Metaethik nennt sich eine seit Beginn des 20. Jahrhunderts im angloamerikanischen Sprachraum entwickelte Forschungsrichtung, die keine inhaltlichen Aussagen (Neutralitätsthese) über das sittlich Gute einzelner Handlungen machen, sondern solche Aussagen auf ihre sprachliche Form und ihren erkenntnistheoretischen Status hin untersuchen will.
Der Metaethik geht es um die sprachliche Bedeutung sittlicher Prädikate wie „gut“, „richtig“, „Sollen“, „Pflicht“, auch „Handlung“, „Gewissen“, „Absicht“; sie wird daher auch: als sprachanalytische Ethik bezeichnet. Es gibt zwei Grundrichtungen, die sich teilweise überschneiden: Nonkognitivismus und Kognitivismus.
Innerhalb des Nonkognitivismus können wiederum die beiden Hauptspielarten, Emotivismus und Präskriptivismus, unterschieden werden:
Der Emotivismus geht von der Erkenntnis aus, dass in der Sprache nicht nur Information vermittelt wird, sondern auch Gefühle ausgedrückt und hervorgerufen werden. Er wurde angeregt vom Positivismus des „Wiener Kreises“ und von Ludwig Wittgenstein.
Nach dieser Auffassung kann „gut“ deshalb nicht definiert werden, weil es sich dabei nur um einen Scheinbegriff handelt. Der Satz „Du hast unrecht getan, dass du das Geld gestohlen hast," unterscheidet sich von dem Satz „Du hast das Geld gestohlen" nur durch die moralische Missbilligung, die ich in dieser Sprachhandlung zum Ausdruck bringe. Statt des Satzes „Geld stehlen ist unrecht“ könnte man ebensogut sagen: „Geld stehlen !!!“ oder diese Worte mit einem bestimmten tadelnden Ton aussprechen (Ayer).
Dabei ist zu beachten, dass nach der emotivistischen Theorie Werturteile keine Sätze sind, in denen (nicht mehr weiter analysierbare) Gefühle ausgesagt, das heißt deren Vorhandensein behauptet wird. Eine solche Aussage wäre ein Tatsachenurteil über einen vorliegenden psychologischen Tatbestand (das Empfinden bestimmter Gefühle) und kein eigentliches Werturteil. Ein Werturteil ist vielmehr der Ausdruck eines Gefühls; es kann deshalb weder wahr noch falsch sein.
Ein Werturteil spricht also nicht nur eine Billigung aus, sondern eine Empfehlung, eine Handlungsanweisung, in der auf ein allgemeines Prinzip Bezug genommen wird, das der Sprecher bejaht. Er verpflichtet sich damit, jede andere Handlung, die dieser Handlung in den wesentlichen Eigenschaften ähnlich ist, ebenfalls als gut zu bezeichnen.
„Gut“, wie es in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird, hat hier also eine beschreibende und eine wertende Bedeutung, wobei die letztere die primäre ist. Der Zweck des Wortes „gut“ und anderer Wertwörter ist, zum Lehren von Maßstäben gebraucht zu werden. Wer weiß, nach welchen Maßstäben der Sprecher urteilt, kennt zugleich die beschreibende Bedeutung von „gut".
Diese Schule wendet sich vor allem gegen die Auffassung, die das Gute mit irgendwelchen natürlichen Eigenschaften identifiziert. „Gut" ist nicht durch rein empirische Merkmale definierbar. Den „naturalistischen Fehlschluss“ begeht nach Moore, wer moralische Eigenschaften mit Hilfe natürlicher Eigenschaften zu definieren versucht (etwa: „gut bedeutet lustvoll“ oder: „gut bedeutet begehrt“).
Moore behauptet allerdings darüber hinaus noch, dass die Bedeutung von „gut“ völlig undefinierbar sei, weil „gut“ ein einfacher Begriff ist wie etwa „gelb“. „Wie man unmöglich jemandem, der es nicht schon kennt, erklären kann, was gelb ist, kann man ihm auch nicht erklären was gut ist“. Realdefinitionen, welche das wahre Wesen des durch ein Wort bezeichneten Gegenstandes oder Begriffs beschreiben und nicht bloß angeben, was das Wort gewöhnlich bedeutet, seien nur möglich, wenn der fragliche Gegenstand oder Begriff komplex ist. Universale Aussagen mit dem Prädikat „gut“ sind immer synthetische Sätze, niemals Definitionen.
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