article

Als Metastase (griechisch μετάσταση, von μετα~, meta~ - weg~ und στάση, stáse - die Stelle, Haltung, der Ort, also etwa die Übersiedelung an einen anderen Ort) wird eine hypothetisch definierte Absiedlung eines bösartigen Tumors oder eines Infektionsherdes bezeichnet. Die heutige praktizierte Onkologie basiert auf dieser Theorie.

Die lateinische Bezeichnung ist Filia, die Tochter, Mehrzahl Filiae, und bedeutet das Tochtergeschwulst.

Metastasen im engeren Sinne bezeichnen Absiedlungen eines Tumors in entferntem Gewebe. Der Begriff wird aber auch für die septische Streuung von Erregern benutzt, z.B. bei der Streuung einer Endokarditis in zahlreiche Organe.

MBq_Metastase.jpg

Ursachen


Das Verständnis der Ursachen einer Metastasierung basiert derzeit auf in sich schlüssigen Hypothesen. Eindeutige wissenschaftliche Beweise fehlen noch. So konnte bis jetzt z.B. bei einer hämatogenen Fernmetastase kein Informationsträger im Blut isoliert werden, der eine Wanderung vom Haupttumor beweisen würde. Es ist auch keine Studie bekannt, die Metastasen von Haupttumoren differenzieren kann. Dennoch ist diese nachvollziehbare Hypothese weitläufig anerkannt. Sie besagt, dass im Rahmen der Entartung, mitotische Zellteilungen vorausgesetzt, Verbindungen zum umliegenden Gewebe gekappt werden könnten. Bei dieser Kappung scheinen Zellverbände abzuschilfern und zu wandern. Weiterhin vermutet man einen Defekt der Adhäsionsmoleküle auf der Oberfläche maligner Zellen, die für den Zellverbund unerlässlich sind. Der eigentliche Prozess der erneuten Festsetzung in fremdem Gewebe ist allerdings noch unsicherer erfasst und daher ein Schwerpunkt der Krebsforschung.

Einteilung von Metastasen


Man unterscheidet gemäß der TNM-Klassifikation lokale, regionäre und Fernmetastasen. Lokale Metastasen entstehen in unmittelbarer Nähe des Primärtumors durch Verschleppung von bösartigen Tumorzellen in das umgebende Gewebe, auch über Organgrenzen hinweg. Diese Verschleppung kann auch über Stichkanäle oder Schnitte in Tumorgewebe begünstigt werden, man spricht dann von Impfmetastasen.

Regionäre Metastasen entstehen in der Regel, wenn Tumorzellverbände in die Lymphgefäße abschilfern und sich in den organ- und lagespezifischen Lymphknoten festsetzen. Die Erfassung von regionären Lymphknotenmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikation durch die N-Kategorie. Bei regionären Lymphknotenmetastasen spricht man auch von lymphogenen Metastasen.

Fernmetastasen entstehen analog dazu, wenn Tumorzellverbände in Venen abschilfern und in entfernten Organen absiedeln, oder durch Abtropfung oder Abklatschung von Tumorzellen in Körperhöhlen. Klassisches Beispiel für eine Abtropfmetastase ist der Krukenberg-Tumor eines Siegelzellkarzinoms des Magens mit zumeist beidseitigen Fernmetastasen an den Ovarien. Fernmetastasen über den Blutweg werden hämatogene Metastasen genannt. Die Erfassung von Fernmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikationen durch die M-Kategorie.

Je nach Lokalisation und histologischem Typ metastasieren maligne Tumoren in unterschiedlichem Maße lymphogen und hämatogen. Auch die Lokalisation von Fernmetastasen ist in großem Maße abhängig von Histologie und Lokalisation des Primärtumors.

Lokalisation von Metastasen


Niere Metastase-2.jpg Bei Krebserkrankungen werden neben dem Primärtumor in der Regel die Lymphknoten der Abflussbahn und „suspekte“ Lymphknoten aus der vorhergehenden Diagnostik (körperliche Untersuchung, Computertomografie, Magnetresonanztomografie) mit entnommen und histopathologisch auf regionäre Metastasen untersucht. Bei unklarer Lymphabflussbahn, z.B. bei Hauttumoren, wird über das Einspritzen radioaktiv markierter Farbe der Sentinel-Knoten („Wächterknoten“) mittels Geigerzähler und Farbmarkierung operativ aufgesucht. Lymphknotenmetastasen verschlechtern die Prognose und führen bei kurativem Ansatz zu einer aggressiveren Therapie.

