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Die Region Mittelhessen ist (neben Nord- und Südhessen) eine von drei Planungsregionen Hessens. Sie ist größtenteils identisch mit dem Regierungsbezirk Gießen und umfasst die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und den Vogelsbergkreis. Die Regionalversammlung Mittelhessen beschließt über die Aufstellung des Regionalplans. Sie besteht derzeit aus 31 Mitgliedern, die durch die fünf Landkreise sowie die drei Sonderstatus-Städte Gießen, Marburg und Wetzlar bestimmt werden. Die Regionalversammlung hat den Regierungspräsidenten mit dem Aufbau eines Regionalmanagements beauftragt. Der Regionalmanagementverein MitteHessen wurde am 22. Januar 2003 gegründet.

Geologie und Geografie


Mittelhessen ist geomorphologisch ein von ehemaligem Vulkanismus geprägte Mischung aus Gebirgs- und Senkenlandschaften, besonders sichtbar durch das Lahntal und den Vogelsberg. Begrenzende Mittelgebirge sind der Taunus, der Westerwald, das Rothaargebirge und der Burgwald. Der Westen Mittelhessens gehört zum Rheinischen Schiefergebirge und ist damit der älteste Teil (Bildung im Paläozoikum, vor rund 300 bis 500 Millionen Jahren). Dieses zunächst eingerumpfte Gebirge hob sich in der alpidischen Faltung wieder und bildete anschließend die noch heute sichtbare Morphologie: die Vulkanite des Westerwaldes und die Zerschneidung durch die Flüsse (Gießen-Koblenzer Lahntal) mit teils eingebrochenen Schollen wie dem Limburger Becken. Die Lößablagerungen sowie die Wasserverfügbarkeit in diesem Bereich hatten eine sehr frühe Besiedlung zur Folge.

Der südliche Teil des Schiefergebirges ist der Hintertaunus, nördlich schließt sich an das Schiefergebirge das Lahn-Dill-Bergland und das tertiäre Vulkanbergland des Westerwaldes an. Die Roteisen-Lagerstätten des Lahn-Dill-Gebietes, Voraussetzung für die schon früh einsetzende Eisen- und Buntmetallgewinnung, verdanken dem tertiären Vulkanismus ebenso ihre Entstehung wie die kaolinreichen Tone aus limnisch-terrestrischen Sedimenten. Sie bilden die Rohstoffbasis für das regional früh auftretende Töpfer- und Ziegeleigewerbe. Immer wieder wurde versucht, die mittelhessischen Braunkohlevorkommen abzubauen; die Nutzung der Mineralquellen aus dieser Zeit zum Beispiel im Löhnberger Becken oder in Selters ist bis heute deutlich erfolgreicher.

Im Osten schließt sich die Hessische Senke an, die sich während des Erdmittelalters (Mesozoikum, vor rund 140 bis 200 Millionen Jahren) mit Sedimentabfolgen füllte. Erwähnenswert ist hier vor allem der Buntsandstein mit bis zu 1.000 m Mächtigkeit, ein wasserdurchlässiges und damit siedlungsfeindliches Gestein, welches den Burgwald, aber auch den Marburger Rücken, die Lahnberge und den Neustädter Sattel (Wasserscheide und Teil der Oberhessischen Schwelle) prägt.

Das Mittelgebirge des Vogelsbergs im Osten Mittelhessens mit einer Basaltfläche von 2.500 km² ist das größte geschlossene Vulkangebirge Europas. Die Laven haben sich lang anhaltend tafelförmig ausgebreitet, die Basaltmächtigkeit beträgt bis zu 300 Meter.

Im Zentrum Mittelhessens liegen mehrere Becken, die Teil des Mittelmeer-Mjösen Grabens sind: Im Süden ragen die Ausläufer der Wetterau in die Region, es schließen sich das Gießener Becken (Mittleres Lahntal) und das Amöneburger Becken an.

Berge

Landschaftsprägend sind die Härtlinge des Rheinischen Schiefergebirges wie der Dünsberg (493 m), Rimberg (498 m) sowie die Basaltkuppen Amöneburg, Stoppelberg (402 m) oder Gleiberg. Die höchste Erhebung Mittelhessens ist der im Osten der Region gelegene Taufstein im Vogelsberg mit einer Höhe von 773 Metern.

