Mittelhessisch bzw. Oberhessisch (von vielen Sprechern als "platt" bezeichnet) wird in einem Gebiet gesprochen, das im Süden und Westen etwa von den Orten Limburg a.d. Lahn, Bad Vilbel und Taunusstein begrenzt wird, im Norden bis ans Frankenberger Land und im Osten bis an die Grenzen im Osthessischen vor Fulda heranreicht. Im südlichen Mittelhessen wird der Dialekt durch die städtischen Mundarten des Rhein-Main-Gebiets jedoch umgeformt - und verdrängt.
Aufgrund der Dominanz dieses Wirtschaftsraumes ist in den 50er und 60er Jahren der Eindruck entstanden, das Frankfurterische sei das Hessische allgemein. Zudem trugen populäre Unterhaltungssendungen wie die Hesselbachs oder der Blaue Bock wie nicht zuletzt die Übertragungen der Mainzer Fastnacht Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht zu dieser Fehleinschätzung bei.
Die Dialekte in ihren jeweils ortsgebundenen Lautgestalten und Prägungen wurden bis vor etwa 50 Jahren vom überwiegenden Teil der ländlichen Bevölkerung gesprochen. Der Einfluss der modernen Massenmedien, heute der Sprache des Internets selbst, wie auch die sich seit der späteren 50er Jahren entwickelnde Mobilität und der historischen Veränderungen der Lebens- und Arbeitswirklichkeiten führten dazu, dass er immer weniger verwendet wird.
Am Südrand des mittelhessischen Sprachgebietes und in den meisten größeren Städten sind diese Dialekte bereits teilweise verschwunden. An ihrer Stelle haben sich in diesem Raum neue Formen des Sprachgebrauchs herausgebildet, die in der modernen Dialektologie als "Neuhessisch" diskutiert werden. Die alten Formen der mittelhessischen wie oberhessischen Dialekte werden heute meist nur noch von Angehörigen der älteren, ortsgebundenen Generationen gesprochen, bzw. in der Traditionspflege heimischen Brauchtums beibehalten.
Eine weitere Sprache Oberhessens ist das fast ausgestorbene Manisch, das früher, als man im Raum Gießen noch mehr Dialekt sprach, ebenfalls stark vom Oberhessischen geprägt war.
Besonders charakteristisch ist das gerollten r, das in einigen Gegenden dem amerikanischen r (ɻ), manchmal auch dem japanischen r (ɽ) gleicht. In vielen Dialekten bleibt es auch am Wortende und vor Konsonant deutlich hörbar (z. B. in "Wasser" oder "Ort"). Andere kennzeichnende Merkmale der meisten mittelhessischen Dialekte sind z. B.:
In zahlreichen (aber nicht allen) mittelhessischen Dialekten wird außerdem
Das bekannteste Lied unter den Mittelhessen dürfe folgendes Lied sein:
Mir harre dehaam e Ruure-Roiwe-Roppmaschin’ Mir harre dehaam e Ruure-Roiwe-Roppmaschin’ Mir harre dehaam e Ruure-Roiwe-Roppmaschin’ E Ruure-Roiwe-Roppmaschin’, däi harre mir dehaam.
Es besteht aus insg. 5 Strophen.
Zur Illustration hier eine Strophe aus einem Lied, das früher jedes Kind kannte, das heute aber kaum noch gesungen wird:
Auf hochdeutsch etwa:
Ei trotz nicht so, es kommt die Zeit bist wieder froh; Wenn alles rar und teuer ist, dann essen wir den weißen Käse (d.h. den Quark), Wenn Schuhe und Strümpfe zerrissen sind, dann fahren wir mit der Chaise (d.h. dem Wagen).
Ein weiteres Volkslied aus Oberhessen:
Übersetzung:
Es gibt noch eine weitere Variante, wahrscheinlich unter zahlreichen.
Textbeispiel aus dem Gießener Raum: "Mir kenne also virläufich folgendes feststelle: Mittelhessen muss mer als e Gejend verstieh, däi vo städtische Enklave - wäi z. B. Gäiße oawwer Wetzler - durchlechert eas, wäi en Schweizer Kees. Nur halt met winger Lecher. Un wann en Mittelhesse ean so e fremd Loch kimmt, dann fremdelt er." Quelle: Siegward Roth, "Der Knotterbock - Grondlejendes zoum mittelhessische Charakter o sich." Wolfram Schleenbecker Verlag, Wettenberg (ISBN 3-9803797-1-X).
Textbeispiel aus dem Hinterland (Biedenkopfer Raum): "Wann´s raant, gieh ma heem/ Wann´s nit raant, bleiwe ma häi/ Raants nit un ma hu ke Lost, gie ma aach heem/ Raants, breache ma suwisu nit ze bleiwe/ Gieh ma da heem un wesse nit, woas ma da mache sinn/ Kinte ma jo aach gleisch häibleiwe/ Feräasgesast es raant nit" Quelle: Kurt Werner Sänger, "schwortswaise raabooche", Jonas Verlag, Marburg (ISBN 3-922561-53-5)
Der Klein-Karbener Dichter Peter Geibel (1841-1901) verfasste einen Gedichtband mit Namen "Mein schinste Gruß d'r Wearreraa", in dem alle Texte in Mundart-Schreibung zu finden sind. Ein Auszug:
Quelle: "Mein schinste Gruß d'r Wearreraa!", Gedichte von Peter Geibel, herausgegeben von Emerich Reeck, Darmstadt 1951, Verlag "Hessische Volksbücher"; für den Buchhandel: Carl Bindernagel, Friedberg (Hessen)
Dou mächst vielleicht e Front e ropp.
Aich hu die gonz Noacht monder gelähe.
Es roat.
Wu widd`n doi Haa hie hu?
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