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Medizintechnik (schweizerisch: Medizinaltechnik) ist der Teilbereich der Technik, der in der Medizin eingesetzt wird. Sie umfasst entsprechende Grundlagen-, Vorlauf-, und klinische Forschung der Hochschulen, sowie die gleichnamige Branche im Verarbeitenden Gewerbe. Zur Abgrenzung kann das deutsche Medizinproduktegesetz dienen: Medizintechnik erzeugt Geräte, Produkte und technische Verfahren, welche Medizinprodukte sind. Diese Definition reicht von einfachen Verbandsmaterialien bis zu medizinischen Großgeräten und vollständigen Anlagen. Kennzeichnend ist ein hoher Forschungs- und Entwicklungsaufwand, intensive staatliche Reglementierung, und eine enge Verzahnung von Produkten und Dienstleistungen.

Deutschland ist nach den USA und Japan der weltweit drittgrößte Produzent von Medizintechnik. Im Jahr 2002 wurde in den USA Medizintechnik für 73 Mrd. € produziert, in Japan für 15 Mrd. €, in Deutschland für 13 Mrd. €. Der Teilbereich wuchs in den letzten Jahren doppelt so schnell wie der Gesamtsektor (inflationsbereinigt 50 % 1995 - 2002). Dennoch ist er gesamtwirtschaftlich marginal. Umsätze und Beschäftigung machen in Deutschland nur 2 % des industriellen Sektors aus; es sind ca. 108 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Die meisten Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen mit durchschnittlich 78 Angestellten.

Zur Planung, Entwicklung, Instandhaltung und für den Vertrieb medizinisch-technischer Produkte haben sich mehrere Berufsbilder (in Deutschland unter anderem der staatlich geprüfte Techniker, Fachrichtung Medizintechnik und der Dipl.-Ingenieur für Medizintechnik) herausgebildet.

Sachlicher Umfang der Medizintechnik


Medizintechnische Anlagen und Geräte dienen der Therapie oder Diagnostik für Menschen.

Eine objektbezogene Vollständigkeit oder Abgrenzung des Bereichs Medizintechnik lässt sich wegen des großen Umfangs unterschiedlicher Produkte und Systeme und auch wegen vielfachen Überschneidungen in der Anwendung nicht erreichen.

Die Webseite "www.deutsche-medizintechnik.de" definiert folgenden Einbezug:

"Neben * Dentalprodukten sind Investitionsgüter (Geräte, Systeme etc.) auf der einen Seite und Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (Implantate, Hilfsmittel, Verbandmittel etc.) auf der anderen Seite die beiden großen Produktblöcke. Sie werden auch von unterschiedlichen Verbandsorganisationen vertreten, ohne dass wegen der vielfältigen technologischen und anwendungsbedingten Überschneidungen eine klare Abgrenzung möglich wäre.

Zur Gruppe der Investitionsgüter gehören grundsätzlich all diejenigen Produkte, die im Krankenhaus oder in der Arztpraxis benötigt werden, wie z. B. bildgebende Systeme, medizinische Versorgungseinheiten, Inhalations-, Narkose-, Sauerstoffgeräte, chirurgische Instrumente, optisch-medizinische Geräte (Endoskope), Sterilisatoren, Operationsmobiliar, Untersuchungsstühle, Mikroskope oder Blutdruckmessgeräte.

Zu den Gebrauchs- und Verbrauchsgütern gehören Verbandmittel, Pflaster, Hilfsmittel (beispielsweise zur Inkontinenz-, Stoma- oder Wundversorgung, Produkte für Behinderte oder Reha-Patienten wie Rollstühle, Gehhilfen, Prothesen, Orthesen, Kompressionstherapie, Geräte der Respiratorischen Heimtherapie), aber auch Einmalprodukte wie Spritzen, Katheter und Kanülen sowie Implantate, wie z. B. künstliche Gelenke, Intraokularlinsen und Herzschrittmacher bis hin zum künstlichen Herz."

Forschung


Medizintechnische Forschung kann naturwissenschaftlich-technische Grundlagenforschung sein, die mögliche Anwendbarkeit in der Medizin verspricht. Es kann sich auch um dediziert medizintechnische Grundlagenforschung handeln, um Vorlaufforschung mit eindeutigem Produktbezug oder um technische Produktentwicklung.

Die Unternehmenslandschaft ist äußerst heterogen (zwischen 1 und 10 000 Mitarbeitern, F&E-Etats zwischen 0 und 50 % des Umsatzes). Insgesamt ist die Medizintechnik aber ein Teilbereich mit überdurchschnittlich hohem Forschungsanteil. Der branchendurchschnittliche Kostenanteil für Forschung und Entwicklung ist ca. 9,5 % vom Umsatz; 14,7 % von den Beschäftigten sind forschend tätig (2001). Deutsche Unternehmen halten die zweithöchste Anzahl an einschlägigen Patenten (nach US-amerikanischen Firmen) und machen 50 % ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als zwei Jahre lang auf dem Markt sind.

Da die Inhalte der industriellen Forschung geheim sind, beziehen sich amtliche Statistiken vorwiegend auf den öffentlichen Sektor in Hochschulen und Instituten (Fraunhofer, Max-Planck etc.). Die u.g. Bestandsaufnahme des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (s. Weblinks) erfasst über 1100 öffentliche medizintechnische Forschungsprojekte in Deutschland. Diese haben die Schwerpunkte Informationstechnik, Bildgebende Verfahren, Biomaterialien, Zell- und Gewebetechnik. Der diesbezügliche Etat des BMFT beträgt ca. 35 Mio € pro Jahr.

