Methanol, auch Methylalkohol, Karbinol oder Holzgeist ist der einfachste Alkohol, der Alkohol des Methans mit der Summenformel CH3OH. In der Natur kommt es in Baumwollpflanzen, Heracleum-Früchten, Gräsern und in ätherischen Ölen vor. Es ist ein primärer, einwertiger Alkohol.
Historisch
Schon in der Antike benutzten die Ägypter zur
Balsamierung ihrer Toten ein Substanzgemisch, welches unter anderem Methanol enthielt.
1834 wurde schließlich die elementare Zusammensetzung von Methanol von den französischen Chemikern Jean Baptiste Dumas und Eugene Peligot geklärt. Sie gaben der Substanz den Namen "methylene". Methylene ist eine Zusammensetzung aus den griechischen Worten Methu (Wein) und hyle (Holz). 1923 entwickelte Matthias Pier für die BASF einen Prozess, um aus Kohle und Wasserstoff Methanol zu synthetisieren. Dieser Prozess basierte auf einem Zink-Chrom-Katalysator, extrem hohen Drücken und Temperaturen. In modernen Methanolsynthesen werden effizientere Katalysatoren eingesetzt, die die Verwendung von moderateren Temperaturen und Drücken erlauben.
Chemische Eigenschaften
Auf Grund der polaren
Hydroxylgruppe lässt sich Methanol mit
Wasser in jedem Verhältnis mischen. Methanol verbrennt mit blauer, fast unsichtbarer Flamme und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische.
Anwendung
Als Kraftstoff
Methanol kann in mindestens vier verschiedenen Varianten als Kraftstoff eingesetzt werden:
- Zur direkten Gewinnung elektrischer Energie in einer Direktmethanol-Brennstoffzelle
- Durch direkte Verbrennung von Methanol. Durch die Hydroxidgruppe und der damit verbundenen Teiloxidation des Kohlenstoffes ist der Brennwert etwas geringer als bei nichtoxidierten Kohlenwasserstoffen. Methanol (CH4O beziehungsweise formal CH3OH) setzt bei der Verbrennung eine Energiemenge von ca. 725 kJ/mol
[http://webbook.nist.gov/cgi/cbook.cgi?ID=C67561&Units=SI&Mask=2#Thermo-Condensed] (Verbrennungsenthalpie) frei, während Methan (CH4) eine Energiemenge von 890 kJ/mol [http://webbook.nist.gov/cgi/cbook.cgi?ID=C74828&Units=SI&Mask=1#Thermo-Gas] freisetzt bei gleicher CO2-Menge je mol eingesetztem Brennstoff. Im Motorsport wird es unter anderem als Treibstoff für Motoren in Dragster-Rennen eingesetzt. Methanol weist gegenüber Erdgas den Vorteil auf, dass es als Flüssigkeit gut speicherfähig und transportabel ist.
- Durch Veresterung von Methanol mit Rapsöl wird Biodiesel gewonnen. Methanol wird einerseits als Zusatz zu Vergaserkraftstoffen benutzt, um die Klopffestigkeit zu erhöhen, kann aber auch direkt als Kraftstoff genutzt werden. Früher wurde es auch als Raketentreibstoff verwendet. Heute ist es als chemischer Träger von Wasserstoff für Brennstoffzellen von wissenschaftlichem Interesse.
- Durch Umsetzung von Methanol an Zeolith-Katalysatoren zur Totalsynthese hochoktaniger Kraftstoffe. Durch das MTG-Verfahren (Methanol to Gasoline) kann Erdgas über das Zwischenprodukt Methanol zu hochoktanigen Kraftstoffen umgesetzt werden. Eine Pilotanlage mit einer Produktionsleistung von 1.700 t Kraftstoff pro Tag wurde bereits von Total in Neuseeland errichtet. Zusammen mit dem MTO- (Methanol to Olefines) und dem MTA-Verfahren (Methanol to Aromats) sowie dem Gas-to-Liquids (GtL) Prozess stehen viele wichtige petrochemische Grundstoffe auf synthetischem Weg aus mittelfristig unkritischeren Rohstoffen wie Erdgas und Kohle zur Verfügung. Erste Produkte der vollsynthetischen Produktion von hochwertigen Kraftstoffen sind unter anderem unter Markennamen wie „V-Power“ an der Zapfsäule erhältlich.
In der Chemie
Methanol ist eines der wichtigsten Ausgangsstoffe für Synthesen in der chemischen Industrie. Es wird vor allem für folgende Produkte bzw. Reaktionen verwendet (nach der eingesetzten Menge geordnet):
MTBE_Herstellung.png
- Oxidation mit Sauerstoff am Silber-Katalysator zu Formaldehyd, aus dem duroplastischen Kunststoffen (Phenolharze) hergestellt wurden (Dieses Verfahren wird großtechnisch nicht mehr praktiziert):
Formaldehyd_Herstellung.png
Essigsäure_Herstellung.png
Sonstige Anwendungen
Methanol wird in Erdölleitungen als Frostschutzmittel eingesetzt.
Herstellung von Biodiesel
Herstellung
Historisch wurde Methanol schon im
17. Jahrhundert durch trockene
Destillation (= Erhitzen unter Luftabschluss,
Pyrolyse) von Laubholz gewonnen. Im Holzdestillat befanden sich etwa 1,5 - 3 % Methanol, 10 % Essigsäure, 0,5 % Aceton, Essigsäuremethylester, Acetaldehyd, Holzteer und im Gasgemisch Wasserstoff, Kohlenstoffmonoxid und Ethen.
Heutzutage wird Methanol großtechnisch aus
Synthesegas hergestellt. Als Nebenprodukte fallen
Ethanol und
Dimethylether an.
Methanol_synthese2.png
Die Weltjahresproduktion lag im Jahr 2005 bei circa 30 Mio t. Die größten Hersteller sind die Methanex Corporation mit einer Jahresproduktion von 5,3 Mio t mit Sitz in Vancouver, Canada, und die Methanol Holdings (Trinidad) Ltd. in Trinidad mit einer Produktionsmenge von 4 Mio t/a (Stand 2005).[http://www.methanex.com/ourcompany/index.html][http://www.ttmethanol.com/index.htm]
Nachweis
Organoleptisch: Methanol hat einen unverwechselbaren nicht alkoholischen, jedoch süßlichen Geruch wie z.B. Ethanol.
Methanol wird mit Borax vermischt und angezündet. Dabei entsteht Trimethylborat, das mit grüner Flamme verbrennt. Diese Reaktion funktioniert mit gleichem Ergebnis auch mit Ethanol, allerdings nur mit einem Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure. Die Flamme des Ethanol ist deutlich gelblicher - was mit der höheren Anzahl an Kohlenstoffatomen im Triethylborat zusammenhängt. Deswegen können Ethanol und Methanol mit dieser so genannten Boraxprobe unterschieden werden.
Giftigkeit
Methanol ist ein starkes Nervengift, welches bevorzugt den Sehnerv schädigt.
Wird Methanol getrunken, kann es zum Erblinden führen.
Um bei der Herstellung von Spirituosen eventuell entstandenes Methanol zu entfernen, muss bei der
Destillation die Methanolfraktion abgetrennt werden, wofür die Destillationstemperatur genau kontrolliert werden muss. Die
letale Dosis liegt bei etwa 5 bis 50 g. Manche minderwertige Spirituosen können beträchtliche Mengen Methanol enthalten, welche bei häufigem Genuss bedenklich sind.
Quellen
Siehe auch
DMFC,
Brennstoffzelle
Weblinks
- http://www.methanol.org/ Methanol Institut, Arlington
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