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Menschenopfer sind Opferungen von Menschen, meist im Rahmen einer Religion. Rituelle Tötungen sind schon in prähistorischer Zeit dokumentiert und kommen in vielen alten Kulturen vor, wobei ihr Sinn verschieden begründet wurde: Sie können einer geglaubten Gottheit als Nahrung dienen, ihren Forderungen nachkommen, auf ihren „Zorn", d. h. eine Notlage reagieren, um weiteres Unheil abzuwehren, von ihr einen Segen erbitten oder ihrer Gabe mit einer Gegengabe danken.

In einem erweiterten Sinn werden vereinzelt auch Tötungen in anderen Zusammenhängen Menschenopfer genannt: z. B. bei Lebensverlusten im Verlauf des technischen Fortschritts. Auch Pogrome und Völkermorde in säkularisierten, nicht von einer Religion beherrschten Gesellschaften werden manchmal als moderne Form von Menschenopfern gedeutet. Diese Sicht geht auf Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zurück.Vgl. Horkheimer, M., Adorno T. W. (1947), Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Amsterdam: Querido; S. 199/201

Opferarten und Opferzwecke


  • Die ältesten Funde von rituell getöteten Menschen verweisen auf die Bewältigung einer Notlage: Die Opferung von Menschen diente den übrigen direkt zur Nahrung (Kannibalismus) oder indirekt zur Wiederherstellung der Zuwendung einer Gottheit. Allerdings ist wissenschaftlich umstritten, ob rituell getötete Menschen auch rituell verzehrt wurden.
  • Das Opfer zur Heiligung, Entprofanisierung bzw. Weihe eines Kultplatzes/Gebäudes. Letztlich (in historischer Zeit) wurden aber auch profane Bauwerke durch Opfer geweiht. Nach chinesischen Legenden sollen Tausende Menschen in die chinesische Mauer eingemauert sein.
  • Opferungen bei Katastrophen. Ereignisse wie Dürre, Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche etc. sah man als Zeichen des Zornes der Götter; man opferte, um den göttlichen Zorn zu beschwichtigen. Die Kreter suchten so die Zerstörung ihrer Insel aufzuhalten.
  • Opferungen nach dem Tod eines Herrschers, Oberpriesters oder Heerführers kommen mit den Hochkulturen auf; die Opfer sollten dem toten Führer im Jenseits zu Diensten sein. Mongolische, skythische und mittelamerikanische Anführer nahmen den größten Teil ihres Hauswesens, einschließlich der Bediensteten und Konkubinen mit auf die Jenseitsreise.
  • Opfer für Weissagungen; die Priester suchten die Zukunft aus Körperteilen erschlagener Gefangenen oder Sklaven zu lesen. Nach Strabo töteten die Kelten das Opfer mit dem Schwert und weissagten die Zukunft aus seinen Todeszuckungen.
  • Menschenopfer als rituelles Kampfspiel: Das Opfer wurde in einem angeblich fairen Kampf gegen einen Soldaten getötet.
  • Dankopfer: Gefangene wurden dem Volks-, Stammes- oder Kriegsgott geopfert (Varusschlacht).

Herkunft und Verbreitung


Rituelle Menschenopfer sind schon in sehr frühen Zeugnissen dokumentiert. Die ältesten Dokumente davon sind präneolithischen Ursprungs: In China gefundene, offenbar serienweise - zum Verzehr des Gehirns? - geöffnete und gemeinsam ausgerichtete Schädel werden auf 350.000 Jahre vor Chr. datiert. Mit dem Neolithikum und dessen demographischer Explosion kamen sie häufiger vor, blieben jedoch immer unterhalb 0,1 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Opferkulte sind weltweit Teil von Ackerbau-Religionen. Dort wurde die Fruchtbarkeit des Landes und der Rhythmus der Jahreszeiten auf die segensbringende Opferung eines höchsten Gottes und dessen Neugeburt zurückgeführt. Regelmäßige Menschenopfer könnten dies liturgisch-kultisch nachvollzogen haben mit der Opferung der Erstgeburt von Mensch und Vieh. Da ähnliche religiöse Motive schon vor der Einführung der Landwirtschaft üblich waren, beeinflusste dieser Opferkult eventuell auch nomadische, vom Weidewechsel anhängige Viehzüchter-Ethnien.

