Medienkompetenz bezeichnet nach Dieter Baacke die Fähigkeit, Medien und die durch Medien vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv nutzen zu können. Die Medienkompetenz umfasst deshalb mehrere Fähigkeiten:
Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie bildet den Hintergrund eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels, des Wandels von der Industriegesellschaft zur Informations- und Wissensgesellschaft. Mit diesem Begriff verbindet man gemeinhin die Vorzüge neuer Informations- und Kommunikationstechniken. Das bedeutet Vorteile für diejenigen, die die Fähigkeiten besitzen, neue Medien nutzen zu können. Ein wichtiges gesellschafts- und bildungspolitisches Ziel ist daher die Steigerung von Medienkompetenz.
Mit der gesellschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten bauen Kommunikationsprozesse zunehmend auf der Verarbeitung von Information und Wissen auf. Wir stehen heute bereits einem sehr breit gefächerten multimedialen Informationsangebot gegenüber. Die Herausforderung ist nun, aus dieser kaum zu überblickenden Bilder- und Textflut die wichtigen und richtigen Informationen herauszufiltern. Ein maßgeblicher Konflikt, dem unsere Gesellschaft dabei ausgesetzt ist, liegt darin, dass sich die Befähigung der Bürger im Umgang mit Informationsmedien nicht kongruent zu deren technischer Entwicklung ausgebildet hat. Medienkompetenz ist das Zauberwort, das hierbei Abhilfe schaffen soll.
In vielen gesellschaftlichen Bereichen gilt Medienkompetenz daher als eine der Schlüsselqualifikationen von Gegenwart und Zukunft. Die Forderung, die mit diesem Begriff gestellt wird, ist die Befähigung von Menschen, sich in einer immer mehr von Medien durchdrungenen Welt kompetent orientieren zu können. Das Spektrum der Medienkompetenz ist entsprechend breit. Es reicht vom praktischen Umgang mit Medienangeboten im Alltag über das Wissen um technische, historische, politische, kulturelle, ökonomische und nicht zuletzt ethische Bedingungen. Es gilt, die Anforderungen und Wirkungen verschiedener Mediensysteme zu kennen, die Fähigkeit zu besitzen, medial vermittelte Wirklichkeiten zu reflektieren und mit Medien aktiv kommunizieren zu können. Somit sind Entscheidungs- und Handlungskompetenzen des Einzelnen gefordert, damit möglichst jeder sowohl an individueller als auch an kollektiver Medienkommunikation aktiv und autonom teilhaben kann. Der Schwerpunkt, der in diesem Zusammenhang diskutiert wird, konzentriert sich daher auf die Vermittlung praktischer Medienkompetenzen.
Blickt man zurück auf die Geschichte des Begriffs Medienkompetenz und ihrer Vermittlungsinstanz Medienpädagogik, ist „nicht * ein kontinuierlich fortschreitender Prozess zu sehen“, sondern sie ist vielmehr geprägt durch bestimmte temporär dominierende, sich aber gegenseitig nicht ausschließende Strömungen und Zyklen. Diese Zyklen sind immer auch Ausdruck eines gesellschaftspolitischen Kontextes. Ursprünglich stellten die „Massenmedien“ den Hauptgegenstand der Diskussion dar. Bereits in den 1920er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte Bertolt Brecht (1898–1956) ganz konkrete und pragmatische Forderungen zur Befähigung des einfachen Bürgers in der Anwendung und Nutzung der Medien. Er forderte 1927 eine Demokratisierung des Rundfunks. Erst am Ende der 1960er Jahre, in „gesellschaftspolitisch anderer Zeit“, kam der Begriff der „Medienkompetenz“ auf. Die Bevölkerung solle, so forderte Hans Magnus Enzensberger in Anlehnung an Brecht, überall dabei sein, auch bei der Produktion von Medien. Er postuliert in einer zentralen Stelle seiner Theorie der Medien:
Durch handlungsorientierte Pädagogik und Kulturarbeit in den 1970er und 80er Jahren hatte eine nicht mehr nur abwehrende Haltung gegenüber den Medien die Oberhand gewonnen. Die Medien wurden in ihren gestalterischen Potenzialen für die Bildungssozialisation wahrgenommen. Als Leitbegriffe dominierten jetzt kommunikative Kompetenz, Lebenswelt, Alltag, authentische Erfahrung, handelndes Lernen und vor allem Handlungskompetenz und Medienkompetenz. Durch handelndes Lernen im Gegenstandsbereich der sozialen Realität sollte in der Verbindung von Reflexion und Handeln die Realität sowohl angeeignet als auch mitgestaltet und verändert werden.
In den letzten Jahren hat Baackes Definition von Medienkompetenz besondere Bedeutung erlangt. Dieter Baacke gliederte den Begriff in vier Dimensionen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Um das komplexe Begriffsystem Baackes anschaulicher zu machen, wird hier seine schriftliche Beschreibung der Ausdifferenzierung des Begriffs Medienkompetenz schematisch dargestellt (siehe Grafik). Mk_Grafik.png
Baacke erweitert den Begriff Medienkompetenz theoretisch auf die überindividuelle, gesellschaftliche Ebene. Mit diesem Ausdifferenzierungsziel wird der Begriff zum „Diskurs der Informationsgesellschaft“. Ein solcher Diskurs bezieht alle wirtschaftlichen, technischen, sozialen, kulturellen und ästhetischen Probleme mit ein, so dass er ständig aktualisiert werden kann und muss. Baackes pädagogisch begründeter Begriff der Medienkompetenz inspiriert dauerhaft Wissenschaft, Praxis und Politik.
