Mehrfachtraktion bezeichnet, wenn ein Zug (Eisenbahn) von mehreren Triebfahrzeugen befördert wird, und zwar der Gestalt, dass alle diese Fahrzeuge regulär im Zug mitlaufen und zentral ferngesteuert werden.
Bei Triebzügen ist ein Kuppeln von Fahrzeugen zu Verbänden ohne Minderung der Fahrleistungen grundsätzlich nur als Mehrfachtraktion möglich. Bei Wagenzügen, vor allem im Güterverkehr, ist oft mehr als ein Triebfahrzeug nötig, um bestimmte Züge auf bestimmten Strecken überhaupt befördern zu können.
Von der Mehrfachtraktion zu unterscheiden sind:
Das Lokomotivsandwich bzw. der Triebkopfzug (mit zwei Triebköpfen), d.h. das Fahren mit zwei Triebfahrzeugen an entgegengesetzten Enden eines Wagenzuges, unterscheiden sich von der Doppeltraktion durch geringere Kupplungsbelastung und Wendezugfähigkeit ohne Notwendigkeit eines Steuerwagens. Bei Kabelfernsteuerung müssen hier allerdings die Wagen die Möglichkeit zur Durchkupplung der Steuerleitung bieten.
In Kombination dieser beiden Varianten kommen größere Traktionen zu Stande, z.B. mit zwei Lokomotiven an der Zugspitze und einer am Zugschluss.
Bei der verteilten Traktion laufen Lokomotiven oder Lokomotivgruppen nicht nur an den Enden, sondern auch in der Mitte eines Wagenzuges. Dies ermöglicht es, größere Zugkräfte an einen Zug zu bringen, ohne die Kupplungen überzubeanspruchen.
In Mittel- und Westeuropa sind im Güterverkehr allgemein keine Mehrfachtraktionsformen außer der einfachen Doppeltraktion üblich; im Personenverkehr kommen allerdings lange Triebwagengespanne (z.B. fünf Einheiten) vor.
Anderswo, vor allem in den USA, herrschen lange Güterzüge mit Dieseltraktion vor. Die hohen Zuggewichte und die im Vergleich zu modernen Elektrotriebfahrzeugen relativ schwachen Dieselloks erfordern vielfache, verteilte Traktion ("midtrain helpers"). Bis zu acht Lokomotiven pro Zug können vorkommen, dabei erlaubt die hohe Festigkeit der in den USA verwendeten Janney-Kupplungen aber auch die Verwendung von bis zu vier sechsachsigen Lokomotiven an der Zugspitze.
Im Dampflokzeitalter gab es keine Mehrfachtraktion im heutigen Sinne, sondern eigentlich nur Vorspann bzw. Nachschieben; alle Lokomotiven waren mit Personal besetzt und wurden einzeln gesteuert, die Kommunikation erfolgte durch Pfeifsignale.
In Europa werden Triebfahrzeuge heute generell über Leitungsverbindungen gesteuert; dabei kommunizieren die Steuerungsrechner der Fahrzeuge über Buskabel, die ggf. auch durch die Mittelwagen durchgekuppelt werden müssen. Oftmals sind nur baugleiche Fahrzeuge miteinander traktionsfähig. In der Schweiz können viele Lokomotiven untereinander vielfachgesteuert werden. Siehe auch: Vielfachsteuerung
Die verteilte Traktion in den USA etc. würde eigentlich eine Steuerleitung verlangen, wie sie in europäischen Schnellgüterwagen oft schon für die elektropneumatische Bremse vorgesehen ist. Diese ist zumindest in den USA jedoch nicht üblich, so dass die Traktionssteuerung per Funk erfolgt.
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