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Jane Marple, bekannter als Miss Marple, ist eine Romanfigur in mehreren Kriminalromanen und Kurzgeschichten von Agatha Christie (18901976).

Miss Marple ist in den Romanen eine kultivierte, groß gewachsene, etwas blasshäutige Dame aus der oberen Mittelschicht. Sie wird 1930 im Alter von ca. 65 Jahren "geboren". Außer ihrem Neffen Raymond West hat sie keine engeren Verwandten mehr und war auch nie verheiratet. Miss Marple lebt in dem fiktiven kleinen Dorf St. Mary Mead, einem typischen englischen Örtchen in der ebenso fiktiven Grafschaft Downshire. Trotzdem ist das Dorf keineswegs ein verschlafenes Nest: In einem Zeitraum von etwa vierzig Jahren gab es sechzehn Morde - fünf durch Gift, zwei durch Schüsse, zwei durch Ertränken, zwei durch Erwürgen und fünf durch ungeklärte Ursachen. Hinzu kamen vier Mordversuche durch Gift, Ersticken und Schläge auf den Kopf, außerdem fünf Raubüberfälle, acht Unterschlagungen und zwei Serien von Erpressungen. Sie alle wurden von Miss Marple aufgeklärt.

Miss Marple trat zuerst in einer Serie von Kurzgeschichten im britischen "The Sketch Magazine" in Erscheinung. Hier war sie Mitglied im "Tuesday Club", einer Diskussionsrunde in St. Mary Mead, die sich mit ungeklärten Verbrechen befasste. Weitere Mitglieder des Clubs waren der örtliche Pfarrer, Miss Marples Neffe, Raymond West, ein erfolgreicher Schriftsteller, seine Verlobte Joyce, eine Künstlerin und andere. Es war jedoch immer Miss Marple, die die Lösung zu den Verbrechen fand. Diese Kurzgeschichten wurden mit fünf anderen im Buch "The Thirteen Problems" (1932, US-Titel "The Tuesday Club Murders") zusammengefasst, allerdings erst zwei Jahre nach dem ersten Miss-Marple-Roman "Mord im Pfarrhaus" (Murder at the Vicarage) (1930) herausgegeben.

Agatha Christie bedauerte später, ihren Lieblingscharakter als alte Dame erschaffen zu haben und die "besten Fälle" deshalb dem "jüngeren" Hercule Poirot überantworten zu müssen. 1976 begegnen wir ihr in "Ruhe unsanft" zum letzten Mal. Zu diesem Zeitpunkt ist Miss Marple somit, wenn man die Jahre ihrer Aktivitäten zusammenrechnet, etwa 111 Jahre alt.

Dementgegen steht die Miss Marple aus den bekannten Filmen: Eine liebenswert schrullige, alte Jungfer, aber wenn es um das Lösen von Rätseln geht, beweist sie ihren scharfen, logischen Verstand. In bester Krimitradition erstaunt sie dabei die örtlichen professionellen Gesetzeshüter, indem sie normalerweise Analogien zu früheren Ereignissen und Personen aus dem Dorfleben herstellt.

Die bekannteste Darstellerin war die britische Schauspielerin Margaret Rutherford, welche die schrullige alte Dame in vier Filmen von 1960 bis 1964 verkörperte.

Miss Marple ist aber auch der Name für eine Software für License Management.

