Minderstadt ist die Bezeichnung für eine Kategorie von Orten mit eingeschränktem Stadtrecht. Bezeichnungen, die auf den Charakter einer Minderstadt hindeuten, haben historischen Charakter, werden aber heute noch in einigen Bundesländern verwendet.
Marktgemeinde
Marktgemeinde bezeichnete früher in
Bayern eine Gemeinde, die über das
Marktrecht, aber keine vollen
Stadtrechte verfügte. Den "Titel" Marktgemeinde führen in Bayern 382 Gemeinden (Stand 2004). Der Titel wird nach bayerischem
Kommunalrecht noch heute verliehen. Jüngste Minderstadt (seit dem
17. September 2005) in Deutschland ist die Marktgemeinde
Postbauer-Heng in der Oberpfalz. Auch in Österreich wird die Bezeichnung verwendet.
Flecken
In Norddeutschland war für Minderstädte die Bezeichnung
Flecken gebräuchlich. Auch diese Bezeichnung war mit dem Marktrecht verbunden. In Niedersachsen führen 55 Gemeinden (Stand 2004) die Bezeichnung "Flecken" als Titel, der faktisch keine Bedeutung mehr hat. In Sachsen-Anhalt führen vier Gemeinden im
Ohrekreis und in der
Altmark wieder diesen Titel. In Hessen führen drei Gemeinden im Kreis
Limburg-Weilburg den Titel "Marktflecken". In Schleswig-Holstein wurde der Titel "Flecken" 1932 abgeschafft. In Brandenburg führt noch der Ort
Flecken Zechlin bei
Rheinsberg den Titel.
Wigbold
In
Westfalen gibt es die alte Bezeichnung
Wiegbold (auch Wigbold, Weichbild).
Noch im
20. Jahrhundert führten die Orte
Schöppingen,
Nienborg,
Südlohn,
Ottenstein,
Metelen,
Westerkappeln und
Wolbeck die Bezeichnung "Wiegbold".
Freiheit
Freudenberg_Alter_Flecken.jpg
Eine weitere westfälische Form der Minderstadt ist die Freiheit. Deren Rechte kamen denen der Stadt sehr nahe. Ein Beispiel dafür ist
Bödefeld im Sauerland. Seit 1342 trägt der Ort den Namen "Freiheit Bödefeld". Mit dem Titel "Freiheit" war das Privileg verbunden, einen Magistrat und einen Bürgermeister zu wählen und den Ort selbst zu verwalten. Das Privileg endet 1803, der Name ist geblieben. Zusätzlich trat in der Regel das Recht der Befestigung der Freiheit mit Wall und Graben. Wirtschaftlich bedeutend waren die einer Freiheit verliehenen
Marktrechte.
Auch im Ruhrgebiet hatten etliche Orte im Mittelalter den Rang einer Freiheit. Gelsenkirchen-Buer führte im Mittelalter als "Freiheit Buer" den Titel ebenso, wie Bochum-Wattenscheid, Herten-Westerholt, Dortmund-Mengede oder Herne-Crange. Im Siegerland hatte Freudenberg die Rechte einer Freiheit.
Siehe auch
Gemeindearten in Deutschland
Kommunalrecht | Rechtsgeschichte | Stadtbaugeschichte