Unter räumlicher Mobilität verstehen Geographen, Geschichts- und Sozialwissenschaftler jede Positionsveränderung eines Individuums zwischen verschiedenen Einheiten eines räumlichen Systems. Räumliche Mobilität ist unabhängig von der Reichweite der Bewegung (große oder geringe Distanzen) und ihrer Frequenz (einmalig oder regelmäßig, selten oder häufig) definiert.
Von einem Wanderungsvorgang oder einer Migration (von lat.: migratio = Wanderung) spricht man erst dann, wenn die Wohnsitzverlegung eines Individuums über eine
Das deutsche Ausländerrecht definiert Migranten als "Oberbegriff für Menschen nicht deutscher Herkunft" und schließt neben Ausländern auch "eingebürgerte deutsche Staatsangehörige und Aussiedler" ein.
Unfreiwillige Migranten sind Flüchtlinge oder Zwangsverschleppte. Flüchtlinge sind Menschen, die vor Kriegen oder politischer oder religiöser Verfolgung geflohen sind.
Arbeitsmigranten wiederum sind Menschen, welche aus ihrer Heimat zum Zweck der Beschäftigung in ein fremdes Land auswandern. Die Wanderungsbewegung erfolgt in der Regel von industriell schlecht entwickelten Ländern in Industrienationen. Deshalb werden sie auch umgangssprachlich abschätzig als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. Wirtschaftsmigranten erfüllen nicht die Kriterien für den Flüchtlingsstatus. Sie genießen daher keinen Anspruch auf internationalen Schutz als Flüchtlinge im Sinne der Asylgesetzes. Laut UNHCR unterscheidet Flüchtlinge von Migranten, daß "Wirtschaftsmigranten den Schutz ihrer Heimatländer genießen, Flüchtlinge hingegen nicht."
Einwanderungsländer gliedern sich in formelle und informelle. Die formellen Einwanderungsländer verstehen Einwanderung als Teil ihres Selbstverständnis, was sich in der Gesetzgebung und den Institutionen niederschlägt. Informelle Einwanderungsländer verstehen sich als Aufnahmeländer für beschränkte Einwanderungsgruppen. Klassisches Beispiel für ein formelles Einwanderungsland in Europa ist Frankreich. Weltweit genießen die USA, Kanada und Australien diesen Ruf. Europa zählt inzwischen auch als Einwanderungskontinent. Ein Beispiel für ein informelles Einwanderungsland ist die Bundesrepublik Deutschland, traditionell offen für deutschstämmige Aussiedler und politisch Verfolgte, oder auch Israel, das allen Juden zur Einwanderung offen steht (Alijah).
Die Grenzen zwischen formell und informell sind dabei keineswegs festgelegt. Schweden entwickelte sich z.B. vom formellen zum informellen Staat. Die Niederlande sind informell, aber mit multikultureller Prägung und auf die Schweiz trifft keines der Kriterien zu.
Die Unterschiede zwischen der gleichzeitig stattfindenen Auswanderung und Einwanderung schlagen sich im Wanderungssaldo nieder. Bei positivem Wert überwiegt die Einwanderung die Auswanderung. Zum Beispiel zählte 2003 die Zuwanderungsstatistik insgesamt 601.759 Zuzüge aus dem Ausland nach Deutschland und 499.063 Fortzüge von Ausländern. Das Wanderungssaldo betrug also + 102.696. Polnische Staatsangehörige stellten die größte Zuwanderungsgruppe (88.241, Wanderungssaldo: + 14.575), gefolgt von türkischen Einwanderen (49.774; + 12.911) und russischen Migranten (31.776; + 17.897).
Zur Messung und zum Vergleich von Wanderungsvorgängen werden folgende Einheiten/Kennziffern verwendet:
Die auf diese Weise beschriebenen Wanderungsvorgänge lassen sich weiter differenzieren nach Reichweite, Motiven und strukturellen Merkmalen der Wandernden.
Ernest Georg Ravenstein begründete die Migrationstheorie im Jahr 1885 durch Betrachtung der Binnenwanderungen im Vereinigten Königreich. Er bewies anhand seiner Statistiken erstmals, dass Wanderungen Regeln folgen. Zwar gibt es inzwischen verschiedene formale Modelle zur Beschreibung von Wanderungen, doch liefert keines eine umfassende und befriedigende theoretische Beschreibung vom Phänomen der Wanderungen. Alle Modelle stützen sich auf der Vorstellung, daß der Migrant rational eine Migrationsentscheidung fällt.
