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Die Mimesis (älteres Griechisch μίμησις, „die Nachahmung“, heute μίμηση, mímisi) bezeichnet das Vermögen, mittels einer körperlichen Geste eine Wirkung zu erzielen. Mimesis heißt eigentlich nicht Nachahmung, sondern Vorahmung. Als Mimesis bezeichnet man in den Künsten das Prinzip der Nachahmung im Sinne der Poetik des antiken griechischen Philosophen Aristoteles.

Aristoteles als Grundlage


In der Politeia hatte Platon die Künste als rein an der Erscheinung orientierte, und sich damit nicht der Wahrheit der Idee näherende, verurteilt. Diese Vorstellung revidierte Aristoteles. Bei ihm soll der Zuschauer eines Dramas vom Gesehenen mitgerissen werden, mitleiden und anhand des Aufstiegs und anschließenden Falls des Dramenhelden Schlüsse und Lehren für sein eigenes Leben ziehen. Die Mimesis - also die Nachahmung der heroischen Taten oder dergleichen - geht einher mit der Katharsis (griechisch κάθαρσις), der Reinigung der Leidenschaften des Zuschauers. Durch das Miterleben und Mitleiden während des Stückes wird der Zuschauer geläutert und "bessert" sich letztendlich dadurch, dass er nachahmt.

Ästhetik


Zu Beginn der Renaissance setzte sich dieses Konzept als normative Regel in den Künsten fest. Noch der französische Philosoph René Girard verwendet den Begriff der Mimesis, indem er sie als das trianguläre mimetische Begehren an den Anfang aller Kultur stellt.

Literarische Gattungen

Das Konzept der Mimesis spielte in der abendländischen Literatur, wenn auch nicht direkt angesprochen, eine zentrale Rolle. Für den Romanisten Erich Auerbach ist die Mimesis die "Interpretation des Wirklichen durch die literarische Darstellung". - Im Gegensatz dazu steht die Diegesis (griechisch διήγησις), das Zeigen und Erzählen.

Bildende Kunst

Schon Aristoteles bezog das Prinzip der Mimesis auch auf die anderen Künste, die nur mit anderen Mitteln die Wirklichkeit nachahmten (vgl. ut pictura poiesis). In verschiedenen Künstleranekdoten verbreiteten sich diese Vorstellungen in der bildenden Kunst. Dort war das mimetische Konzept so seit der Renaissance eine bindende Vorstellung. Erst die Avantgarden zu Beginn des 20.Jahrhunderts lösten diese Vorstellung auf.

Medienkunst

Der Begriff Mimesis wird auch im Zusammenhang mit der Computerisierung der Gesellschaft gebraucht (z. B. bei Warnke ). Nach Warnke kann die Entwicklung der Computerkultur in drei Phasen eingeteilt werden: Die erste Phase ist die synthetische, in der Rechenmaschinen in autistischer Abgeschiedenheit und ohne Eingriffe von außen Daten erzeugen. Die zweite Phase nennt er die mimetische. Hier werden Informationen von außerhalb verarbeitet, was auf dem ästhetischen Gebiet als Nachahmung empfunden werden kann (z.B. Animationen, interaktive Medienkunst). Die dritte nennt Warnke die Phase der Emergenz.

Literatur


  • Helm, Franz: Der Code der Dinge. Die Phänomenologie der Mimesis. Amstetten/Österreich: Passagen Verlag, 2002. - ISBN 3-85165-554-0
  • Auerbach, Erich: Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. Tübingen/Basel: Francke, 2001. - ISBN 3-77201-275-2
  • Metscher, Thomas: Mimesis. Bielefeld: Transcript, 2003. - ISBN 3-89942-165-5
  • Gebauer, Gunter/Wulf, Christoph: Mimesis. Kultur - Kunst - Gesellschaft. Reinbek: Rowolth Taschenbuch Verlag, 1992. - ISBN 3-49955-497-6

Weblinks


Siehe auch


  1. Sympraxis
  2. Sündenbockmechanismus und Mimetische Theorie von René Girard

Literaturwissenschaft

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