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Der Mittelwert ist ein Begriff aus der Mathematik bzw. Statistik. Es sind zwei verschiedene Bedeutungen dieses Begriffs gebräuchlich, die sich allerdings überschneiden.

Zum einen nennt man den Erwartungswert einer Zufallsvariablen Mittelwert.

Zum anderen bezeichnet der Mittelwert, auch Mittel genannt, eine Durchschnittsbildung von verschiedenen Zahlenwerten. Diese Bedeutung wird hier erläutert.

Mittelwerte sind verschiedene mathematisch definierte, meist statistische Kenngrößen, die sich aus einer Reihe von Beobachtungswerten, etwa Messwerten einer Stichprobe, berechnen lassen. Aufgabe des Mittelwertes ist es, Aufschluss über den Durchschnittswert vorliegender Werte zu geben. Es gibt verschiedene Arten von Mittelwerten, wie z. B. geometrisches Mittel und arithmetisches Mittel.

Im Folgenden seien x_1 \ldots x_n gegebene Messwerte, beispielsweise reelle Zahlen, deren Mittelwert berechnet werden soll.

Arithmetisches Mittel


Das arithmetische Mittel (auch Durchschnitt) ist der am häufigsten benutzte Mittelwert und wird deshalb auch als Standardmittelwert bezeichnet.

Liegen von einem Merkmal n Beobachtungen vor, errechnet sich das Mittel der Stichprobe als

\bar{x}_{\mathrm{arithm}} = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n{x_i} = \frac{x_1 + x_2 + \cdots + x_n}{n}

Beispiel für das arithmetische Mittel von 50 und 100:

\frac{50+100}{2} = 75

Sind X_1,\dots X_n Zufallsvariablen, die unabhängig und identisch verteilt mit Mittelwert bzw. Erwartungswert \mu und Varianz \sigma^2 sind, so hat der Stichprobenmittelwert m:=\frac{1}{n}\sum_{i=1}^n X_i ebenfalls Mittelwert \mu, aber die kleinere Varianz \sigma^2/n. Hat also eine Zufallsvariable endlichen Mittelwert und endliche Varianz, so folgt aus der Tschebyschow-Ungleichung, dass das arithmetische Mittel einer Stichprobe gegen den Erwartungswert der Zufallsvariablen stochastisch konvergiert. Das arithmetische Mittel ist daher nach vielen Kriterien eine geeignete Schätzung für den Erwartungswert der Verteilung, aus der die Stichprobe stammt. Es ist allerdings sehr empfindlich gegenüber Ausreißern (siehe Median und Sonstige Mittelwerte).

Anwendungsbeispiel

Ein Auto fährt eine Stunde lang 100 km/h und die darauffolgende Stunde 200 km/h. Mit welcher konstanten Geschwindigkeit muss ein anderes Auto fahren, um den selben Weg zurückzulegen?

Der Weg s_1, den das erste Auto insgesamt zurückgelegt hat, beträgt

s_1=100\mathrm{km/h} \cdot 1\mathrm{h}+200\mathrm{km/h} \cdot 1\mathrm{h}.
und der des zweiten Autos
s_2=v_2 \cdot 2\mathrm{h},
wobei v_2 die Geschwindigkeit des zweiten Autos ist. Aus s_1=s_2 ergibt sich
v_2 \cdot 2\mathrm{h}=100\mathrm{km/h} \cdot 1\mathrm{h}+200\mathrm{km/h} \cdot 1\mathrm{h}.
und damit
v_2=\frac{100\mathrm{km/h}\cdot 1\mathrm{h}+200\mathrm{km/h} \cdot 1\mathrm{h}}{2\mathrm{h}}=\frac{100\mathrm{km/h}+200\mathrm{km/h}}{2}=150\mathrm{km/h}.

Gewichtetes arithmetisches Mittel

Das gewichtete Mittel wird beispielsweise verwendet, wenn man Mittelwerte aus Stichproben der gleichen Grundgesamtheit mit verschiedenen Stichprobenumfängen miteinander kombinieren will:
\bar{x} = \frac{\sum_{i=1}^n{w_i \cdot x_i}}{\sum_{i=1}^n {w_i}}

Sind die X_i unabhängig verteilte Zufallsgrößen mit konstantem Erwartungswert \mu aber unterschiedlicher Varianz \sigma_i^2, so hat der gewichtete Mittelwert ebenfalls Erwartungswert \mu und seine Varianz beträgt

\sigma^2_{\bar{x}} = \frac{\sum_{i=1}^n w_i^2\sigma_i^2}{\left(\sum_{i=1}^n w_i\right)^2}.

