Der Mobilismus (lat. mobilis = beweglich) bezeichnet eine Denkrichtung der Geotektonik und globalen Geodynamik, die von Alfred Wegener im Jahre 1912 begründet wurde. Sie sieht als Ursache für die strukturbildenden Prozesse der Lithosphäre neben vertikalen auch merkliche horizontale Bewegungen.
Während nach der Verschiebungshypothese ein passives "Driften" der Kontinente auf der simatischen Unterlage stattfindet, nennt Otto Ampferer (1875-1947) in seiner Unterströmungshypothese für alle Bewegungen der Erdkruste - ausgehend von den weitreichenden Überschiebungen in den Faltengebirgen - Massenverlagerungen unter der festen Erdsphäre als Ursache. Lange Zeit konnte sich der Mobilismus gegen die fixistischen Vorstellungen nicht durchsetzen. Neue Untersuchungsverfahren, insbesondere die in den 1950er-Jahren einsetzende Erforschung der Meeresböden, erbrachten dann eine Fülle von Argumenten für den Mobilismus und die Kontinentaldrift. Heute erkennen fast alle Geowissenschafter die mobilistische Konzeption an, und mit kosmischen Methoden wie GPS und VLBI sind die jährlichen Bewegungsraten (2-20 cm) eindeutig nachgewiesen.
Der US-amerikanische Geologe Harry Hammond Hess (1906-1969) konzipierte 1960 die Modellvorstellung der Ozeanbodenspreizung (Seafloor spreading) als Erklärung für die Entstehung von Tafelbergen in der Tiefsee, den so genannten Guyots. Sie erfuhr bereits 1963 durch Frederic John Vine (*1939) und Drummond Hoyle Matthews (1931-1997) eine physikalische Untermauerung aus dem Bereich des Paläomagnetismus. Man hatte streifenförmige magnetische Anomalien im basaltischen Ozeanboden (MORB) entdeckt, die symmetrisch zu den mittelozeanischen Rücken angeordnet und von Transformstörungen unterbrochen waren. Sie belegen die regelmäßig auftretenden Polsprünge des Erdmagnetfeldes, die sich in der ozeanischen Kruste abzeichnete.
Die Theorie der Plattentektonik geht davon aus, dass die Lithosphäre, bestehend aus der kontinentalen und ozeanischen Kruste und dem obersten Erdmantel, sich aus einer Reihe riesiger Platten von 70 bis 100 km Dicke zusammensetzt, die sich in der Größenordnung von Zentimeter pro Jahr relativ zueinander bewegen. Die Bewegung soll nicht - wie bei Wegeners Analogie zu driftenden Eisbergen - passiv erfolgen, sondern durch konvektive Strömungen im unteren Teil des oberen Erdmantels verursacht sein. Bei allen dafür sprechenden Argumenten bleibt die Plattentektonik (über die erwiesene Kinematik hinaus) eine unbewiesene Hypothese, weil sie zahlreiche Phänomene und die zugrundeliegenden Kräfte nicht widerspruchsfrei erklären kann. Einer der Hauptvorwürfe, der gegen ihre Verfechter erhoben wird, ist die ungenügende Berücksichtigung der auf den Kontinenten seit den letzten 150 Jahren systematisch erforschten geologischen Fakten und die zu starke Verallgemeinerung nicht schlüssig bewiesener geophysikalischer Befunde aus dem Ozeanbereich. Des weiteren werden die unklaren Mechanismen der Plattenbewegungen und sowie der Subduktion und Konvektion bemängelt.
Dennoch ist die Theorie das am besten fundierte, wenngleich nicht vollständig gesicherte Modell der Globaltektonik, das sich in seiner praktischen Anwendung bei der erfolgreichen Prospektion von Lagerstätten bereits vielfach bewährt hat. Anders als die "Plattentektoniker", nach denen sich der Erdradius in den letzten 300 Millionen Jahren nicht merklich änderte, nehmen die Vertreter der Expansionshypothese eine ständige Vergrößerung des Erdvolumens an (nach Egyeds Lehrbuch liegt sie im Millimeter-Bereich). Ursache wäre entweder eine langsame Abnahme der Gravitationskonstante (Annahme von Paul Dirac 1938) oder die Wärmeproduktion im Erdinnern, welche den abkühlungsbedingten Verlust übersteigen soll. Dies könnte durch radioaktive Prozesse bedingt sein (John Joly (1857-1933), Lit.(1) publiziert 1925), oder durch mineralogische Phasenumwandlungen (C.O. Hilgenberg, publ.1933). Der Hypothese nach haben sich die Ozeane erst zu Beginn des Kambriums gebildet, und die seither erfolgte Radiuszunahme gibt Laszlo Egyed (publ. 1957) mit 500 km an. Die Änderungen der Gesteinsdichte im Erdinneren und die parallelen Phasenumwandlungen werden mit der Diracschen Hypothese von der Abnahme der Gravitation in Verbindung gebracht, als deren Folge Pascual Jordan (1902-1980) im Jahr 1964 eine für alle Planeten zutreffende Expansion postulierte.
So frappierend einfach sich die heutigen Kontinente nach dem Expansionskonzept phänomenologisch auf eine geschlossene Hülle einer früher kleineren Erde zurückführen lassen (Samuel Warren Carey (1911-2002), Lit.(2) publiziert 1976), so schwierig ist die wissenschaftliche Beweisführung der dabei ablaufenden Prozesse.
Siehe auch: Geschichte der Geologie, Kontinentalverschiebung, NUVEL-Modell
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