Medientraining ist die Bezeichnung für eine Weiterbildung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für Menschen, die bisher keine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Medien haben oder ihr öffentliches Auftreten verbessern wollen, zum Beispiel Politiker, Wirtschaftsführer oder andere Führungskräfte.
Ein zentraler Aspekt des Medientrainings ist das "Auftreten" bei Pressekonferenzen oder in Interviews, speziell vor der Kamera. Geübt wird u.a. die Form, wie man Reporterfragen im eigenen Interesse am besten beantwortet. Oft werden von den Journalisten nur sehr kurze Statements von weit weniger als einer Minute Dauer benötigt, so dass man zum Beispiel lernt, sein umfangreiches Fachwissen in kurze und allgemeinverständliche Sätze zu fassen - z. B. in 20 oder 30 Sekunden.
Weiterer Bestandteil eines Medientrainings ist die Rhetorik. Wenn Gespräche oder Interviews mit Journalisten zum Beispiel zu kontroversen Themen oder in Krisensituationen stattfinden, soll geübt werden, in Ruhe bestimmte Kernbotschaften (in der PR-Sprache: core messages) zu vermitteln und keine unüberlegten, spontanen Äußerungen zu machen. Geübt wird auch, in einem Streitgespräch zu kontern. Elemente eines Medientrainings sind außerdem Mimik, Gestik und Körperhaltung.
Einige Erkenntnisse von Medientrainern:
- Wer beim Interview wohlgesetzte Worte wählt, aber dabei schwitzt, erscheint unglaubwürdig. - Wer sauertöpfisch blickend von einem großen Erfolg spricht, wird keinen Glauben finden. - Wer im Fernsehstudio eine auffällig bunt gemusterte Krawatte trägt, wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Kleidung lenken und nicht auf seine Worte.
Gute Medientrainings berücksichtigen daher die Gesamterscheinung der Person. Die meisten Medientrainer besitzen Erfahrung im PR- und Medienbereich.
Genutzt wird Medientraining vor allem von Politikern. Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter: „Heute existiert eine scheinbar direkte Beziehung zwischen Politikern und Bürgern über den Bildschirm. Scheinbar deshalb, weil das Medium mit seinen Machern, seinen Gesetzmäßigkeiten und Manipulationsmöglichkeiten ja immer dazwischengeschaltet ist. Die Gesetzmäßigkeiten des Mediums Fernsehen begünstigen wiederum bestimmte Inszenierungsformen der Politik: Schnelle Statements vor laufender Kamera, 20-fach wiederholt (was dann zu dieser seltsamen Stereotypensprache vieler Politiker führt), Talkshows in scheinbar wechselnder und doch längerfristig gesehen immer gleicher Besetzung mit 50 bis max. 75 Gesichtern und bestenfalls 10 verschiedenen Meinungen (ich weiß, wovon ich spreche!), das Ganze bekommt immer mehr Wanderzirkuscharakter. (in: Politik als Inszenierung, Ein Essay, Jürgen W. Falter, Universität Mainz, 07.06.2002)
Stärker als die "normalen" Zuschauer, die meist nur unbewusst auf die Körpersprache achten, beachten Journalisten stets Tonfall und Minenspiel ihrer Interviewpartner. Geschulte Reporter erkennen oft rasch, ob das Gegenüber sich unwohl fühlt oder gar lügt. Dazu können das Ausmaß des Augenkontakts während des Gesprächs beitragen sowie bestimmte Muskelbewegungen rund um Nacken, Mund und Augenpartie, die als Zeichen für Nervosität gedeutet werden können. Gezieltes Training soll helfen, solche "verräterischen" Zeichen zu vermeiden.
Kritiker sprechen von einer zunehmenden Politikinszenierung, da die meisten Politiker mit Medientrainern arbeiten und öffentliche Auftritte genau kalkuliert und geprobt sind; die Inhalte treten dabei oft in den Hintergrund.
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