Als Mittelsteinzeit (Mesolithikum) bezeichnet man die Epoche der nacheiszeitlichen Jäger und Sammler bis zum Beginn einer produzierenden Wirtschaftsweise in der Jungsteinzeit (Neolithikum).
Das Mesolithikum zeichnet sich u.a. durch folgende Merkmale aus:
- Erd- u. Vegetationsgeschichtlich:
Diskontinuierlicher, teilw. extrem ausgeprägter Temperaturanstieg ab ungefähr 12.000 BP (
Before Present), dadurch
- rasches Abtauen der Gletscher, verbunden mit einem Anstieg des Weltmeeresspiegels um bis zu 130 m
- allmähliche Wiederbewaldung Europas
- Jagd auf einzelne Beutetiere (statt Herdentiere); verstärkte Bedeutung von Kleintieren (z.B. Vögel, Fische und Mollusken) sowie von pflanzlicher Nahrung
- Steingeräte:
Mikrolithen und
Geröllkeulen
- Siedlungsweise: evtl. reduzierte Mobilität im Vergleich zur ausgehenden
Altsteinzeit (
Paläolithikum)
- Sozialstruktur: evtl. komplexere und stärker hierarchisch organisierte Gesellschaften.
Diese Bedingungen treten v.a. in Europa auf und berechtigen somit nur hier, das Mesolithikum als eigenständige Entwicklungsperiode zu beschreiben, während der Begriff in anderen Weltteilen weniger angemessen erscheint.
Das europäische Mesolithikum dauert mind. 3000 Jahre und reicht bis zum Auftreten von Landwirtschaft als Hauptmerkmal der Jungsteinzeit. Das Ende der Mittelsteinzeit liegt daher im Vorderen Orient (hier ist der Begriff weniger gebräuchlich - siehe Epipaläolithikum) sehr viel früher als in Mitteleuropa oder Skandinavien.
Europa
Somit begann die Mittelsteinzeit in Mitteleuropa nach dem Ende der Eiszeit (deren letztem Abschnitt, der Jüngeren
Dryas/Tundrenzeit) etwa um 10.000 v. Chr. und endete ca. 6.000 v. Chr. im südlichen bzw. 4.500 v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa.
Gliederung
Das Mesolithikum lässt sich - v. a. über Unterschiede der Geräteeinsätze - in Früh- und Spätmesolithikum unterteilen, die anhand von
Stratigraphien bei Grabungen entwickelt wurden.
Für das Frühmesolithikum sind vor allem Dreieckmikrolithen kennzeichnend, für das Spätmesolithikum dagegen Trapez- und gedrückte Makroklingen.
Diese Formen sind regional allerdings unterschiedlich ausgeprägt: Für Süddeutschland ist vor allem die
Jägerhaushöhle und weitere Fundstellen um
Beuron von Bedeutung. In Norddeutschland Duvensee und Didderse, im Rheinland Bedburg-Königshoven.
Auf den britischen Inseln fehlen Trapeze, hier finden sich auch im Spätmesolithikum makrolithische Industrien (
Larnian,
Obanian).
Umwelt
Das Mesolithikum war vom Zurückweichen des Eises der letzten
Eiszeit in Nordeuropa und der damit verbundenen schnellen Erwärmung des Klimas während des Prä
boreal geprägt. In den Gebieten, die vorher von eiszeitlichen
Tundren bestimmt waren, entwickelten sich erst lichte, dann aber immer dichtere Wälder. Auf dem
borealen
Kiefern-Birkenmischwald folgte mit der allmählichen Einwanderung wärmeliebender Arten
Hasel und schließlich der atlantische
Eichenmischwald. Die
Besiedlungsgrenze verschob sich nach Norden.
Materielle Kultur
Kennzeichnend für diese Epoche sind winzige Waffenprojektile aus
Feuerstein und anderen Rohmaterialien, die sogenannten
Mikrolithen. Man unterscheidet Mikrolithen aus speziellen, sehr kleinen Klingen (Mikroklingen) und geometrische Mikrolithen, die durch das gezielte Zerbrechen und anschließende Retuschieren größerer Klingen hergestellt wurden. In Nordeuropa wurden geschäftete Feuerstein-Beile, sogenannte
Kern- und
Scheibenbeile, zur Holzbearbeitung verwendet.
Siedlungsweise
Nachdem bereits in der jüngeren
Altsteinzeit (
Mähren) einige Siedlungen langfristig bewohnt wurden, nahm die
Sesshaftigkeit in der Mittelsteinzeit vermutlich allgemein zu. Der verminderte
Schweifradius lässt sich unter anderem an der Zusammensetzung des Feuersteinrohmaterials belegen. Die Menschengruppen der Mittelsteinzeit nutzten mehrere Siedlungsplätze saisonal, aber über mehrere Jahre hinweg. Ursache war insbesondere die bessere Verfügbarkeit von
Sammelgut (Früchte etc.), verbesserte Techniken zum Kleintierfang und die Entwicklung der
Fischerei.
Bestattungen
Mesolithische Bestattungen sind eher selten, aus dem späten Mesolithikum sind aber, besonders aus Dänemark und Südschweden, einige Friedhöfe bekannt. Auf der Insel
Hoedic in der
Bretagne und in
Teviec am
Golf von Morbihan wurden sogar Steinplatten als Grabeinfassung verwendet.
Siehe auch
Vor- und Frühgeschichte -
Steinzeit
Literatur
- Grünberg, Judith M.: Mesolithische Bestattungen in Europa: ein Beitrag zur vergleichenden Gräberkunde. Internationale Archäologie 40 (Rahden: Leidorf 2000).
Weblinks
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