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Mit W114 und W115 bezeichnet Daimler-Benz die Baureihen, die heute meist als /8 („Strich Acht“) bezeichnet werden. Diese Bezeichnung rührt vom Erscheinungsjahr 1968. Die W114/W115 wurden bis 1976 gebaut und vom W123 abgelöst.

Zu den W115 zählen alle Modelle mit vier oder fünf Zylindern. Die Sechszylinder-Modelle, darunter auch das Coupe, heißen W114. Diese Einteilung rührt daher, dass W114 und W115 einen unterschiedlichen Vorderbau bekommen sollten, wie bei der Vorgänger-Baureihe W110, W111 und W112, den „Heckflossen“.

Unterschiede im Karosserie-Aufbau zwischen W114 und W115 finden sich erst bei den 1972 erschienenen Sechszylinder-Modellen 280 und 280 E. Bei diesen Modellen fehlen aus Platzgründen die Schrägstreben der Spritzwandabstützung im Motorraum, zur Stabilisierung wurde die Blechstärke im Bereich des Vorderbaus leicht erhöht. Zudem weisen die Modelle 280 und 280 E zusätzliche Halter im Kofferraum sowie Bohrungen in den Heckseitenteilen für die seitlich herumgezogene hintere Stoßstange auf. Ansonsten sind die Typen W114 und W115 im Aufbau gleich.

Der /8 erreichte mit knapp 2 Millionen annähernd die gleiche Stückzahl wie alle Nachkriegs-PKW der Marke Mercedes (von 1945-1968) vor ihm zusammen.

Technik


Bei seiner Vorstellung 1968 war der W115 eine komplette Neuentwicklung. Die Motoren bildeten dabei eine Ausnahme, waren sie doch Weiterentwicklungen älterer Konstruktionen. Unter den technischen Besonderheiten ragte vor allem das völlig neue Fahrwerk mit einer Schräglenker-Hinterachse heraus, die die bisherige Eingelenk-Pendelachse ablöste, sowie die Anordnung Vorderachs-Dreieckslenker, die seither dem Nicken, dem Eintauchen des Vorderwagens beim Bremsen entgegenwirken. Auch sonst gab es viele Neuerungen, die man noch heute bei jedem neuen Mercedes findet, so z.B. die typische Gestaltung der Mittelkonsole.

Die neue Hinterachse verlieh dem Wagen eine Straßenlage, die auch heute noch überzeugt. Die identische Konstruktion wurde in den nachfolgenden Baureihen W116, R/C107, W123 und W126 verwandt. Der Wagen war nach den neuesten Sicherheitsüberlegungen entwickelt worden. So hatte er beispielsweise serienmäßig vier Scheibenbremsen. Erstmals wurde die sehr anfällige „Stockhandbremse“ der Vormodelle von der legendären „Fußfeststellbremse“ mit einem Entriegelungszugknopf am Armaturenbrett abgelöst. Es gab erstmals zwei unabhängige Bremsen an der Hinterachse. Karosserieform und Innenraum waren schlichter und sachlicher gestaltet als bei den bisherigen Modellen von Mercedes-Benz. Weiterhin waren mit Einführung dieser Baureihe nach und nach etliche aufpreispflichtige Ausstattungsvarianten verfügbar: So konnte man elektrische Fensterheber an allen vier Türen, elektrisches Stahlschiebedach, Klimaanlage, H4-Scheinwerfer und Scheinwerferwaschanlage, Leichtmetallräder, Metallic-Lack, Mittelschaltung, Kopfstützen hinten, Drehzahlmesser, Wurzelholz uvm. ordern und somit den Preis in, für damalige Verhältnisse, astronomische Höhe treiben. Ein 280 E mit „Vollausstattung“, also einschließlich, auch schon im Vorgängermodell lieferbarem, Automatikgetriebe, Servolenkung, Colorverglasung, Stahlschiebedach, Lederausstattung, Kopfstützen, rechtem Außenspiegel (!), Niveauregulierung a.d. Hinterachse, Zugvorrichtung etc., konnte gut und gerne an die 40.000 DM kosten! Die W114/115-Baureihe markierte in der Mittelklasse den Beginn der „legendären“ Mercedes-Benz-Aufpreispolitik. Nie zuvor konnten soviele Extras geordert werden.

Ohne praktischen Nutzen, aber Zeugnis für Liebe zum Detail, war der Umstand, dass die Scheinwerfer so konstruiert waren, dass ein kleiner Lichtstrahl auf den Stern gelenkt wurde, welcher dadurch für die Insassen dezent als „guter Stern auf allen Straßen“ (zeitgenössischer Werbeslogan) schimmerte. Auch war der /8 die letzte Konstruktion, bei welcher der Stern auf einem Sockel, also einer Attrappe des Kühlerdeckels saß.

Motorisierung


Das untere Ende der Leistungsskala bildete der beliebte 200 D. Mit 40 kW (55 PS) und einem Leergewicht von fast 1,5 Tonnen war der 200 Diesel bereits zu seiner Zeit der Inbegriff der Untermotorisierung. Trotzdem erfreute er sich durch seine hohe Anhängelast hoher Beliebtheit als Zugmaschine für Viehanhänger. Diese Kombination prägte in den 70er-Jahren das Bild des behäbigen Diesel-Pkw („Heizölferrari“, „Wanderdüne“), das sich teilweise bis heute hält. In Verbindung mit Automatikgetriebe war der Diesel das meistgefahrene Taxi seiner Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit des 200 D Automatik betrug 125 km/h. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h des 200 D Schaltgetriebe lag bei 31 Sekunden.

