Pillowtop-mattress.jpg Matratzen sind Polster, die man meist auf Lattenroste legt, um ein komfortables Liegen und Schlafen zu ermöglichen. Die Kombination von Matratzen mit dazu passenden Lattenrosten bezeichnet man als Bettsysteme. Der Matratzenkern aus Schaumstoff, Latex oder Naturprodukten wird mit einem Drellbezug o.ä. ummantelt, der je nach Bedürfnis mit Schafwolle, Vlies, Baumwolle, Wildseide oder auch Rosshaar versteppt ist. Bezüge von Komfortmatratzen bestehen heutzutage nur noch selten aus Drell, sondern aus 3dimensional elastischen Stoffen wie Frottee oder (zunehmend) mehrlagigem Jersey.
Moderne Matratzen sind häufig in drei bis zu sieben Liegezonen eingeteilt, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Körperregionen auf Stützung gerecht werden sollen. Es wird immer mehr zum Standard, dass der Matratzenbezug abnehmbar ist und im Extremfall gewaschen oder gereinigt werden kann.
Matratzen werden heute fast ausschließlich einteilig hergestellt. Die lange praktizierte unterschiedliche Ausstattung mit einer Sommerseite und einer Winterseite wird nur noch auf ausdrücklichen Wunsch gefertigt. Haltegriffe an den Seiten ermöglichen ein leichteres Hantieren von oft recht schweren und unhandlichen Matratzen. Matratzenkern.jpg
Das Bett des Odysseus war nach der Homerischen Überlieferung ein verziertes vierfüßiges Rahmenwerk, bespannt mit Riemen aus purpurn schimmernder Stierhaut und bedeckt mit Fellen und Teppichen, mit leinenem Überzug und wolligem Mantel als Decke. Die Griechen hatten hölzerne Bettstellen, oft mit reich verzierten Füßen und lehnenartiger Erhöhung am Kopfende. Auf Gurten ruhten die mit Wolle oder Naturfasern gefüllten Matratzen.
Das Bett der Römer war ähnlich konstruiert und oft mit großem Luxus ausgestattet. Es trug auf Gurten die mit Schilf, Heu, Wolle oder Federn von Gänsen oder Schwänen gefüllte Matratze (culcita, torus). Bei Ausgrabungen in Herculaneum, das dem Vesuvausbruch im Jahre 79 zum Opfer gefallen war, wurde im Hause eines ehemaligen Sklaven eine Kinderwiege entdeckt, in der eine Matratze aus Pflanzenfasern lag. Dies bedeutet, dass auch das gemeine Volk sich diesen Komfort schon leistete.
Schon zu Zeiten der Kreuzzüge im 12. und 13. Jahrhundert waren Matratzen in der arabischen Welt üblich. Sie wurden so bzw. über den Kulturaustausch am damaligen Hof von Friedrich II. in Sizilien den Rittern bekannt und gelangten dadurch nach Europa.
Matratzen, die der heutigen Bedeutung nahe kommen, waren zumindest in Deutschland bis in die Neuzeit purer Luxus und nur den höheren Schichten vorbehalten. Das gemeine Volk schlief auf mit Seegras, Schilf, Stroh oder Spreu gefüllten Säcken, auf harter Unterlage. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden Matratzen, die meist von Sattlern hergestellt und oft dreiteilig waren, auch bei der bürgerlichen Schicht populär. Seit dem 2. Weltkrieg sind die Ansprüche an Matratzen (und Lattenroste) deutlich gewachsen, neue Füllstoffe wie Latex oder PUR haben den Markt komplett revolutioniert.
| Breite in cm | Länge 140 cm | Länge 190 cm | Länge 200 cm |
|---|---|---|---|
| 70 cm | 70 x 140 | ||
| 90 cm | 90 x 190 | 90 x 200 | |
| 100 cm | 100 x 190 | 100 x 200 | |
| 120 cm | 120 x 200 | ||
| 140 cm | 140 x 200 | ||
| 200 cm | 200 x 200 | ||
70 x 140 cm ist dabei das übliche Maß für Kindermatratzen. Alle übrigen Größen gelten bei den Herstellern meist als Sondermaße, die gegenüber den Standardmaßen einen Aufschlag von 10 bis 20 % bedeuten und oft mit teilweise langer Lieferzeit bestellt werden können. Generell können aber alle gewünschten Größen maßgeschneidert werden.
