Der Ausdruck Medienmanipulation bezeichnet die verzerrte Darstellung der Realität, die Journalisten und Nachrichtenproduzenten durch eine bestimmte Vorauswahl bzw. die Art der Berichterstattung in die Massenmedien bringen, sowie die daraus folgende verzerrte Wahrnehmung.
Bei Medienmanipulation handelt es sich um eine verbreitete - der journalistischen Ethik zuwiderlaufende - Verzerrung an Stelle einer an der Chronistenpflicht geschulten Perspektive eines Journalisten oder Artikels. Die Ausrichtung und der Grad der Medienmanipulation in zahlreichen Ländern ist unterschiedlich, vielfach sind ihre Ursachen sowohl praktisch als auch theoretisch die gleichen.
Die Forderung nach einer absoluten Objektivität und Neutralität der Medien stößt naturgemäß auf Grenzen und ist freilich ein unerreichbares Ideal. Es ist journalistisch nicht möglich, über alle vorhandenen Geschehnisse Bericht zu erstatten; eine zusammenhängende Darstellung geht zwangsläufig mit einer Vorauswahl der Fakten einher (Newton 1989). Eine gewisse Manipulation ist also bei einer Darstellung schon aus technischen Gründen unvermeidbar.
Auf der anderen Seite steht die Manipulation als willkürliche Einflussnahme auf das journalistische Geschehen. Einflussreiche Stellen (bestimmte Regierungen oder Konzerne) üben ihre Macht sowohl mit offenkundiger als auch versteckter Zensur auf die Medien ihrer oder anderer Länder aus. Andererseits schränken einige Journalisten oder Redakteure aus Scheu vor negativen Konsequenzen freiwillig die Darstellung problematischer Tatsachen ein (Selbstzensur: „Schere im Kopf“).
Zu den Faktoren, die bei den Medienunternehmern zu einer manipulierten Darstellung führen können, zählen der Besitz der Nachrichtenquelle, die Auswahl der Mitarbeiter, die Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe oder der Druck der Werbeindustrie. Aus den ideologischen Positionen der Medienbesitzer und Journalisten erwachsen politische Verquickungen, die ihrerseits oftmals eine tendenziöse Berichterstattung zur Folge haben. Der Platz oder die Sendezeit für Berichte, sowie die notwendigen Stichtage können zu unvollständigen, tatsächlich oder scheinbar manipulierten Berichten führen.
Die politische Manipulierbarkeit der Massenmedien ist eine Eigenschaft, mit der sie von Anbeginn seit der Erfindung der Druckerpresse belastet ist. Die hohen Kosten der früheren Druckausrüstung schränkten die Medienproduktion anfangs ein. Die Verleger bedienten häufig die Interessen großer oder mächtiger sozialer Gruppen.
John Miltons Flugschrift Areopagitica, eine Rede für die Freiheit des unlizenzierten Drucks, veröffentlicht 1644 war eine der ersten Publikationen für die Pressefreiheit.
Im 19. Jahrhundert erkannten Journalisten das Prinzip der unparteiischen Berichterstattung als wesentlichen Bestandteil journalistischer Ethik. Dieses traf mit dem Aufstieg des Journalismus als einem sozialen Machtfaktor zusammen, was bis heute Gültigkeit behält, wobei gewissenhafte und um Objektivität bemühte Journalisten von Vorwürfen der Manipulation nicht getroffen werden.
Ebenso wie die Presse dienten die Rundfunkmedien (Radio und Fernsehen) von Anbeginn als Propagandainstrument, eine Tendenz, die sich in der ursprünglichen Verfügungsgewalt nationaler Regierungen über das gesamte Sendungsspektrum zeigt. Obgleich ein Prozess der Medienderegulierung die Mehrheit westlicher Rundfunkmedien in private Hände gelegt hat, besteht noch eine starke Regierungspräsenz bzw. ein –monopol bei den Rundfunkmedien bestimmter Länder der Erde. Auf der anderen Seite führt die Privatisierung der Medien im Gegenzug häufig zu einer Konzentration in den Händen weniger Medienkonzerne, woraus wiederum bestimmte Formen medialer Manipulation erwachsen.
