahlt, die nicht zur Rolle passe.
Diese "Fehlbesetzung" war mit dafür verantwortlich, dass Moby Dick seinerzeit kein allzu großer Erfolg an den Kinokassen war. Als herausragendes Werk der Filmgeschichte gilt er heute trotzdem. Und zwar vor allem wegen der besonderen Licht- und Farbstimmung, mit der die Zeichnung Ahabs Charakter und der unheilschwangere Plot der Handlung unterstützt werden.
Filmtitel | US-amerikanischer Film | Filmdrama | Abenteuerfilm | Literaturverfilmung | Filmtitel 1956
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Moby Dick (1956)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world