Stone BKH1.JPG]] Michel Foucault * (* 15. Oktober 1926 in Poitiers; † 25. Juni 1984 in Paris) war ein französischer Philosoph.
1962 folgte die Professur in Clermont-Ferrand. Dort lernte er seinen Lebensgefährten, Daniel Defert, mit dem er eine nicht-monogame Beziehung führte, kennen.
1969 hält Foucault am Collège de France den Vortrag "Was ist ein Autor?", der einen wichtigen Beitrag zur Debatte um die Rolle des Autors in der modernen Literatur leistet. Mit "Les mots et les choses" (dt. "Die Ordnung der Dinge") 1966 erzielt er einen großen Erfolg. In seiner folgenden Arbeit "L'archéologie de savoir" (dt. "Archäologie des Wissens") 1969 reflektiert er systematisch die Methodik dieses Werkes.
1970 wird er mit knapper Mehrheit auf den von ihm neu definierten Lehrstuhl 'Geschichte der Denksysteme' am Collège de France berufen. In seiner Antrittsvorlesung "L'ordre du discours" (dt. "Die Ordnung des Diskurses") formuliert er das Forschungsprogramm, das auch auf der "Archäologie des Wissens" basiert. Er engagiert sich in der Öffentlichkeit für die Rechte von Gefangenen. 1975 erscheint in der Folge sein Buch "Surveiller et punir. La naissance de la prison" (dt. "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses").
Ab dieser Phase seines Werkes setzt er sich vertieft mit der Beziehung zwischen Macht und Wissen auseinander (siehe auch Wissenssoziologie). In "Der Wille zum Wissen" grenzt er sich von seinem früheren, "juridisch-diskursiven" Machtbegriff ab, nach dem Macht als repressiv verstanden wurde und auf Gehorsam (z.B. gegenüber Gesetzen) abzielte. Die von ihm geprägte „strategisch-produktive“ Machtvorstellung betont dagegen, dass Machtbeziehungen multipel sind, überall entstehen und wirken. Sie sind allen anderen Arten von Beziehungen (z.B. ökonomischen) immanent und durchziehen somit auch kursierendes Wissen. Dieser Foucaultsche Machtbegriff ist schwer zu denken, da er einerseits Machtwirkungen auf analysierbare Strategien und Taktiken zurückführt, andererseits diese Absichten nicht auf die Entscheidung eines Subjektes zurückführt: Es könne gar möglich sein, dass niemand sie entworfen habe.
1976 veröffentlicht er den ersten Teil seines letzten großen Werkes, der "Histoire de la sexualité" (dt. "Sexualität und Wahrheit"), "La volonté de savoir" (dt. "Der Wille zum Wissen"). Danach folgt eine längere Pause in der Veröffentlichungstätigkeit, in der er in seinen Forschungen immer weiter in der Geschichte zurückgeht, um den Etablierungsprozess des Prinzips des "Menschen des Begehrens" nachzuverfolgen. Erst 1984 erscheinen die Bände zwei und drei des nun neukonzipierten Werks: "L'usage des plaisirs" (dt. "Der Gebrauch der Lüste") und "Le souci de soi" (dt. "Die Sorge um sich"), die die antike Philosophie als Lebensform reformulieren. Am 25.6.1984 stirbt Foucault in Paris an Komplikationen im Zusammenhang mit AIDS. Der vierte und letzte Band "Les aveux de la chair" liegt zu diesem Zeitpunkt in bereits weitgehend redigierter Form vor. Er wird aber von den Erben aufgrund seines quasi-testamentarisch geäußerten Wunsches, "keine posthumen Veröffentlichungen" zu erlauben, nicht zur Publikation freigegeben.
Möchte man Foucault einer philosophischen Richtung zurechnen, so ist die Bezeichnung Poststrukturalist am ehesten zutreffend. Er war kein Strukturalist, wie er selbst wiederholt betonte. Aus marxistischer Sicht wird Foucaults Denken zwar eine Logik des fortgeschrittenen Kapitalismus zugeschrieben, gleichzeitig jedoch kritisiert, er würde kritisches Denken durch eine fiktionalistische Festschreibung eines Erkennens durch Ununterscheidbarkeit in Frage stellen.
Foucault beginnt seine Analyse im Mittelalter. In dieser Zeit werden Leprakranke aus der Gesellschaft ausgeschlossen und weggeschickt (15. Jahrhundert). Nach dem Verschwinden der Leprakrankheit wurden an Wahnsinn Erkrankte zunehmend wie zuvor die Leprakranken behandelt und weggeschickt; im 17. Jahrhundert ging man dazu über, sie einzusperren. Schließlich wird der Wahnsinn eine Krankheit der Seele und - seit Freud - eine geistige Krankheit.
