Axopodium Mikrotubuli.jpg Mikrotubuli sind röhrenförmige Proteinfilamente in Zellen, die zusammen mit Aktinfilamenten und Intermediärfilamenten einen Bestandteil des Cytoskeletts bilden. Sie sind somit mitverantwortlich für die mechanische Stabilisierung der Zelle und ihrer äußeren Form, für aktive Bewegungen der Zelle als Ganzes, sowie für Bewegungen und Transporte innerhalb der Zelle.
Mikrotubuli bestehen aus Tubulin, das in helicaler Anordnung polymerisiert. Zur Ausbildung einer Drehung werden 13-14 Tubulindimere benötigt. Die Durchmesser solcher Mikrotubuli variieren zwischen 15 und 25 Nanometer.
Mit den Mikrotubuli sind zahlreiche Proteine assoziiert. Die bekanntesten sind Motorproteine wie Dynein und Kinesin. Zudem gibt es eine ganze Gruppe von Proteinen mit dem Sammelnamen MAPs ("microtubule associated proteins"). Die meisten MAPs nehmen offenbar regulatorische Funktionen wahr.
Mikrotubuli können durch diese Proteine untereinander verbunden werden und sich zu Cilien bzw. Geißeln (9x2 + 2) oder Centriolen (9x3 + 0) organisieren. Von einem 9 x 2 + 2 Aufbau spricht man, wenn 2 Zentraltubuli von 9 Doppelmikrotubuli (Mikrotubulus A+B) umrahmt werden. Cilien und Geißeln sind aktiv beweglich (über das ATP-spaltende Protein Dynein). Die Centriolen kommen in der Regel paarweise vor und verdoppeln sich bei der Zellteilung. Zusammen mit dem perizentriolären Körper, von dem Mikrotubuli ausgehen, werden sie als Centrosom bezeichnet.
Colchicin (ein Alkaloid aus der Herbstzeitlosen Colchicum autumnale), niedrige Temperatur, und ein Überschuss an Kalzium-Ionen fördern eine Depolymerisation von Mikrotubuli. Ein Alkaloid des Madagaskar-Immergrün, das Vinblastin, fällt Tubulin aus. Das Taxol, ein Alkaloid aus der Eibe, stabilisiert Mikrotubuli und hindert sie am Depolymerisieren.
Eine besondere Bedeutung kommt auch den Cilien und Geißeln zu. Cilien erzeugen einen koordinierten Flimmerschlag in eine bestimmte Richtung und transportieren Material in einem Lumen, Geißeln bewegen eine einzelne Zelle fort (z.B. ein Spermium), indem sie hin und her schlagen. Abgewandelte, nicht mehr bewegliche, Formen von Cilien (9x2 + 0) bilden spezialisierte Zellkompartimente, z.B. das Außensegment bei Photorezeptorzellen oder die Fortsätze bei Riechzellen.
Eine starke Bedeutung kommt den Mikrotubuli bei der Bekämpfung von Krebs zu. Da sich der Spindelapparat ohne Mikrotubuli nicht entwickeln kann, können sich die Krebszellen auch nicht weiter mitotisch teilen, das Geschwür wächst also nicht weiter und auch Metastasen bilden sich nicht mehr. So werden die Alkaloide Vinblastin und Taxol bei der Chemotherapie eingesetzt um den Aufbau von Mikrotubuli zu stören.
Das Medikament wirkt aber nicht nur spezifisch auf Krebszellen, sondern es beeinflusst alle teilungsfähigen Zellen. Da aber Haut-, Haar-, Darm-, Immun- oder Geschlechtszellen ständig erneuert werden müssen kann es zu erheblichen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Darmbluten oder stärkerer Infektionsanfälligkeit kommen.
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