Das Mellotron ist ein elektromechanisches Tasteninstrument, das um 1960 erfunden wurde. Es ist quasi die Urform des Samplers und arbeitet mit Tonbändern. Jeder Taste ist dazu ein eigener Tonbandstreifen zugeordnet, der beim Druck auf die Taste über einen Tonkopf abgespielt wird. Wird die Taste wieder losgelassen, so wird das Tonband schnell über eine Feder in seine Ausgangsposition zurückgezogen.
Funktion
Ein Mellotron kann die Klänge von Flöten, Violinen, Bläsern und Chören wiedergeben. Auf jedem Tonband liegen dazu drei Tonspuren nebeneinander, die durch Verschiebung des Tonkopfes ausgewählt werden können. Zwischen drei Klängen kann daher während des Spielens schnell gewechselt werden. Bei manchen Modellen ist außerdem jedes Tonband in sechs Abschnitte geteilt, die über einen Motor angefahren werden können. Insgesamt stehen so 18 "Instrumente" zur Verfügung. Das Mellotron-Mark II hatte sogar zwei Tastaturen mit jeweils 35 Tasten, die verschiedene Klänge enthalten konnten. Es enthielt 1260
Samples (2 Tastaturen à 35 Tasten bzw. Bänder, sechs Abschnitte pro Band mit je 3 Samples).
Nutzung
Das Mellotron hat einen charakteristischen warmen, meist etwas wimmernden Klang, der z.B. im
Beatles-Song
Strawberry Fields Forever zu hören ist. Das Mellotron ist zudem ein charakteristisches Instrument des
Progressive Rock der
70er Jahre. Zu den bekanntesten Bands dieses Genres, welche das Mellotron benutzten, gehören
King Crimson,
Genesis ("Watcher Of The Skies") und
Yes. Weitere nennenswerte Beispiele von Mellotron-Einsätzen sind auf den Stücken "Immediate Curtain" (1972) von
Matching Mole und "Fauni Gena" (1973) von
Tangerine Dream zu hören. Ansonsten setzten
Pink Floyd,
Elton John,
Camel,
Moody Blues,
Caravan,
Barclay James Harvest,
Roxy Music,
Led Zeppelin sowie
10cc gelegentlich das Mellotron auf ihren Studioproduktionen ein.
Porcupine Tree benannten auf ihrem 2005er Album "Deadwing" einen Song danach (Mellotron Scratch). Der Keyboarder
Eddie Jobson, bekannt von U.K. und Roxy Music, präparierte in den frühen siebziger Jahren ein Mellotron mit Sounds von einem
Mini Moog Synthesizer, um damit polyphone Klänge zu erzielen, die mit der damaligen Technologie noch nicht möglich waren. In den
80er Jahren wurde das Mellotron größtenteils von
elektronischen Samplern und
Synthesizern abgelöst. In den
90er Jahren wurden digitale Samples der Mellotron-Klänge gerne für Techno-Produktionen eingesetzt. Nichtsdestotrotz wurde das eigentliche Instrument von einigen Bands weiterhin benutzt, so zum Beispiel von den
Smashing Pumpkins, vor allem auf deren 1995er Album
Mellon Collie & The Infinite Sadness.
Nachteile
Die Nutzung des Mellotrons ist mit einigen entscheidenden Nachteilen verbunden. Die komplizierte
Mechanik des Mellotron ist sehr störanfällig. Zudem ist ein Mellotron wegen seiner Größe und Masse für
Live-Auftritte von
Rockbands wenig geeignet. Außerdem sprechen finanzielle Aspekte gegen die Nutzung dieses Instruments. Es ist in der Anschaffung sehr teuer, da es nur in sehr geringen Stückzahlen produziert wurde. Aufgrund dessen greifen Bands heute nur noch sehr selten auf das originale Mellotron zurück. Inzwischen gibt es verschiedene Software-Emulationen des Mellotrons, die vom Klangbild dem Original sehr nahekommen.
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