Seit einiger Zeit hat es sich eingebürgert, dass Matratzenkerne und Matratzenbezüge auch getrennt geliefert und erst beim Kunden zusammengefügt werden. Auf diese Weise können auch zwei Matratzenkerne unterschiedlicher Härtegrade in einem gemeinsamen Matratzenbezug kombiniert werden, so dass optisch eine einheitliche Liegefläche entsteht und die so genannte „Besucherritze“ entfällt. Matratzenkerne aus Kaltschaum werden immer öfter auch zusammengerollt und in einer Folie zusammengepresst angeliefert und erst beim Kunden entrollt. Dies erspart Transport- und Lagerkosten und ermöglicht die Mitnahme im eigenen PKW des Kunden.
Matratzen werden in unterschiedlichen Härtegraden angeboten. Diese sind nicht genormt, sondern streng genommen in das Belieben der Produzenten gestellt. Diese bieten in aller Regel drei Stufen an, nämlich
Für die Auswahl der richtigen Matratzenhärte wird meist das Körpergewicht des Kunden heran gezogen:
Diese grobe Faustregel wird den Bedürfnissen des Kunden oft nicht gerecht, denn Körperform, Körpergröße, Alter, Gesundheitszustand und Lebens-/Schlafgewohnheiten sowie besonders die Wahl des Matratzentyps spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Matratzen unbesehen und ohne Probeliegen nach obiger Faustregel zu bestellen, ist nicht zu empfehlen. Eine ausführliche Beratung durch Fachpersonal sollte dem Kauf voran gehen.
Klar falsch ist die leider noch immer populäre, sogar von einigen Ärzten und Physiotherapeuten vertretene Auffassung, dass hartes Liegen gesund sei. Sie rührt noch aus der Zeit, als Schaummatratzen auf Drahtgeflechten (vergleichbar Feldbetten) den „Komfort einer Hängematte“ boten. Hartes Liegen kann gelegentlich bei akuten Bandscheibenvorfällen tatsächlich hilfreich sein, ist aber ansonsten nur für Menschen mit sehr gutem Bindegewebe (aktive Sportler) zuträglich. Blumige Werbesprüche wie „Bandscheibenmatratze“ sind sehr kritisch zu bewerten und zeugen oft von rücksichtsloser Geschäftstüchtigkeit der Anbieter.
Matratzen sollen in Verbindung mit den dafür geeigneten Lattenrosten die Regeneration des Körpers unterstützen. Dies geschieht am Besten dadurch, dass die Wirbelsäule die ihr von Natur aus gegebene Doppel-S-Form einnehmen kann und zwischen Kopf und Steißbein eine durchgängig gerade Linie bildet. Vor allem bei Seitenschläfern muss dem entsprechend die Schulter und das Becken so tief in die Matratze einsinken können, damit diese gerade Linie von allein entsteht.
Die Höhe der Matratze spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Je höher sie ist, desto eher kann sie Stauchungen vermeiden, die entstehen, wenn die Matratzenfüllung dem Druck des darauf liegenden Körpers nicht mehr nachgeben kann. 16 cm Höhe und mehr dürfen es schon sein, auch wenn die Optik des Schlafzimmers darunter leiden sollte.
Federkernmatratzen mit den Unterarten
Am wenigsten punktelastisch ist ein Bonnellfederkern, die Leichtfederkerne und Endlosfederkerne sind vergleichsweise dazu elastischer. Sind die einzelnen Federn in Reihen von Stofftaschen eingenäht und diese Reihen zu einer Fläche in Matratzengröße verklammert oder verklebt, handelt es sich um einen Taschenfederkern, der eine gute Punktelastizität aufweist, sich aber für verstellbare Lattenroste nur bedingt eignet. Den höchsten Komfort bietet die Tonnentaschenfederkernmatratze, bei der die Metallfedern eine bauchige Form haben und damit bedeutend flexibler sind als Taschenfederkernmatratzen.
Über dem Federkern sind verschiedene Materialien als Polsterung verarbeitet. Eine Filzplatte oder (bei sehr billigen Matratzen) ein dünnes Vlies dienen als Polsterträger, um die Polsterung davor zu bewahren, von den Metallfedern durchgerieben zu werden. Die Polsterung besteht aus Schaumstoff, darauf liegt der Bezug. In diesen ist häufig Polyesterfaservlies, Baumwolle, Schurwolle oder Rosshaar eingesteppt. Der Bezugstoff für diese Matratzen besteht zumeist aus Baumwolle oder Baumwolle/Viskose-Gemischen.
