Die Mittwochsgesellschaft ist die Kurzbezeichnung für die Berliner "freie Gesellschaft zur wissenschaftlichen Unterhaltung". Diese traf sich von 1863 bis 1944 jeden zweiten Mittwoch für eine freie wissenschaftliche Diskussion im privaten Kreis. Tagespolitische Diskussionen sollten nicht geführt werden.
Am 19. Januar 1863 wurde die Mittwochsgesellschaft bei einem Treffen im Hause von Moritz August von Bethmann-Hollweg, dem ehemaligen preußischen Staats- und Kultusminister und Großvater des Reichskanzlers, durch insgesamt 15 Personen gegründet. Der Kreis sollte auf 16 Personen beschränkt bleiben. Alle Mitglieder verpflichteten sich zur regelmäßigen Teilnahme und zur zweijährlichen Gastgeberschaft für die Gesellschaft. Der Adel war kaum vertreten, weshalb die Mittwochsgesellschaft als Kreis des gehobenen Bildungsbürgertums betrachtet wird, der zugleich die geistige Elite Preußens und des Deutschen Reichs repräsentierte. Die Mitglieder teilten Werte des Humanismus, die sie in der Tradition der abendländisch-christlichen Kultur, der bürgerlichen Aufklärung und der Nähe zur Antike, verwurzelt sahen. Während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigte sich die Gruppe teilweise in kritischer Distanz mit den ethischen und staatsrechtlichen Aspekten des Dritten Reichs und der Zeit danach. Konkrete Umsturzpläne existierten nicht. Aufgrund personeller Überschneidungen mit den Verschwörern vom 20. Juli 1944 wurde die Gesellschaft jedoch noch im gleichen Monat von der Gestapo aufgelöst.
Schon 1783 hatte eine "Berliner Mittwochsgesellschaft" (u. a. mit Johann Erich Biester, der als Sekretär fungierte) bestanden, die sich "Gesellschaft der Freunde der Aufklärung" nannte. Sie wurde von Wilhelm Abraham Teller (mit)gegründet. Mitglieder waren u.a. Staatsminister von Struensee, der ältere Bruder des legendär gewordenen "Armenarztes aus dem dänischen Altona" der 1737 in Halle geboren, die Aufklärung in Dänemark verbreiten wollte und über eine tragische Liebesaffäre mit der Königin Karoline Mathilde, gestürzt, am 28.4.1772 in Kobenhagen hingerichtet wurde, Gedike, die Prediger Zöllner und Spalding, der Jurist Klein, die Mediziner Selle und Möhsen, der Oberfinanzrat Vlömer, der Dichter Günther von Goeckingk, Dohm, der Theaterdirektor und Schriftsteller Engel, v. Irwing, v. Benecke u.a.m. Ehrenmitglied wurde Moses Mendelssohn. Erst durch diese gelehrte (Geheim-)Gesellschaft, die sich von dem gleichzeitig und schon länger bestehenden "Montagsclub", der mehr gesellschaftlichen Charakter hatte, abhob, verbreitete sich die Berliner Spätaufklärung, deren Meinungsforum die "Berlinische Monatsschrift" wurde, in der nahezu jedes Mitglied der "Mittwochsgesellschaft" sich zu Wort meldete und die, nach Werner Krauss, das bedeutendste Forum der Spätaufklärung wurde. Mit den kurzlebigen "Berliner Blättern" und der "Neuen Berlinischen Monatsschrift" wirkte Biester zwar im Sinne einer mittlerweile durch den Idealismus verdrängten Aufklärung bis 1811 weiter, doch erreichte die Monatsschrift nie mehr das Niveau früherer Jahre als Kant mit vielen Artikeln die "Berlinische Monatsschrift" bereicherte, bis ihm, dem Oberbibliothekar der "Kommode" und letzten der Berliner Aufklärung, der Tod 1816 das letzte Buch und die Schreibfeder aus der Hand nahm. Jedoch bereits 1798 wurde die Mittwochsgesellschaft von Friedrich Wilhelm III. aufgelöst, weil sie angeblich die innere Sicherheit bedrohte.
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