mini-disc.jpg Die MiniDisc (MD) ist ein magnetisch-optisches Speichermedium – hauptsächlich verwendet für Musik – und wurde als Nachfolger der Compact Cassette (CC) positioniert, aber eigentlich als Nachfolger der DAT-Kassette für den Consumer-Bereich entwickelt, nachdem dort der Erfolg ausblieb. Es gibt auch Datenlaufwerke, die sich jedoch in Europa kaum durchgesetzt haben. Man findet sie allerdings heute noch in manchen Tonstudios.
Die MiniDisc wurde durch die Firma Sony entwickelt und im Mai 1991 vorgestellt. Der Verkauf begann ein Jahr darauf. Durch Lizenzvergabe seitens Sony gab es bis vor einigen Jahren auch zahlreiche andere Hersteller von MD-Geräten. Die bekanntesten sind Sharp, Panasonic, Technics, Aiwa, JVC, Kenwood, Pioneer und Onkyo. Das Angebot ist jedoch durch das Aufkommen der MP3-Player stark zurückgegangen und in Europa beschäftigen sich nur noch einige wenige Hersteller mit dem Thema MD, allen voran Sony. In Japan dagegen hat die MiniDisc nichts an ihrer Beliebtheit verloren, vor allem weil sie dort ähnlich stark verbreitet ist wie hierzulande die CD.
ATRAC benutzt ähnlich wie AAC ein psychoakustisches Modell, um die zwar vom menschlichen Ohr wahrnehmbaren, aber nicht mehr vom Gehirn verarbeitbaren Anteile der Musik zu entfernen und damit Speicherplatz zu sparen. Der ATRAC-Codec wurde seit der Einführung der MD im Jahre 1992 ständig weiterentwickelt. Standard-ATRAC verwendet eine Datenrate von 292 kbps. Nachträglich wurde dann das MDLP-Format (ATRAC3) eingeführt, mit dem auf eine 80-Minuten-Disc 160 (LP2) bzw. 320 (LP4) Minuten Musik passen. Die Abkürzung LP steht in diesem Falle für Longplay. Dabei wird die Musik mit 132 (LP2) bzw. 66 kbps (LP4) komprimiert, was jedoch besonders im LP4-Modus eine deutliche Verschlechterung der Tonqualität bewirkt.
Eine weitere Bohrung im Gehäuse dient als Indikator, ob die MiniDisk beschrieben werden darf, und wird ebenfalls durch einen Schalter abgetastet. Im Falle von wiederbeschreibbaren MDs lässt sie sich durch einen Schieber öffnen und schließen und dient so als Schutz gegen versehentliches Überschreiben einer vorhandenen Aufnahme, bei fertig bespielten MDs ist sie stets offen.
Die MiniDisc-Geräte hatten als erste Audiogeräte einen eingebauten Pufferspeicher (bei stationären Abspielgeräten in der Regel sechs Sekunden und bei heutigen tragbaren Geräten über 200 Sekunden), der das fehlerfreie Abspielen bei Vibrationen oder Stößen ermöglichte. Die Audiodaten werden mit höherer Geschwindigkeit, als für die eigentliche Klangwiedergabe benötigt, in den Speicher eingelesen, bevor sie in normaler Geschwindigkeit (je nach Datenrate) für die Digital-Analog-Wandlung wieder ausgelesen werden. Wenn der Pufferspeicher voll ist, können Antriebsmotor und Laser vorübergehend gestoppt werden. Sie müssen erst wieder arbeiten, wenn der Speicher fast ausgelesen ist. Diese Technik ermöglicht eine Energieeinsparung, die bei portablen Geräten die Wiedergabezeit verlängert. Das Konzept wurde bald auch bei portablen CD-Spielern als Schockspeicher eingeführt. Der Pufferspeicher lässt sich auch für die Aufnahme nutzen. Durch die als "Time Machine Recording" bezeichnete Funktion lässt sich der Startzeitpunkt der Aufnahme um den Inhalt des Pufferspeicher vorverschieben.
Durch den hohen Preis der Laufwerke, auch bedingt durch das Lizenzierungsverhalten seitens Sony, konnte sich diese Anwendung nicht durchsetzen. Außer in Nischen, wie zum Beispiel bei Studiomischpulten oder Mehrspurrecordern zum Homerecording, gibt es seit einigen Jahren keine MD-Data-Geräte mehr zu kaufen.
Vor dem erneuten vollständigen oder teilweisen Beschreiben einer bereits bespielten MiniDisc ist kein Löschvorgang notwendig, da die betroffenen Datenbereiche ohnehin vollständig neu magnetisiert werden. Die Daten auf einer MiniDisc sind ähnlich einer Diskette in Sektoren organisiert, die Belegung der MiniDisc wird in einem Inhaltverzeichnis (User Table of Contents, UTOC) abgelegt. Im Gegensatz zur Audio-CD, auf der die Daten sequentiell auf einer spiralförmigen Spur abgelegt sind, können dadurch einzelne Titel auf der MD gelöscht, zusammengefügt , geteilt und verschoben werden. Das Aktualisieren des UTOC geschieht, abhängig vom Aufnahmegerät, entweder direkt im Anschluss an den Aufnahme- oder Editiervorgang oder erst vor dem Auswerfen der MiniDisc aus dem Aufnahmegerät bzw. nach dessen nächstem Einschalten. Im letzteren Fall werden die aktuellen UTOC-Daten in einem batteriegepufferten RAM des Aufnahmegeräts zwischengespeichert.