Manche Menschen behaupten, dass von Federkernen aus Metall Erdstrahlung oder Elektrosmog ausgehe. Solche Behauptungen sind jedoch wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Insbesondere wenn Verkäufer solche Ansichten aktiv vertreten und zur Untermauerung physikalische Gesetze nach Belieben erweitern oder verändern, sollte man die Motive des Verkäufers kritisch hinterfragen.
Naturlatexmatratze ist kein geschützter Begriff und kann bewusst irreführend verwendet werden. Lediglich beim Gütesiegel QUL (("Qualitätsverband umweltverträgliche Latexmatratzen e.V.") besteht eine Sicherheit, dass die Matratze ausschließlich aus Naturlatex gefertigt wurde. Aus Gründen der Haltbarkeit fügen Hersteller vor der Vulkanisation wenigstens 5 % andere Materialien (Konservierungsstoffe, Schäumungsmittel, Vulkanisiermittel und Alterungsschutzmittel) hinzu.
Matratzenpolster.jpg Der Latexkern, der meist zwischen 10 und 16 cm hoch ist, wird mit einem Drellbezug ummantelt, der seinerseits mit Schafwolle, Baumwolle, Vlies, Viskose, Wildseide oder anderen Materialien versteppt wird. Er sorgt dafür, dass ausreichend Abstand zwischen dem Matratzenkern und dem Körper des Benutzers entsteht, und schafft ein gutes Schlafklima. Außerdem sind Latexmatratzen durch diesen Abstand in der Regel auch für Allergiker unproblematisch. Während Seide und Baumwolle kühl bleiben, wird eine wärmebedürftige Person eher Schafschurwolle bevorzugen. Wer auf Hygiene Wert legt, wird eine mindestens 60° waschbare Hülle vorziehen. Hier sind Hohlfasern (Polyester) versteppt, die viele Waschvorgänge durchhalten. Moderne Latexkerne verfügen meist über Luftröhren (so genannter Stiftlatex) oder Luftkammern (so genannter Kavernenlatex), in denen Luft zirkulieren und eindringende Feuchtigkeit nach außen gelangen kann. Dem menschlichen Körperaufbau entsprechend werden durch diese Röhren und Kammern Matratzen in drei bis zu sieben unterschiedlich harte Liegezonen segmentiert.
Es empfiehlt sich, nach dem Aufstehen die noch warme Matratze etwas hoch zu stellen, die Bettdecke möglichst weit zurück zu schlagen und mittels Stoßlüftung die im Raum vorhandene Restfeuchtigkeit ins Freie gelangen zu lassen. Möglichst keine Tagesdecken verwenden und im Winter im Schlafzimmer eine Temperatur von mindestens 10° Celsius einhalten, da es sonst zu dauerhafter Kondensation (Feuchtigkeitsverbleib) im Matratzenkern kommen kann.
Schichtlatexmatratzen bestehen aus mehreren Schichten von Latex und Schaumstoff-Elementen, die mittels Klebstoffen fest miteinander verbunden sind.
Schaumstoffmatratzen bestehen heute meist aus einem PUR-Kaltschaum-Matratzenkern. Dessen Qualitäten und Eigenschaften hängen u.a. vom Raumgewicht (RG), der Stauchhärte, der Art der Herstellung und der eingearbeiteten Profile ab.
Unter Raumgewicht versteht man das kg-Gewicht pro 1 m³ aufgeschäumter Rohmasse, oder anders gesagt, so viele Kilogramm wiegt ein Kubikmeter Schaumstoff vor dessen Weiterverarbeitung. Als Faustregel gilt, je leichter ein Schaumstoff ist, desto mehr wurde am Materialeinsatz eingespart, und desto weniger langlebig ist die Matratze. Brauchbare Qualitäten beginnen bei RG 40. Hochwertige Qualitäten liegen bei RG 50 bis RG 60.
Die Stauchhärte ist die Kraft, die aufgebracht werden muss, um einen Schaum-Rohblock von ca. 120 cm Höhe um 40 % einzudrücken. Je niedriger die Stauchhärte (kPa), desto weicher ist der Schaum.
