Joseph_McCarthy.jpg Die McCarthy-Ära, (benannt nach dem Senator Joseph McCarthy), war in der jüngeren Geschichte der USA eine Phase, die durch einen intensiven Antikommunismus geprägt war. Sie wird auch als Second Red Scare bezeichnet. Sie dauerte von 1948 bis etwa 1956. Während dieser Zeit verfolgte die US-Regierung die Kommunistische Partei der USA, ihre Führung, ihre Mitglieder und Sympathisanten. Nach den Anschuldigungen, dass sowohl der stellvertretende Finanzminister Harry Dexter White als auch der Ratgeber Franklin Delano Roosevelts, Alger Hiss, sowjetische Agenten seien, wurden für Regierungsmitarbeiter und die Beschäftigten staatlicher Einrichtungen Loyalitätstests eingeführt.
Ab 1950 stieg McCarthys Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit schnell. Die Red Scare wurde, nachdem ihm der Senat 1954 das Misstrauen aussprach, fortgesetzt, gefolgt von seinen verheerenden Untersuchungen in der US-Army, welche am 22. April desselben Jahres begannen. Der Name McCarthy wurde mit dem Phänomen hauptsächlich durch sein Auftreten in den Medien assoziiert. Seine freimütige und unberechenbare Natur machte ihn zum idealen Aushängeschild des Antikommunismus, obwohl er möglicherweise noch nicht einmal der wichtigste Praktiker war.
Charlie Chaplin war einer der wegen „un-amerikanischen Aktivitäten” beschuldigten Personen und das FBI war an Bemühungen beteiligt, dessen Visum für die Rückreise für ungültig zu erklären, als er 1952 Europa bereiste. Tatsächlich war seine Filmkarriere beendet, obwohl er in keiner Anklage für schuldig erklärt wurde. Walt Disney arbeitete zu dieser Zeit eng mit dem FBI zusammen. In Akten des FBI tauchte er als „Special Agent contact” auf, gleichzeitig stand er selbst ebenfalls unter Verdacht. Seine Zeugenaussage vor dem Komitee für unamerikanische Aktivitäten am 24. Oktober 1947 wurde hauptsächlich dafür benutzt, Leute seines Unternehmens zu denunzieren, die seiner Meinung nach eine Bedrohung für seine geschäftlichen Unternehmungen waren oder werden könnten. Darüber hinaus ist eine Gruppe von Regisseuren aus Hollywood, die als die Hollywood Ten bekannt wurden, ins Gefängnis gekommen, weil sie sich weigerten, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Auch zahlreiche linke Autoren und marxistische Theoretiker wie W. E. B. Du Bois oder C. L. R. James litten unter dieser „Hexenjagd” und wurden aus den USA ausgewiesen.
Der gegen McCarthys Kommission ermittelnde David Schine-Untersuchungssausschuss forderte McCarthy gegen Ende der 36-tägigen öffentlichen Anhörung auf, die Namen eines Informanten und die Namen von ca. 130 angeblich kommunistischen „Subversiven” zu nennen, die von diesem im Verteidigungsministerium identifiziert worden seien. McCarthy weigerte sich und versuchte stattdessen seine ohnehin angeschlagene Position dadurch zu stabilisieren, indem er Fred Fisher, einen abwesenden Mitarbeiter von Armeerechtsberater Joseph Welch, kommunistischer Infiltration beschuldigte. Der angesprochene Joseph Welch reagierte auf die unbelegte Behauptung McCarthys mit den Worten: „Have you no sense of decency, sir, at long last? Have you left no sense of decency?” („Sir, haben Sie immer noch kein Gespür für Anstand? Haben Sie überhaupt keine Vorstellung von Anstand mehr?”) Die Anhörungen, in denen McCarthy manche Ausschussmitglieder in sachlichem Ton beleidigte und später praktisch alle als Stellvertreter der Kommunistischen Partei bezeichnete, wurden landesweit im TV gezeigt, was zum endgültigen Umschwung der öffentlichen Meinung über die Methoden McCarthys führte.
McCarthy wurde daraufhin vom Senat das Misstrauen ausgesprochen und er verlor schließlich auch den Vorsitz eines weiteren Ausschusses. Die Journalisten hörten auf, über seine Klagen über fortschreitende kommunistische Verschwörungen zu berichten. Über Nacht verschwand er aus dem Rampenlicht. McCarthy wurde vom starken Trinker zum Alkoholiker und starb 1957 an Hepatitis.
Während der Zeit McCarthys ist „McCarthyism” in den USA zu einem festen Begriff geworden. Er beschreibt das Phänomen, der Gesellschaft durch Massenhysterie, Beunruhigung und schwarze Listen politische Ansichten einzuträufeln. Unzureichend begründete Anschuldigungen oder unfaire Ermittlungsmethoden werden oft mit McCarthy in Verbindung gebracht. Sie dienen dazu, Personen zum Schweigen beziehungsweise in Verruf zu bringen. Arthur Millers Drama „Hexenjagd” (engl. The Crucible), das während der McCarthy-Ära geschrieben wurde, nutzte die Hexenprozesse von Salem als Metapher für die Zeit der 1950er, um auszudrücken, dass Verfolgungen dieser Art zu jeder Zeit an jedem Ort passieren können. Der Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury (1953) spricht das Thema auch an.
Beschuldigungen des „McCarthyism” werden oft sowohl von Liberalen als auch von Konservativen gegen ihre politischen Gegner vorgebracht, die angeblich Menschen aus politischen Gründen verfolgen. So sei es laut Konservativen die Schuld des von liberalen Universitätsinstitutionen betriebenen „McCarthyism”, dass nur wenige konservative Fakultäten an amerikanischen Universitäten existieren. Auf der anderen Seite mögen viele Konservative diesen Begriff nicht. Er scheint den Hohn zu legitimieren und fortzusetzen, den Liberale traditionell für antikommunistische und Anti-Spionage-Aktivitäten übrig haben.
Lange Zeit wurde der „McCarthyism” ausschließlich als von Paranoia und Ideologien motivierter Krieg gegen Andersdenkende im eigenen Land gesehen. Zu einem großen Teil war er das sicherlich auch, neuere historische Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass die kommunistische Bewegung in den USA zumindest vor 1945 zu weiten Teilen von der Sowjetunion finanziert und kontrolliert war. Trotzdem lassen sich so die Auswüchse der Kommunistenjagd insbesondere gegen Künstler und Intellektuelle nicht rechtfertigen und so wird der „McCarthyism” im Allgemeinen als dunkler Fleck in der Historie der Vereinigten Staaten gesehen. Jedoch ist die Depotwirkung der McCarthy-Ära hinsichtlich Kommunismus und Sozialismus nicht zu übersehen. „Linke” gelten in den USA noch heute fast ausschließlich als Anhänger der extremen politischen Ausrichtung.
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