Wählt man

w_i = \frac{1}{\sigma_{i}^2} ,
so vereinfacht sich die Varianz zu
\sigma^2_{\bar{x}} = \frac{1}{\sum_{i=1}^n\frac{1}{\sigma_i^2}}.

Aus der Cauchy-Schwarzschen Ungleichung folgt

\left(\sum_{i=1}^n w_i^2\sigma_i^2\right)\cdot\left(\sum_{i=1}^n\frac{1}{\sigma_i^2}\right)\geq \left(\sum_{i=1}^n w_i\right)^2,
die Wahl w_i = 1/\sigma_{i}^2 oder proportional dazu minimiert also die Varianz des gewichteten Mittels. Mit dieser Formel lassen sich die Gewichte w_i abhängig von der Varianz des jeweiligen Wertes, der dementsprechend den Mittelwert mehr oder weniger stark beeinflusst, zweckmäßig wählen.

Sind die X_i speziell Stichprobenmittelwerte vom Umfang n_i aus der selben Grundgesamtheit, so hat X_i die Varianz \sigma^2/n_i, also die Wahl w_i=n_i ist optimal.

Beispiele zum gewichteten arithmetischen Mittel

Das arithmetische Mittel \bar{x}_1 der n_1=3 Zahlen 1, 2 und 3 beträgt 2, das arithmetische Mittel \bar{x}_2 der n_2=2 Zahlen 4 und 5 beträgt 4,5. Das arithmetische Mittel aller 5 Zahlen ergibt sich als mit dem Stichprobenumfang gewichteten Mittelwert der Teilmittelwerte:
\bar{x}=\frac{1+2+3+4+5}{5}=\frac{3\frac{1+2+3}{3}+2\frac{4+5}{2}}{3+2}=\frac{n_1\bar{x}_1+n_2\bar{x}_2}{n_1+n_2}=\frac{6+9}{3+2}=3.

Liegen die Beobachtungen als klassierte Häufigkeit vor, kann man das arithmetische Mittel näherungsweise als gewichtetes Mittel bestimmen, wobei die Klassenmitten als Wert und der Klassenumfang als Gewicht zu wählen sind. Sind beispielsweise in einer Schulklasse ein Kind in der Gewichtsklasse 20 bis 25kg, 7 Kinder in der Gewichtsklasse 25 bis 30kg, 8 Kinder in der Gewichtsklasse 30 bis 35kg und 4 Kinder in der Gewichtsklasse 35 bis 40 kg, so lässt sich das Durchschnittsgewicht als

\frac{1 \cdot 22{,}5 + 7 \cdot 27{,}5 + 8 \cdot 32{,}5 + 4 \cdot 37{,}5}{1 + 7 + 8 + 4} = \frac{625}{20} = 31{,}25
abschätzen.

Weiteres Beispiel: Ein Bauer stellt im Nebenerwerb 100 kg Butter her. 10 kg kann er für 10 €/kg verkaufen, weitere 10 kg für 6 €/kg und den Rest muss er für 3 €/kg verschleudern. Zu welchem (gewichtetem) Durchschnittspreis hat er seine Butter verkauft? Lösung: (10 kg · 10 €/kg + 10 kg · 6 €/kg + 80 kg · 3 €/kg) / (10 kg + 10 kg + 80 kg) = 400 € / 100 kg = 4 €/kg. Der mit der jeweils verkauften Menge gewichtete Durchschnittspreis entspricht also dem fixen Preis, zu dem die Gesamtmenge verkauft werden müsste, um den gleichen Erlös zu erzielen wie beim Verkauf von Teilmengen zu wechselnden Preisen.

Der Mittelwert einer Funktion

Als Mittelwert der Riemann-integrierbaren Funktion f:*\to\R wird die Zahl
\bar{f}:=\frac{1}{b-a}\int_a^b f(x) \mathrm{d}x
definiert.

