Spellenstein 03.jpg in Rentrisch/St. Ingbert]]
Als Megalithen (von griechisch mégas = groß und líthos = Stein) bezeichnet man große, oft unbehauene Steinblöcke, die als Bausteine für Grab- und Kultanlagen benutzt wurden oder als Monolithe aufgerichtet und in Steinsetzungen positioniert wurden. Die west- und nordeuropäischen Megalithbauten wurden alle in der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit errichtet. Die verschiedenen Megalithbauwerke Europas lassen aber nicht etwa auf eine gemeinsame Kultur schließen (siehe Megalithkultur).
Megalithbauweisen
In Europa sind verschiedene Bauweisen bekannt, bei denen (zumindest teilweise) Megalithen eingesetzt wurden :
- im Nordkreis z.B.:Dolmen (bretonisch: toal - Tisch, men - Stein), Galeriegrab, Ganggrab, Großdolmen, Hünenbett ohne Kammer, Hünengrab, Steinkiste und Urdolmen.
- auf den Britischen Inseln: Boulder tomb, Cairn (Steingrab), Clava Cairn, Clyde tomb, Cotswold Severn tomb, Court tomb, Passage tomb, Portal tomb, Souterrain (Archäologie) und Wedge tomb
- in Frankreich: Cairn (Steingrab), Galeriegrab und Souterrain (Archäologie)
- auf der Iberischen Halbinsel: Anta, Mámoa, Pedra Formosa
- auf den westmediterranen Inseln: Gigantengrab, Naveta, Talayot, Taula, maltesische Tempel, Torre,
- ansonsten: Tholos
In Europa sind in einigen Regionen auch Megalithen einzeln (dann Monolithe oder Menhire genannt) oder mit anderen Megalithen in Steinsetzungen, aufgestellt, und nicht in Bauwerken verarbeitet worden :
- Alignement (Menhire) eine Steinreihe bzw. Steinallee (franz. Alignement), Baityloi, Bautastein, Bullaun, Cross-slab, Gotländische Bildsteine, Maskenstein, Menhir, Ogham, Piktischer Symbolstein, Runenstein, Schalenstein, Schiffssetzung, Statuenmenhir, Steinkreis (Cromlech).
Die Schalensteine ("Teufelssteine") des Alpenraums zählen nicht zu den Megalithen, da sie weder transportiert noch artifiziell aufgerichtet wurden. In Schottland gibt es Steinkreise mit einem liegenden Menhir (recumbent Stone circles).
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MegalithreihenCarnac.jpg
Herkunft des Baumaterials
Die Steine der nordeuropäischen Megalithen stammen von den Ablagerungen der Eiszeit (erratische Blöcke), (
Granite,
Gneise und andere Gesteine). Viele der übrigen Megalithen wurden aus dem relativ weichen Sedimentgestein gebrochen.
Vorkommen in Mitteleuropa
Über 900 Megalithbauten liegen in Deutschland in den drei großen Küstenländern, sowie in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, einige wenige im südlichen Baden-Württemberg. 53 Anlagen sind in den Niederlanden erhalten und ganz wenige in Belgien (
Wéris). Die Zahlen für Polen sind nicht verlässlich bzw. in den deutschen (Vorkriegs)zahlen enthalten. Dänemark hat noch über 2000 von einst etwa 5000 und Schweden mehr als 450 (von etwa 650). Größere Megalithenanlagen in der Schweiz finden sich in Bonvillars, Clendy,
Falera, Lutry, Reignier und Sion. Die Menhire finden sich primär in Süd- und Westeuropa; in Deutschland zwischen dem Saarland und Thüringen.
Vorkommen außerhalb Europas
Megalithen finden sich in der Türkei, in Südrussland, Georgien, in
Afrika,
Madagaskar,
Indien, Korea, Palästina,
Indonesien und
Indochina ohne dass eine genetische Verbindung besteht.
Zur Verbreitung siehe auch: Megalithkultur.
Deutung
Der Bau mit Megalithen erfolgte in Europa kulturunabhängig etwa zwischen 4.500 (
Bretagne) u. etwa 800 v. Chr., als die letzten auf
Sardinien verbaut wurden. Um die Megalithbauten ranken sich heute noch einige Geheimnisse. So weiß man weder genau, welchem Zweck sie dienten, noch wie sie aufgerichtet oder transportiert wurden. Mit der Christianisierung entstanden Legenden über das Entstehen von Megalithen durch des
Teufels Hand. Einige Steine tragen den Teufel im Namen (
Devils Arrows,
Devils Circles etc.) und viele wurden im frühen
Mittelalter, besonders aber seit der Industrialisierung zerstört. Megalithen fielen Flurbereinigungen, landschaftlichen Projekten oder dem Kirchen- und Hafenbau zum Opfer. In Norddeutschland wurden sie zum Deichbau und, zerkleinert-als Strassenpflaster verwendet. Es wird angenommen, dass in manchen Gebieten nur noch etwa fünf Prozent der Objekte erhalten sind.
Im 18. und 19. Jh. interessierte man sich wieder für die Megalithanlagen. Aus dieser Zeit stammt die Vermutung, dass die Bauwerke auf die Druiden der Kelten zurückzuführen seien. Heute weiß man, dass die Steinsetzungen jungsteinzeitlich und damit deutlich älter sind.
Als anekdotische Anmerkung zur Entstehung des Begriffs "Hinkelstein": Die Größe der Steine
verleitete die Menschen früher dazu, an Hünen (Riesen) zu glauben, welche die Steine transportiert haben mussten. Durch einen Verständnisfehler kam es dann von "Hünenstein" zu "Hühnerstein", und da im südwestdeutschen Raum anstelle des Wortes Huhn das Dialektwort "Hinkel" gebraucht wird, kam es so zu dem Wort "Hinkelstein".
Nichtmegalithische Traditionen in Europa
Megalithanlagen konnten nur dort entstehen, wo Steine mit den Mitteln der jeweiligen Zeit zu gewinnen bzw. zu transportieren waren. Im Nordkreis der Trichterbecherkultur (TBK) waren das im wesentlichen die erratischen Blöcke der Eiszeit, die nur zu spalten und zu transportieren waren. Wo Findlinge nicht in ausreichender Menge und Größe vorhanden waren, entstanden für vergleichbare Zwecke andere Bauten, z.B. im Bereich der südlichen TBK die Totenhütten und die Kammeranlagen in der Mittelgebirgszone (südlich des Mittellandkanals) in Deutschland, im wesentlichen zwischen Weser und Saale.
Siehe auch
Literatur
- Fansa M.: Großsteingräber zwischen Weser und Ems (Oldenburg 1992).
- Schmidt M.: Die alten Steine. 1998 ISBN 3-356-00796-3
- von Freeden, J. Malta und die Baukunst seiner Tempel 1993
- Walkowitz J.E.: Das Megalithsyndrom. Band 36 in Beitraege zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Zylmann D.: Das Rätsel der Menhire. 2003. ISBN 3-936326-07-X
Weblinks
Megalith | Archäologischer Fachbegriff
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