Antiken Quellen zufolge opferten viele antiken Religionen Menschen. Mythen wie der Minotaurus, Opferung der Iphigenie, aber auch europäische Sagen und Märchen von Drachen, denen Menschen geopfert werden mussten, lassen sich als diffuse Erinnerungen daran auffassen. Menschen wurden von Kelten wie Germanen, Slawen und Puniern geopfert. Da die meisten Informationen darüber von anderen Völkern stammen, die die Religion ihre Gegner oder Vorläufer ablösten (Griechen und Römer über Kelten und Punier, später Christen über Germanen und die Skandinavier), muss polemische Übertreibung bei der Darstellung in Rechnung gestellt werden.

Menschenopfer in verschiedenen Kulturen und Religionen


China

Vom alten China ist bekannt, dass man dort junge Männer und Frauen den Flussgottheiten opferte. In der Shang-Dynastie (1766-1080 v. Chr.) mussten Dutzende Diener und Konkubinen den Königen ins Grab folgen. In der Zeit der späten Zhou-Dynastie sind diese Bräuche nicht mehr belegt.

Griechisch-römische Antike

Die alten Griechen praktizierten Menschenopfer; es gibt Hinweise auf Opferungen anlässlich der Kronia (Erntefeiern des Kronos)und von Jungfrauen für Artemis. Eine im ganzen griechischen Raum verbreitete Form von Menschenopfer war auch der pharmakòs. Nach römischen Quellen opferten die Phönizier und Karthager ihren Göttern Kinder. Die Römer praktizierten in den ersten Jahrhunderten verschiedene Formen des Menschenopfers; von den Etruskern (nach anderen Quellen den Sabellianern) wird die Form des Gladiatorenkampfes überliefert, wobei die Opfer in einem rituellen Kampf erschlagen wurden. Während der frühen Republik wurden Verbrecher, Meineidige oder Betrüger, feierlich "den Göttern überlassen" (so wörtlich die spätere Fluchformel "Anathema"), das heißt, als menschliche Opfer exekutiert. Kriegsgefangene und Vestalinnen wurden den Manen geopfert und für die Dii Inferi (die Götter der Unterwelt) bei lebendigem Leibe begraben. Archäologen haben Reste menschlicher Opfer in Fundamenten gefunden. (Normalerweise äscherten die Römer ihre Toten ein).

Jedoch änderten die Römer ihre religiöse Praxis im Lauf der Zeit. Nach Plinius wurden Menschenopfer durch einen Senatsbeschluss des Jahres 97 v. Chr. abgeschafft. Die meisten Rituale wurden in ein Tieropfer wie das Taurobolium umgewandelt oder nur mehr symbolisch vollzogen. Später hatte ein Römer die Möglichkeit, eine ihm ähnliche Statue an seiner Statt zu begraben, um den Göttern für einen Sieg zu danken. Cicero schildert ein Opfer von Götterstatuetten im Vestalinnenritual, das ursprünglich ein Opfer von alten Männern gewesen sein könnte. Als das römische Reich expandierte, beendeten die Römer die Menschenopfer und erklärten sie für barbarisch.

Kelten

Nach römischen Quellen war der Brauch des Menschenopfers unter den Kelten weit verbreitet. Caesar berichtet, dass die Gallier Körbe mit lebendigen Menschen füllten, um sie darin zu verbrennen. Die Druiden hatten die Opferung zu überwachen. Während des Aufstands gegen die römische Besetzung ließ die Königin der Icener Boudicca römische Gefangene als Opfer für die Götter an Pfähle nageln.

