Rubik.jpgMirditen.jpg
Die Mirdita (albanisch auch Mirditë) ist eine gebirgige Region in Nordalbanien. Ursprünglich war sie Siedlungsgebiet der Mirditen, eines der wichtigsten nordalbanischen Stämme.
Bedeutung und Herkunft des Namens
Mirdita kann man als das
"Gut-Tag-Land" bezeichnen, da
mirëdita auf
Albanisch guten Tag heißt.
Die Legende besagt, dass ein Mann bei seinem Tod drei Söhne hinterließ. Sein ganzer Besitz bestand aus einem Sattel und einem Sieb. Der älteste nahm den Sattel (albanisch: Shala), der zweitälteste das Sieb (albanisch: Shosha). Dem jüngsten Bruder blieb nicht anders übrig, als den anderen Guten Tag zu wünschen. Und so seien die drei Stämme der Shala, Shosha und der Mirditen zu ihren Namen gekommen.
Eine andere Deutung sieht den Ursprung in der Lage der Region. Von der Küste aus liegt die Mirdita im Osten, dort wo die Sonne aufgeht. Mirdita ist also der Ort, wo der neue Tag beginnt.
Geographie
Das Gebiet der Mirdita wird nach Westen von der Küstenebene und dem
Meer durch eine Gebirgskette (knapp 1000 Meter hoch) getrennt. Dahinter liegt eine stark zerfurchte und
erodierte Hochebene, die heute eher als Hügelland zu bezeichnen ist und vor allem im Osten und Norden in höhere Gebirgszüge bis auf 2100 Meter übergeht. Die Durchschnittshöhe der Landschaft liegt auf rund 400 Meter über Meer.
Der Fluss Fan entwässert die ganze Mirdita. Ganz im Südwesten der Region fließt er in den Mat, der dort in einer Schlucht die Berge zur Küste durchbricht.
Die rote Erde weist auf das Vorkommen mineralischer Rohstoffe hin, die an verschiedenen Orten auch abgebaut wurden. Von Bedeutung ist insbesondere der Kupfer-Bergbau mit Bergwerken in Rubik und Kurbnesh. Das Einbrechen der Weltmarktpreise, vollkommen veraltete Technik und fehlende Investoren ließen diese Industrie nach dem Zusammenbruch des Kommunismus aber zum Stillstand kommen.
Die Mirdita ist schwach besiedelt. Es gibt lediglich drei größere Ortschaften: Der moderne Hauptort Rrëshen (9.240 Einwohner - 2001) sowie die kleinen Bergwerkstädte Rubik (2.300 Einwohner - 2005, Schätzung)) und Kurbnesh (1.400 Einwohner - 2005, Schätzung)). Die Dörfer verlieren sich in der hügeligen Landschaft.
Geschichte
Mirdite.jpg
Zentrum des Kanun
Die Mirdita war über Jahrhunderte ein Zentrum des gesellschaftlichen und spirituellen Lebens der nordalbanischen Stämme. Damaliges Zentrum war der Ort
Orosh. Hier trafen sich einerseits die Familienoberhäupter der Mirditen zu Beratungen, einer Art
Landsgemeinde resp.
Thing. Von großer Bedeutung war auch die Abtei von
Orosh, aus der das heutige
Bistum Rrëshen hervorgegangen ist. Wie die anderen Stämme der Region waren auch die Mirditen
katholisch (noch heute leben im Bezirk mehr als 90 Prozent Katholiken).
Obwohl die Nordalbaner keine zentrale Herrschaft anerkannten, gab es auch eine Art weltliche Autorität in Orosh. Der Kapedan ("Kapitän"), der jeweils vom Oberhaupt der Familie Gjonmarku gestellt wurde, war Anführer der Mirditen und letzte Instanz in Entscheidungen und Streitfragen. Die Rechte der privilegierten Familie und die Rolle des Kapedan waren im Kanun genau umschrieben. Jeder Mirdite, der jemanden tötete, musste den Gjonmarku eine Abgabe zahlen. Sogar die Osmanen, unter denen die Mirditen stark litten, anerkannten die Vorrangsstellung der Gjonmarku.
