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Die Metapher (griechisch μεταφορά - „Übertragung“, von metà phérein - „anderswohin tragen“) ist eine rhetorische Figur, bei der ein Wort nicht in seiner wörtlichen Bedeutung, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht wird, und zwar so, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der übertragen gemeinten eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.

Sie gehört in der Rhetorik zu den Tropen, den Arten uneigentlicher Bezeichnung und unterscheidet sich von anderen Tropen dadurch, dass die Beziehung zwischen dem wörtlich Gesagten und dem übertragen Gemeinten speziell eine Beziehung der Ähnlichkeit ist und nicht oder nicht in erster Linie z.B. eine Beziehung der Nachbarschaft oder Kontiguität (Metonymie), zwischen Besonderem und Allgemeinen (Synekdoche), oder der Kontrarietät (Ironie).

Metaphern werden gebraucht, weil für die gemeinte Sache kein eigenes Wort existiert (Beispiel: „Stuhlbein“), weil ein abstrakter Begriff durch einen anschaulicheren Sachverhalt versinnfälligt werden soll (Beispiel: „Zahn der Zeit“), oder weil diejenige Eigenschaft, auf der die Ähnlichkeit beruht, besonders hervorgehoben werden soll (Beispiel: „der Löwe von Münster“ für Clemens-August von Galen zur Betonung seiner kämpferischen Haltung im NS-Widerstand).

Metapher bei Aristoteles


Ansätze zu einer Theorie der Metapher finden sich zuerst bei Aristoteles, in dessen Poetik und Rhetorik. In der Poetik verwendet er den Ausdruck Metapher in der ursprünglichen, weiteren Bedeutung von "Übertragung", die in der seither entwickelten rhetorischen Terminologie in etwa dem Bedeutungsspektrum von "Tropus" entspricht:

Eine Metapher ist die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art, oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere oder nach den Regeln der Analogie. (Poetik 21, 1457b7ff. Übersetzung von M. Fuhrmann Fuhrmann, Manfred: Aristoteles. Poetik. Griechisch / Deutsch. Stuttgart 1994.

Diese vier Hauptarten, von denen die ersten beiden auf einer Beziehung zwischen Besonderem und Allgemeinem beruhen und insofern auch als Unterarten der Synekdoche eingestuft werden können, werden von ihm noch näherhin durch Beispiele illustriert:

  • Von der Gattung auf die Art: "Mein Schiff steht still" für "Mein Schiff liegt vor Anker" - das Allgemeine (Stillstehen) wird anstelle des Besonderen (vor Anker liegen) bezeichnet.
  • Von der Art auf die Gattung: "zehntausend gute Dinge" für "viele gute Dinge" - der umgekehrte Fall, bei dem das Besondere für das Allgemeine steht.
  • Von einer Art auf die andere: "Mit dem Erz die Seele abschöpfend" statt "abschneidend" - Abschöpfen und Abschneiden sind Arten des Wegnehmens, es handelt sich also um eine Ähnlichkeitsbeziehung und damit um eine Metapher im engeren Sinn.
  • Nach den Regeln der Analogie: "Abend des Lebens" für "Alter" - zwischen Tag (a) und Abend (b) besteht die gleiche Beziehung wie zwischen Menschenleben (c) und Alter (d), also a:b = c:d, so dass das zweite Glied (b) der Analogie für das vierte (d) genommen und ebenso umgekehrt "Alter des Tages" gebildet werden kann. Es handelt sich auch hier um eine Beziehung der Ähnlichkeit, also um eine Metapher im engeren Sinn.

Auch in der Rhetorik geht Aristoteles von der weiteren Bedeutung des Terminus Metapher aus und spricht von ihren vier Hauptarten, unter denen er die Analogie als die wichtigste hervorherbt (III, x, 7, 1411a). Er betont ihre besondere Eignung, das Gesagte "vor Augen zu führen" und durch Verwendung von Beseeltem für Unbeseeltes die Dinge in "Wirksamkeit" (energeia) zu vergegenwärtigen (III, xi, 1411b f.). Der Metapher eignet ein Moment der Täuschung und der Überraschung, der Abweichung von der Erwartung, zugleich ist sie aber auch Mittel des Witzes, der Erkenntnis und des Lernens, vergleichbar der Philosophie, die ebenfalls das Ähnliche in weit auseinander liegenden Dingen erkennt (III, xi, 5ff., 1412a ff.). Der Begriff der Metapher wird von Aristoteles in der Rhetorik auch noch weiter ausgedehnt, indem er ihm auch den Vergleich noch subsumiert (III, 4, 1406b f., Übersetzung von F. G. Sieveke Sieveke, Fanz G.: Aristoteles, Rhetorik, Fink, München 1980, S. 176.