Foucault betont die Art, in der der Wahnsinnige sich von einem gesellschaftlich akzeptierten Teil der gesellschaftlichen Ordnung zu einer Person entwickelt, die eingeschlossen und ausgeschlossen wird. Er betrachtet auch die Behandlungsmethoden, besonders die von Philippe Pinel und Samuel Tuke. Er behauptet, dass ihre Methoden nicht weniger Kontrolle ausüben als frühere Behandlungsweisen. Der von Tuke progagierte Rückzug auf das Land bestrafe den Wahnsinnigen solange, bis er normales Verhalten lerne. In ähnlicher Weise funktioniere auch Pinels Behandlung des Wahnsinnigen durch eine Aversions-Therapie, die solche Behandlungen einschloss wie eiskalte Duschen und den Gebrauch der Zwangsjacke. Für Foucault bedeuten beide Ansätze wiederholte Grausamkeit, die den Patienten dazu zwingen sollten, Urteil und Strafe zu verinnerlichen.
Foucaults zweites größere Buch Die Geburt der Klinik: Eine Archäologie des ärztlichen Blicks (im Original Naissance de la clinique: une archeologie du regard medical) wurde 1963 veröffentlicht. In Fortsetzung von Wahnsinn und Gesellschaft spürt die Geburt der Klinik der Entwicklung der Medizin und besonders der Institution der Klinik nach, womit hauptsächlich universitäre Lehrkrankenhäuser gemeint sind. Das Konzept des Blicks (engl. gaze) hat einige Folgediskussion ausgelöst und Foucault distanziert sich von ihm in der Archäologie des Wissens. Die Einleitung zur deutschen Ausgabe soll aus der Zeit der Archäologie des Wissens stammen.
Foucaults Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften (Les Mots et les choses. Une archéologie des sciences humaines) wurde 1966 veröffentlicht. Der deutsche Titel entspricht dem Wunsch Foucaults, der sich für die französische Ausgabe den Titel L'Ordre des Choses wünschte, aber davon auf Wunsch des Herausgebers Pierre Nora absah.
Das Buch beginnt mit einer längeren Diskussion des Bildes Las Meninas von Diego Velázquez und seiner komplexen Anordnung von Sichtlinen, Verborgenem und Sichtbarem. Die zentrale These des Buches besagt, dass sich im wissenschaftlichen Diskurs (der wissenschaftlichen Rede, also vorwiegend das Geschriebene) bestimmte Konfigurationen, die Foucault episteme nennt, in Perioden festmachen lassen. (Nebenbei: Jean Piaget vergleicht in seinem einflussreichen Buch "Der Strukturalismus" Foucaults Episteme mit Thomas Kuhns Begriff des Paradigma, vergleichbar auch mit dem Begriff der Semantik.)
Die Ordnung der Dinge machte Foucault als eine intellektuelle Figur in Frankreich bekannt. In der Folge attackierte Jean-Paul Sartre in einer Aufsehen erregenden Rezension Foucault als Überbleibsel der Bourgeoisie.
1978 hat Foucault im Auftrag des Corriere della Sera über die erste Etappe der "iranischen Revolution" journalistisch berichtet. Er begrüßte die Islamische Revolution unter der Führung von Ajatollah Khomeini, den er mehrmals traf und als "mythisches Oberhaupt der Revolte" bezeichnete. In dem Umsturz erblickte er das Scheitern der westlichen Moderne und das Heraufziehen einer "antipolitischen Politik". Später hat Foucault seine Äußerungen über die islamische Revolution in Iran mit Bedauern zurückgenommen.
Diese und weitere politische Einlassungen des Philosophen führten zu der These, Foucaults verdienstvolles Werk müsse von seinen radikalen, romantisierenden und antidemokratischen Positionen getrennt gewürdigt werden.
Andererseits hatte Foucault mit seinem politischen Engagement in der Antipsychiatrie- und Gefängnisbewegung sein Gespür für politisch sensible Bereiche bewiesen. Dass sein Werk v.a. auch im Feminismus rezipiert wurde, weist darauf hin, dass sich auch progressive Politik mit Foucault'schen Mitteln denken lässt.
Antipsychiatrie | Mann | Franzose | Philosoph (20. Jh.) | Postmoderne | Soziologe (20. Jh.) | Geboren 1926 | Gestorben 1984
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