Der Begriff Missverständnis bezeichnet den Unterschied zwischen dem, was auf der einen Seite der Sender gemeint und auf der anderen Seite der Empfänger verstanden hat. Kennzeichnend für Missverständnisse ist, dass sie erst dann bemerkt werden, wenn sie schon passiert sind. Dies ergibt sich aus der Abfolge von Senden, Empfangen und Interpretieren.
Doch wird nicht jedes Missverständnis bemerkt; ein Mensch wird nie in der Lage sein, die Intention eines jeden Satzes vollständig zu verstehen, da Terme für unterschiedliche Sprecher unterschiedliche Bedeutungen haben.
Dennoch ist der Mensch kontinuierlich darauf angewiesen auf das Verstehen der Intention zu vertrauen. Dieses Vertrauen kann aber eine Fehlinterpretation verursachen: eine noch ungesicherte Annahme wird zu hoch bewertet, und als gesichertes Wissen gesehen. Ein Missverständnis.
Am Beispiel des Stille-Post-Spielens lassen sich Folgeketten von Missverständnissen treffend beschreiben: Bei der Weitergabe von Nachrichten wird die ursprüngliche Meldung verfälscht. Missverständnisse werden hier nicht vereitelt: Die Rückfrage entfällt, das Verstandene wird unter hinzufügen der eigenen Interpretation weitergegeben.
Folgeketten von Missverständnissen müssen jedoch - wie beim Stille-Post-Spiel - nicht unbedingt über mehrere Empfänger/Sender gehen. Für fatale Folgen aus Folgeketten von Missverständnissen reicht aus, wenn zwei Sender/Empfänger sich gegenseitig wiederholt missverstehen und auf diesen Missverständnissen ihre weitere Kommunikation aufbauen.
Das Missverständnis ist ein bestimmender Teil etlicher Erzählungen; die volkskundliche Erzählforschung differenziert zwischen drei Arten: das falsche Verstehen von Worten, die falsche Auffassung einer gemeinten Aussage und das gegenseitige Nichtverstehen aufgrund unterschiedlicher Ansichten. Dabei handelt es sich jeweils entweder um ein akustisches Problem (z. B. bei Schwerhörigen) oder um ein sprachliches (z. B. im Falle einer Fremdsprache) oder um ein semantisches (z. B. durch das Wörtlichnehmen einer Redensart) oder um ein provoziertes (z. B. aufgrund von Täuschung mithilfe eines Homonyms) oder um ein kulturelles (z. B. im Zuge einer eingeschränkten Wahrnehmung der Realität). Ernste Missverständnisse enden oft tragisch und sind daher Bestandteil von Sagen. Lächerliche Missverständnisse werden hingegen in Schwänken und Witzen thematisiert.
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