Verschiedene Götter verlangten verschiedene Opfer. So verlangte der Attiskult die Auswahl eines jungen Mannes, der für ein Jahr wie ein König verehrt und dann geopfert wurde, um eine gute Ernte zu gewährleisten. Die Opfer für Esus wurden erhängt, die für Taranis verbrannt, und die für Teutates ertränkt. Einige Auserwählte nahmen ihre Opferung freiwillig hin, wie wahrscheinlich der Lindow-Mann. Kelten und Germanen wählten mitunter ein Moor als Ort der Opferung. In der irischen Mythologie gibt es Hinweise darauf, dass die Tötung eines Einzelnen auf mehrfache Weise diesen Regeln entsprechen konnte.

Germanen, Normannen, Wikinger

Nach der Germanischen Mythologie erhängte sich Odin an einem Ast des Weltenbaumes Yggdrasil, um göttliche Weisheit zu erlangen; er tauchte lebendig mit nur einem Verlust eines Auge auf. Nach mittelalterlichen christlichen Quellen opferten die Normannen Gefangene, indem sie sie in Bäume hängten, wobei die weitere Umstände unklar sind. Neben Odin opferte man Tyr Kriegsfeinde und Frigg unkriegerische Feinde, indem man sie in Sümpfe warf. Den Göttern der Nachodinzeit (z. B. Thor, Freya) wurden Tiere geopfert.

Normannische Krieger wurden manchmal mit Sklavinnen begraben in dem Glauben, dass diese in Walhalla ihre Frau werden würden.

Präkolumbisches Amerika

Eine der bekanntesten Formen des Menschenopfers wurde während verschiedener präkolumbischer Kulturen Mittelamerikas und Südamerikas praktiziert. Im Opferkult der Azteken entfaltete sich das Menschenopfer zu einem ungewöhnlich reich entwickeltem Ritual. Jährlich wurden 10.000 bis 20.000 Gefangene von den Azteken geopfert. Täglich wurde Huitzilopochtli ein Menschenopfer dargebracht, zur Unterstützung der Sonne bei ihrem Aufgang. Opferte man Huitzilopochtli, so der aztekische Glaube, kein Menschenblut, so würde die Welt vernichtet. Opferungen für Huitzilopochtli sollen wie folgt vor sich gegangen sein: Das Opfer wurde von vier Priestern auf einem hohen Steinblock ausgestreckt. Ein fünfter Priester führte mit einem Steinmesser über der Brust des Opfers einen schnellen Längsschnitt durch und durchtrennte dabei Brustbein und Rippen. Das schlagende Herz wurde herausgerissen und der Sonne entgegengehalten. Die Abbilder der Götter wurden anschließend mit dem Blut getränkt.

Die Weihe des großen Tempels bei Tenochtitlan soll von der Opferung Tausender Menschen begleitet gewesen sein.

Die Opfer für Xipe Totec wurden an einen Pfahl gefesselt und mit Pfeilen durchbohrt. Oft zog man ihnen danach die Haut ab, die anschließend 20 Tage vom Priester getragen wurde. Die Mutter Erde Teteoinann forderte die Häutung weiblicher Opfer. Nach spanischen Quellen gehörte zur ursprünglichen Form des aztekischen Spieles Ulama die anschließende Opferung der gesamten Verlierermannschaft.

Die Azteken führten so genannte Blumenkriege durch, um Gefangene zu machen, die als Material für Menschenopfer dienten. Mehrfach wird berichtet, dass gefangengenommene Conquistadores während der spanischen Eroberungskriege in Mexiko geopfert wurden. Ein Kriegsgefangener, der einem mit den Azteken verwandten Stamm angehörte, betrachtete seine Opferung allerdings meist als große Ehre. Die Azteken sahen einen geopferten Gefangenen nicht als Feind, sondern als einen Boten, der zu den Göttern geschickt wird.

