Mitanni war der bedeutendste hurritische Staat der Geschichte. Im 15. und frühen 14. Jahrhundert v. Chr. umfasste er den Norden Mesopotamiens und Syriens. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zu seinem Ende in der Mitte des 13. Jahrhunderts handelte es sich nur noch um einen Kleinstaat im Gebiet der Quellflüsse des Habūr.
Der Beginn des Staates liegt völlig im Dunkeln. Mitannis Könige trugen ausschließlich nichthurritische Herrschernamen, von denen einige eindeutig als indoarisch identifiziert worden sind. Da sie zum Teil auch auf indoarische Gottheiten schworen und in Mitanni zudem indoarische Termini für das Pferdetraining verwendet wurden, ist vermutet worden, dass sich Indoarier irgendwann an die Spitze hurritischer Fürstentümer oder Stammesverbände gesetzt hatten. Einer anderen Ansicht zufolge waren (spätere) hurritische Eliten zu einem unbekannten Zeitpunkt von indoarischem Kulturgut beeinflusst worden, wofür auch sprechen würde, dass einige Mitanni-Könige vor ihrer Thronbesteigung hurritische Namen trugen. Mangels hinreichender Belege ist diese Frage derzeit leider nicht entscheidbar. Jedenfalls wurde die in Halab ansässige Dynastie (Idrimis Vorfahren) zwei oder drei Generationen vor Idrimi vertraglich an das junge Hurriterreich gebunden – eine Vorgehensweise, die ebenso im Falle Assurs und (später) Kizzuwatnas angewandt wurde und die vielleicht auch typisch für die Entstehung des Reiches gewesen war. Um 1500 wurden Idrimi und seine älteren Brüder vertrieben, offenbar weil sich Halab seinem mitannischen Oberherrn gegenüber nicht mehr willfährig verhielt. Nach mehrjähriger Flucht unterwarf sich Idrimi dem Mitanni-König Parrattarna. Um der Eide willen, die sich die beiden Herrscherfamilien einst geschworen hatten, wurde Idrimi mit der Provinz Mukiš und ihrer Hauptstadt Alalach ausgestattet, welche auch schon von seinen Vorvätern regiert worden war.
Eine knappe biographische Notiz von Idrimis älterem Zeitgenossen, dem Pharao Thutmosis I. (1504-1492), könnte auf eine erste Begegnung zwischen Ägypten und Mitanni im Zuge von Thutmosis’ Syrien-Kampagnen hindeuten. Seinem Enkel zufolge soll Thutmosis I. sogar eine Stele am Ostufer des Euphrat aufgestellt haben. Ob die vom König von Qadeš geführte syrische Koalition, die sich dem Pharao Thutmosis III. (1479-1425) bei der Schlacht von Megiddo 1456 entgegenstellte, tatsächlich (wie zuweilen behauptet) von Mitanni angestiftet wurde, ist zweifelhaft. Sicher belegt ist die Konfrontation zwischen Mitanni und Ägypten erst für 1446. Nachdem Thutmosis III. mehrere Kampagnen zur Konsolidierung seiner Stellung in Südsyrien unternommen hatte, konnte er nun weiter nordwärts ziehen. Am „Wacholderhügel“, westlich von Halab, schlug er den König von Mitanni, welcher über den Euphrat floh. Auch Thutmosis III. zog nun gen Osten, setzte mit in Gubla vorgefertigten Booten in der Nähe von Karkemiš auf die östliche Euphratseite über, pflanzte seine Siegesstele neben der seines Großvaters auf und verwüstete das Land flussabwärts bis Emar. Dass er danach auf seinem Weg nach Westen in Zentralsyrien aber noch weitere Kämpfe auszufechten hatte und auch 1445 wieder nach Syrien ziehen musste, könnte auf die keineswegs entschiedene Situation im Kampf mit Mitanni hindeuten, zumal schon 1444 im syrischen Raum erneut mitannische Truppen standen. Möglicherweise war deren Niederlage nun der Grund dafür, dass sogar das nordsyrische Alalach dem Pharao „Sklaven, Kupfer, Bauholz und süße Pflanzen“ sandte. Wie unsicher die Situation für Ägypten in dieser Region aber dennoch blieb, zeigen etwas später Aufstände im Libanon und im syrischen Küstenbereich, im Zuge deren Niederschlagung auch Soldaten aus dem mitannischen Einflussgebiet gefangen genommen wurden.