Bücher mit Miss Marple


  • 1930: The Murder at the Vicarage (dt.: Mord im Pfarrhaus)
  • 1932: The Thirteen Problems (dt.: Der Dienstagabend-Klub)
  • 1942: The Body in the Library (dt.: Die Tote in der Bibliothek)
  • 1943: The Moving Finger (dt.: Die Schattenhand)
  • 1950: A Murder is Announced (dt.: Ein Mord wird angekündigt)
  • 1952: Murder With Mirrors (dt.: Fata Morgana)
  • 1953: A Pocketful of Rye (dt.: Das Geheimnis der Goldmine)
  • 1957: 4.50 from Paddington (dt.: 16 Uhr 50 ab Paddington)
  • 1962: The Mirror Crack'd from Side to Side (dt.: Mord im Spiegel)
  • 1964: A Caribbean Mystery (dt.: Karibische Affäre)
  • 1965: At Bertram's Hotel (dt.: Bertrams Hotel)
  • 1971: Nemesis (dt.: Das Schicksal in Person)
  • 1976: Sleeping Murder (dt.: Ruhe unsanft)

Filme und Fernsehserien


In der Regie von George Pollock spielte Margaret Rutherford Miss Marple in vier Filmen, von denen allerdings nur Murder, She Said auf einer Originalbuchvorlage von Agatha Christie basiert, nach der Geschichte 4.50 from Paddington. Die beiden nächsten schrieb Agatha Christie ursprünglich als Hercule-Poirot-Geschichten und der letzte Film wurde von Drehbuchschreibern erfunden. Die Musik zu diesen vier Filmen schrieb der britische Komponist Ron Goodwin. In den Verfilmungen mit Margaret Rutherford ist der Ort, an dem Miss Marple lebt, das fiktive Dorf Milchester.

Ein fünfter Film mit dem möglichen Titel Murder without End, den man bei dem Abspann von „Der Wachsblumenstrauß“ hätte erwarten können, wurde nie realisiert.

Miss Marple wird in den Filmen begleitet von dem Bibliothekar Mr. Stringer, dargestellt von Stringer Davis, der im realen Leben der Ehemann von Margaret Rutherford war. Die beiden hatten in diesen Rollen noch einmal einen kurzen Gastauftritt in „Die Morde des Herrn ABC“ (The Alphabet Murders, 1965) mit Tony Randall (ebenfalls mit der Musik von Ron Goodwin).

Sehr viel werktreuer waren dagegen die Verfilmungen im Rahmen einer BBC-Fernsehserie aus den 1980er-Jahren mit Joan Hickson als Miss Marple. Die Titelmusik zu dieser Serie stammt von Alan Blaikley. In der Verfilmung von Murder She Said mit Margaret Rutherford von 1961 spielt Joan Hickson übrigens schon eine Nebenrolle.

In der Verfilmung The Mirror Crack'd (dt.: „Mord im Spiegel“) aus dem Jahr 1980 spielte Angela Lansbury Miss Marple. Auch die spätere Fernsehserie Murder, She Wrote (dt. „Mord ist ihr Hobby“) mit Angela Lansbury als Krimiautorin Jessica Fletcher weist in gewissem Maße Parallelen zu den Romanfiguren der Miss Marple und der Ariadne Oliver aus den Romanen von Agatha Christie auf.

In den 1980er-Jahren gab es ebenfalls zwei amerikanische Fernsehfilme mit Helen Hayes als Miss Marple, zu der Lee Holdridge die Musik schrieb.

Zur Zeit (2004) wird vom englischen TV-Sender ITV eine neue Miss-Marple-Serie mit Geraldine McEwan in der Hauptrolle produziert. Für die Musik in dieser Serie wird Dominik Scherrer zuständig sein.

Diese aus vier Teilen bestehende Fernsehserie mit Geraldine McEwan ist am 14. März 2005 als englisches Original auf DVD erschienen.

Zitat


  • „The young people think the old people are fools, but the old people know the young people are fools.“ – Miss Marples Motto in verschiedenen Büchern und Kurzgeschichten.

Literatur


  • Anne Hart: Agatha Christie's Miss Marple - Ihr Leben und ihre Abenteuer, nach "Originaldokumenten verfasst". Scherz, Bern 1994, ISBN 3-502-51447-X
  • Georg Seeßlen: George Pollock und die britischen Miss Marple-Filme in ders.: Mord im Kino. Geschichte und Mythologie des Detektiv-Films. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-17396-4

Weblinks


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