Die Azteken töteten adlige Opfer zuweilen im rituellen Kampf: dem Geopferten, der lediglich einen Lendenschurz trug und an den Boden gekettet war, gab man eine Waffe und einen Schild, dann musste er bis zu seinem Tod gegen einen gepanzerten Jaguarritter kämpfen.

Die Mayas brachten nur vor Kriegen, bei Dürren und bei Hungersnöten Menschenopfer dar.

In der alten Totonaken-Stätte El Tajin wurden ebenfalls Spiele veranstaltet, bei denen der Führer des Verliererteams geköpft wurde.

In Südamerika, insbesondere im ehemaligen Herrschaftsbereich der Inka, werden Überreste von Menschenopfern (oft sind es Kinder) häufig als zusammengeschnürte Bündel in Höhlen und in Gletscherregionen gefunden. Als eines der besterhaltenen Menschenopfer gilt die "Juanita" genannte Mumie eines Mädchens, die in der Nähe von Arequipa, Peru gefunden wurde.

Antikes Judentum

Im Tanach wurden Menschenopfer im Unterschied zu den umgebenden altorientalischen Religionen ab einer gewissen Zeit verboten. Die Opferung der Erstgeburt musste nun durch ein Tieropfer ausgelöst werden. Dies steht hinter der ursprünglich selbständigen Erzählung von der Beinahe-Opferung Isaaks (Gen 22). Religionsgeschichtlich gesehen hat die Jüdische Religion damit das Menschenopfer abgeschafft und durch ein pars-pro-toto-Opfer, die Beschneidung, ersetzt.

Dies war Ergebnis einer länger andauernden theologischen Auseinandersetzung mit älteren, auch in Israel anfangs noch praktizierten Menschenopfer-Kulten und -praktiken, die verschiedene Texte aus Israels Frühzeit belegen:

  • Bau- oder Fundamentopfer (1 Kön 16,34):
...um den Preis seines Erstgeborenen Abiram legte er die Fundamente, und um den Preis seines jüngsten Sohnes Segub setzte er die Tore ein.
Das Opfer der eigenen Söhne, das hier ein Hiel aus Bethel als Preis für den Wiederaufbau der kanaanäischen Stadt Jericho zahlte, sollte vermutlich die Götter zufriedenstellen, die dort zuvor wohnten; möglich ist auch, dass er damit diesen profanen Ort zum sakralen Kultplatz machte. Denn Bethel war ein altes nordisraelisches, wohl zuvor kanaanäisches Heiligtum: Der Name bedeutet Haus Els, und dieser Göttername bezeichnete im ugaritischen Pantheon den höchsten Gott.

Jerichos Wiederaufbau galt als Rückkehr zu kanaanäischen Verhältnissen und war daher im Buch Josua mit einem strengen Fluch JHWHs belegt (Jos 6,26). Das Opfer der Söhne Hiels wurde also nicht als Gottes ureigener Wille, sondern vielmehr als gerechte Strafe für die Übertretung seines Verbots gedeutet. Hiels Tat erscheint im Kontext als kaum zu überbietende Steigerung des Götzendienstes, denn sie folgt auf die summarische Kritik an der synkretistischen Religionspolitik des Königs Ahab und geht der Geschichte Elijas voraus, der die Vermischung des Glaubens an JHWH mit dem Kult des kanaanäischen Fruchtbarkeitsgottes Baal radikal bekämpfte (1 Kön 17-19).

  • Erstgeburtsopfer:
Die Tora fordert mehrfach (Ex 13,2.12f; 22,28f; 34,19f; Num 3,1ff; 18,15; Dtn 15,19) die Erstgeburt von Mensch und Tier als Gabe für JHWH. Die Gebote machen aber unmissverständlich klar, dass die ersten Söhne im Unterschied zu den Tieren nicht geopfert werden durften, sondern unbedingt durch ein Tieropfer ersetzt (ausgelöst) werden mussten. Wer dennoch Menschen opferte, wurde mit der Todesstrafe bedroht (Lev 20,2; Dtn 18,10 u.a.).