1798 verabschiedeten die USA die Alien and Sedition Acts, ein Verbot der Veröffentlichung "falscher, skandalöser oder böswilliger Berichte" gegen die Regierung, einschließlich jeder öffentlichen Opposition gegen irgendein Gesetz oder einer Handlung des Präsidenten in der Presse (bis 1801 in Kraft).
Während des amerikanischen Bürgerkriegs beschuldigte Präsident Abraham Lincoln die Presse der Frontstaaten der Manipulation zugunsten des Südens und ordnete das Verbot zahlreicher Zeitungen an.
Mit dem vorgetäuschten Überfall angeblicher Polen auf den deutschen Sender Gleiwitz 1939 wird propgandistisch der Eintritt Deutschlands in den 2. Weltkrieg und der Überfall auf Polen gerechtfertigt.
Hitler beschuldigte die Presse der marxistischen Manipulation, und fand Beifall bei den Pro-NS-deutschen Medien in England und den USA.
Im 2. Weltkrieg auf deutscher Seite stehende Politiker behaupteten, die internationalen Medien würden von Juden gesteuert. Berichte über eine deutsche Misshandlung der Juden seien manipuliert und entbehrten jeder Grundlage. Hollywood bezeichnete man als Brutstätte jüdischer Manipulation, und Filme wie Charlie Chaplins Der große Diktator mussten dafür als Beweis herhalten.
Der medial manipulierte Tonkin-Zwischenfall 1964 bietet den USA den Vorwand zum Einstieg in den Vietnamkrieg. Im Verlauf des Krieges beschuldigte Vizepräsident Spiro Agnew seinerseits die Presse der antiamerikanischen Manipulation.
1968 bot ein manipulierter "Hilferuf des tschechoslowakischen Volkes" die propagandistische Rechtfertigung zum Einmarsch des Ostblocks in die CSSR.
In den 1980er Jahren beschuldigte die Regierung Südafrikas die Presse der liberalen Manipulation und leitete Zensurmaßnahmen ein. 1989, erließ die Regierung ein dreimonatiges Verbot der Zeitung New Nation wegen der Veröffentlichung von Anti-Apartheid- Propaganda. Andere Zeitungen - weitgehend zensiert - veröffentlichten die zensierten geschwärzten Abschnitte als solche, um den Umfang der regierungsamtlichen Zensur zu demonstrieren.
Manipulationen wirken nachhaltig, wenn sie emotional bewegen. 1990 bewog die Brutkastenlüge die US-Amerikaner zur Zustimmung des Einstieges in den 2. Golfkrieg. Ergreifende Bilder angeblich in kuweitisch-irakischen Gewässern treibenden ölverschmierten Kormorans stellten sich später als Fotos der Exxon Valdez-Katastrophe heraus. Bild Kormoran
Im November 2005 räumte George Bush ein, dass die als Kriegsgrund für den 3. Golfkrieg herangezogenen angeblichen Beweise der Existenz von Massenvernichtungswaffen einer Grundlage entbehrten. Dabei vermied er das Wort Manipulation.
Häufig glauben Angehörige politischer Bewegungen, die Medienberichterstattung sei manipuliert, wenn sie sich gegen die je eigene Ideologie richtet, die im Konflikt gegen eine andere Seite steht; z. B. wird häufig behauptet, die westliche Medienberichterstattung gegen Israel sei durchweg manipuliert, während die palästinensischen Gewalttaten heruntergespielt würden; andererseits behauptet man ebenso auf Seiten der Palästinenser, die westliche Medienberichterstattung gegen die Palästinenser sei durchweg manipuliert und die israelischen Gewalttaten würden heruntergespielt.
Nicht alle Anklagen über Manipulation sind politisch. Der Autor Martin Gardner beschuldigte die Unterhaltungsmedien pseudowissenschaftlicher Manipulation. Er behauptete, Fernsehsendungen wie die X-Akte förderten den Aberglauben.
Die Sprache kann auch als politischer Faktor in den Massenmedien auftreten, besonders in den Fällen, wo eine Gesellschaft durch eine Sprachenvielfalt gekennzeichnet wird. Die Wahl der Sprache in den Massenmedien kann am ehesten eine Manipulation in Sinne jener Gruppe darstellen, die diese Sprache spricht und die anders sprechenden von einer Beteiligung ausgrenzen. Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache als Verkehrssprache kritisiert man US-amerikanische und englischssprachige Medien häufig von vornherein als publizistische - und damit manipulative - Übermacht. Auch in anderen Sprachbereichen, wie dem arabischen gibt es Versuche, ein gemeinsprachliches Massenmedium zu schaffen, um eine große, geographisch zerstreuten Bevölkerung, durch den Nachrichtensender Al Jazeera zu erreichen.
