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Max Schmeling (* 28. September 1905 in Klein Luckow; † 2. Februar 2005 in Hollenstedt bei Hamburg) war ein deutscher Schwergewichtsboxer. Er gilt bis heute als einer der populärsten Sportler Deutschlands.

Biografie


  • 1905: am 28. September wurde Max Schmeling in Klein Luckow in Brandenburg als Sohn des Steuermanns Max Schmeling und dessen Frau Amanda (geb. Fuchs) geboren.

  • 1906: Die Familie zog nach Hamburg, wo der Vater bei der Hamburg-Amerika Linie angestellt war.

  • 1919: Schmeling begann eine kaufmännische Lehre in einer Annoncen-Spedition.

  • 1921: Ein Boxfilm weckte in Schmeling das Interesse für den Boxsport.

  • 1922: Um das Boxen richtig erlernen zu können, ging er ins Rheinland, das damalige Zentrum des Boxsports in Deutschland. Schmeling war als Arbeiter in einer Düsseldorfer Brunnenbaufirma beschäftigt.

  • 1923: Sein Arbeitgeber versetzte ihn nach Köln-Mülheim. Er trat dem Mülheimer Box-Club bei.

  • 1924 begann Schmeling seine Profi-Boxkarriere, die ihn frühzeitig und mehrmals nach New York führte - das damalige Mekka des Profiboxens. Dort ließ er sich von dem einheimischen jüdischen Manager Joe Jacobs vertreten.

  • Am 12. Juni 1930 kämpfte er gegen Jack Sharkey um den vakanten Weltmeister-Titel im Schwergewicht. Dies war das zweite große Sportereignis, das im Hörfunk direkt übertragen wurde. Nach einem regelwidrigen Tiefschlag seines Gegners in der 4. Runde konnte Schmeling nicht weiterkämpfen, jedoch wurde er durch dessen Disqualifikation zum Weltmeister erklärt. Bis heute ist Schmeling der einzige Weltmeister, der seinen Titel durch eine Disqualifikation seines Gegners erhielt.

  • Am 21. Juni 1932 kam es in New York zum Rückkampf gegen Sharkey. Dem Amerikaner wurde nach 15 Runden der Sieg nach Punkten und damit der WM-Titel zugesprochen; selbst in den Augen vieler Amerikaner war dies ein Skandalurteil.

  • 1934: Am 26. August des Jahres besiegte Schmeling Walter Neusel (1907-1964) in Hamburg. Dem Kampf wohnten 100.000 Menschen bei, die bis heute größte Zuschauermenge bei einer Boxveranstaltung in Europa.

  • 1935: Die Nationalsozialisten forderten Schmeling auf, sich von seiner tschechischen Frau und seinem jüdischen Manager Joe Jacobs (1899-1940) zu trennen und sich von seinen jüdischen Freunden zu distanzieren. Er wies die Forderungen zurück.
    • Herbst: Wegen der Nürnberger Gesetze und des in Deutschland herrschenden Antisemitismus erwog das amerikanische Olympische Komitee, die Olympischen Spiele in Berlin zu boykottieren. Als international bekanntester deutscher Sportler überzeugte Schmeling im Auftrag des NS-Regimes die Amerikaner von der Teilnahme. Später bezeichnete er diese Fürsprache als "grenzenlose Naivität".
    • Schmeling gewann in Hamburg einen Boxkampf gegen den Amerikaner Steve Hamas.

  • 1936: Schmelings berühmtester Kampf ging allerdings nicht um eine Weltmeisterschaft. Am 19. Juni kämpfte er in New York gegen den so genannten "Braunen Bomber" Joe Louis, der damals als unschlagbar galt, aber damals noch nicht Weltmeister war. Schmeling studierte analytisch Filme seines Gegners, fand einen Schwachpunkt in der Deckung, und überraschte die Boxwelt, indem er Louis schon früh hart treffen konnte und ihn dann durch K.O. in der 12. Runde besiegte. Dieses Ergebnis war auch ohne WM-Titel aus deutscher Sicht die bis dahin größte Überraschung im Boxsport und wurde von der NS-Propaganda politisch missbraucht als "Beweis für die Überlegenheit der arischen Rasse". In den Kinos wurde der Kampf unter dem Titel "Max Schmelings Sieg - ein deutscher Sieg" vorgeführt.