Republik Mirdita
Nach dem
Ersten Weltkrieg kam es in der Mirdita zu einem inneren Machtkampf, nachdem der Kapedan ohne männliche Nachkommen gestorben war. Der unbeliebte und enterbte Neffe
Gjon Marka Gjoni versuchte trotzdem, an die Macht zu kommen. Von den
Jugoslawen erbat er sich (finanzielle) Unterstützung, die er auch erhielt, da
Belgrad an einer Destabilisierung des jungen albanischen Staates interessiert war. Er forderte die Mirditen erfolglos auf, sich gegen die
"türkische" (= muslimische) Regierung in Tirana zu erheben. In der Folge rief Gjon Marka Gjoni, der des Lesens und Schreibens nicht mächtig war, am
17. Juli 1921 in
Prizren die
Republik Mirdita aus, erklärte sich zu deren Präsidenten und verlangte vom
Völkerbund die Anerkennung. Das aussichtslose Unternehmen wurde bald nicht einmal mehr von Jugoslawien unterstützt, das Gjoni aber trotzdem mit Waffen und Soldaten versorgte. Albanischen Regierungstruppen unter
Bajram Curri gelang es, die fremden Truppen, zu denen nur wenige Mirditen gehörten, zurückzuschlagen. Im November 1921 floh Gjon Marka Gjoni wieder nach Prizren. Die Mirditen erklärten sich nach Verhandlungen unter der Leitung von
Ahmed Zogu loyal zur albanischen Regierung.
Als Überrest der Republik Mirdita tauchen gelegentlich Briefmarken der Republik Mirdita im Handel auf.
Industrialisierung
In der Volksrepublik Albanien erlangte die Mirdita als rohstoffreiche Region an Bedeutung. Neben der Holzwirtschaft war insbesondere der
Kupfer-
Bergbau von Bedeutung. Hierzu wurden in den
60er Jahren die drei Städte Rrëshen, Rubik und Kurbnesh erbaut. In Rubik wurde ein metallurgische
Fabrik errichtet. Später folgte dann noch der Bau der
Eisenbahn-Strecke von
Milot nach Rrëshen. Die
albanische Eisenbahn hat die Strecke ab Rubik zwischenzeitlich wieder (teilweise) demontiert.
Ein Teil der Bergwerkarbeit wurde im sozialistischen Albanien von Strafgefangenen, politischen Häftlingen und Internierten vollbracht. So auch in der Mirdita. Das Bergwerk von Spaç im Norden der Mirdita gehörte zu den berüchtigtsten Arbeitslagern Albaniens. Die Häftlinge lebten dort unter primitivsten hygienischen Bedingungen, erhielten nur unzureichend Nahrung und hausten in Unterkünften, die sie kaum vor der winterlichen Kälte schützten. Die Arbeitsanforderungen waren extrem. Hinzu kamen Isolationshaft und oft auch Folter.
Albanien_Kreis_Mirdita.png
Kreis Mirdita
Der
Kreis Mirdita (albanisch:
Rrethi i Mirditës) ist einer der 36
Verwaltungskreise Albaniens. Der Kreis mit einer Fläche von 867 km² gehört zum
Qark Lezha. Er hat ca. 37.000 Einwohner (2001). Hauptort ist
Rrëshen.
Gemeinden
Städte: Rreshen,
Rubik
Gemeinden: Fan, Kaçinara, Kthella, Orosh, Selita
Wirtschaft
Die Wirtschaft liegt aktuell am Boden. Der Zusammenbruch des Kommunismus brachte das Ende für die Bergwerke und Industrie mit sich. Zehntausende von Personen aus dem Kreis Mirdita haben seit
1990 die Region verlassen, um entweder im Ausland oder den urbanen Zentren Albaniens Arbeit zu finden. Andere zogen in die Küstenebene, weil die kleinen Grundstücke in den wenig fruchtbaren Bergen sie nicht mehr zu ernähren vermochten. Viele Zurückgebliebene leben von den Überweisungen der Migranten.
Die Mirdita wird von der Hautpverbindungsstraße von Durrës nach Kosovo durchquert. Vom Ausbau dieser Straße könnte die ganze Region profitieren.
Weblinks
Geographie (Albanien) | Kreis (Albanien)
Mirditë District | ミルディタ県 | Okręg Mirdita | Distrito de Mirditë | Districtul Mirditë | Rrethi i Mirditës | Област Мирдите | Mirditë distrikt