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Megaloceros
Skelett_Megaloceros_giganteus_Riesenhirsch.JPG
Zeitraum
oberes Pleistozän
bis vor etwa 9500 Jahren
Fossilfundorte
|- |Chordatiere (Chordata) |- |Säugetiere (Mammalia) |- |Paarhufer (Artiodactyla) |- |Hirsche (Cervidae) |-
Wissenschaftlicher Name Megaloceros Blumenbach, 1799 Megaloceros, auch Riesenhirsch (Megaloceros giganteus) genannt, war ein eiszeitlicher Hirsch Europas.

Aussehen


Megaloceros hatte eine Schulterhöhe von etwa 2 m, und war damit so groß wie ein heutiger Elch, dabei aber deutlich leichter und hochbeiniger gebaut. Sein Geweih, das nur die männlichen Tiere trugen, übertraf an Größe der Geweihe aller heutigen Hirsche. Es erreichte eine Spannweite von 360 cm und war damit eine der größten Stirnwaffen die die Paarhufer je hervorbrachten. Erstaunlich ist, dass er das riesige Geweih jedes Jahr neu Aufbauen konnte und es wie alle heutigen Hirsche jährlich abwarf. Entgegen vieler anders lautender Berichte war Megaloceros keineswegs der größte Hirsch aller Zeiten gewesen. Schon der heutige Elch, besonders die großen Elche in Alaska, übertreffen ihn zum Teil deutlich an Gewicht und ausgestorbene Riesenformen wie der Breitstirnelch Alces latifons waren mit Gewichten von bis zu 1400kg sogar etwa um das dreifache schwerer. Da sich Megaloceros in zahlreichen Höhlenzeichnungen eiszeitlicher Menschen findet, ist davon auszugehen, dass er bei der Jagd der frühen Menschen Europas eine große Rolle gespielt hat. In diesen Gemälden ist er mit einem dunkelbraunen Rücken und einer weißlichen Brust dargestellt, so dass man davon ausgeht, dass dies die tatsächlichen Fellfarben des Megaloceros waren. Auf einigen dieser Zeichnungen ist eine dreieckige Struktur im Schulterbereich zu erkennen. Sie wird häufig als Fetthöcker gedeutet, der als Energiereserve für Mangelzeiten gedient haben könnte. Ähnlich den Höckern von heutigen Kamelen oder Zeburindern. Nach neuesten genetischen Analysen ist sein nächster lebender Verwandter der Damhirsch, und nicht wie lange vermutet der Rothirsch. Mit dem Elch ist der Riesenhirsch nicht näher verwandt, was man aufgrund des Schaufelgeweihs vermuten könnte.

Verbreitung


Megaloceros tauchte vor etwa 400.000 Jahren auf und starb vor 9.500 Jahren aus. Er war im Pleistozän weit verbreitet. Seine Überreste finden sich von Nordafrika und Westeuropa bis Sibirien und China. Zahlreiche Funde stammen aus irischen Moorgebieten und auch aus Deutschland sind etliche Funde bekannt geworden. Hier kam die Art sowohl in den Kaltzeiten als auch in den wärmeren Zwischeneiszeiten vor. Das beweist, dass das Tier auch in bewaldeten Regionen ein Auskommen fand und nicht wie gelegentlich vermutet auf reine Steppengebiete angewiesen war. In den kältesten Abschnitten der Kaltzeiten ist die Art allerdings nur selten in Mitteleuropa vorgekommen oder fehlte ganz. Früher wurde vielfach angenommen, dass der Riesenhirsch infolge der zunehmenden Wiederbewaldung am Ende der letzten Eiszeit ausstarb, da er angeblich mit seinem großen Geweih auf der Flucht zwischen den Bäumen hängen blieb. Diese Vorstellung ist allerdings sehr naiv und dürfte wohl kaum den tatsächlichen Ursachen nahekommen. Ganz absurd ist die Theorie, die Tiere seien einfach nur deshalb ausgestorben, weil sich ihr Geweih zu groß entwickelt hat. Der Riesenhirsch war über hunderttausende von Jahren eine höchst erfolgreiche Art und starb erst im Zuge des allgemeinen Großtiersterbens am Beginn des Holozän aus, das außer ihm noch etliche andere Tierarten dahinraffte. Nordamerika hat Megaloceros nie erreicht. Hier lebte statt dessen der Hirschelch (Cervalces scotti), der wohl wie eine Mischung aus Elch und Wapiti aussah und etwa zur gleichen Zeit wie Megaloceros ausstarb.

Lebensweise


Megaloceros ernährte sich im Gegensatz zum Elch, der ein typischer Laubfresser ist, vor allem von Gräsern. Man darf davon ausgehen, das er ähnlich wie viele heutige größere Huftiere in Gruppen lebte.

Literatur


  • P. S. Martin: Quaternary Extinctions. The University of Arizona Press, 1984. ISBN 0-8165-1100-4
  • A. H. Müller: Lehrbuch der Paläozoologie, Band III Vertebraten, Teil 3 Mammalia, 2. Auflage. Gustav Fischer Verlag, 1989. ISBN 3-334-00223-3
  • W. v. Koenigswald: Lebendige Eiszeit. Theiss-Verlag, 2002. ISBN 3-8062-1734-3
  • Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit. Orbis Verlag, 1999. ISBN 3-572-01057-8

Weblinks


Paarhufer | Ausgestorbenes Säugetier

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