Michail Bogdanowitsch (Michael Andreas) Barclay de Tolly (russisch Михаил Богданович (Михаил Андреас) Барклай-де-Толли; * 24. Dezember 1761 in Zeimys, Litauen; † 26. Mai 1818 in Insterburg, Preußen) war ein russischer General und Kriegsminister.
Im Krieg gegen Napoleon (1806) spielte Barclay de Tolly eine entscheidende Rolle in der Schlacht von Pultusk und wurde bei Preußisch-Eylau verwundet, wo ihm seine persönliche Tapferkeit den Rang eines Generalleutnants einbrachte.
Im Jahre 1808 kommandierte er eine russische Armee in Finnland im Kampf gegen die Schweden und eroberte im Jahre 1809 Umeo nach einem wagemutigen Marsch über den gefrorenen Bottnischen Meerbusen. Im Jahre 1810 wurde er zum russischen Kriegsminister ernannt, einen Posten, den er bis 1813 behielt.
Im Jahre 1812 erhielt Barclay de Tolly den Oberbefehl über alle russischen Armeen im Kampf gegen Napoleon. Es gab starken Widerstand gegen die Ernennung eines Deutschen zum Oberbefehlshaber und nach der Zerstörung von Smolensk war der Aufschrei so groß, dass er sein Amt niederlegte und unter dem Oberbefehl Kutusows eine weniger bedeutsame Stellung einnahm. Barclay kämpfte in der Schlacht von Borodino, verließ aber bald danach die Armee.
Im Jahre 1813 begab er sich erneut in die Dienste der russischen Armee und nahm an den Befreiungskriegen teil. Nach der Schlacht von Bautzen wurde er erneut zum Oberfehlshaber der russischen Truppen ernannt und führte die russische Armee in der Völkerschlacht bei Leipzig (1813). Barclay de Tolly war auch Oberbefehlshaber der russischen Armee bei ihrem Vormarsch nach Frankreich (1814).
Nach Ende der Kriegshandlungen wurde er zum Fürsten ernannt. Er setzte sich in Livland (der Heimat seiner Frau) zur Ruhe. Er starb in der Nähe Insterburg (Preußen) am 26. Mai 1818. Die Gerüchte, dass es sich um Giftmord handelt, haben sich als unbegründet erwiesen. Er ist in einem heute noch erhaltenen Mausoleum in Estland beigesetzt. Ihm zu Ehren wurde seine Büste in der Walhalla aufgestellt; eine weitere Büste steht auf einem Denkmal des nach ihm benannten Platzes in der estnischen Stadt Tartu. 1913 errichtete die Stadt Riga ein von Bildhauer Wilhelm Wandschneider geschaffenes Denkmal mit einem fast 5 Meter großen Bronzestandbild Barclay de Tollys. Dies ging bereits 1915 verloren (auf ein Schiff evakuiert und in der Rigaer Bucht versenkt) und wurde 2002 rekonstruiert und auf dem erhaltenen Originalsockel wieder aufgestellt.
Da Barclays Familie Ende des 19. Jahrhunderts auszusterben drohte, wurde der Fürstentitel auf die Familie seiner Schwester übertragen (Barclay de Tolly-Weymarn).
Von Barclay de Tolly stammte die kriegstaktische Idee, Napoleon bis weit nach Russland vordringen zu lassen und dann mit überfallartigen Angriffen aus dem Hinterhalt zu bekämpfen (verbrannte Erde).
Mann Deutsch-Balte | Militärperson (Russland) Politiker (Russland) | Koalitionskriege (Person, Russland) | Geboren 1761 | Gestorben 1818
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