Die Mindesteigenkapitalanforderungen für Kreditrisiken sind Teil der "ersten Säule" von Basel II. Sie regeln die Menge an Eigenkapital, die Banken in Abhängigkeit vom Risiko der Kredite vorhalten müssen.
Dabei werden differenziertere Verfahren für die Risikogewichtung vorgeschlagen, welche das Risiko des Kredites berücksichtigen. Banken können zukünftig zwischen folgenden Ansätzen wählen:
Je nach Anwendung des Ansatzes werden unterschiedliche Risikogewichte (im Grundsatz 1 auch: Bonitätsgewichtungsfaktoren) angesetzt, welche auf Basis unterschiedlicher von externen bzw. internen Ratings ermittelt werden. Durch Basel II werden Instrumenten, die die Kreditausfallrisiken mindern umfassend berücksichtigt.
Im Standardansatz sind diskrete Risikogewichte (0, 20, 50, 100, 150%), die von externen Ratings der Kreditnehmer abhängen, anzuwenden.
PD: Zuordnung zu Ratingklasse mit durchschnittlicher Ausfallwahrscheinlichkeit.
Mit der Anwendung des internen Rating-Ansatzes (Internal Ratings Based Approach) wird die Eigenmittelunterlegung nach interner Bonitätseinschätzung festgelegt. Dabei werden kreditnehmerspezifische und kreditspezifische Merkmale berücksichtigt. Die Ratings müssen von einer unabhängigen Instanz vorgenommen werden.
Im IRB-Ansatz ist eine stetige Risikogewichtungsfunktion anzuwenden, die von vier Risikoparametern abhängt. Im Basisansatz ist nur die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD), im fortgeschrittenen Ansatz sind zusätzlich Verlusthöhe bei Ausfall (LGD), ausfallgefährdeter Betrag (EAD) und effektive Laufzeit (M) auf Basis interner Ratings zu schätzen.
Für die Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeiten bieten sich folgende Faktoren an:
Die IRB-Formel lautet:
PD: VaR pro Einheit Exposure und pro Einheit (EH) LGD, Ausfallwahrscheinlichkeit auf ein Jahr.
Kreditspezifische Faktoren sind maßgeblich für die Schätzung des LGD. Diese werden in den IRB-Ansätzen unterschiedlich berücksichtigt. Im fortgeschrittenen Ansatz werden auch kreditnehmerspezifische Aspekte berücksichtigt. Beim Retail-Portfolio werden die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD, Probability of Default) und der Exposure at Default (EAD) institutsintern bestimmt. Bei Verzug der Zahlungen kommen diese Positionen in einen gesonderten Pool.
Auch beim IRB-Ansatz mindern Nettingvereinbarungen den Exposure, Sicherheiten den Loss Given Default und Kreditderivate bzw. Garantien den Value at Risk (PD) und können im fortgeschrittenen Ansatz den LGD mindern.
Beim IRB-Basisansatz werden individuelle Risikogewichte gewählt. Es müssen Mindestanforderungen erfüllt werden, beispielsweise die Datenhistorie belegt oder ein sog. "use test" gemacht werden. Es wird ein stetiges Risikogewicht auf der Basis intern ermittelter Ausfallwahrscheinlichkeiten ermittelt. Alle Parameter werden vom Gesetzgeber vorgegeben. Die Bestimmung von Risikogewichten folgt einem weitgehend einheitlichem Schema, wobei die einzelnen Komponenten multiplikativ verknüpft sind.
Hier müssen erweiterte Mindestanforderungen erfüllt werden. Es wird ein stetiges Risikogewicht auf der Basis der intern ermittelten Ausfallwahrscheinlichkeit, der Verlustquote, dem Exposure at Default und der Laufzeit ermittelt. Es handelt sich dabei um interne Ratings.
Wichtig ist, dass für alle Positionen nur ein einheitlicher Ansatz zu wählen ist. Es besteht ein Anreiz, ein fortgeschritteneres Verfahren zu wählen. Denn hier gelten geringere Unterlegungssätze.
Banken könne durch die Nutzung der aufwendigeren Risikomessung gemäß der Eigenkapitalvorschriften nach Basel II ihre Kapitalanforderungen deutlich senken. Dagegen führt eine Anwendung des Standardansatzes zu einer Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen im Vergleich zu Grundsatz 1.
Die Eigenkapitalvorschriften von Basel II haben insbesondere Kritik vom deutschen Mittelstand hervorgerufen. Grund ist die Vermutung, dass Kredite an den Mittelstand teurer würden. Dagegen hat Basel II ambivalente Effekte:
Kredite werden teurer:
Kredite werden billiger:
| Standardansatz | IRB-Basisansatz | Fortgeschrittener IRB-Ansatz | |
|---|---|---|---|
| Mindestanforderungen für Wahl der Ansätze | keine | eigene Risikomodelle | eigene Risikomodelle mit... |
| Methode der Risikomessung | externes Rating | internes Rating | internes Rating |
| Möglichkeit zur Schätzung von Risikoparametern | keine | nur EAD | EAD, PD, LGD |
| Anerkennung von Kreditrisikoabsicherungstechniken | Nettingvereinbarungen |
http://ifbg.wiwi.uni-goettingen.de/downloads/literatur/basel_2004.pdf
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