Die Bezeichnung Mittelwert ist insofern gerechtfertigt, als für eine äquidistante Zerlegung \{x_0,x_1, x_2,\dots x_n\} des Intervalls mit der Schrittweite h=\frac{b-a}{n} das arithmetische Mittel

m_n(f):=\frac{f(x_1)+f(x_2)+\dots +f(x_n)}{n}=\frac{1}{b-a}\sum_{k=1}^nf(x_k)h
gegen \bar{f}\; konvergiert, vgl. H. Heuser: Lehrbuch der Analysis, Teil 1, 8. Auflage, Teubner, Stuttgart 1990. ISBN 3-519-12231-6.

Ist f\; stetig, so besagt der Mittelwertsatz der Integralrechnung, dass es ein \xi\in* gibt mit f(\xi)=\bar{f}\;, die Funktion nimmt also an mindestens einer Stelle ihren Mittelwert an.

Der Mittelwert der Funktion f(x) mit dem Gewicht w(x)\; (wobei w(x)>0\; für alle x \in *) ist

\bar{f} = \frac{\int_a^b f(t) w(t) \mathrm{d}t}{\int_a^b w(t) \mathrm{d}t} .

Für Lebesgue-Integrale im Maßraum (\Omega, \mathcal A, \mu) mit einem endlichen Maß \mu(\Omega)<\infty lässt sich der Mittelwert einer Lebesgue-integrierbaren Funktion als

\bar{f}:=\frac{1}{\mu(\Omega)}\int_\Omega f(x)\,\mathrm{d}\mu(x)
definieren. Handelt es sich um einen Wahrscheinlichkeitsraum, gilt also \mu(\Omega)=1\;, so nimmt der Mittelwert die Form
\bar{f}:=\int_\Omega f(x)\,\mathrm{d}\mu(x)
an; das entspricht genau dem Erwartungswert von f\;.

Geometrisches Mittel


Das geometrische Mittel ist die n-te Wurzel aus dem Produkt der Messwerte; es ist ein geeignetes Lagemaß für Größen, von denen das Produkt anstelle der Summe interpretierbar ist, z. B. von Verhältnissen oder Wachstumsraten.
\bar{x}_\mathrm{geom} = \sqrt= \sqrt[n{x_1 \cdot x_2 \cdot \ldots \cdot x_n}

Äquivalent dazu gilt

\log \bar{x}_\mathrm{geom} = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^n \log x_i ,

der Logarithmus des geometrischen Mittels ist also das arithmetische Mittel der Logarithmen, wobei die Basis des Logarithmus beliebig gewählt werden darf, aber auf beiden Seiten natürlich die gleiche sein muss.

Beispiel für das geometrische Mittel von 3 und 300:

\sqrt{3 \cdot 300} = 30

Im Gegensatz zum arithmetischen Mittel ist das geometrische Mittel offensichtlich nur für nichtnegative Zahlen x_i\; definiert und meist nur für echt positive Zahlen sinnvoll.

Beispiel: Das Mittel aus einer Verdopplung und nachfolgender Verachtfachung einer Bakterienkultur ist eine Vervierfachung (nicht eine Vermehrung um den Faktor 5).

Analog zum gewichteten arithmetischen Mittel lässt sich ein mit den Gewichten w_i>0 gewichtetes geometrisches Mittel definieren:

\bar{x}_\mathrm{geom} = \sqrt*{\prod_{i=1}^n x_i^{w_i}} wobei w=\sum_{i=1}^{n}w_i

Anwendungsbeispiel

Ein Guthaben G wird im ersten Jahr mit zwei Prozent, im zweiten Jahr mit sieben und im dritten Jahr mit fünf Prozent verzinst. Welcher über die drei Jahre konstanter Zinssatz p hätte zum Schluss das gleiche Kapital ergeben?