Es zeigt sich bereits bei dieser überblicksartigen Betrachtung des Begriffs Medienkompetenz und den Möglichkeiten seiner Vermittlung, dass sich ein Hauptaspekt herauskristallisiert: durch aktive (Be-)Nutzung der Medien soll sich eine Kritikfähigkeit herausbilden, die zum Auswählen unterschiedlicher Medienangebote genutzt werden kann. Kurz: Die eigene aktive Arbeit mit einem Medium ermöglicht dessen kritische Nutzung im beruflichen und privaten Alltag.
Um den Anforderungen der modernen Mediengesellschaft gerecht werden zu können, sollte es ein zentrales Anliegen von Bildungsinstitutionen sein, die Fähigkeit zu vermitteln, Bilder rezipieren, dechiffrieren und mit ihnen kommunizieren zu können. Neben dem Fernsehen werden zukünftig auch im Internet bewegte Bilder als wichtige Darstellungsform und als komplexes Transportmittel für Informationen mehr und mehr genutzt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Fähigkeit, Bilder und Bildzusammenhänge einschätzen und nach dem Informationsgehalt filtern zu können, zu einem maßgeblichen Bestandteil praktischer Medienkompetenz. Eine ästhetische Orientierung in der Medienpädagogik geht in der Regel davon aus, dass Bilder unser Denken und damit unsere Wirklichkeitskonstruktion beeinflussen – Bilder in einem erhöhten Maße, weil über sie Emotionen und Gefühle ideal transportierbar sind. Kaum eine Generation zuvor ist mit so vielen audiovisuellen Reizen aufgewachsen wie die gegenwärtige. Nach Franz Josef Röll verweisen Fotos, Zeitschriften, Kataloge, Werbung, Fernsehen, Kino und Computer seit einigen Jahrzehnten auf einen neuen Diskurs bei der Aneignung von Realität und prägen somit das Wirklichkeitsverständnis durch das Bild. Röll geht davon aus, dass im kommunikativen gesellschaftlichen Diskurs die sozialästhetische Kompetenz im Umgang mit Bildern zu einer Ausgangsvoraussetzung werden wird, um sozial und politisch agieren zu können.
Neil Postman konstatiert 1988 in seiner viel beachteten Streitschrift „Wir amüsieren uns zu Tode“, dass jenes Medium die kulturelle Ausprägung einer Kultur bestimme, welches es schaffe, Gedanken im kommunikativen Austausch am bequemsten zu transportieren. Und jene Gedanken, die sich bequem ausdrücken ließen, würden dann unweigerlich zum wesentlichen Inhalt einer Kultur. Deswegen seien die „Wahrheitsbegriffe jeweils sehr eng mit den Perspektiven bestimmter Ausdrucksformen verknüpft“. Damit lehne er sich, räumt Postman ein, an den Aphorismus Marshall McLuhans: Das Medium ist die Botschaft. Wie die Sprache selbst, so begründe auch jedes neue Medium einen bestimmten, unverwechselbaren Diskurs, indem es dem Denken, dem individuellen Ausdruck, dem Empfindungsvermögen eine neue Form zur Verfügung stelle. Und eben genau dies meine McLuhan mit seinem Satz. Postman resümiert schließlich, dass die spezifischen Ausdrucksformen die Kultur prägten, die den jeweiligen Medien zur Verfügung stünden.
Und allen Medien voran präge das Fernsehen unsere Kultur. So werde zum Beispiel die Art, wie wir andere Medien nutzen, in starkem Maße vom Fernsehen bestimmt. Das Fernsehen sage uns, welches Telefonsystem wir benutzen, welche Filme wir uns ansehen, welche Bücher, Schallplatten und Zeitschriften wir kaufen und welche Radiosendungen wir hören sollen. Kein anderes Medium habe die Macht, so Postman, unsere Kommunikationsumwelt so nachhaltig zu organisieren, wie das Fernsehen.
Bei der Massenkommunikation mit audiovisuellen Medien wird die enorme Menge von Informationen mit einer endlichen Anzahl von Methoden und Gestaltungsweisen vermittelt. Die Art und Weise, wie eine Information vermittelt wird, sagt dabei sehr viel über die Intentionen des Produzenten aus. Kennt man die Spezifika der Ausdrucksformen, so kann man leichter suggestive Elemente herausarbeiten und beurteilen und dadurch den eigentlichen Subtext des Films erkennen. Die journalistischen Prinzipien der audiovisuellen Informationsvermittlung sind daher zu erlernen, um den spezifischen Informationscharakter von entsprechenden Medientexten erkennen zu können.
Unter Einbeziehung der Überlegungen Gerhard Tulodzieckis für die Schule, der Operationalisierung des Medienkompetenzbegriffs von Dieter Baacke sowie medienästhetischer Maßstäbe definiert sich Praktische Medienkompetenz für den wichtigen audiovisuellen Bereich nach einem triadischen Modell mit folgenden Vermittlungszielen:
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