Die Mittelägyptische Sprache war die Sprache des Alten Ägypten während des sog. Mittleren Reiches sowie alleinige Schriftsprache unter den ersten Königen der 18. Dynastie und bildet eine Entwicklungsstufe der Ägyptischen Sprachen. Es folgte dem Altägyptischen, von dem es sich nur geringfügig unterscheidet, und wurde im 14. Jh. v. Chr. vom Neuägyptischen abgelöst, war jedoch auch danach noch als klassische Literatur- und Inschriftensprache bis ins 4. Jh. n. Chr. in Gebrauch. Auch die moderne Erforschung des Ägyptischen konzentrierte sich lange auf das klassische Mittelägyptisch.
Mittelägyptische Inschriften wurden mit Ägyptischen Hieroglyphen geschrieben, für Papyri und Ostraka dagegen wurde die Hieratische Schrift, eine Kursive der Hieroglyphen, benutzt.
Transliteration
siehe
Ägyptische Hieroglyphen
Lautsystem
Die Laute des Mittelägyptischen lassen sich nur ungefähr bestimmen, sodass die genauen Lautwerte einiger Laute des Ägyptischen bis heute umstritten sind.
Das Mittelägyptische weist folgende Plosive auf:
| Bilabiale
| Dentale
| Postpalatale
| Velare
|
| p
| p
| t
| t
| k
| k
| q
| q
|
| b
| b
| d
| d
| g
| g
|
|
|
Aus den Plosiven
d und
t und dem Spiranten
š zusammengesetzt sind
D und [ T , die ursprünglich aus
g bzw.
k entstanden waren. Allerdings wurden diese Laute seit dem frühen Mittleren Reich zu
d bzw.
t.
Daneben existieren folgende Spiranten:
| Labiale
| Dentale
| Präpalatale
| Velare
| Pharyngale
|
| f
| f
| s
| s
| S
| š
| X
|
| x
|
| h
| h
| H
|
|
|
|
| z
| z
|
|
|
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|
|
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|
| a
|
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Dazu ist jedoch anzumerken, dass
s und
z seit dem Mittleren Reich in der Aussprache zusammengefallen waren und daher auch in der Schrift nicht mehr konsequent unterschieden wurden.
An Nasalen existieren m m und n n, die Liquiden sind r r, das in der Schrift durch n, r, nr oder 3 angedeutete l, sowie möglicherweise 3, dem früher der Lautwert des hebräischen Aleph zugeordnet wurde, heute aber eher als ein r-haltiger Laut angesehen wird. Dazu kommen j, wohl ein Aleph/Hamza-Laut, y (jj) und w, das wohl teils * ausgesprochen wurde. Die Vokale wurden in den Hieroglyphen und im Hieratischen gar nicht mitgeschrieben, sodass die Vokale des Mittelägyptischen nur durch Vergleiche mit dem Koptischen, griechischen Umschreibungen ägyptischer Namen und ähnlichen Hinweisen ungefähr erschlossen werden können.
Grammatik
Das Mittelägyptische kannte die beiden Genera
Maskulinum und
Femininum sowie die
Numeri Singular, Dual und Plural:
|
| Maskulinum
| Femininum
|
| Singular
| T22-A1
| sn "Bruder"
| T22-t-B1
| sn.t "Schwester"
|
| Dual
| T22-W-y-A1
| sn.wj "die beiden Brüder"
| T22-t:y-B1
| sn.tj "die beiden Schwestern"
|
| Plural
| T22-n:nw-A1:Z2
| sn.(w)w "Brüder"
| T22-n:nw*t-B1:Z2
| sn.wt "Schwestern"
|
Es existieren drei Arten von Personalpronomina, absolute (unabhängige) wie nw:k jnk "ich", enklitische wie w-i wj "mich, ich" und Suffixpronomina wie A1 =j "ich, mein", die an ein Substantiv angehängt ein Besitzverhältnis ausdrücken: pr=j "mein Haus". Wichtig sind sie zudem bei der sogenannten Suffixkonjugation, der häufigsten Art von Verbformen des Mittelägyptischen. Bei ihr wurde ein pronominales Subjekt durch die angehängten Suffixpronomina und ein nominales Subjekt durch ein nachgestelltes Substantiv gekennzeichnet. Dabei dienten kleine Suffixe am Verbalstamm zur Bildung von acht [Gardiner: Egyptian Grammar (siehe Literaturliste).] bis sechzehn [W. Schenkel: Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift (siehe Literaturliste).] Tempora. Ihre drei wichtigsten Tempora sind im folgenden tabellarisch zusammengestellt:
| Subjekt
| sḏm=f "Er hört"
| sḏm.n=f "Er hörte"
| sḏm.jn=f "Da hört(e) er"'
|
| 1. Person Sg.
| sDm-m-A1
| sḏm=j
| sDm-m-n:A1
| sḏm.n=j
| sDm-m-i-n:A1
| sḏm.jn=j
|
| 2. Person Mask. Sg.
| sDm-m-k
| sḏm=k
| sDm-m-n:k
| sḏm.n=k
| sDm-m-i-n:k
| sḏm.jn=k
|
| 2. Person Fem. Sg.
| sDm-m-T
| sḏm=ṯ
| sDm-m-n:T
| sḏm.n=ṯ
| sDm-m-i-n:T
| sḏm.jn=ṯ
|
| 3. Person Mask. Sg.