Durch den Sieg über Joe Louis war Max Schmeling zum Herausforderer für den amtierenden Weltmeister Jimmy Braddock avanciert. Der Titelkampf war für Juli 1937 angesetzt. Zum Wiegen erschien Jimmy Braddock dann allerdings nicht, woraufhin ihm die New Yorker Boxkommission mit der lächerlichen Strafe von 1.000 Dollar belegte. Der wahre Hintergrund für das Fernbleiben wurde wenig später offenbar. Braddock hatte längst einen Vertrag über einen Titelkampf mit Joe Louis unterschrieben. Eine geheime Zusatzklausel sicherte ihm für die Dauer von zehn Jahren aus allen Einkünften seines Gegners eine Provision von zehn Prozent. Erwartungsgemäß siegte Joe Louis über Braddock und verteidigte anschließend seinen Titel 25 Mal.

  • Im Juni 1938 bekam Schmeling - erneut in New York - die zweite Chance, Weltmeister zu werden, da Joe Louis einen Rückkampf gegen den einzigen Mann anstrebte, der ihn geschlagen hatte. Schmeling wurde dabei sowohl von deutscher als auch von internationaler Seite als Vertreter des inzwischen an die Macht gekommenen NS-Regimes gesehen (aus persönlicher Sicht wohl zu Unrecht, da Schmeling zumindest nach eigener Aussage stets Distanz zur NS-Ideologie wahrte und während der Reichskristallnacht zwei Juden in seinem Hotelzimmer Unterschlupf gewährte), was dem Kampf eine äußerst brisante politische Dimension verlieh. Diesmal beging Louis nicht mehr den Fehler der tiefliegenden, linken Hand, schlug lange Geraden zu Schmelings Kopf, und trieb ihn gleich zu Beginn der Runde zurück. Nach rund einer Minute landete Louis einen schmerzhaften Treffer auf Schmelings linke Niere, kurz darauf weitere entscheidende Kopftreffer. Schmeling ging mehrmals zu Boden, stand jedoch immer wieder auf, bevor der Kampf schließlich abgebrochen wurde. Louis gewann souverän in der ersten Runde. Dies war Schmelings letzter Boxkampf in den USA.

  • 1939, 2. Juli: Gewinn der Europameisterschaft im Schwergewicht gegen Adolf Heuser (1907-1988). Dieser Boxkampf war Schmelings vorerst letzter.
Im gleichen Jahr kaufte er das Rittergut Ponickel in Pommern. In das kleine Gut investierte Schmeling die Erträge seiner Kämpfe und es wurde ihm und seiner Frau zu einer wirklichen Heimat.

  • 1940: Einberufung in die Wehrmacht.

  • 1943: Aufgrund einer Kriegsverletzung wurde Schmeling aus der Wehrmacht entlassen und bis Ende des Kriegs zum Dienst in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt.

  • 1945: Das Ehepaar Schmeling flieht aus Pommern.

  • 1946: Schmeling übersiedelte nach Hamburg.

  • 1947
    • 22. Januar: Er erhielt von der US-Militärregierung in Deutschland die Boxerlaubnis für die amerikanische Besatzungszone.
    • 28. September: Finanzielle Not zwang Schmeling, nach acht Jahren wieder in den Ring zu steigen.

  • 1948, 31. Oktober: In Berlin bestritt er seinen letzten Kampf. Nach 56 Siegen in 70 Profikämpfen beendete Schmeling seine aktive Laufbahn. Dem Boxsport blieb er als Ringrichter zunächst weiterhin verbunden.

  • ab 1952: Als Inhaber einer Coca-Cola-Lizenz etablierte er sich als erfolgreicher Unternehmer.

  • 1965: Schmeling trat aus Protest gegen die "Ostdenkschrift" der Evangelischen Kirche, die für die endgültige Preisgabe des deutschen Ostens warb, aus der Kirche aus.

  • 1971: Schmeling wurde das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

  • 1977: Seine Autobiographie "Erinnerungen" erschien.

  • 1987: Am 28. Februar starb seine Frau.

  • 1991: Die karitative Max-Schmeling-Stiftung wird ins Leben gerufen.
    • Schmeling wurde als erster Deutscher in die "Hall of Fame", die Ruhmeshalle des Boxsports, aufgenommen.

  • 1996: Eröffnung der Max-Schmeling-Halle in Berlin.
  • 2004: Aus Anlass seines 99. Geburtstages gab die Österreichische Post eine Briefmarke mit Schmelings Portrait im Wert von 0,55 Euro heraus.
    • Er wurde in der Fernsehsendung "Unsere Besten Sportler des letzten Jahrhunderts" Sechster von über 500.