Wenn Könige wie Ahas (2 Kön 16,3) und Manasse (2 Kön 21,6) weiterhin den alten Kulten folgten, verstießen sie gegen dieses Gebot und zogen den Zorn der Propheten auf sich. Menschenopfer galten ihnen als typisches Zeichen der Verehrung fremder Götter wie Moloch und Baal:

Jer 3,24: Doch der Baal fraß seit unserer Jugend alles, was unsere Väter erwarben, ihre Schafe und Rinder, ihre Söhne und Töchter.
Ps 106,37 ff: Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen. Sie vergossen schuldloses Blut, das Blut ihrer Söhne und Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten.

Der biblischen Geschichtsüberlieferung zufolge war das Opfer der ersten Söhne in Israels Umwelt üblich, das die deuteronomische Theologie ablehnte:

2 Kön 3,27: Da nahm er (der König der Moabiter) seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm König werden sollte, und brachte ihn auf der Mauer als Brandopfer dar.
2 Sam 21,9: Er lieferte sie den Gibeonitern aus, die sie auf dem Berg vor dem Angesicht des Herrn hinrichteten.

Dass diese Bräuche auch Einzelstämme der Israeliten in vorstaatlicher Zeit beeinflussten, zeigt die folgende Geschichte:

  • Gelübde (Ri 11,30):
Jeftah legte dem Herrn ein Gelübde ab und sagte: Gibst du die Ammoniter in meine Hand, so soll das, was mir aus meiner Haustür entgegengeht, wenn ich von den Ammonitern heil zurückkomme, JHWH gehören, und ich will es als Brandopfer darbringen.
Nach dem Sieg sei ihm seine Tochter, das einzige Kind, entgegengekommen, so dass er sie nach zwei Monaten von ihr erbetener Schonfrist geopfert habe. Deshalb zögen die „Töchter Israels" jährlich für vier Tage in die Berge, um Jeftahs Tochter zu beklagen. - Die Stelle legt nahe, dass ein Menschenopfer als Dank für einen Sieg und Einlösung eines Gelübdes in Israels Frühzeit möglich war. Doch heißt es im Text nicht, JHWH habe dieses Gelübde verlangt, den Sieg nur deshalb gegeben und darum ein Anrecht auf die Einlösung gehabt. Vielmehr liegt hier offenbar eine Sonderüberlieferung der Gileaditer - Jeftahs Herkunftsort - vor, die einen Brauch erklären, der sonst nirgends als gesamtisraelitisch belegt ist.

Christentum

Christen glauben im Anschluss an das Neue Testament (NT), dass das Selbstopfer des Sohnes Gottes alle Menschen- und Tieropfer für Gott überflüssig gemacht hat.

Die Kreuzigung Jesu Christi wird jedoch im NT vielfältig gedeutet. Juridische, aus der kultkritischen Prophetie Israels stammende Sprache steht gleichwertig neben kultischer, an den israelitischen Tempelkult angelehnter Ausdrucksweise. Einige Beispiele:

  • Frühe Credoformeln in den Paulusbriefen und mündliche Rede Jesu in den Evangelien sprechen von der Dahingabe Jesu durch Gott, die er mit seiner freien Einwilligung übernommen habe.
  • Johanneische Theologie bezeichnet Jesus als das Passahlamm, dessen Blut alle Menschen aus dem Endgericht gerettet habe.
  • Der Hebräerbrief bezeichnet Jesus als den Hohepriester, der nach dem Vorbild Melchisedeks heilig und untadelig sei, so dass sein Selbstopfer die Welt habe ein-für-allemal erlösen können.

Die christliche Theologie hat seit der Satisfaktionslehre Anselm von Canterburys versucht, diese neutestamentliche Vielfalt in ein gemeinsames System zu bringen. In der modernen Theologie werden Vorstellungen einer Sühne, die Gott zur Befriedigung seines Zorns benötige, jedoch meist abgelehnt.