Klassische Wanderungsgründe sind Immigration, Arbeitsmigration und Fluchtmigration. Die moderne Forschung unterteilt inzwischen differenzierter. Wanderungen können national und international erfolgen. Die häufigsten Wanderungsgründe sind die Arbeitssuche, Vertreibung oder Schutz vor Verfolgung mit der Absicht, die eigene Lebenssituation zu verbessern. Die Wanderungsentscheidung beruht auf wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen. (Treibel,1999:20 ff)
Wie unterschiedlich die Bewertung der einzelnen Faktoren sein kann, zeigen die zu Tausenden in den USA beschäftigten philippinischen Pflegekräfte. Viele davon sind ausgebildete Ärzte und Ärztinnen, welche es vorziehen, unterqualifiziert zu arbeiten, weil sie in ihrem Heimatland keine Perspektive sehen. (quelle und Jared Diamond)
Deshalb spielt die jeweilige Differenzierung der makro- und mikrotheoretischen Erklärungsmuster eine bedeutende Rolle.
Die makrotheoretischen Modelle versuchen, Wanderungen hinsichtlich der Aggregatebene zu verdeutlichen und Kennziffern zu bestimmen zur Erklärung des Migrationsverhaltens ganzer Populationen. Die Migrationen werden zum Beispiel auf ökonomische oder geographische Faktoren reduziert. Zwar läßt sich mit diesen verallgemeinernden und unvollständigen Ansätzen gut arbeiten, doch beherbergen sie bei näherem Hinsehen ein gerüttelt Maß an Ungereimtheiten und unerklärten Vorkommnissen.
Schon in den vierziger Jahren entstanden Gravitationsmodelle, welche sich auf das Gravitationsgesetz aus der Physik berufen. Wichtigste Erkenntnis war, daß die Entfernung zwischen Herkunftsort und Migrationsziel eine wesentliche Rolle spielten bezüglich des Migrationsvolumens. Je weiter die Orte voneinander entfernt sind, desto weniger Angehörige einer Population machen sich auf den Weg.
In den 1960er Jahren wiederum erfolgte der Rückgriff auf die klassische Wirtschaftslehre. Das Lohngefälle zweier Regionen erklärte das Ausmaß einer Wanderung, bei der Arbeitsmigranten vom schlechtbezahlten Ort der Herkunft zum Zielort mit höherem Lohnniveau abwanderten. Die Theorie besagte, daß sich das Lohnniveau beider Regionen angleichen würde. Schließlich stiegen im Zuwanderungsgebiet die Zahl der Arbeitskräfte und fiel damit das Lohnniveau und gleichzeitig erhöhte sich im Herkunftsgebiet der Lohn wegen des Mangels an Arbeitskräften.
I.S.Lowry erweiterte dieses Modell wiederum um wirtschaftliche Kennziffern. So gilt die jeweilige Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Regionen als Indikator für die Bereitschaft der Migranten, die Wanderungsentscheidung zu treffen, um das jeweilige Einkommen zu steigern. (Lowry,1966)
Zwar gelang inzwischen der Beweis des Zusammenhangs zwischen attraktiven Löhnen und hoher Zuwanderungs doch nicht der Umkehrbeweis zwischen niedrigem Lohnniveau und hoher Abwanderungsrate. Dies erklärt sich laut Globalisierungsforscherin Sassen durch die Unkalkulierbarkeit komplexer und variabler sozialer Faktoren. So besteht für viele erst die Chance zur Wanderung, wenn sie von der größten Not befreit haben. Michael Vogler vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn wiederum hat die Wanderungsströme für 86 Länder und 15 Jahre untersucht. Er subsummiert, daß die Migration erst einsetzt, wenn die Region einen gewissen Entwicklungsstand erreicht hat. Wenn ein bestimmter Wohlstand erreicht ist, flachen die Zahlen wieder ab. Zuerst emigrieren die Menschen von ländlichen Gebieten in die Städte und später ins Ausland.