Weitere Dieselmodelle waren der 220 D (60 PS) – der meistgebaute PKW der W115-Reihe – sowie der 240 D mit immerhin 65 PS. Erst ein Jahr nach der Modellpflege des /8 kam 1974 der Fünfzylinder-Dieselmotor 240 D 3.0 mit 80 PS (OM 617). Er erreichte als erstes Dieselfahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 150 km/h, hatte aber einen entsprechend hohen Kraftstoffverbrauch.

Die Vierzylinder-Benzinmotoren waren der 200 mit 95 PS und der 220 mit 106 PS. Dieser Motor M115 mit Strombergvergaser 175 CDTU wurde zur Zweiten Serie hin zum 230.4 entwickelt und lieferte 109 PS. Der 220 fiel dadurch weg.

Als „kleiner Sechszylinder“ war der aus der Heckflosse bekannte 230 (M180) verwendet worden. Dieser Doppelvergasermotor (Zenith-Doppelregistervergaser) lieferte 120 PS. Ab August 1973 wurde dieser Motor in 230.6 umbenannt, damit die Verwechslung mit dem 230.4 (M115) ausgeschlossen wurde.

Das andere Ende der breiten Leistungsskala bildeten die Modelle 280 und 280 E. Die Doppelnockenwellenmotoren waren die einzigen Motoren, die Daimler-Benz in allen damals drei Baureihen zeitgleich einsetzte: im /8, in der S-Klasse W116 und in den Sportwagen der SL/SLC-Baureihe. Die Topmotorisierung leistete 185 PS mit elektronisch geregelter Einspritzung D-Jetronic von Bosch. Die leistungsmäßig darunter rangierenden Vergaser-Modelle 280 (mit Solex 4A1-Vergaser) und 250 (mit Zenith-Doppelvergaser) machten jedoch durch unrühmlich hohe Spritverbräuche nachteilig von sich reden.

Von 1974 bis 1976 hatte die Baureihe W114/W115 also eine enorme Motorenpalette von zehn Motoren unter denen die Käufer wählen konnten: 200, 230.4, 230.6, 250, 280, 280 E, 200 D, 220 D, 240 D und 240 D 3.0.

Sonderversionen


Die weitaus seltenste offiziell hergestellte Karosserievariante dieses Typs ist die Langversion mit acht Sitzen in drei Reihen, die hauptsächlich von Mietwagen- und Taxibetrieben angeschafft wurde.

In geringen Stückzahlen wurden von englischen (Crayford), belgischen und portugiesischen (Santos) Karosseriebauern Kombiversionen hergestellt. Dies geschah ohne Unterstützung und bisweilen unter Missbilligung von Daimler-Benz. Verbreitet waren Leichenwagenaufbauten und die Versionen mit erhöhtem Dach, die vornehmlich als Krankenwagen ausgestattet wurden, auf der Langversion basierten und hauptsächlich von Binz und Miesen stammten.

Bilder


Modellpflege

Der Strich Acht hat während seiner Produktionszeit mannigfaltige Veränderungen erfahren. So lässt sich die Baureihe im Wesentlichen in die Erste Serie und die Zweite Serie unterteilen, wobei die große Modellpflege im August 1973 den Wechsel markiert. Die Erste Serie wiederum wird noch einmal in Serie 0,5, Erste Serie und Serie 1,5 untergliedert:

Serie 0,5: Ende 1967 - 07/69 | Erste Serie: 08/69 - 03/72 | Serie 1,5: 04/72 - 07/73 | Zweite Serie: 08/73 - Ende 1976

Bild:Mercedes_strichacht_1_v_sst.jpg|1968-1973 (schmale Kühlermaske) Bild:Mercedes_strichacht_1_h_sst.jpg|1968-1973 (glatte Rücklichter) Bild:Mercedes_strichacht_1_h_sst.jpg|1968-1973 (Ausstellfenster) Bild:Mercedes_strichacht_2_v_sst.jpg|1973-1976 (breite Kühlermaske) Bild:Mercedes_strichacht_2_h_sst.jpg|1973-1976 (gerippte Rücklichter) Bild:Mercedes_strichacht_2_h_sst.jpg|1973-1976 (keine Ausstellfenster)

Karosserievarianten

Bild:MercedesBenz_250C_1970.JPG|250C (1970) Bild:Mercedes_strichacht_c_sst.jpg|Coupé Bild:Mercedes_strichacht_l_sst.jpg|Langversion

Umbauten

Bild:Mercedes_strichacht_ko_sst.jpg|Kombi Bild:Mercedes_strichacht_k_sst.jpg|Ehemaliger Krankenwagen Bild:Mercedes_strichacht_w_sst.jpg|Kurioser Umbau zum Wohnmobil

Weblinks


Mercedes-Benz | PKW-Modell

Mercedes-Benz W114

 

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