Während Ägypten in südsyrischen Städten wie Ullaza oder Gubla zeitweilig Garnisonen unterhielt, wurde Nordsyrien sicherlich niemals nachhaltig durch Ägypten kontrolliert. Wir dürfen bei der Bewertung der mitannisch-ägyptischen Auseinandersetzungen nicht außer Acht lassen, dass unser Wissen mangels Quellen aus Mitanni selbst im Wesentlichen auf der mit Sicherheit tendenziösen Annalistik ägyptischer Herrscher beruht. Mitanni hatte in der Mitte des 15. Jahrhunderts offenbar den gesamten nördlichen Bogen entlang des Fruchtbaren Halbmondes von Arrapcha am Unteren Zāb im Osten bis in die nördliche Levanteregion im Westen an sich gebunden. Auch die nordsyrische Küstenstadt Ugarit war vorübergehend mitannisch, wurde aber meistenteils von Ägypten kontrolliert. Der Einfluss Ägyptens reichte allerdings aufgrund des Einsatzes seiner Flotte in der Küstenregion weiter nach Norden als im Landesinneren. Im Norden Mesopotamiens waren die hurritischen Länder Išuwa und Alše im Quellgebiet des Tigris zeitweilig in mitannischer Hand. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts löste sich Kizzuwatna vom Hethiterreich und verband sich mit Mitanni. Aber schon im selben Zeitraum wurde der Ehrgeiz der künftigen Erben des Mitanni-Reiches spürbar. Zum einen bot sich das Hethiterreich dem Pharao mittels Geschenken als Koalitionär an und war vorübergehend in der Lage, Halab an sich zu binden. Zum anderen machte sich das Mitanni untertänige Assur selbständig und erneuerte seine Verbindungen mit Babylon, was eine Wiedereinnahme und Plünderung der Stadt durch den Mitanni-König Šauštatar nach sich zog.
Thutmosis’ III. Sohn Amenophis II. (1427-1401) sah sich zu Beginn seiner Regierung noch zu mehreren Expeditionen nach Syrien genötigt. Es ist jedoch ein Zeichen der Ausgeglichenheit des Kräfteverhältnisses zwischen Mitanni und Ägypten, dass er später mit dem Hurriterstaat diplomatische Beziehungen aufnahm, die zunächst zwar noch von Waffengeklirr begleitet waren, allmählich aber doch zu einer dauerhaften Aussöhnung führten. Amenophis’ Sohn, Enkel und Urenkel nahmen mitannische Prinzessinnen in ihre Harems auf. Ein besonderer Verbundenheitsbeweis war die zweimalige Versendung der heilkräftigen Šawuška-Statue von Ninive durch die Mitanni-Könige Šuttarna II. und Tušratta an ihren kranken „Bruder“ Amenophis III. (1391-1353). In Amarna sind viele Zeugnisse eines regen Austausches von Briefen und Geschenken zwischen Theben und Waššukanni geborgen worden. So schreibt Tušratta: „Wir sind einander einig, und das hurritische Land und das ägyptische Land sind wie ein einziges Land einig. Ich bin wie der Herr des ägyptischen Landes, und mein Bruder ist wie der Herr des hurritischen Landes.“ In diesen Worten schwingt aber auch schon Tušrattas Wunsch mit, sich zur Bewältigung neuer Probleme an die Stärke des Pharao anzulehnen.
Bis in die ersten beiden Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts war Mitanni ein recht stabiler Machtfaktor im Vorderen Orient. Nach dem Tode Šuttarnas II. entbrannte jedoch zwischen dessen Söhnen ein Kampf um den Thron: Tušratta ermordete den Thronfolger Artašumara und riss die Herrschaft an sich, während ein weiterer Prätendent, Artatama II., sowohl im Hethiterreich als auch in Assur um Unterstützung seiner Ansprüche warb. Die deswegen zu befürchtende Unzuverlässigkeit Mitannis wird wohl Šunaššura von Kizzuwatna veranlasst haben, sich unter Berufung auf ein altes Abkommen dem Mitanni-Reich ab- und dem Hethiterreich zuzuwenden. Jedenfalls fand der flüchtige Artatama II. am Hofe des zu dieser Zeit noch recht unbedeutenden Assur Gehör. Artatama II. und seinem Sohn Šuttarna III. mangelte es offenbar fast gänzlich an einer eigenen Hausmacht. Sie erkauften sich die Unterstützung Assurs unter anderem durch die Auslieferung von Mitannis königlichem Schatz an die Stadt am Tigris. Der Feldzug, den Aššur-Uballit I. von Assur um 1340 zur Durchsetzung der Thronansprüche Artatamas II. und Šuttarnas III. bis in die nördliche Euphratregion unternahm, gilt gemeinhin als die Geburtstunde des mittelassyrischen Reiches. Die darauf folgende die Kampagne des Hethiterkönigs Šuppiluliuma I. zur Unterstützung Šattiwazas, des Sohnes von Artatamas Gegenspieler Tušratta, wird hingegen als der Beginn des Hethitischen Großreiches betrachtet. Das ehemalige Reich Mitanni zerfiel somit in das Kernland des Mittelassyrischen Reiches, einige neu entstandene hethitische Provinzen westlich des Balīh sowie – dazwischen gelegen – das Königreich, das von den Hethitern Mitanna genannt wurde. Šattiwaza, Nachfahre der Mitanni-Herrscher, nun aber erster König des Kleinstaates Mitanna, musste die Suzeränität des Hethiterkönigs anerkennen und obwohl Šuppiluliuma I. noch verkündete, „das tote Land wiederherstellen“ zu wollen, ist die nun folgende Geschichte gekennzeichnet vom Ringen der beiden neuen Großmächte um eine kleine Provinz, die bei den Hethitern Mitanna und bei den Assyrern Hanigalbat hieß. Sie wurde unter Salmanassar I. (1273-1244) endgültig in das assyrische Reich eingegliedert.
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