Quelle: Steffen Kroehnert
Einer der ersten Erklärungsansätze von E.G. Ravenstein ging vom empirischen Befund der Wanderung selbst aus. Er veröffentlichte in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre seine Wanderungsgesetze, die er aus der Auswertung von Daten von Volkszählungen gewonnen hatte. Diese Gesetzmäßigkeiten weckten das Interesse weiterer Forscher, die die Ravenstein'schen Gesetze teilweise bestätigten und ergänzten. Sinngemäß lauten diese Theoreme:
Ein weiterer grundlegender Ansatz zur Erklärung von Wanderungen ist Zelinskis Modell des Mobilitätsübergangs (1971), das das Mobilitätsverhalten einer Gesellschaft mit ihrem sozioökonomischen Entwicklungsstand in Verbindung bringt. In Analogie zum Modell des demographischen Übergangs werden fünf Entwicklungsphasen unterschieden.
Beim Vergleich zwischen empirisch und mathematisch ermittelten Werten fällt auf, dass das obige Modell die Wanderungsvolumina für kurze Distanzen überschätzt. G. Zipf und J. Stewart entwickelten daher die im Modell enthaltene Ausgangsüberlegung weiter und erweiterten es zu einer für Zwecke der Demografie geeigneten Abwandlung des Newton'schen Gravitationsgesetzes.
Zumeist wird "Masse" mit den Bevölkerungszahlen gleichgesetzt, die sich leicht der amtlichen Statistik entnehmen lassen. Damit wird das Wanderungsvolumen also nicht nur ansteigen, wenn die Distanz verringert wird, sondern auch wenn die Masse von zwei betrachteten Regionen größer ist als die Masse anderer Regionen.(müsste es nicht heißen: ..., wenn sich die Differenz der Massen zweier (also von Start- und Zielregion) Regionen erhöht?) Sicherlich wird allein die Bevölkerungszahl keine befriedigende Modellierung ergeben, denn unterschiedliche Bevölkerungszusammensetzungen in den betrachteten Regionen wirken ebenfalls auf die Wanderungsströme ein. Eine bevölkerungsreiche Region, in der eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht, hat sicherlich eine geringere Anziehungskraft und damit Masse, als eine gleichgroße Region mit einer sehr niedrigen Arbeitslosigkeit. Ein Vorschlag (Haggett, 1991) lautet daher, die Masse als das Produkt aus Bevölkerungszahl und Durchschnittseinkommen zu bestimmen.
Die Sogtheorie erklärt am Push-and-Pull-Modell das Zustandekommen eines Migrationsdruckes aus dem Gefälle zwischen zwei Ländern. Im Ursprungsland wirken Druckfaktoren wie Arbeitslosigkeit, niedriges Lohnniveau, Armut und das Aufnahmeland bietet Sogfaktoren wie Arbeitsplätze, höhere Gehälterund soziale Sicherheit. Auch beeinflussen die Berichterstattung über das Zielland sowie Erfahrungsaustausch mit bereits Ausgewanderten oder ihren daheim gebliebenen Angehörigen die Wanderungsentscheidung. Letztere Anreize bewirken laut Treibel eine Gruppenmigration. (Treibel,1999:39f)
Bei Wanderarbeitern steht die "materielle Deprivation" im Vordergrund. (Thomae,1974) Die Migrationsentscheidung ist eng verknüpft mit Konflikten des Auswanderungswilligen und seiner näheren Umgebung, mit der er sich auseinanderzusetzen und zu verhandeln hat. Die positive Entscheidung zur Auszuwandern stellt sich somit nach Thomae stets als Konfliktlösung dar. Oft sind daran Verpflichtungen des Emigranten gekoppelt wie die Verpflichtung zur Rückkehr "als eine Art Gleichgewichtssicherung zwischen motivationalem und kognitivem System". (Dietzel Papa Kyriakou,1993:68)
Das Paradigma des Push and Pull entspricht jedoch keinem eigenständigen theoretischen Ansatz, sondern suggestiert eher die Zusammenhänge, da trotz der plausiblen Annahme von Sogfaktoren und Druckfaktoren die Annahmen auf den Einzelnen bezogen rein hypothetischer Natur sind. (Steffen Kroehnert 2003)
Der makrotheoretische Ansatz des Push and Pull kommt im mikrotheoretischen Ansatz zum Einsatz, um die individuellen Migrationsentscheidungen zu erklären.