Mit öffentlichen Mitteln geförderte Studien aus der Medizintechnik, absteigende Anzahl nach der Statistik des BMFT:

  1. Informatik und Informationstechnik
  2. Bildgebende Verfahren
  3. Biomechanik, -materialien, Biosignale, -sensorik
  4. Zell- und Gewebetechnik, Tissue Engineering
  5. Optische Techniken in der Medizin
  6. Therapeutische Techniken
  7. Medizintechnik in der Chirurgie
  8. Implantate
  9. Neurologische Fragen
  10. Mikro- und Nanosysteme in der Medizin
  11. Rehabilitation, Hilfen für Behinderte
  12. Interventionelle Techniken
  13. Labor, Klinische Chemie
  14. Ophthalmologie und Sehen
  15. Dental
  16. Audiologie
  17. Phonetik und Stimme
  18. Gesundheitsökonomie und Medizintechnik
  19. Elektromagnetische Verträglichkeit in der Medizintechnik
  20. Physiotherapie
  21. Technik in der Rettungs- und Notfallmedizin

In der internationalen Literatur stellen "Bildgebende Verfahren" (MRT, Röntgen, Endoskopie) das mit weitem Abstand bedeutendste medizintechnische Forschungsgebiet dar. Die Bedeutung der einzelnen Nationen folgt der wirtschaftlichen Situation. Deutschland hält einen Anteil von ca. 15 %, es ist insbesondere führend (mit 60 % aller Veröffentlichungen) bei den Themen "Multislice-CT" und (mit 40 %) "Kernspintomografie".

Gesetzliche Bestimmungen


Die oberste Priorität im Umgang und der Anwendung von Medizintechnik hat die Patienten- und Anwendersicherheit. Um diese Sicherheit zu gewährleisten, gibt es innerhalb der Europäischen Union diverse anzuwendende Gesetze, Regelungen und Unfallverhütungsvorschriften, die einen einheitlichen technischen und sicherheitstechnischen Standard herstellen.

In Deutschland besonders hervorzuheben sind hierbei:

siehe auch


Studiengang Medizintechnik


Einige Studienmöglichkeiten an Hochschulen und Fachhochschulen:
  • FH Stralsund (Bachelor Medizininformatik & Biomedizintechnik, Master Medizininformatik http://www.fh-stralsund.de)
  • Fachhochschule Gießen-Friedberg (http://kmubserv.tg.fh-giessen.de/pm/kmub/)
  • Fachhochschule Lübeck (http://193.175.120.23/an/biomed/index.html)
  • Fachhochschule München (http://www.fb06.fh-muenchen.de/fb/?stuga=mechatronik)
  • Fachhochschule Münster (Physikalische Technik - Biomedizinische Technik, http://www.fh-muenster.de/fb11/)
  • BA Bautzen (praxisintegriert, in 3 Jahren zum Diplom)
  • Fachhochschule Anhalt (Bachelor und Master Biomed. Technik, http://www.hs-anhalt.de/)
  • Hochschule Bremerhaven, www.hs-bremerhaven.de
  • TU Graz, http://www.tugraz.at/
  • TU München, http://www.zimt.tum.de/
  • TU Berlin
  • Uni Erlangen (Physik in der Medizin, http://www.biomed.uni-erlangen.de/lpmt/students.html)
  • Fachhochschule Ulm, http://www.fh-ulm.de
  • FH Lausitz
  • Rheinahrcampus Remagen (Fachhochschule Koblenz), http://www.rheinahrcampus.de/
  • HAW Hamburg (Hochschule für Angewandte Wissenschaften)
  • FH Aachen, Abteilung Jülich (Physikalische Technik - Biomedizinische Technik)
  • FH Oberösterreich, Campus Linz, http://www.fh-linz.at/
  • Berner Fachhochschule (Hochschule für Technik und Informatik HTI), Nachdiplomstudiengang und Master of Advanced Studies in Medical Technology, www.mzbe.ch/
  • Fachhochschule Jena (Studiengang Biomedizintechnik) http://www.fh-jena.de/
  • Fachhochschule Wilhelmshaven (http://www.fh-oow.de/)
  • Hochschule Furtwangen, Abteilung Villingen-Schwenningen (Studiengänge (Bachlor) Medical Engineering, Bio- und Prozess Technologie)(http://www.hs-furtwangen.de)
  • Universität Bern, Medizinische Fakultät, Master in Biomedical Engineering http://www.bioeng.master.unibe.ch
  • Hochschule Mittweida (FH) (Studiengang Physikalische Technik - Medizintechnik) (http://www.htwm.de/mpi/studium/pt/phystechnik.htm)

Literatur


  • Armin Gärtner: Medizintechnik und Informationstechnologie. Band II, ISBN 3-8249-0941-3
  • Fachzeitschrift "mt - medizintechnik, Organ des Fachverbandes Biomedizinische Technik e.V. (fbmt) und der VDI Fachgruppe Medizintechnik, DIN A4, geheftet, 6 Ausgaben jährlich, 44 Seiten"
  • Rüdiger Kramme (Hrsg.): "Medizintechnik - Verfahren, Systeme, Informationsverarbeitung" , 2. Auflage, Springer Verlag

Weblinks


Medizintechnik | Ingenieurwissenschaft

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