Es ist aber auch das Gleichnis eine Metapher; denn der Unterschied zwischen beiden ist nur gering. Wenn man nämlich (hinsichtlich des Achilleus) sagt: "Wie ein Löwe stürzte er auf ihn", so ist es ein Gleichnis; sagt man aber: "Ein Löwe stürzte auf ihn", dann ist es eine Metapher, weil beide nämlich tapfer sind, nannte man Achilleus in übertragenem Sinne einen Löwen.

Die Einstufung des Vergleichs als Metapher (im weiteren Sinn) wurde in moderner Zeit nicht fortgesetzt, aber es ist üblich geblieben, die Metapher zu beschreiben als einen impliziten Vergleich, ohne Vergleichsausdruck ("wie").

Linguistische Metapherntheorie


In der kognitiven Linguistik gelten Metaphern als eine der wesentlichen Strukturierungen des Denkens (Lakoff/Johnson 1980). Sie werden als ‚konzeptuelle Metaphern‘ beschrieben, die einen Quellbereich mit einem Zielbereich verbinden, zum Beispiel ‚Das Leben‘ (Zielbereich) ‚ist eine Reise‘ (Quellbereich). Einem solchen Konzept lassen sich dann in der Regel bereits mehrere gängige metaphorische Ausdrücke zuordnen („Am Beginn des Lebens“, „Lebensweg“, „Stolpersteine“ etc.). Metaphorische Kreativität ist demnach vor allem innerhalb der bestehenden Konzepte möglich. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt Harald Weinrich in der Untersuchung von ‚Bildfeldern‘, denen jeweils ein ‚Bildspenderbereich‘ und ein ‚Bildempfängerbereich‘ zugeordnet sind.

Die pragmatisch orientierte Linguistik untersucht die Metapher demgegenüber nicht in ihrer konzeptuellen Funktionsweise, sondern in ihrer Funktion innerhalb einer durch Sprecher, Äußerung und Empfänger bestimmten Kommunikationssituation und geht dabei von folgenden Annahmen aus:

  1. Die Metapher ist Teil einer Äußerung, untersucht wird ihre Stelle und Funktion im Kontext. Erkannt wird sie nicht aufgrund von Regeln, sondern kontextbezogen. Der kommunikative Sinn ergibt sich aus der Äußerungssituation.
  2. Die Metapher soll nicht auf ihr Wesen hin untersucht, sondern kann nur für den jeweils konkreten Zusammenhang erklärt werden. Über die Betrachtung des Metapherngebrauchs und deren Erklärung kommt man zur jeweiligen kontextbezogenen Bedeutung. Eine umfassende Beschreibung ist daher nicht möglich.
  3. Die Metapher lässt sich nicht durch einen eigentlichen Ausdruck ersetzen oder paraphrasieren.
  4. Die Verwendung der Metapher liegt in einem Spannungsfeld zwischen Kreativität und Regelgeleitetheit. Die Metaphernbildung greift auf konventionelle Verwendungsweisen zurück, die ursprüngliche Bedeutung bleibt im neuen Verwendungszusammenhang erhalten oder teilweise erhalten.
  5. Das metaphorische Sprechen wird als kommunikatives Verfahren bewusst angewendet und enthält eine bewusste Doppeldeutigkeit. Durch den Interpretationsprozess, der entsteht, weil Inkongruenz zwischen Metapher und Kontext herrscht, findet Interaktion zwischen den Sprechern statt. Der außergewöhnliche Wortgebrauch stellt so eine sinnvolle und aufschlussreiche Abweichung dar.