Wanderungsbewegungen können vielerlei Aspekte beinhalten. Die wichtigsten Gründe für Migrationen von Mexiko in die USA waren beispielsweise :
Im Vergleich zum Gravitationsmodell verlegt sich der mikrotheoretische Ansatz weniger auf das Kollektiv als auf das Individuum um die jeweilige Migrationsentscheidung zu untersuchen.
Gravitationsmodelle können Wanderungen zwar gut beschreiben aber nicht vollständig erklären. Als einzige Eigenschaften von Quell- und Zielgebiet gehen in diese Modelle Bevölkerung und Distanz ein. Neben der Masse von interagierenden Regionen gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Merkmale, die die vom einzelnen Individuum als positiv oder negativ empfundenen Eigenschaften (push- und pull-factors) bestimmen und Wanderungsvorgänge ebenso beeinflussen, wie die zwischen den Regionen liegenden Zwischenräume, die entweder eine Wanderung hemmen (intervening obstacles) oder ablenken (intervening opportunities) können.
Mathematische Modelle für die Abbildung und Erklärung eines derartigen Komplexes von Einflussgrößen, werden mit Hilfe der statistischen Regressionsanalyse erstellt. Multiple Regressionsanalysen versuchen, eine abhängige Variable - hier das Wanderungsvolumen - mit einer Anzahl von unabhängigen Variablen (z.B. Durchschnittseinkommen, Zahl der Arbeitsplätze in verschiedenen Branchen, Wohnungsangebot, Distanz etc.) zu erklären. Das Ziel bildet eine Regressionsgleichung, als ein mathematisches Modell, welches die Ausprägungen der Zielvariablen aus einer mathematischen Funktionsbeziehung der erklärenden Variablen herleitet. Auch sie repräsentiert eine Wenn-Dann-Beziehung wie das Distanz- und das Gravitationsmodell, wird allerdings in der Regel wesentlich komplexer ausfallen.
Auch wenn dieser Ansatz durch die größere Zahl der eingehenden Faktoren wirklichkeitsnäher erscheint, darf nicht übersehen werden, dass eine Vielzahl von Faktoren, die eine Wanderung ebenfalls beeinflussen, sich nicht unmittelbar messen lassen (beispielsweise das Image einer Region).
Die gebietsbezogenen Merkmale beinhalten nicht nur Lohnhöhe und Arbeitslosenrate, sondern sind verfeinert um strukturelle Faktoren wie Klima, Wohnqualität, öffentliche Sicherheit, Bildungszugang und die Qualität der medizinischen Versorgung. Als Blockadefaktor gilt nicht mehr die Distanz als entscheidend, sondern intervenierende Hindernisse wie der Bau der Berliner Mauer oder eine restriktive Einwanderungsgesetzgebung.
Neben den objektiven und rein strukturellen Merkmalen finden sich auch individuelle Parameter. Zu den individuellen Merkmalen zählen etwa Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Beruf oder ethnische Herkunft. Darunter fällt auch die Frage der persönlichen Wahrnehmung der anderen Faktoren. Zum Beispiel meiden Allenstehende oft ländliche Zonen wegen langer Anfahrtswege und geringem Freizeitangebot, während Familien diese Umgebung schätzen, soweit die Umwelt intakt ist und die Schulen zufriedenstellen.
Nach E. S. Lee fällt ein Migrant die Wanderungsentscheidung erst nach einem Vergleich all dieser Merkmale. Demnach läßt sich dieses Modell nicht in eine allgemeingültige Formel überführen. (Lee, E.S,1972:115-129)
Lowry verknüpft 1966 das ältere Gravitationsmodell mit wesentlichen ökonomischen Faktoren, um das Migrationsverhalten zu berechnen.
Den Prozess der Informationsgewinnung und -bewertung, der (möglicherweise) zu einer Standortverlagerung führt, versuchen entsprechende Modelle abzubilden (Roseman u.a., siehe auch Migration (Soziologie)). Die Informationen, die in eine Entscheidung für oder gegen eine Wanderung einfließen, entstammen zumeist dem typischen, wöchentlichen Aktionsradius (Aktionsraum, activity space) einer Person oder eines Haushaltes. Eine Unzufriedenheit mit der Ausgangssituation kann dabei auf unterschiedlichen Faktoren beruhen, die sich nach den Daseinsgrundfunktionen (Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Erholung) gliedern lassen. Aus jedem Faktorenbereich können einzelne Umweltreize als Stressoren die Bewertung des gegenwärtigen Wohnstandortes beeinflussen.
