Die Mille Miglia (MM) war ein Autorennen über öffentliche Straßen auf einem Dreieckkurs in Norditalien.
Sie galt nach der Targa Florio als Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen (die Carrera Panamericana kam in den 1950er Jahren hinzu) und als Grundlage für den Begriff "Gran Turismo" (GT), der schnelle Reisesportwagen für Langstreckenrennen beschreibt, wie sie etwa von Ferrari eigens für die MM entwickelt wurden. Die MM gehörte zur 1953 eingeführten Sportwagen-Weltmeisterschaft.
Die erste Auflage des Großen Preises von Italien hatte noch in Brescia stattgefunden, war dann aber in neue Autodrom von Monza gewechelte. Die Sportwagen-Enthusiasten Aymo Maggi und Franco Mazzotti suchten nach einer Möglichkeit, ihrer Heimatstadt wieder ein großes Rennen zu veranstalten, und wählten einen Kurs von Brescia quer durch die italienische Halbinsel zu Hauptstadt Rom und wieder zurück nach Brescia. Als Streckenlänge ergaben sich ungefähr 1600 Kilometer bzw. etwa 1000 US-Meilen. Als Begründung für die Wahl dieser Längeneinheit verwies man auf die "alten Römer", die auch schon in Meilen gemessen hatten.
Seit der Premiere 1927 gewannen fast ausschließlich Italiener auf einheimischen Fabrikaten wie Alfa Romeo, Lancia und Ferrari, jedoch konnte auch Mercedes zweimal gewinnen, 1931 mit Rudolf Caracciola, und 1955 mit Stirling Moss. Dieser startete um 7:22 Uhr morgens mit der Startnummer 722 mit einem Mercedes-Benz 300 SLR, und erreichte dank des Gebetbuches seines Beifahrers, des Journalisten Denis Jenkinson, nach 10 Stunden 7 Minuten und 48 Sekunden das Ziel. Die dabei erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 157,62 km/h war die schnellste jemals auf dieser Strecke gefahrene.
Neben den pfeilschnellen Sportwagen waren auch kleine Tourenwagen am Start, selbst Mercedes 180 Diesel, Renault R4CV oder Kleinstwagen wie Fiat 500. Diese waren über 20 Stunden unterwegs, mit Start noch vor Mitternacht und Ankunft im Dunkeln.
Bereits 1938 geriet die MM durch einen schweren Unfall mit einer Straßenbahn in die Kritik bzw. wurde in der alten Form mit Stadtdurchfahrten verboten. So wurde 1940 nur ein ca. 100 km kurzer Kurs in der Po-Ebene neunmal befahren. Als Zweiter von drei Ausländern in der Geschichte der MM gewann Huschke von Hanstein auf einem aerodynamisch verkleideten BMW 328, mit dem auf den geraden Straßen zwischen Brescia, Cremona und Mantua ein Schnitt von 166 km/h erzielt wurde. CIMG4115_BMW-328_mille_migl.jpg
Nach dem Krieg wurde die MM auf dem großen Kurs wieder mit Begeisterung aufgenommen, die damit verbundenen Risiken beurteilte man im Vergleich zu den gerade erst erlebten kriegerische Auseinandersetzungen als untergeordnet. Auch bekannte Fahrer aus der Vorkriegszeit wie Rudolf Caracciola und insbesondere Tazio Nuvolari nahmen die Herausforderung erneut an. Später wurde ihm zu Ehren der Kurs auch durch seine Heimatstadt Mantua geführt.
Aber auch junge Fahrer machten von sich reden, wie 1954 Hans Herrmann, der seinen flachen Porsche 550 noch vor einem herannahenden Zug unter einer schließenden Schranke hindurch steuerte, wobei er und sein Beifahrer die Köpfe einziehen mussten.
Im Jahre 1957 fand die MM zum letzten Mal statt, da ein schwerer Unfall des Spaniers Alfonso de Portago mehrere Todesopfer gefordert hatte. Der nach einem Reifenschaden bei hoher Geschwindigkeit ins Schleudern geratene Ferrari tötete in Guidizzolo, Mantua neben Fahrer und Copilot auch mehrere unbeteiligte Zuschauer, darunter auch Kinder. Insbesondere die Kirche verlangte die Einstellung des populären Spektakels. Gegen das Team und den Reifenhersteller wurde ermittelt mit dem Vorwurf, auf einen Reifenwechsel kurz vor dem Ziel aus Zeitgründen verzichtet zu haben.