Einen anderen Ansatz verfolgt Coenen mit seiner These vom Analogieverhältnis der Metapher. Das Bilden von Metaphern wird bei ihm als motivierter Akt verstanden. Ein als Metapher verwendetes sprachliches Zeichen erscheint nicht in seiner Kernbedeutung (Denotation, von Coenen als „theoretischer Anwendungsbereich“ bezeichnet), sondern mittels ihm eigener Konnotation (dem sog. „metaphorischen theoretischen Anwendungsbereich“). Dabei kommt es zu einem für den Rezipienten meist überraschenden Wechsel des Bildfeldes des sprachlichen Zeichens. Ein Bildfeld besteht nach Coenen aus einem Bildfeldbereich und dazugehöriger Positionsmenge. Zwei oder mehr voneinander verschiedene Bildfelder können mittels einer gemeinsamen Strukturformel (Analogiewurzel) verbunden werden. Eine Analogiewurzel ist dabei die Menge aller Beschreibungen, die eine Analogie begründen. Mittels dieser Stukturformel ist es möglich, die Elemente der Positionsmengen der teilnehmenden Bildfelder paradigmatisch auszutauschen und zu einer neuen Metapher zusammenzusetzen. Die Decodierung der Metapher erfolgt (sofern es sich nicht um eine „tote Metapher“ = lexikalisierte Metapher handelt) über die Konnotation ihrer sprachlichen Zeichen. Der Empfänger bedarf daher zur erfolgreichen Decodierung nicht nur des Wissens um die Kern-, sondern auch um die Randbedeutung eines sprachlichen Zeichens.

Metaphernarten (Auswahl)


Es gibt:
  • Lebendige Metaphern - Der Übertragungseffekt ist offensichtlich, zum Beispiel „Das Konzert war ein Feuerwerk“
  • Tote Metaphern - sie sind zum Begriff geworden, man nimmt sie nicht mehr bewusst wahr, beispielsweise „Tischbein“, „Handschuh“
  • Lexikalisierte Metaphern - Tote Metaphern, die als Zweitbedeutung in den Begriffswortschatz eingegangen sind. Beispiel: Schloss (Burg, die eine Tür „abschließt“)
  • Stehende Metaphern, die sich in vergleichbaren Zusammenhängen immer wieder finden, vgl. Topos.
  • Mystifizierende Metaphern, werden nur vom Fachmann richtig verstanden, für Laien jedoch unverständlich, z.B. Experte: Grippe=tödliche Krankheit, Laie: Grippe=grippaler Infekt.
  • Erhellende Metaphern, wissenschaftliche Sachverhalte werden für den Laien erhellt.
Eine Metapher ist nicht immer von einer Metonymie klar unterscheidbar: ein Tischbein ist sowohl eine Funktion, als auch aus einem anderen Bereich übertragen.

Oft werden Metaphern verwendet, wenn ein Wort durch ein anderes ersetzt werden soll, weil es tabu ist, oder weil es aus anderen Gründen nicht nennbar ist, (dann verwendet man einen Euphemismus).

Metaphern spielen beim Lernen (Wissensbildung) eine wichtige Rolle. Durch strukturelle, visuelle und funktionale Analogien können neue Inhalte wesentlich schneller erfasst und verstanden werden.

Die Wissenschaft von der Metapher nennt Hans Blumenberg ‚Metaphorologie‘. Sein Verständnis der Metapher erläutert er in seinem Werk „Paradigmen zu einer Metaphorologie“. Es steht im Gegensatz zu der traditionellen Auffassung, Metaphern seien rhetorischer Schmuck ohne eigenen Aussagewert, man könne auch in nicht-bildlicher Sprache ihre Aussage exakt wiedergeben. Blumenberg bezweifelt zwar nicht, dass es solche verzichtbaren Metaphern gibt, ist jedoch davon überzeugt, dass es auch solche geben müsse, die mehr aussagen als in der Objektsprache möglich. Diese bezeichnet er als absolute Metaphern. Fraglich ist jedoch, wo und wie diese absoluten Metaphern zu finden sind. Am vielversprechendsten scheinen Gebiete der Naturwissenschaften zu sein, auf denen noch Forschungsbedarf besteht. Der Begriff des „Schwarzen Loches“ beinhaltet immer noch mehr als seine objektsprachlichen Umschreibungen, da noch nicht alle Aspekte dieses Phänomens geklärt sind.

