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Thema
Die
Matthäuspassion,
BWV 244, ist eine
oratorische Passion von
Johann Sebastian Bach, die das Leiden und Sterben
Jesu Christi nach dem
Evangelium nach
Matthäus zum Thema hat. Die Matthäuspassion und die
Johannespassion sind die beiden einzigen vollständig erhaltenen authentischen Passionswerke von Bach. Die Matthäuspassion ist mit über drei Stunden Aufführungsdauer Bachs umfangreichstes Werk. Sie stellt zweifelsfrei einen Höhepunkt seines Schaffens dar und ist zugleich eines der bedeutendsten abendländischen
Werke der geistlichen Musik.
Besetzung
Das Stück wurde für zwei "Chöre" geschrieben, die jeweils aus Gesangsstimmen (
Sopran,
Alt,
Tenor,
Bass) und Instrumenten (2
Block- oder
Traversflöten, 2
Oboen, 2
Violinstimmen,
Bratsche,
Basso continuo) bestehen. Im heutigen Sprachgebrauch würde man von "Doppelchor und -orchester" sprechen.
In den Sätzen 1 und 35 wird zusätzlich ein
Soprano in ripieno verlangt; für dessen Besetzung gibt es eine Aufführungstradition mit Knabenstimmen (als Gegensatz zu den Frauenstimmen in den zwei Chören), die aber in keiner Beziehung zu den ursprünglichen Intentionen Bachs steht, der ohnehin in der Kirche ausschließlich Knabensoprane ( bzw. falsettierende Männerstimmen sowohl für Sopran und Alt) einsetzte. In einer von Bachs eigenen Fassungen des Werks wurde diese Stimme auch von einer Orgel übernommen.
Die Matthäuspassion sieht die folgenden Solopartien vor:
Es gibt Arien für alle Stimmlagen, die nach Chorus I oder II differenziert sind.
Textquellen
Der Text basiert einerseits auf dem 26. und 27. Kapitel des
Evangelisten Matthäus und andererseits auf den Barockdichtungen von
Christian Friedrich Henrici (genannt Picander).
Das Werk besteht aus einem etwas kürzeren ersten Teil und einem umfangreicheren zweiten Teil, zwischen denen zu Bachs Zeiten die Predigt von ca. einer Stunde Dauer gehalten wurde.
Aufbau und Symbolik
Das Werk entfaltet eine phantastische stereophone Wirkung durch die doppelte Anlage von Chor und Orchester, bei der die Chöre vielfach miteinander einen Dialog führen. Beispielhaft sind hierfür insbesondere jeweils der überwältigende Eingangs- und Schlusschorus zu erwähnen. Dazwischen gibt es vielfach lange, kontemplative
Arien, die das Leiden Jesu verinnerlichen. Zwischen
Rezitativen,
Chören und Arien sind insgesamt vierzehn
Choräle eingearbeitet, die auf die dramatischen Höhepunkte der Handlung Bezug nehmen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Choral
O Haupt voll Blut und Wunden von
Paul Gerhardt, der mit verschiedenen Strophen und Harmonisierungen insgesamt fünfmal erklingt.
In der Matthäuspassion arbeitet Bach vielfach mit musikalischen Symbolen. So wird etwa bei den Rezitativen der Text Jesu stets von langen, hohen Haltenoten der Streicher begleitet, die das Göttliche symbolisieren. Die handelnden Menschen hingegen werden lediglich durch den Generalbass untermalt. Erst als Jesus am Kreuze die letzten Worte spricht, verstummen die Streichinstrumente, womit Bach die Menschwerdung Jesu versinnbildlicht.
Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die insbesondere ausgeprägte zahlenmystische Elemente in der Passion zu erkennen glauben, jedoch dürfte zumindest ein Teil von ihnen auf reinen Zufällen beruhen.
Entstehung und Geschichte der Matthäuspassion
Es ist umstritten, ob die Matthäuspassion aus dem Jahre
1727 oder
1729 stammt. Sie steht in Beziehung zur Trauermusik BWV 244a (für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen, Aufführung am 24. März 1729). Unklar ist, ob die Trauerkantate
Parodievorlage oder die Parodie zu BWV 244 ist. Gesichert ist nur, dass die Matthäuspassion am 15. April 1729 (
Karfreitag) in der
Leipziger Thomaskirche unter Bachs Leitung aufgeführt wurde. Bach überarbeitete Teile des Werkes in späteren Jahren zweimal, zuletzt
1736. Zu Bachs Lebzeiten wurde die Matthäuspassion nicht beachtet und sogar wegen ihres „opernhaften“ Charakters von den Repräsentanten des
Pietismus innerhalb der evangelischen Kirche und der Leipziger Bürgerschaft angefeindet. Mit der Wiederaufführung der Matthäuspassion am 11. März
1829 durch
Felix Mendelssohn Bartholdy mit der
Sing-Akademie zu Berlin leitete dieser in Deutschland eine Bach-Renaissance ein. Im 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche, höchst unterschiedliche Aufnahmen mit namhaften Dirigenten und Künstlern (u.a.
Wilhelm Furtwängler,
Karl Richter,
Nikolaus Harnoncourt,
Gustav Leonhardt,
Ton Koopman,
Helmuth Rilling,
Georg Solti,
John Eliot Gardiner), die das große Spektrum von Interpretationsmöglichkeiten aufzeigen.
- Zur mendelssohnschen Aufführung siehe den Artikel über Felix Mendelssohn Bartholdy.
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