Die Mille Miglia wurde noch von 1958 bis 1961 als eine Art Rallye veranstaltet, wobei nur auf kurzen, abgesperrten Teilstrecken auf Zeit gefahren wurde.
Die Strecke von Bologna auf den Passo della Raticosa wurde bis 1969 für Bergrennen verwendet.
Seit 1977 findet jeweils im Mai als "Mille Miglia Storica" eine jährliche Neuauflage mit historischen Fahrzeugen statt, die in ähnlicher Form damals teilgenommen hatten. Hierbei wird nicht mehr auf Höchstgeschwindigkeit gefahren, sondern auf Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit. Diese Veranstaltung gilt als Keimzelle vieler ähnlicher Events mit Oldtimern, unter anderem der Wiederbelebung der Historik-Rallye 2000 km durch Deutschland sehr ähnlichen Zuschnitts im Jahr 1989, bei der es wie bei der "Mille Miglia" auch um das Reise-Erlebnis und den abendlichen Austausch der Teilnehmer bei exzellenter Gastronomie geht. Diese Ereignisse sind heute nur noch begrenzt als Sport anzusehen, und eher ein Schaulaufen vor allem der Reichen und Schönen. Es geht, auch seitens der Veranstalter und der durchfahrenen Gemeinden, eher um Tourismus, Kulinarik und das "Sehen und Gesehenwerden" mit prachtvollen, meist aufwendig auf Neuwert restaurierten Oldtimer-Fahrzeugen. Die "Mille Miglia" allerdings scheint zum italienischen Nationalinventar zu gehören, während die vergleichbaren "2000 km durch Deutschland" nach ca. 15 Jahren des Erfolges zunächst auf der Kippe standen, aber auch 2006 wieder stattfinden.
| Jahr | Fahrer | Wagen | Geschwindigkeit |
|---|---|---|---|
| 1927 | F. Minoia (I) / G. Morandi (I) | OM | 77,22 km/h |
| 1928 | G. Campari (I) / G. Ramponi (I) | Alfa Romeo | 84.10 km/h |
| 1929 | G. Campari (I) / G. Ramponi (I) | Alfa Romeo | 89,67 km/h |
| 1930 | T. Nuvolari (I) / G.-B. Guidotti (I) | Alfa Romeo | 100,43 km/h |
| 1931 | R. Caracciola (D) / W. Sebastian (D) | Mercedes Benz | 101,13 km/h |
| 1932 | B. Borzacchini (I) / A. Bignami (I) | Alfa Romeo | 109.86 km/h |
| 1933 | T. Nuvolari (I) / D. Compagnoni (I) | Alfa Romeo | 108.54 km/h |
| 1934 | A. Varzi (I) / A. Bignami (I) | Alfa Romeo | 114.29 km/h |
| 1935 | C. Pintacuda (I) / A. della Stufa (I) | Alfa Romeo | 114.72 km/h |
| 1936 | A. Brivio (I) / C. Ongaro (I) | Alfa Romeo | 121.59 km/h |
| 1937 | C. Pintacuda (I) / P. Mambelli (I) | Alfa Romeo | 114.72 km/h |
| 1938 | C. Biondetti (I) / A. Stefani (I) | Alfa Romeo | 135.37 km/h |
| 1939 | kein Rennen | ||
| 1940 (*) | H. v. Hanstein (D) / W. Bäumer | BMW | 166.69 km/h |
| 1941-1947 | keine Rennen | ||
| 1947 | C. Biondetti (I) / E. Romano (I) | Alfa Romeo | 110.43 km/h |
| 1948 | C. Biondetti (I) / G. Navone (I) | Ferrari | 120.93 km/h |
| 1949 | C. Biondetti (I) / E. Salani (I) | Ferrari | 131.18 km/h |
| 1950 | G. Marzotto (I) / M. Crosara (I) | Ferrari | 123.56 km/h |
| 1951 | L. Villoresi (I) / P. Cassani (I) | Ferrari | 121,51 km/h |
| 1952 | G. Bracco (I) / A. Rolfo (I) | Ferrari | 128.56 km/h |
| 1953 | G. Marzotto (I) / M. Crosara (I) | Ferrari | 142.32 km/h |
| 1954 | A. Ascari (I) | Lancia | 139.61 km/h |
| 1955 | S. Moss (GB) / D. Jenkinson (GB) | Mercedes-Benz 300 SLR | 157,62 km/h |
| 1956 | E. Castellotti (I) | Ferrari | 137.41 km/h |
| 1957 | P. Taruffi (I) | Ferrari | 152,63 km/h |
| 1958-1961 | als Rallye |
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