Wichtigste Kämpfe

  • 02. August 1924 Düsseldorf, Tonhalle: t.K.o.-Sieg 6.Rd. gegen Jean Czapp
  • 20. Februar 1925 Köln: keine Entscheidung 2 Rd (Schaukampf gegen Jack Dempsey)
  • 24. August 1926 Berlin, Lunapark (DM Halbschwer): K.o.-Sieg 1.Rd. gegen Max Dieckmann
  • 19. Juni 1927 Dortmund, Westfalenhalle: (EM Halbschwer) t.K.o.-Sieg 14.Rd. gegen Fernand Delarge
  • 06. November 1927 Leipzig, Achilleion: (EM u. DM Halbschwer) K.o. Sieg 7.Rd. gegen Hein Domgörgen
  • 06. Januar 1928 Berlin, Sportpalast: (EM Halbschwer) K.o.-Sieg 1.Rd. gegen Michele Bonaglia
  • 04. April 1928 Berlin, Sportpalast: (DM Schwer) PS 15Rd gegen Franz Diener
  • 23. November 1928 New York, Madison Square Garden: K.o.-Sieg 8.Rd. gegen Joe Monte
  • 04. Januar 1929 New York, Madison Square Garden: PS 10 Rd gegen Joe Sekyra
  • 22. Januar 1929 Newark, Armory Hall: K.o.-Sieg 1.Rd. gegen Pietro Corri
  • 01. Februar 1929 New York, Madison Square Garden: t.K.o.-Sieg 9.Rd. gegen Johnny Risko
  • 27. Juni 1929 New York, Yankeestadium: PS 15 Rd gegen Paolino Uzcudun
  • 12. Juni 1930 New York, Yankeestadium: (WM Schwer) Dsq.-Sieg 4.Rd. gegen Jack Sharkey
  • 03. Juli 1931 Cleveland, Muncipal Stadium: (WM Schwer) t.K.o.-Sieg 15.Rd. gegen Young Stribling
  • 21. Juni 1932 Long Island, Bowl: (WM Schwer) PN 15 Rd gegen Jack Sharkey
  • 26. September 1932 Long Island, Bowl: t.K.o.-Sieg 8.Rd. gegen Mickey Walker
  • 08. Juni 1933 New York, Yankeestadium: t.K.o.-Niederl. 10.Rd. gegen Max Baer
  • 13. Februar 1934 Philadelphia, Convention Hall: PN 12 Rd gegen Steve Hamas
  • 13. Juni 1934 Barcelona, Montjuic-Stadion: Unent. 12 Rd gegen Paolino Uzcudun
  • 26. August 1934 Hamburg, Dirt-Track-Bahn: t.K.o.-Sieg 9.Rd. gegen Walter Neusel
  • 10. März 1935 Hamburg, Hanseatenhalle: t.K.o.-Sieg 9.Rd. gegen Steve Hamas
  • 07. Juli 1935 Berlin, Poststadion: PS 12 Rd gegen Paolino Uzcudun
  • 19. Juni 1936 New York, Yankeestadium: K.o.-Sieg 12.Rd. gegen Joe Louis
  • 15. Dezember 1937 New York, Madison Square Garden: K.o.-Sieg 8.Rd. gegen Harry Thomas
  • 30. Januar 1938 Hamburg, Hanseatenhalle: PS 12 Rd gegen Ben Foord
  • 16. April 1938 Hamburg, Hanseatenhalle: K.o.-Sieg 6.Rd. gegen Steve Dudas
  • 22. Juni 1938 New York, Yankeestadium: (WM Schwer) t.K.o.-Niederl. 1.Rd. gegen Joe Louis
  • 02. Juli 1939 Stuttgart, Neckarstadion: (EM Schwer) K.o.-Sieg 1.Rd. gegen Adolf Heuser

Einberufung in die Wehrmacht

Schmeling, der die Anordnung des Reichssportführers ignorierte, sich von seinem amerikanisch-jüdischen Manager Joe Jacobs zu trennen, musste daraufhin als einziger deutscher Spitzensportler aktiv am Zweiten Weltkrieg teilnehmen.

Im Jahr 1940 wurde er in die Wehrmacht einberufen.

Schmeling wurde als Fallschirmjäger am 20. Mai 1941 beim ersten Angriff auf die von Großbritannien besetzte Mittelmeerinsel Kreta eingesetzt. Schmeling verletzte sich während des Absprungs (leichte Knöchelverstauchung), ließ sich im Lazarett behandeln und anschließend nicht k.v. schreiben. Das einer amerikanischen Zeitung gewährte Interview, in welchem er britische und griechische Kriegsrechtsverletzungen auf Kreta leugnete, brachte ihn in Konflikt mit der Wehrmachtsführung.