Zahlreiche mit Sprache und Manipulation befasste Medientheoretiker verweisen auf die Medien der USA, einem Land, in dem von der überwiegenden Mehrheit Englisch gesprochen wurde. Einige argumentieren, dass eine Standardsprache noch lange keine nationale Einheitlichkeit schaffe; weiterhin blieben große Unterschiede bestehen, die in den Massenmedien Ausdruck finden.
Die Glasgow Media Group analysierte in den Bad News Studies Fernseh- und Zeitungsmeldungen) in Großbritannien. (Eldridge, 2000). Mittels Inhaltsanalyse, Interviews sowie beobachtender Teilnahme fanden sie u.a. heraus, dass Meldungen gegen Gewerkschaften manipuliert waren, in denen diese für den Bruch der Tarifvereinbarungen und die hohe Inflation verantwortlich gemacht wurden.
Martin Harrison (TV News: Wer manipuliert?) (1985) kritisierte die Methoden der Glasgow Media Group und argumentierte, die GMG untersuche die Manipulation selektiv, und präsentiere die eigenen Vorurteile selbst manipuliert als Ergebnis. Z.B. stelle die GMG das Wort "Leerlauf" zur Charakterisierung streikender Arbeiter als abwertend dar, obgleich es von den Streikenden selbst verwendet würde. (Street 2001, S. 31).
Herman und Chomsky (1988) schufen die Theorie des Propagandamodells, wonach die systematische Manipulation der US-Medien aus der ökonomischen Struktur der USA erwächst. Nach dieser Theorie entscheiden der Medienbesitz der Großunternehmen über die Meinungsbildung, die Werbefinanzierung sowie die Übernahme regierungsamtlicher Quellen. Diese vermögen die unabhängigen Medien vermittels antikommunistischer Ideologie zu diskreditieren, und die breite Öffentlichkeit im Interesse der US-Unternehmen zu manipulieren.
Eine solche Unausgewogenheit zeigte Mark Halperin auf, politischer Direktor der ABC-News. Er untersagte den Reportern in einer internen Mail, "künstlichen Einfluss auszuüben. ...George W. Bush und John Kerry seien' gleichermaßen ' " der Öffentlichkeit verantwortlich. Die Kritik der Bush-Unterstützer ziele darauf ab, den Wahlsieg "durch ... neue Versuche, Kerry zu zerstören" zu erreichen. Als der Drudge Report diese Anordnung * veröffentlichte, sahen zahlreiche Bush-Unterstützer ausgerechnet hier den Beweis, Halperin manipuliere die ABC gegen Bush zugunsten Kerrys, indem er die manipulativen Versuche der Journalisten abzuwenden suchte.
Manipulation lassen sich auch durch die Offenlegung der Verbindungen vermeiden, die Interessenkonflikte verursachen können. Etwa, wenn eine Nachrichtenagentur über für sie selbst relevante Angelegenheiten berichtet oder über ihre Eigentümer. Oft betrifft eine solche Veröffentlichung Aktien oder Kapital. Die Kommentatoren über Aktienangelegenheiten werden daher häufig aufgefordert, eine mögliche Teilhaberschaft an den betreffenden Unternehmen oder ihrer Konkurrenz bekannt zu machen.
In manchen Fällen, wo eine Manipulation offensichtlich ist, kann eine Nachrichtenagentur Personal entlassen oder versetzen. Diese Methode wendete man an in der Affäre der Killian Dokumente und nach dem Interview Peter Arnetts mit der irakischen Presse.