| sDm-m-f
| sḏm=f
| sDm-m-n:f
| sḏm.n=f
| sDm-m-i-n:f
| sḏm.jn=f
|
| 3. Person Fem. Sg.
| sDm-m-s
| sḏm=s
| sDm-m-n-s
| sḏm.n=s
| sDm-m-i-n-s
| sḏm.jn=s
|
| 1. Person Pl.
| sDm-m-n:Z2
| sḏm=n
| sDm-m-n:n:Z2
| sḏm.n=n
| sDm-m-i-n:n:Z2
| sḏm.jn=n
|
| 2. Person Pl.
| sDm-m-T:n:Z2
| sḏm=ṯn
| sDm-m-n-T:n:Z2
| sḏm.n=ṯn
| sDm-m-i-n-T:n:Z2
| sḏm.jn=ṯn
|
| 3. Person Pl.
| sDm-m-T-s-n:Z2
| sḏm=sn
| sDm-m-n-s-n:Z2
| sḏm.n=sn
| sDm-m-i-n-s-n:Z2
| sḏm.jn=sn
|
Substantiv "König"
| sDm-m-sw-t:n-A41
| sḏm nswt
| sDm-m-n-sw-t:n-A41
| sḏm.n nswt
| sDm-m-i-n-sw-t:n-A41
| sḏm.jn nswt
|
Dazu ist anzumerken, dass die Formen nur teilweise auf die in der Übersetzung verwendeten Zeitstufen begrenzt waren, so kann die '-Form auch perfektisch und die '-Form selten futuristisch auftreten.
Neben der Suffixkonjugation weist das Ägyptische das Pseudopartizip oder Stativ, bei dem es sich um eine teils aktivische, teils passivische Vergangenheitsform handelt, die Relativform sowie einen Infinitiv und fünf Partizipen auf.
Wie in anderen afroasiatischen Sprachen muss ein Satz im Ägyptischen kein Verb enthalten, um vollständig zu sein, stattdessen gibt es auch Adjektival- (nfr wj "ich bin gut"), Substantival- (ntf "er ist ein Gott") und Adverbialsätze ( "der Wind ist hinter dir").
Textbeispiel
Das folgende Textbeispiel bildet einen Auszug aus der
Geschichte des Sinuhe, einer fiktiven Biographie aus dem Mittleren Reich.
| Tod des Amenemhet I.
|
| rnp-t:zp-10*10:10-Abd:Z2-SA-x:t-ra-Z1*Z1*Z1*Z1:Z2-a:r-N31-nTr-r-Axt-!
| t:pr-f-sw:t-bit:t-<-ra-s-Htp:t*p-ib:Z1->-s-Hr:r-pt:f-r-p*t:pt-!
-Xnm-m-Y1-m-i-t:n:ra-nTr-H-a:F51-Ab-b-x:Z9-Y1-m-ir-!
-sw-w-i-w-Xn:n-nw-w-O49-m-s-g:r-A2-ib:Z1-Z3-m-gm-!
m-w-wr:Z2-r-w-t:y-pt-wr:r-t:y-pt-x:t-m-!
w-S20:D40-Sn:n-i-i-t-A21-A1:Z2-m-tp:Z1-Hr:Z1-mA-st-t-D56-!
-p:a:t-A1*B1:Z2-m-i-M-m-A2-Z3
rnp.t-zp 30 3bd 3 3ḫ.t sw 7. jˁr nṯr r 3ḫt=f nswt-bjtj sḥtp-jb-rˁ sḥrj=f r p.t ẖnm m jtn ḥˁw-nṯr 3bḫ m jrj sw jw ẖnw m sgr jb.w m gm.w rw.tj wr.tj ḫtmw šny.t m tp ḥr m3st pˁt m jm
| Jahr 30, 3. Monat der Achet-Jahreszeit, 7. Tag. Der Gott stieg auf seinem Horizont, der König von Ober- und Unterägypten Sehetepibre (Amenemhat), er entfernte sich zum Himmel und vereinigte sich mit der Sonne. Der Leib des Gottes vereinigte sich mit dem, der ihn geschaffen hatte. Die Residenz war in Schweigen und die Herzen waren in Schwäche, das große Doppeltor war geschlossen, der Hofstaat hatte den Kopf auf den Knien, die Adligen waren in Klage.
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Quellen
Literatur
Grammatiken
- A. H. Gardiner: Egyptian Grammar, Oxford, 3. Aufl. 1957 (monumentale Grammatik des Mittelägyptischen)
- Erhart Graefe, Jochem Kahl: Mittelägyptische Grammatik für Anfänger. 6. verbesserte Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04469-1 (knapp gehaltene Einführung)
- Elmar Edel: Altägyptische Grammatik. Analecta Orientalia 34 und 39, Rom 1955/1964 (Monumentale Grammatik des Altägyptischen, auch für das Mittelägyptische wichtig)
- Karl Jansen-Winkeln: Spätmittelägyptische Grammatik der Texte der 3. Zwischenzeit. Harrassowitz, Wiesbaden 1996 ISBN 3-447-03800-4
Studien zur Grammatik
- Éric Doret: The narrative verbal system of Old and Middle Egyptian. (Cahiers d'Orientalisme, Nr. XII) Cramer, Genf 1986
- Jürgen Osing: Die Nominalbildung des Ägyptischen. Zabern, Mainz 1976 (2 Bände)
Wörterbücher
Weblinks
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