Das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie wurde am 1. April 1954 durch Beschluss des Senats der Max-Planck-Gesellschaft gegründet, ab Februar 1956 in Oberbayern auf freier Flur neu erbaut und am 16. September 1958 eingeweiht. Den Ortsnamen Seewiesen für das entstandene kleine Forscherdorf wählten die beiden Gründungsdirektoren Erich von Holst und Konrad Lorenz als geländebeschreibende Adresse. Das Institut wurde zum 30. November 1999 offiziell geschlossen, gleichwohl wird eine kleine "Resttruppe" noch bis 2006 von der Max-Planck-Gesellschaft finanziert.
Seit 1998 beherbergen die Gebäude in Seewiesen das Max-Planck-Institut für Ornithologie, das seinerseits aus zwei bereits seit längerem zur Max-Planck-Gesellschaft gehörenden Einrichtungen hervorgegangen ist: zum einen aus der "Vogelwarte Radolfzell", die bereits 1901 als "Vogelwarte Rossitten" gegründet wurde, ab 1923 der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angehörte und 1946 in Radolfzell ihre Arbeit wieder aufnahm; zum anderen aus der 1991 in Seewiesen eingerichteten Abteilung des Ornithologen und Verhaltensforschers Eberhard Gwinner.
Die Ergebnisse beider Forschungsrichtungen konnten - im Widerspruch zur damals in Deutschland weithin akzeptierten Reflexkettentheorie und dank eines völlig anderen Verständnisses von Verhalten als im Behaviorismus üblich - als ein System von Impulsmustern gedeutet werden, die in den Nervenzellen spontan entstehen und auch ohne Reiz von außen zu häufig komplizierten Instinktbewegungen führen.
Einer von Konrad Lorenz häufig wiederholten Anekdote zufolge saß der damals 25-jährige Erich von Holst bei jenem Vortag am 17. Februar 1936 zufällig neben seiner Ehefrau Margarete Lorenz. Frau Lorenz konnte ihrem Mann daher davon berichten, ihr unbekannter Nachbar habe sich während des Vortrags immer wieder an den Kopf gegriffen und „Idiot“ gemurmelt, wenn Lorenz seine Verhaltensbeobachtungen mit einer Aufeinanderfolge von Reflexen zu erklären versuchte. Angeblich habe von Holst nach dem Vortrag zehn Minuten benötigt, Lorenz von der „Idiotie“ der Reflexkettentheorie zu überzeugen – diese zehn Minuten waren für Konrad Lorenz der gleichsam mythologische Beginn des Faches Ethologie in Deutschland.
Dieser „Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung“ (bekannt auch als „Station Lorenz“) war jedoch nur ein kurzes Dasein vergönnt, da nach dem frühen Tod des großzügigen Hausherrn Gisbert von Romberg im Juni 1952 dessen Erbe vor allem an der Jagd interessiert war und dies mit den verhaltenskundlichen Feldstudien der Max-Planck-Forscher nicht eben harmonierte.
Gleichwohl verfügte Konrad Lorenz in Buldern erstmals in seiner Karriere über adäquate und ausreichende Arbeitsmöglichkeiten für sich und seine Mitarbeiter, bedeutete seine leitende Stelle in der Max-Planck-Gesellschaft doch, dass er das volle Gehalt eines Universitätsprofessors bezog und sich seine Mitarbeiter frei aussuchen konnte: Endlich konnte er seinen bis dahin unbezahlten Mitarbeitern Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Wolfgang Schleidt, Ilse und Heinz Prechtl eine bezahlte Anstellung bieten.
Noch während des Baus der Institutsgebäude am kleinen, abgelegenen Eßsee (50 km südlich von München; den Standort hatte Konrad Lorenz festgelegt, nachdem er mehr als ein Dutzend Seen in Oberbayern erkundet hatte) wurden dem Institut zwei weitere Forschungsgebiete angegliedert: zum einen die Arbeitsgruppe von Gustav Kramer, zum anderen die von Jürgen Aschoff. Gustav Kramer hatte seit 1948 eine Abteilung am Max-Planck-Institut für Meeresbiologie in Wilhelmshaven geleitet und entdeckt, dass Zugvögel die Sonne als Kompass nutzen; er schloss hieraus, dass eine solche Fähigkeit den Besitz einer „inneren Uhr“ zur Voraussetzung haben müsse. Als Grundlage dieser Uhr kamen tagesperiodische Rhythmen in Betracht, wie sie bei diversen Organismen schon lange bekannt waren. Mit solchen Prozesses beschäftigte sich Jürgen Aschoff am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, und Kramer wünschte sich daher die Zusammenarbeit mit Aschoff, als er zum Anschluss an das entstehende Seewiesener Institut aufgefordert wurde. Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft beschloss die Einrichtung von Abteilungen für beide Forscher zum 1. April 1958.
Bevor die geplante Kooperation aber richtig begonnen hatte, stürzte Gustav Kramer am 19. April 1959 auf der Suche nach Wildtauben-Eiern beim Klettern zu Tode. Daraufhin wurde für Jürgen Aschoff in Erling-Andechs, sechs Kilometer von Seewiesen entfernt, ein größeres Anwesen erworben, wo er sich weiterhin den biologischen Rhythmen von Tier und Mensch widmete, insbesondere der Tages- und Jahresperiodik von Verhaltensweisen. Als Leiter der vormaligen Abteilung Kramer wurde im Dezember 1960 Horst Mittelstaedt berufen, ein langjähriger Mitarbeiter Erich von Holsts, der sich mit der regeltechnischen Analyse komplizierter Orientierungsweisen und Instinktbewegungen beschäftigte.
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"Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie".
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