Der reformierte Theologie Karl Barth hat den Sühnebegriff durch den Begriff der Versöhnung ersetzt. Jesu stellvertretende Schuldübernahme wird als tiefste Begründung der Menschenrechte und Beginn der endzeitlichen Befreiung vom Nichtigen (Barths Begriff für Sünde) gedeutet. Die Allversöhnung wird als Möglichkeit in Betracht gezogen.

Neuzeit

Gegenwart


Moderne Menschenopfer

Menschenopfer werden offiziell in keinem Land mehr toleriert; sie werden vielmehr als Mord geahndet. Noch heute gibt es aber eine verborgene Praxis von Menschenopferungen in einigen traditionellen Religionen:
  • bei den Muti-Tötungen in Afrika
  • den Aymara-Indianer im Bergland Perus
  • einigen indischen Anhängern des (vom tantrischen Buddhismus zu unterscheidenden) Tantrismus; eine geringe Zahl von ihnen praktiziert noch das reale Menschenopfer. Meist werden aber entweder Tieropfer oder symbolische Opfer in effigie dargebracht.

Ersatzhandlungen

In den westlichen Kulturen gibt es keine religiösen Menschenopfer mehr oder nur ganz selten, schenkt man Gerüchten von satanistischen rituellen Missbrauch Glauben. Heutige Okkultisten halten Menschenopfer nicht für erforderlich oder praktizieren sie allenfalls symbolisch. Diese Umgehung des Menschenopfergebots ist Teil der Humanisierung in vielen Religionen. Ihre Riten lassen sich als Ersatzhandlungen für einstigen Kannibalismus oder Opfer der Erstgeburt deuten und werden bis heute praktiziert:

Bekannte Menschenopfer


Quellen


Siehe auch


Literatur


  • Walter Burkert: Homo necans : Interpretationen altgriechischer Opferriten und Mythen, de Gruyter, 2. Aufl. 1997, ISBN 3-11-015098-0
  • Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer. Ullstein TB, 1986, ISBN 35483205971981
  • Miranda Aldhouse Green: Menschenopfer. Ritualmord von der Eisenzeit bis zum Ende der Antike 2003. Magnus, Essen 2003, ISBN 3884000098
  • Gunnar Heinsohn: Die Erschaffung der Götter - Das Opfer als Ursprung der Religion. Rowohlt 1997, ISBN 3-498-02937-1
  • Michael Ley: Holokaust als Menschenopfer. 2002, ISBN 3825864081
  • Michael Rind: Menschenopfer. Vom Kult der Grausamkeit. Universitätsverlag Regensburg. 2. Auflage 1998. ISBN 3-930480-64-6 (kleine Übersicht)
  • Dirk Steuernagel: Menschenopfer und Mord am Altar. Griechische Mythen in etruskischen Gräbern. Reichert, 1998, ISBN 3895000515
  • Katja Triplett: Menschenopfer und Selbstopfer in den japanischen Legenden. Das Frankfurter Manuskript der Matsura Sayohime-Legende. Lit, 2005, ISBN 3825879909
  • Jürgen Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier&Beran 2003. ISBN 3-930036-70-3
  • Franz Wegener: Kelten, Hexen, Holocaust. Menschenopfer in Deutschland. Kulturförderverlag Ruhrgebiet, 2004, ISBN 3931300145
  • Garry Hogg: Cannibalism and Human Sacrifice. Robert Hale Ltd, 1990, ISBN 0709042434 (englisch)
  • Mark Pizzato: Theatres of Human Sacrifice. From Ancient Ritual to Screen Violence. State University of New York Press, 2004, ISBN 0791462595 (englisch)

Ritus

Human sacrifice | Sacrificio humano | Sacrifice humain | Mensenoffer | Människooffer

 

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