Flüsse

Die Flusstäler vor allem der Lahn und der Dill bilden teils tiefe Einschnitte in die Landschaft und stellen historisch wichtige Verbindungslinien dar, die großen Einfluss auf die Städte- und Wirtschaftsentwicklung hatten. In der rund 250 Meter tiefen Einkerbung des Dilltales werden zahlreiche Lagerstätten des Grundgebirges angeschnitten. Größere Nebenflüsse der Lahn in Mittelhessen sind die Dill als größter Nebenfluss mit 68 km Länge, die Wetschaft, die Ohm und die Weil. Quer durch den Vogelsberg verläuft von Südost nach Nordwest die Rhein-Weser-Wasserscheide. Die Flüsse, welche im nördlichen und östlichen Vogelsberg entspringen, entwässern über die Fulda in die Weser. Hierzu zählen die Antrift als Nebenfluss der Schwalm, die Schlirf und die Schlitz. Die Wetter hingegen gehört als Nebenfluss der Nidda bereits zum Einzugsgebiet des Mains.

Geschichte


Die längste Zeit seiner Geschichte war Mittelhessen administrativ in verschiedene Teilgebiete getrennt. Die größten Teile des Landkreis Gießen und des Vogelsbergkreis gehörten im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Großherzogtum bzw. Volksstaat Hessen. Das Gebiet des Kreises Limburg-Weilburg und der frühere Dillkreis gehörten weitestgehend zum Herzogtum Nassau, woraus zusammen mit den kurhessischen Gebieten des heutigen Kreises Marburg-Biedenkopf zwischen 1866 und 1944 die preußische Provinz Hessen-Nassau wurde. Eine Sonderrolle als Freie Reichsstadt bis 1806, als Grafschaft Wetzlar und später als Teil der preußischen Rheinprovinz kam jahrhundertelang der Stadt Wetzlar zu, sie wurde erstmals 1932 hessisch. Mit der Gründung des Regierungspräsidiums Gießen 1981 wurde künstlich eine administrative Einheit für die Region geschaffen. Infolge dieser historischen Zergliederung ist Mittelhessen jedoch auch heute noch durch unterschiedliche Grenzen geteilt: etwa durch drei evangelische Landeskirchen und durch verschiedene Handwerkskammer-, IHK- und Arbeitsamtsbezirke.

Wirtschaft und Infrastruktur


Mittelhessen ist ein eigenständiger Wirtschaftsraum, der zusätzlich eine Entlastungsfunktion für das Rhein-Main-Gebiet und eine Brückenfunktion zwischen den Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Ruhr ausfüllt. Die Oberzentren der Planungsregion sind Marburg, zugleich größte Stadt der Region, sowie Wetzlar und Gießen, die den wirtschaftlichen Kernraum Mittelhessens bilden. Das industrielle Zentrum ist Wetzlar mit der Schwer-, sowie der optischen und feinmechanischen Industrie. Weitere wichtige Städte sind Dillenburg und Limburg. Bekannte Produkte aus Mittelhessen sind das Licher Bier, Selterswasser aus Selters sowie die Heizkessel der Marke Buderus (Wetzlar bzw. Lollar) sowie die optischen Geräte (Kameras, Mikroskope, Ferngläser) der Marken Leica und Zeiss/Hensoldt aus Wetzlar. In Stadtallendorf werden Ferrero-Produkte hergestellt. Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg ist der größte Arbeitgeber der Region und hat weitere wirtschaftliche Auswirkungen: Marburg ist ein Zentrum für die Pharmazie, in und um Gießen gibt es einen Medizintechnik-Schwerpunkt.

Verkehr

Die wichtigsten Straßenverkehrsachsen Mittelhessens sind die Autobahnen A5 (Frankfurt-Gießen-Alsfeld-Kassel), A45 (Dortmund-Siegen-Dillenburg-Wetzlar-Hanau) und A3 (Köln-Limburg-Frankfurt) sowie die Bundesstraßen B3 (Gießen-Kassel über Marburg) und B49 (Alsfeld-Limburg über Gießen und Wetzlar). Als bedeutende Schienenverbindungen erschließen die Main-Weser-Bahn (Strecke Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt) und die Dill-Strecke (Köln-Siegen-Wetzlar-Gießen) die Region. Anschluss an die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln besteht in Limburg.

Kultur


Die Regionalversammlung hat den Kultursommer Mittelhessen initiiert, der jedes Jahr unter einem anderen Motto Veranstaltungen in Mittelhessen anbietet. Daneben sind überregional von Bedeutung die Weilburger Schlosskonzerte und das Programm der Theater in Gießen und Marburg. Wetzlar veranstaltet die Wetzlarer Festspiele und hat mit der Rittal-Arena die modernste Multifunktionshalle der Region. Das Licher Kino Traumstern wurde mehrfach als bestes Kino Deutschlands ausgezeichnet.

Der Dialekt der Bevölkerung ist das mittelhessische und verbindet die Menschen der Region.

Literatur


  • Regierungspräsidium Gießen in Verbindung mit der Historischen Kommission für Hessen (Hrsg.): Mittelhessen: aus Vergangenheit und Gegenwart. Hitzeroth, Marburg 1991, ISBN 3-89398-066-0

Weblinks


Mittelhessen | Region in Hessen

 

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