Schließlich haben einige Länder Gesetze, um in den staatlichen Medien eine Ausgewogenheit zu erzwingen. Seit 1991unterstehen die CBC und Radio Kanada, das frankophone Gegenstück, dem Broadcasting Act. Dieses Gesetz legt, u.a. fest:
Der kanadische Rundfunk muss (i) ein vielfältiges und umfassendes Programm repräsentativer Information, Aufklärung und Unterhaltung Hörer jeden Alters, Geschlechts, Interessen und Geschmacks anbieten, (...) (iv) der Öffentlichkeit eine angemessene Gelegenheit bieten, unterschiedliche Sichtweisen zum Ausdruck bringen zu können
Westlichen Medien wird häufig im Rest der Welt (einschließlich Osteuropas, Asien, Afrikas und desnahen Ostens) unterstellt die seien prowestlich hinsichtlich zahlreicher politischer, kultureller und wirtschaftlicher Angelegenheiten. Al-Jazeera ist häufig im Westen über die Berichterstattung über die arabische Welt kritisiert worden.
In Amerika beschuldigten Politiker des Südens während der Bürgerrechtsbewegung die Medien der Manipulation gegen die Weißen. Film und Fernsehen manipulierten angeblich zugunsten einer „Rassenvermischung“; zahlreiche Fernsehsendungen und –serien mit ethnisch gemischten Besetzungen wie I Spy oder Star Trek wurden von den Stationen des Südens nicht gesendet.
Auch in den Ländern mit Religionsfreiheit und freier Presse unternimmt die vorherrschende Religion große Anstrengungen, um Einfluss auf die Medien zu gewinnen. In den überwiegend christlichen Nationen tendieren die Journalisten zu einer Berichterstattung über die Aktivitäten aus dem Bereich des Christentums, und dem Ausschluss anderer Glaubensrichtungen.
Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. In atheistischen Ländern zeitigt die antireligiöse Medienpropaganda Wirkung, wie im zahlreichen Ländern des Ostblocks im kalten Krieg.
Mit anderer Motivation verschweigen manche heutige Medien aus eigenem Interesse die Berichterstattung über jedewede religiöse Angelegenheiten, um nicht den Anschein der Bevorzugung einer Glaubensrichtung vor der anderen zu erwecken.
Letztere Art der Manipulation wird häufig in der Berichterstattung über neue religiöse Bewegungen gesehen. Häufig geschieht es, dass die einzige Sichtweise, die der Öffentlichkeit über eine neue religiöse Bewegung, umstrittene Gruppe, oder einen Kult vermittelt wird, negativ gezeichnet und durch mediale Skandalberichte illustriert wird. Z.B. erfahren die meisten beuen oder Minderheitsreligionen nur dann mediale Beachtung, wenn etwas Skandalöses berichtet werden kann, Z. B. ein Massenselbstmord einer Sekte oder illegalen Machenschaften des Führers einer religiösen Bewegung.
Nach der Encyclopedia of Social Work (19. Auflage), spielen die Nachrichtenmedien eine entscheidende Rolle bei der öffentlichen Akzeptanz von Kulten. Nach einigen Studien haben die Medien durch die bildliche Darstellung die Macht, neue Kulte als problematisch, umstritten oder bedrohlich zu manipulieren (Beckford, 1985; Richardson, Best & Bromley, 1991; Victor, 1993). Die Analyse ergab, dass Medienberichte über Kulte im Wesentlichen auf Polizisten oder Kult"experten" zurückgehen, die die jeweilige kultische Praxis als gefährlich und zerstörerisch einstufen, die häufig mit horrend überzogenen Geschichten über rituelle Folter, sexuellen Missbrauch, der Gehirnwäsche usw. ausgebaut werden.
Medienmanipulation ist nicht immer prinzipiell politisch. Nachrichtenmedien suchen im Wesentlichen Erfolg bei einem bestimmten Publikum. Viele Menschen interessiert eher die Lokalberichterstattung mit privatem oder regionalem Bezug wie Fotos einer Einschulung, einer Hochzeitsfeier, eine prominente Lokalgröße, ein Empfang, ein Verkehrsunfall oder andere glamouröse oder schockierende Meldungen.
So findet der Tod von Millionen Menschen in einem ethnischen Konflikt in Afrika oder Asien in den regionalen Medien eine schmale Randerwähnung, während die Erschießung von fünf Angehörigen eines Gymnasiums eine monatelange tiefgehende und facettenreiche Analyse erfährt. Der Grund für diese Art der Manipulation ist im Streben nach medialem Publikumserfolg zu suchen, Produzenten und Verleger bieten an, wovon sie annehmen, die Masse hätte ein Interesse daran.
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