Beispiele für Metaphern


  • Wüstenschiff - Kamel
  • Rabeneltern - Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen
  • Jemanden in den Himmel loben - Jemandem höchstes Lob spenden
  • Leeres Stroh dreschen - Inhaltslos reden
  • Mauer des Schweigens - Ablehnendes Schweigen
  • Auf einer Erfolgswelle reiten - viel Erfolg haben
  • Jemandem nicht das Wasser reichen können - Jemandem an Fähigkeiten, Leistungen nicht annähernd gleich kommen.
  • Kaderschmiede - Bildungseinrichtung für zukünftige Kader, Führungseliten
  • Das Recht mit Füßen treten - Das Recht gering schätzen, verletzen
  • Warteschlange - für wartende Reihe von Personen, Fahrzeugen, Aufträgen
  • Der Löwe der Schlacht

Anmerkungen


Literatur


  • Beckmann, Susanne: Die Grammatik der Metapher. Eine gebrauchstheoretische Untersuchung des metaphorischen Sprechens, Tübingen: Niemeyer, 2001. 241 S. (Die Autorin untersucht, wie das Bilden und Verstehen von Metaphern adäquat beschrieben werden kann.)
  • Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie. Frankfurt a.M. 1998
  • Blumenberg, Hans: Beobachtungen an Metaphern. in: Archiv für Begriffsgeschichte XV/2, hrsg. von Karlfried Gründer, Bonn 1971, S. 161-214
  • Borges, Jorge Luis und Osvaldo Ferrari: Lesen ist denken mit fremdem Gehirn. Gespräche über Bücher und Borges. Über die Metapher, S. 155 ff.
  • Calvert, Kristina: Mit Metaphern philosophieren. Sprachlich-präsentative Symbole beim Philosopieren mit Kindern in der Grundschule, 201 S., kt., München: KoPäd-Verlag 2000
  • Caviola, Hugo: In Bildern sprechen: Wie Metaphern unser Denken leiten. Materialien zur fächerübergreifenden Sprachreflexion. Bern: hep 2003
  • Coenen, Hans Georg: Analogie und Metapher. Grundlegung einer Theorie der bildlichen Rede. deGruyter. Berlin, New York 2002
  • Drewer, Petra: Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens. Tübingen: Narr 2003
  • Gamm, Gerhard : Die Macht der Metapher. Im Labyrinth der modernen Welt. Stuttgart: Metzler 1992
  • Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1988
  • George Lakoff, Mark Johnson: Metaphors We Live By. Amsterdam/Philadelphia. 1980
  • Macho, Thomas, H.: Todesmetaphern. Frankfurt am Main 1987
  • Metaphorischer Sprachgebrauch. (Reihe: 'Arbeitstexte für den Unterricht'), Stuttgart: Philipp Reclam jun., Universal-Bibliothek Nr. 9570 (2)
  • Neswald, E.: Und noch mehr Metaphern? Zur Metaphernforschung der 90er Jahre. in: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 3/1998, Stuttgart: Frommann-Holzboog
  • Otto, Detlef: Wendungen der Metapher. Zur Übertragung in poetologischer, rhetorischer und erkenntnistheoretischer Hinsicht bei Aristoteles und Nietzsche. München: Wilhelm Fink Verlag 1998, 503 S., kart., 78 Mark
  • Rapp, Christof: Aristoteles, Rhetorik. Übersetzung und Erläuterungen, 2 Bde. Berlin 2002 (Zu Aristoteles' Theorie der Metapher: Bd. 1: III 2, 4, 10, 11. Bd. 2, Kommentare zu den entsprechenden Stellen und S. 921 ff.)
  • Rolf, Eckard: Metaphertheorien. Typologie - Darstellung - Bibliographie, de Gruyter, Berlin * 2005. ISBN 3110183315
  • Sailer-Wlasits, Paul: Die Rückseite der Sprache. Philosophie der Metapher. Wien/Klosterneuburg 2003
  • Söhngen, G.: Analogie und Metapher. Freiburg/München 1962
  • Strub, Christian: Kalkulierte Absurditäten Freiburg: Alber 1991, (Hat die Metapher in der modernen Kommunikation eine Existenzberechtigung? Der Autor entwickelt eine eigene Metapherntheorie, die den 'Skandal der Metapher' gegen gängige Theorien zu bewahren sucht.)
  • Teuwsen, Rudolf: Familienähnlichkeit und Analogie. Freiburg/München: Verlag Karl Alber 1988.
  • Weinrich, Harald: Sprache in Texten. Stuttgart 1945
  • Wetz, Franz Josef: Hans Blumenberg zur Einführung. Hamburg 1993

Siehe auch


Weblinks


Metapher

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