Verschiedene Organe haben verschiedene bevorzugte Fernmetastasenlokalisationen. In der Regel wird dabei der Pfortader- vom Cava-Typ unterschieden. Zum Pfortadertyp zählen die malignen Tumoren der Organe des Verdauungstrakts (untere Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse, Dünn- und Dickdarm, oberer Mastdarm), welche bevorzugt in die Leber metastasieren, weil ihr venöses Blut über die Pfortader erst in die Leber und dann in die Vena cava gelangt. Alternativ können lymphogene und Abklatschmetastasen am Peritoneum vorkommen. Das Maximalbild zahlreicher Peritonealmetastasen wird Peritonealkarzinose genannt. Streng genommen handelt es sich dabei aber nur um Metastasen eines Karzinoms, die allerdings die weitaus größte Gruppe maligner gastrointestinaler Tumoren ausmachen.

Die meisten anderen Krebsarten gehören zum Cava-Typ. Sie metastasieren am ehesten in Skelett, Gehirn und Lunge, aber auch in die Leber und Milz. Metastasen bei bösartigen Tumoren vom Pfortadertyp können ebenfalls in diesen Organen vorkommen, dabei handelt es sich in der Regel um sekundäre Metastasen, d.h. Metastasen, die von einer Lebermetastase ausgehen und nicht vom Primärtumor.

Verschiedene Tumoren metastasieren auch häufig in die Haut, es handelt sich dabei vor allem um Metastasen des malignen Melanoms sowie anderer Hauttumoren und um Tumoren des hämatoonkologischen Formenkreises, also Bluttumoren, vor allem um Lymphome.

Milz_Metastase_Powerdoppler.jpg per amplitudenkodiertem Doppler. Der Tumor ist gekennzeichnet durch die Farbansammlung im Zentrum des Bildes. Sp-Milzgewebe]] Zur Lokalisation von Fernmetastasen werden bei gesichertem Primärtumor aus diesem Grund im Sinne eines Stagings routinemäßig folgende Untersuchungen veranlasst:

  • Skelettszintigrafie zum Auffinden von osteoklastischen oder osteoblastischen Knochenmetastasen. Osteoklastische Metastasen zerstören Knochengewebe, osteoblastische regen über Zytokine ein lokales Knochenwachstum an (z.B. bei Prostatakarzinomen und Osteosarkomen).
  • Computertomografie oder Magnetresonanztomografie der Bauch-, Thorax- und Schädelhöhle zum Auffinden von Leber-, Peritoneal-, Lungen- und Hirnmetastasen. Bei gastrointestinalen Tumoren wird dabei gleichzeitig der Befall lokoregionärer Lymphknoten im Bauchraum, bei Lungenkrebs der lokoregionären Lymphknoten im Brustraum untersucht.
  • Lebersonografie zur Suche nach Lebermetastasen.

Bei HNO-Tumoren gehört daneben zur Metastasensuche die Panendoskopie. Bei gynäkologischen und urologischen Tumoren ist ein lokoregionäres Tumorwachstum in umliegende Organe besonders häufig, deshalb ist die wichtigste Staginguntersuchung die Computertomografie des kleinen Beckens.

Fernmetastasen verschlechtern die Prognose rapide, da in der Regel bei Vorliegen einer sichtbaren Fernmetastase multiple Mikrometastasen vorhanden sind.

Ein weiterer prognostischer Faktor ist das Vorhandensein von Mikrometastasen.

Fast nie von Metastasen betroffen sind Herz, Milz und Nieren; dies ist umso verwunderlicher, da diese Organe einen hohen Blutdurchfluss haben. Warum diese Organe seltener befallen werden, ist ebenfalls noch nicht sicher abgeklärt. Ebenfalls sehr selten sind Metastasen in anderen Organen wie Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm (außer durch lokales Wachstum), Schilddrüse, Thymus und Nebenniere.

Dignität von Metastasen


In der Regel sind Metastasen deutlich schlechter differenziert als der Primärtumor, ihre histologischen Eigenschaften sind vom Ursprungsgewebe deutlich entfernt und sie zeigen eine erhöhte Wachstumsprogredienz. Aus diesem Grund werden viele Krebspatienten bei Vorliegen von ausgedehnten Metastasen - je nach Ursprungstumor - nur noch palliativ behandelt.

Siehe auch


Krebs, TNM-Klassifikation, Tumor, Histologie

Weblinks


Pathologie | Krebserkrankung

Metastase | Metastasis | Metástasis | Métastase (médecine) | גרורה | Áttét | Metastasi | 転移 (医学) | Metastazė | Uitzaaiing | Przerzuty nowotworowe | Metástase | Метастаз | Metastáza | Metastas | Metastaz

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Metastase".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld