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Mircea Eliade (* 9. März 1907 in Bukarest; † 22. April 1986 in Chicago) war ein rumänischer Religionshistoriker, Essayist und Romancier, der auch sehr persönlich geprägte Schriften zur Religionsethnologie verfasste.

Er lehrte zuerst in Bukarest, dann in Paris und schließlich in Chicago. Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Werken gehören: "Kosmos und Geschichte" (1949), "Die Religionen und das Heilige" (1949), "Das Heilige und das Profane" (1957) Die Geschichte der religiösen Ideen (1976-1983), Yoga - Unsterblichkeit und Freiheit, Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, Mythen, Träume und Mysterien u. a.

Sein literarisches Werk umfasst Romane (Das Mädchen Maitreyi), fantastische Erzählungen (Nächte in Serampore, Das Geheimnis des Doktor Honigberger) und Reisebeschreibungen (Indisches Tagebuch).

Politisch stand er zeitweilig den rumänischen Faschisten nahe, 1938 trat er der Eisernen Garde (Legion des Erzengels Michael) in Rumänien bei. Hier wurde er - genauso wie bei vielen Grundzügen seiner Arbeiten - durch seinen rumänischen Doktorvater Nae Ionescu beeinflusst.

Eliade gehörte zu den Phänomenologen der Religionswissenschaft. Es ging ihm darum, die tiefere Bedeutung religiöser Phänomene zu begreifen und er vertrat die Ansicht, dies sei nur durch ein Verstehen von "innen heraus" möglich: durch ein Erfassen des Glaubens auf der Gefühlsebene. Er führte damit eine im Wesentlichen von Rudolf Otto gegründete Richtung der Religionswissenschaft fort, in der das Vergleichen und Verstehen religiöser Erfahrung in den Vordergrund gerückt wurde. Eliade erachtete zwar auch den systematischen Aspekt der Religionswissenschaft als durchaus wichtig, aber "sobald es sich um spirituelle Werte handelt, vermag er den Reichtum des Gegenstandes nicht zu erschöpfen." Zugunsten dieser phänomenologischen Forschung verzichtete er meistens darauf, historische Kontexte genauer zu betrachten - es ging ihm um die übergeschichtliche Bedeutung religiöser Phänomene, darum, religiöse Archetypen festzustellen. In seinen Betrachtungen ging Eliade stets von der Wirklichkeit der religiösen Phänomene aus. Ob er tatsächlich an sie glaubte, lässt er weitgehend offen, als Methode aber steht sie für ihn fest.

Philosophisch setzte er sich für eine Aufwertung von Mythos und Religion ein und suchte noch in einer für ihn entzauberten modernen Welt nach Überbleibseln religiösen Verhaltens. Er stellte fest, dass das mythische Denken keineswegs nur eine Erscheinung vergangener Zeiten ist, sondern dass auch das Weltbild des modernen Menschen von mythischen Denkstrukturen geprägt ist. Sie werden zwar nicht mehr als solche erkannt, funktionieren aber in gleicher Weise wie bei unseren archaischen Vorfahren. Eliade erkannte, dass die ganze moderne Welt mit "verkappten Mythologien" durchflochten ist ("Das Heilige und das Profane"). Er betonte, dass die Überlegenheit des modernen Menschen gegenüber dem "Primitiven" nur scheinbar, ja dass in vielen Teilen sogar das Gegenteil der Fall sei. Er beschreibt die tiefe, metaphysische Bedeutung mythischer Ontologie und ihre Vorteile gegenüber dem entsakralisierten Bewusstsein.

Bedeutung für den modernen Schamanismus

Für den modernen sowie esoterischen Schamanismus ist Eliade eine Art Übervater auf den sich praktisch jeder Autor beruft. Eliade hatte als einer der ersten Europäer konstatiert, dass der Schamane in seiner Trance den Körper (tatsächlich oder scheinbar) verlässt und eine außerkörperliche Erfahrung macht. Interessanterweise sagt Eliade an keiner Stelle seines Hauptwerkes Schamanismus und archaische Ekstasetechnik expressis verbis, dass tatsächlich ein feinstofflicher Geist den Körper verlässt. Eliade lässt allerdings zwischen den Zeilen klar durchblicken, dass er von diesem Sachverhalt ausgeht. Mit seinem Werk über den Schamanismus wirkt Eliade der in Fachkreisen weit verbreiteten Meinung entgegen, es handele sich bei schamanischen Erfahrungen um pathologische Zustände.

Literatur


  • Richard Reschika: Mircea Eliade zur Einführung, Hamburg: Junius, 1997, ISBN 3885069601
  • Florin Turcanu Mircea Eliade. Le prisonier de l'histoire Paris: La Découverte, 2003 (in Französisch. Über seine "faschistische Periode". Auch in Rumänisch erhältlich) ISBN 2707129542

Weblinks


Mann | Rumäne | Autor | Geboren 1907 | Gestorben 1986 | Religionswissenschaftler

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