Die Modelle bilden - meist in Form von Flussdiagrammen - die Entscheidungsalternativen des Individuums/Haushaltes auf, die jeweils zufällig, jedenfalls nichtdeterministisch getroffen werden. Grundsätzlich lassen sich vier Handlungsalternativen beim Auftreten von Stressoren unterscheiden:
1962 entwickelte L.A. Sjaastad das sogenannte Humankapitalmodell. Eine Wanderung ist gleichbedeutend mit einer persönlichen Investition in Humankapital. Die Migration ist eine Bilanz mit Ausgaben und Einnahmen, welche jeweils geldwert sein können oder nichtmonetär. (L.A. Sjaastad,1962:80-93)
Das Modell unterstellt keine sofortige Realisierung der Erträge, sondern berücksichtigt auch eine Wanderungsentscheidung wegen einer beruflichen Perspektive durch die Hoffnung auf bessere Aufstiegschancen, wie sie viele Behörden oder Konzerne anbieten.
Formal finden die nichtmonetären Aspekte zwar Berücksichtigung, erfahren jedoch eine weit geringere Gewichtung als die monetären Parameter.
Die Einkünfte stehen hier für die subjektiven Einschätzungen des zu erwartenden Einkommens.
Somit erfasst das Modell auch verschieden motiviertes Migrationsverhalten unterschiedlicher sozialer Gruppierungen, da die verschiedenen Parameter sich auch individuelle Faktoren wie Beruf, Alter und Geschlecht beziehen können. Steffen Kroehnert
Der Ansatz des Subjective Expected Utility (SEU, subjektiv zu erwartender Nutzen, Werterwartungstheorie) stellt den Versuch dar, die verschiedenen theoretischen Migrationsmodelle zu vereinen. (De Jong/ Fawcett 1981). Das Modell stützt sich auf die Werterwartungstheorie und verbindet die subjektiven Merkmale mit klassischen sozioökonomischen Beweggründen. Klassische makrotheoretische Beweggründe wie Klima und Lohnhöhe nehmen Einfluß auf die Formel, doch bestimmen persönliche Wahrnehmung und Abwägung das Zustandekommen der Migrationsentscheidung.
Die Kosten-Nutzen-Analyse geht stillschweigend davon aus, daß die Entscheidungsträger bevorzugt die Möglichkeiten auswählen, welche ihnen den größten Vorteil bringen, um den persönlichen erwarteten Gesamtnutzen (SEU) zu maximieren. Eventuelle Ausgaben gehen wiederum als negativer Vorteil in die Berechnung ein (Evaluation). Auch die persönliche Erwartung, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Handlung gelingt, findet Eingang in die Gesamtbewertung.
"Der Ausdruck besagt, dass der subjektiv erwartete Gesamtnutzen (SEU) einer bestimmten Handlung (i) sich zusammensetzt aus der Summe der subjektiven Nutzen (U), die diese Handlung für die Erreichung verschiedener individueller Ziele (j) hat, multipliziert mit den jeweils subjektiv erwarteten Wahrscheinlichkeiten (p), dass diese Nutzen auch tatsächlich realisiert werden. " (quelle
Den Kern des Modells bildet eine Nutzenmaximierung nach individualistischen und rationalen Erwägungen. Es berücksichtigt also nur Einzelpersonen. Geht es um die komplexe Wanderungsentscheidung mehrerer Beteiligter wie ganzer Haushalte, dann sprengt die gemeinsame Entscheidung den rein egoistisch aufgebauten Erklärungsansatz. So können bei Haushaltsentscheidungen die Interessen und Nutzenvorteile der jeweils Beteiligten sich untereinander widersprechen. So gilt es als erwiesen, daß die meisten Haushaltsentscheidungen zuungunsten der Karriere des weiblichen Partners stattfinden.
Erklärungsansätze für aktuelle Wanderungsbewegungen und Modelle für die Prognose zukünftiger Wanderungen haben daher mehr als nur rein wissenschaftliche Bedeutung. Sie finden immer häufiger Berücksichtigung in aktuellen politischen Handlungsfeldern (vgl. Zuwanderungsgesetz).
Untersuchung und Vergleich der Migration in Europa oder den einzelnen Mitgliedsstaaten gestalten sich in der Regel problematisch : (quelle)
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