Die Metaphysik (Originaltitel τὰ μετὰ τὰ φυσικά "Die nach der Physik") ist ein Werk des griechischen Philosophen Aristoteles aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das einem Teilgebiet der Philosophie, der Metaphysik, seinen Namen gegeben hat.
Das Buch I setzt sich mit den Lehren der Vorläufer auseinander und stellt die vier Ursachen des Seienden vor (causa materialis, formalis, efficiens und finalis).
Als Lösung des von Parmenides aufgestellten Problems der Möglichkeit von Veränderungen vor dem Hintergrund des unveränderlichen Seins entwickelt er die Unterscheidung zwischen Substanz, dem unveränderlichen Grund des Seienden, und den Akzidentien, den der Substanz zukommenden Eigenschaften.
In den Büchern VI bis X begründet Aristoteles die sogenannte Erste Philosophie, d.h. die Wissenschaft vom Seienden. Als Unterthemen behandelt er darin die Begriffe der Möglichkeit und Wirklichkeit (Potenz und Akt), sowie Wahrheit, Gott (Gottesbeweis) und Theologie.
Grundlage der Substanztheorie ist die Lehre des Hylemorphismus, die besagt, dass Dinge aus zwei Komponenten zusammengesetzt sind:
Zur Veranschaulichung nennt Aristoteles das Beispiel einer Bildsäule: Sie ist zusammengesetzt aus der Gestalt (z.B. einer dargestellten Götterfigur) und dem vom Bildhauer bearbeiteten Material (z.B. Erz). Die Form gibt der Materie eine Bestimmung, und beide zusammen ergeben die Bildsäule als Gegenstand (synholon).Was ist nun unter Substanz zu verstehen? Substanz ist etwas, das als Bestandteil von Dingen seinsbestimmend ist, also ein Prinzip oder eine Ursache für das Sein der Dinge. Was dieses seinsbestimmende Prinzip nun inhaltlich sein kann, dafür kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. In Buch VII, Kapitel 3 nennt Aristoteles vier mögliche Kandidaten:
Als Art (species) bestimmt das eidos, was ein Ding dem Wesen nach ist. Es bestimmt so das eigentliche Was eines Dinges. Bsp. "Sokrates ist ein Mensch." Vom Einzelwesen Sokrates wird die Art "Mensch" ausgesagt. Das Menschsein gibt das Was-Sein von Sokrates an.
Als Form bestimmt das eidos das Was-Sein von Materie. Anders ausgedrückt, das eidos gibt der Materie erst seine Bestimmung. Bsp. "Der Körper von Sokrates hat Menschengestalt." Die bestimmungslose Körpermaterie (Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Sauerstoffatome u.a.) erhält erst durch Angabe der Form, nämlich Menschengestalt, seine Was-Bestimmung.
Damit erfüllt das eidos als "Was-es-war-zu-Sein" die Anforderung, Substanz von etwas zu sein, und zwar wie gezeigt auf zwei Ebenen: als Art auf der Ebene der zusammengesetzten Einzeldinge, als Form auf der Ebene der Komponenten von Einzeldingen.
Um die Getrenntheit von Einzelnem und Allgemeinem zu umgehen, muss die Identität beider angenommen werden. Das ist so zu verstehen, dass das Allgemeine in den Einzeldingen vorhanden ist und somit untrennbar mit ihnen verbunden ist. Mittels Abstraktion, also einer geistigen Leistung, die unwesentliche Eigenschaften der Einzeldinge herausfiltert, gelangt man zur Erkenntnis des Allgemeinen als der wesentlichen Eigenschaften der Dinge. Das Allgemeine ist aber in den Dingen innewohnend, kann also nicht unabhängig von ihnen existieren. Damit erfüllt es nicht die Anforderung, selbstständig existieren zu können, kann also nicht Zugrundeliegendes sein und kommt daher auch nicht als Substanz in Frage.
Die skizzierte Argumentation begründet die Aristotelische Auffassung zum Universalienproblem, die als gemäßigter Realismus bezeichnet wird, im Gegensatz zur Auffassung des Platonismus, die eine unabhängige Existenz des Allgemeinen vor allem Einzeldinglichen postuliert.
Philosophisches Werk | Griechische Philosophie | Metaphysik | Antike | 4. Jahrhundert v. Chr.
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