Guthaben G_\mathrm{Ende} am Ende des dritten Jahres:

G_\mathrm{Ende}=\left(1+\frac{2\%}{100\%}\right)\left(1+\frac{7\%}{100\%}\right)\left(1+\frac{5\%}{100\%}\right) G
oder mit Zinsfaktoren geschrieben
G_\mathrm{Ende} = 1{,}02 \cdot 1{,}07 \cdot 1{,}05 \cdot G
Mit konstantem Zinsatz p und zugehörigen Zinsfaktor 1+p ergibt sich am Ende ein Guthaben von
G_\mathrm{konst} = (1 + p)^3\; G
Mit G_\mathrm{konst} = G_\mathrm{Ende} ergibt sich
(1+p)^3 G = 1{,}02 \cdot 1{,}07 \cdot 1{,}05 \cdot G
und damit berechnet sich der durchschnittliche Zinsfaktor 1+p zu
1+p=\sqrt*{1{,}02 \cdot 1{,}07 \cdot 1{,}05}\approx 1{,}04646
Der durchschnittliche Zinsatz beträgt also ca 4,646%. Allgemein berechnet sich der durchschnittliche Zinsfaktor also aus dem geometrischen Mittel der Zinsfaktoren der einzelnen Jahre. Wegen der Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel ist der durchschnittliche Zinssatz kleiner oder bestenfalls gleich dem arithmetische Mittel der Zinssätze, welches in diesem Beispiel \frac{14}{3}\%\approx 4{,}667\% beträgt.

Harmonisches Mittel


Das harmonische Mittel ist definiert als
\bar{x}_\mathrm{harm} = \frac{n}{\sum_{i=1}^n \frac{1}{x_i}}

Viele merken sich die Definition leichter in der äquivalenten Form

\frac{1}{\bar{x}_\mathrm{harm}} = \frac{\sum_{i=1}^n \frac{1}{x_i}}{n} ,

der Kehrwert des harmonischen Mittels ist also das arithmetische Mittel der Kehrwerte.

Beispiel für das harmonische Mittel von 5 und 20:

\frac{2}{\frac{1}{5}+\frac{1}{20}} = \frac{2}{\frac{1}{4}} = 8

Mit dieser Formel ist das harmonische Mittel zunächst nur für von Null verschiedene Zahlen x_i definiert. Geht aber einer der Werte x_i gegen Null, so existiert der Grenzwert des harmonischen Mittels und ist ebenfalls gleich Null. Daher ist es sinnvoll, das harmonische Mittel als Null zu definieren, wenn mindestens eine der zu mittelnden Größen gleich Null ist.

Auch hier lässt sich ein mit den Gewichten w_i>0 gewichtetes harmonisches Mittel definieren:

\bar{x}_\mathrm{harm} = \frac{\sum_{i=1}^n w_i}{\sum_{i=1}^n \frac{w_i}{x_i}}

Beispiel: fährt man eine Stunde mit 50 km/h und dann eine Stunde mit 100 km/h, so legt man insgesamt 150 km in 2 Stunden zurück; die Durchschnittsgeschwindigkeit ist 75km/h, also das arithmetische Mittel von 50 und 100. Bezieht man sich hingegen nicht auf die benötigte Zeit, sondern auf die durchfahrene Strecke, so wird die Durchschnittsgeschwindigkeit durch das harmonische Mittel beschrieben: fährt man 100 km mit 50 km/h und dann 100 km mit 100 km/h, so legt man 200 km in 3 Stunden zurück, die Durchschnittsgeschwindigkeit ist 66 2/3 km/h, also das harmonische Mittel von 50 und 100.

Allgemein gilt: Benötigt man für die Teilstrecke s_1 die Zeit t_1 (also Durchschnittsgeschwindigkeit v_1=s_1/t_1) und für die Teilstrecke s_2 die Zeit t_2 (also Durchschnittsgeschwindigkeit v_2=s_2/t_2, so gilt für die Durchschnittsgeschwindigeit über die gesamte Strecke

v=\frac{s_1+s_2}{t_1+t_2}=\frac{s_1+s_2}{\frac{s_1}{v_1}+\frac{s_2}{v_2}}=\frac{t_1v_1+t_2v_2}{t_1+t_2}.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist also das mit den Wegstrecken gewichtete harmonische Mittel der Teilgeschwindigkeiten oder das mit der benötigten Zeit gewichtete arithmetische Mittel der Teilgeschwindigkeiten.

Logarithmischer Mittelwert


Der logarithmische Mittelwert \bar{x}_{a,b,ln} zwischen x_a und x_b ist definiert als:
\bar{x}_{a,b,\ln} = \frac{x_b - x_a}{\ln (\frac{x_b}{x_a})} = \frac{x_b - x_a}{\ln(x_b)- \ln(x_a)}

Der logarithmische Mittelwert wird beispielsweise bei der verfahrenstechnischen Auslegung von Packungskolonnen genutzt. Er dient dort zur Mittelung der molaren Zusammensetzungen an Kopf und Boden der Kolonne .

Für x_a\neq x_b liegt der logarithmische Mittelwert zwischen dem geometrischen und dem arithmetischen Mittelwert:

\sqrt{x_ax_b}<\frac{x_b - x_a}{\ln(x_b)- \ln(x_a)}< \frac{x_a+x_b}{2}

Eine Verallgemeinerung des logarithmischen Mittelwerts auf mehr als zwei Variablen findet sich beispielsweise in A.O.Pittenger: The logarithmic mean in n variables. In: Amer. Math. Monthly, 92 (1985), S 99–104..

Verallgemeinerter Mittelwert


Für positive Zahlen x_i definiert man den verallgemeinerten Mittelwert als
\bar{x}(k) = \sqrt*{\frac{1}{n}\sum_{i=1}^n{x_i^k}}

Die Notation ist nicht einheitlich, alternativ sind auch Schreibweisen wie M_k(x), m_k(x) oder \mu_k(x) üblich. Genauso wie die Schreibweise ist anscheinend auch die Aussprache uneinheitlich; möglich sind Varianten wie k-tes Mittel, Mittel der Ordnung oder vom Grad k oder Mittel mit Exponent k.

Mittels geeigneter Wahl des Parameters k können unter anderem die drei obigen Mittelwerte erzeugt werden:

  • k -> -\infty: \min(x_1, x_2, \dots, x_n),
  • k = -1: Harmonisches Mittel,
  • k -> 0: Geometrisches Mittel,
  • k = 1: Arithmetisches Mittel,
  • k = 2: Quadratisches Mittel oder Effektivwert (in der Elektrotechnik),
  • k -> \infty: \max(x_1, x_2, \dots, x_n).

Für n=2 lässt sich das harmonische Mittel auch indirekt berechnen als \bar{x}_{harm}=\frac{\bar{x}_{geom}^2}{\bar{x}_{arithm}}.

Die verallgemeinerten Mittelwerte stehen über die einfache Formel

\bar{x}(k)=\sqrt*{m_k}

mit den Stichprobenmomenten m_k um Null in Beziehung. Außerdem wird in der Stochastik die Konvergenz im p-ten Mittel über diese verallgemeinerten Mittelwerte definiert.

In der Mathematik spielen diese verallgemeinerten Mittelwerte vor allem wegen der Ungleichung der verallgemeinerten Mittelwerte eine Rolle: Für -∞ ≤ st ≤ ∞ gilt die Ungleichung:

\bar{x} (s)\leq \bar{x} (t)

Diese Ungleichung lässt sich z.B. beweisen, indem man u_i:=x_i^s, v_i:=1 setzt und u_i und v_i in die Hölder-Ungleichung mit p=t/s einsetzt.

Für die Spezialwerte -1, 0, 1, 2 gilt:

\bar{x}_\mathrm{min} \leq \bar{x}_\mathrm{harm} \leq \bar{x}_\mathrm{geom} \leq \bar{x}_\mathrm{arithm} \leq \bar{x}_\mathrm{quadr} \leq \bar{x}_\mathrm{max}.

Dieser Spezialfall lässt sich auch mit der Cauchy-Schwarzschen Ungleichung, die ein Spezialfall der Hölder-Ungleichung ist, beweisen.

Verallgemeinerter Mittelwert (f-Mittel)


Sei f eine auf einem reellen Intervall I streng monotone stetige (und daher invertierbare) Funktion und
w_i, 0\leq w_i\leq 1, \sum_i w_i =1
Gewichtsfaktoren. Dann ist für x_i\in I das mit den Gewichten w_i gewichtete f-Mittel definiert als
\bar{x}_f = f^{-1}\left(\sum_{i=1}^n w_i f(x_i)\right).

Offensichtlich gilt

\min(x_i)\leq \bar{x}_f \leq\max(x_i).

Für f(x)=x erhält man das arithmetische, für f(x)=\log(x) das geometrische, und für f(x)=x^k das verallgemeinerte Mittel mit Exponent k.

Dieser Mittelwert lässt sich auf das gewichtete f-Mittel einer Funktion x\; verallgemeinern, wobei f\; als in einem die Bildmenge von x umfassenden Intervall streng monoton und stetig sei, verallgemeinern:

\bar{x}_f = f^{-1}\left(\frac{\int f(x(t)) w(t) \mathrm{d}t}{\int w(t) \mathrm{d}t}\right)

Winsorisiertes oder gestutztes Mittel


Kann man davon ausgehen, dass die Daten durch "Ausreißer", d.h. einige wenige zu hohe oder zu niedrige Werte kontaminiert sind, so sortiert man die Beobachtungswerte nach aufsteigender Größe, schneidet eine gleiche Anzahl von Werten am Anfang und am Ende der Folge ab und berechnet von den übrig bleibenden Werten den Mittelwert. Ein 10% winsorisiertes Mittel erhält man, wenn man 5% der Gesamtzahl aller Werte am unteren und 5% am oberen Ende auslässt.

Das "a-Mittel"


Für einen gegebenen reellen Vektor
a=(a_1,\dots,a_n)

mit

\sum_{i=1}^n a_i = 1
wird der Ausdruck
*={1 \over n!}\sum_\sigma x_{\sigma_1}^{a_1}\cdots x_{\sigma_n}^{a_n},
wobei über alle Permutationen σ von { 1, ..., n } summiert wird, als "a-Mittel" * der nichtnegativen reellen Zahlen x1, ..., xn bezeichnet.

Für den Fall a = (1, 0, ..., 0), ergibt das genau das arithmetische Mittel der Zahlen x1, ..., xn; für den Fall a = (1/n, ..., 1/n) ergibt sich genau das geometrische Mittel.

Für die a-Mittel gilt die Muirhead-Ungleichung

Gleitende Durchschnitte


Gleitende Durchschnitte werden in der dynamischen Analyse von Messwerten angewandt. Sie sind außerdem ein gängiges Mittel der technischen Analyse in der Finanzmathematik. Mit gleitenden Durchschnitten kann das stochastische Rauschen aus zeitlich voranschreitenden Signalen herausgefiltert werden. Jedoch muss beachtet werden, dass die meisten gleitenden Durchschnitte dem echten Signal hinterherlaufen. Für vorausschauende Filter siehe z.B. Kalman-Filter.

Gleitende Durchschnitte benötigen normalerweise eine unabhängige Variable, die die Größe der nachlaufenden Stichprobe bezeichnet, bzw. das Gewicht des vorangehenden Wertes für die exponentiellen gleitenden Durchschnitte.

Gängige gleitende Durchschnitte sind:

  • Arithmetische gleitende Durchschnitte (Simple Moving Average, SMA)
  • Exponentiell gleitende Durchschnitte (Exponential Moving Average, EMA)
  • Doppelt exponentiell gleitende Durchschnitte (Double EMA, DEMA)
  • Dreifach, n-fach exponentiell gleitende Durchschnitte (Triple EMA, TEMA)
  • Linear gewichtete gleitende Durchschnitte (linear abfallende Gewichtung)
  • Quadratisch gewichtete gleitende Durchschnitte
  • Weitere Gewichtungen: Sinus, Triangular, ...

In der Finanzliteratur können außerdem sogenannte adaptive gleitende Durchschnitte gefunden werden, die sich automatisch einer sich ändernden Umgebung (andere Volatilität/Streuung etc.) anpassen:

  • Kaufmann's adaptive moving average (KAMA)
  • Variable Index Dynamic Average (VIDYA)

Siehe auch


Sonstige Mittelwerte


Sonstige Mittelwerte, die in einem eigenen Artikel beschrieben werden sind der Modus (eigentlich kein Mittelwert, sondern der häufigste Wert) und der Median, der robust gegenüber extremen Abweichungen, sogenannten Ausreißern, ist. Der Median ist etwas komplizierter zu berechnen. Daher wird in vielen Statistiken auf das arithmetische Mittel zurückgegriffen, obwohl die Angaben kaum den gewollten Aussagewert haben (Beispiel: Einkommensverteilung in Deutschland).

Ein anderer Mittelwert ist das arithmetisch-geometrische Mittel, das zwischen dem arithmetischen und geometrischen Mittel liegt.

Quellen


Siehe auch


Weblinks


Arithmetik | Statistik

Střední hodnota | Average | media | 算術平均 | gemiddelde | Gjennomsnitt | Średnia arytmetyczna | Média | Average

 

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