Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski (russisch Михаил Николаевич Тухачевский; * 4./16. Februar 1893 auf Alexandrowskoje, Gouvernement Smolensk ; † 12. Juni 1937 in Moskau) war ein Marschall der Roten Armee in der Sowjetunion. Tuchatschewski trug den Beinamen „Der rote Napoleon“. Er fiel den Säuberungen unter Stalin zum Opfer.
Nach der Oktoberrevolution trat er 1918 in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) und die Rote Armee ein.Ränge (Dienstgrade) gab es zu der Zeit nicht. Im Bürgerkrieg führte er u.a. Truppen gegen die Koltschak-Armee an und war an der Unterdrückung des Aufstandes der Kronstädter Matrosen 1921 beteiligt. Seit 1920 war Tuchatschewski Mitglied des Generalstabes; während des Sowjetisch-polnischen Krieges kommandierte er die Westfront.
Nach dem Bürgerkrieg war Tuchaschewski maßgeblich beim technischen Aufbau der Strukturen der Roten Armee beteiligt; die sowjetischen Luft- und Marinestreitkräfte wurden unter seiner Führung ausgebaut. 1931 übernahm er die Leitung des Revolutionären Kriegskomitees (Реввоенсовет); 1934 wurde er stellvertretender, 1936 erster stellvertretender Volkskommissar (= Minister) für Verteidigung der Sowjetunion. Den Leninorden erhielt er 1933.
Parallel stieg Tuchatschewski auch in der Parteihierarchie auf; 1935 wurde er Kandidat für das Zentralkomitee der KPdSU, im gleichen Jahr ernannte man ihn zum Marschall der Sowjetunion, von den fünf ersten Marschällen der Sowjetunion war er der jüngste.
Am 22. Mai 1937 wurde Tuchatschewski auf direkten Befehl Stalins und des NKWD-Chefs Jeschow ohne gerichtliche oder staatsanwaltliche Grundlage verhaftet und der "Leitung antisowjetischer und trotzkistischer Organisationen innerhalb der Roten Armee" angeklagt. Am 11. Juni wurden ihm im vierten Moskauer Prozess vom obersten Gericht der Sowjetunion seine militärischen Ränge und Titel aberkannt und er wurde zum Tode verurteilt.
Am 12. Juni 1937 wurde er erschossen. Seine Frau Nina J. Grintschewitsch wurde zunächst verbannt und 1941 ebenfalls erschossen. Fast seine ganze Familie wurde entweder inhaftiert oder zu Lagerhaft verurteilt. Drei seiner Schwestern überlebten bis 1957, als Tuchatschewski offiziell rehabilitiert wurde.
Der Prozess gegen Tuchatschewski war der Auftakt der blutigen Säuberungen innerhalb der Roten Armee, in deren Verlauf drei Marschälle, 13 Generäle sowie ca. 5000 Offiziere hingerichtet wurden. Im Falle Tuchatschewskis soll diesem unter anderem die Niederlage der von ihm geführten Roten Armee im Krieg gegen Polen vorgeworfen worden sein, die schließlich zur Unterzeichnung des Friedens von Riga 1921 führte.
Mann | Russe | Militärperson (Sowjetunion) | Marschall der Sowjetunion | Politiker (Sowjetunion) | Erster Weltkrieg (Person, Russland) | Russischer Bürgerkrieg (Person) | Geboren 1893 | Gestorben 1937
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