In fast allen Internet-Biographien heißt es, dass von 1941 bis 1944 Freunde von Schmeling im Widerstand in der Wehrmacht tätig gewesen seien. Auch an der Vorbereitung für das Attentat vom 20. Juli 1944 seien sie beteiligt gewesen. Er hätte diese persönlichen Kontakte ausgenutzt, um zahlreiche Juden und Regimegegner vor der Deportation in Konzentrationslager (KZ) zu bewahren.

Aufgrund seiner Verletzung wurde Schmeling Ostern 1943 aus der Wehrmacht entlassen und bis Ende des Kriegs zum Dienst in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt. Ab 1946 lebte Schmeling in Hamburg.

Er erhielt am 22. Januar 1947 von der US-Militärregierung in Deutschland die Boxerlaubnis für die amerikanische Besatzungszone. Finanzielle Not zwang Schmeling, nach acht Jahren am 28. September wieder in den Ring zu steigen.

Rückzug vom Boxsport

1948 zog sich Schmeling ganz vom Boxsport zurück. Er bestritt am 31. Oktober in Berlin seinen letzten Kampf gegen den Hamburger Richard Vogt, den er nach Punkten verlor.

Mit seinem großen Rivalen Joe Louis verband ihn bis zu dessen Tod 1981 nach den beiden Boxkämpfen eine enge Freundschaft. Er unterstützte ihn auch finanziell, da Louis mit der Steuerfahndung "Schwierigkeiten" hatte, die es ihm übel nahm, dass er "politische" Spenden während seiner Zeit in der Armee tätigte. Schmeling bezahlte sogar einen Teil der Beerdigungskosten von Louis.

Schmelings Kampfstatistik liegt bei 56 Siegen in 70 Profikämpfen (40 davon durch K.O.), 10 Niederlagen und 4 Unentschieden.

Nach seiner Boxkarriere ließ sich Schmeling mit seiner Ehefrau Anny Ondra in Hollenstedt bei Hamburg nieder und betrieb in Hamburg-Bramfeld die Generalvertretung Norddeutschland für Produkte aus dem Haus Coca-Cola. Sein ca. 8 ha großes Anwesen sollte nach seinem Tod seiner Heimatgemeinde Wenzendorf (Gliedgemeinde der Samtgemeinde Hollenstedt) übertragen werden. Die Eheleute genossen und pflegten das Landleben und betrieben neben einer überregionalen Süßgetränkeabfüllerei auch eine Hühnerfarm und eine Nerzzucht.

Am 2. Februar 2005 starb Max Schmeling an einer schweren Erkältung in seinem Wohnort Hollenstedt. Die offizielle Trauerfeier fand am 1. März 2005 im Hamburger "Michel" (St. Michaelis-Kirche) statt.

Ehrungen


  • Großes Bundesverdienstkreuz, 1971
  • International Boxing Hall of Fame, 1992
  • Ehrenbürger von Los Angeles
  • Ehrenbürger von Las Vegas
  • Ehrenbürger von Klein-Luckow, anlässlich seines 99. Geburtstages
  • Ehrenmitglied im Österreichischen Boxverband
  • Träger der Deutschen Feuerwehr-Ehrenmedaille, der höchsten Auszeichnung der deutschen Feuerwehren für Zivilpersonen
  • 2005: Ausgabe einer Sondermarke der deutschen Post aus Anlass seines 100. Geburtstages (posthum)

Werke


  • 8-9-aus. Ullstein, Berlin, 1957 (vergriffen)
  • Erinnerungen. Ullstein, Berlin 1982. ISBN 3-550-07473-5
(die beiden Bücher widersprechen einander in fast allen wesentlichen Punkten)

Literatur & Medien


  • Barz, Paul: Titelverteidigung. Hörspiel. WDR Köln 2005
  • Friedrich, Dorothea: Max Schmeling und Anny Ondra. Ullstein, Berlin 2001. ISBN 3-898-34030-9
  • Kluge, Volker: Max Schmeling. Aufbau-Verlag 2004. ISBN 3-351-02570-X
  • Krauß, Martin: Schmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen. Göttingen, Verlag Die Werkstatt, 2005. ISBN 3-89533-472-3
  • Pfeifer, David: Max Schmeling – Berufsboxer, Propagandafigur. Unternehmer. Die Geschichte eines deutschen Idols. Campus-Verlag, Frankfurt. ISBN 359337546X
  • James, Steve (Regisseur) & Schweiger, Til (Darsteller): Joe & Max. Drama. Paramount Picures 2002.

Verfilmung

  • Fernsehfilm Joe & Max mit Til Schweiger als Max Schmeling

Siehe auch


Weblinks


Mann | Deutscher | Boxer (Deutschland) | Mäzen | Ehrenbürger | Geboren 1905 | Gestorben 2005 | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Weltmeister (Boxen)

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