Durch das magnetooptische Verfahren wird eine hohe Sicherheit und Langlebigkeit der gespeicherten Daten erreicht, es werden typisch 30 Jahre Datenerhalt und mehr als eine Million Schreibvorgänge angegeben. Diese Zahl ist deutlich höher als die der wiederbeschreibbaren CD-RW, die rein optisch arbeitet.
SCMS betrifft jedoch nur den Consumer-Bereich. Studio-Equipment ignoriert in der Regel SCMS-Beschränkungen. Bis zur Einführung der neuen Urheberrechtgesetze, die jede Art der Umgehung eines Kopierschutzes verbieten, wurden auch Geräte angeboten, die das SCMS-Bit aus dem digitalen Datenstrom herausfilterten bzw. es auf "00" setzten (Bedeutung: beliebig oft kopierbar), um so das SCMS zu umgehen. Durch die hohe Verbreitung von PCs mit Soundkarten, welche digitale Ein- und Ausgänge besitzen, ist SCMS allerdings heutzutage ein sehr unwirksamer Kopierschutz.
Seit Mitte 2005 hat Sony auch für Endanwender den restriktiven Kopierschutz für MD-zu-MD-Kopien gelockert. Der User kann jetzt in SonicStage 3.2 bestimmen, ob der Kopierschutz gesetzt wird oder nicht.
Das Kopieren von kopiergeschützen CDs auf MD wird von den meisten aktuellen CD-Kopierschutzmechanismen durch "illegale", nicht der CD-Spezifikation im Red Book entsprechende Daten auf der jeweiligen CD verhindert. Der Sony-eigene Kopierschutz Key2Audio hingegen macht sich das SCMS zu Nutze. Er bewirkt durch ein gesetztes Copy-Bit, dass die Original-CD vom SCMS bereits als Kopie angesehen wird und deshalb nicht digital kopiert werden kann.
Portable MiniDisc-Geräte (MiniDisc Walkman) ermöglichen eine extrem lange Akkulaufzeit (bis zu 135 Stunden), die bei fast allen Geräten durch das einfache Wechseln des Akkus oder der Batterie beliebig verlängert werden kann. Im Gegensatz zu MP3-Playern mit Festplatte wie dem iPod von Apple ist es weniger wahrscheinlich, dass bei der Beschädigung des Abspielgerätes Audiodaten verloren gehen. Außerdem ist die Speicherkapazität eines portablen Players durch das Wechselmedium MiniDisc im Gegensatz zu Festplatten-MP3-Playern nicht beschränkt, was jedoch den Wechsel der MD voraussetzt.
Ebenfalls hervorzuheben ist, dass das ATRAC-Format im Gegensatz zu den anderen aktuell auf mobilen Abspielgeräten verbreiteten verlustbehafteten Formaten AAC, MP3 und WMA Gapless Playback beherrscht. Mit diversen Software-Playern lässt sich dies für das MP3-Format lediglich simulieren. Echtes Gapless Playback, wie man es bei ATRAC vorfindet, ist dies aber nicht, denn schon bei Übertragung auf ein anderes Medium, z. B. einen tragbaren MP3-Player, oder beim Abspielen mit einem anderen Software-Player geht diese Funktion wieder verloren.
Ein Nachteil besteht in der Kompression der Audiodaten. Damit scheint die MiniDisc für Studiozwecke weniger geeignet zu sein, wird aber auf Grund der einfachen Handhabung dort ebenso verwendet wie DAT und Festplattenrecording. Dieser Nachteil wurde aber zum Teil mit der neuen Hi-MD beseitigt, da dort auch das unkomprimierte 1:1-Aufnehmen möglich ist. Ein weiterer Nachteil der MD besteht in der im Vergleich zum DAT niedrigeren Standardsamplingfrequenz (44,1 kHz im Vergleich zu 48 kHz) bei Aufzeichnungen von analogen Quellen. Die Auflösung der auf der MD aufgezeichneten Daten liegt wie bei der CD bei 16 Bit. Ein gravierender Nachteil gegenüber DAT ist, dass bei den meisten Aufnahmegeräten nach Stromausfall oder versehentlicher Trennung vom Netz, bevor der UTOC (User Table of Contents) abgespeichert wurde, die gesamte Aufnahme verloren ist. Dieses Problem hat MiniDisc allerdings mit CD-, CompactFlash- und Harddisc-Recordern gemeinsam. Ausgenommen hiervon sind einige professionelle MiniDisc-Aufnahmegeräte, die bereits vor oder während der Aufnahme das vorläufige, geänderte "Pre-UTOC" im Gerätespeicher ablegen, so dass die Aufnahme in jedem Fall erhalten bleibt.
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