Seit dem weitgehenden Verbot der ozonschädigenden Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) wird in den meisten Industriestaaten das absolut ungefährliche reine Kohlendioxid als Treibmittel beim Aufschäumen verwendet. Bei Kaltschaumkernen wird häufig ganz auf Treibmittel verzichtet, das Aufschäumen erfolgt dann beim Zusammentreffen der chemischen Grundsubstanz mit Wasser. EU-weit gibt es nur wenige Hersteller von PUR-Schaumstoffen für die Matratzenproduktion.
Eine Molton-Spannauflage zwischen Matratze und Betttuch verhindert in den allermeisten Fällen die Verschmutzung der Matratzenhülle und das Eindringen von Körperpartikeln und Staub in die Matratze. Diese Spannauflage sollte etwa 14-tägig ins Freie ausgeschüttelt und wenigstens alle 2 Monate bei 50 bis max. 95° gewaschen werden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich dann Milben ansiedeln und / oder ein Waschen der Matratzenhülle erforderlich wird, außer bei Sondersituationen wie Bettnässen oder ansteckenden Krankheiten.
Dann gilt: In der Regel sind ab einer höheren Preisklasse die modernen Matratzen mit einer dehnfähigen, waschbaren, abziehbaren Hülle versehen, die man mittels eines Rundum-Reißverschlusses jeweils zur Hälfte abziehen kann. Diese Hälften lassen sich in den Standardgrössen unproblematisch nach den Herstellerangaben entweder bei 60° oder in der Allergikerversion bei 95°Celsius in der Waschmaschine waschen und schleudern. Haushaltswaschmaschinen sind jedoch dafür häufig zu klein, daher dann Waschsalon aufsuchen. Bitte nicht in den Trockner; über zwei Stuhlrücken gespannt trocknet eine solche Hüllenhälfte i.d.R. binnen 12 Stunden bei Zimmertemperatur.
Wem das zuviel Arbeit ist, der gibt die Matratzenhülle in die Reinigung, wie es vor allem bei mit Naturmaterial gefüllten, abziehbaren Hüllen Pflicht ist! Besonders schafschurwollgefüllte, abziehbare Hüllen vertragen eine hauseigene Wäsche niemals!
Die vielfach unter "Mobile Reinigung bei Ihnen zuhause" angebotenen Hitzebehandlungen mit gleichzeitigem Absaugen sind mit großer Skepsis zu betrachten und taugen höchstens etwas für alte Federkern - und Taschenfederkernmatratzen, da hier durch die Matratzenbezüge per Hitzestrom die Milben abgetötet werden, um sie nachher per Superstaubsauger aus der Matratze herauszusaugen. Zweifelhaft, was mit dem sinnvollen Feinpolster auf der Matratze bei einer solch rabiaten Methode passiert.
Matratzen sollten täglich ausreichend gelüftet werden, damit sie die während der Nacht aufgenommene Feuchtigkeit von bis zu 1/4 l Wasser wieder an die Außenluft abgeben können. Dies erreicht man durch einen von unten offenen Bettkasten oder das Hochstellen des Lattenrostes. Tagesdecken sind der Hygiene nicht unbedingt förderlich.
Matratzen sollten regelmäßig (etwa alle zwei bis drei Bettwäschenwechsel) gedreht und/oder gewendet werden, um eine gleichmäßige Abnutzung und damit eine längere Lebensdauer zu erreichen.
Hierbei erweisen sich die "leichteren Matratzen" (Kaltschaum) als Empfehlung: Das Handling auf lange Sicht ist einfach praktischer.
Eine Reinigung der Matratze mit einem Klopfsauger kann nicht empfohlen werden. Die dabei entstehenden Schäden an der Versteppung stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum eventuellen Nutzen (s.o.).
Auch bei guter Pflege ist eine hochwertige Matratze nach zehn bis vierzehn Jahren erneuerungsbedürftig, zumindest aus hygienischen Gründen. Bei unzureichender Pflege und zum Beispiel dauerfeuchten/mangelhaft gelüfteten Räumen kann dieser Zustand schon nach wenigen Monaten erreicht sein. Spätestens bei sich nicht mehr zurückbildenden Kuhlen nach Drehen und Wenden muss eine Matratze zur Entsorgung.
Billige Matratzen haben teilweise erheblich schnellere Abnutzungserscheinungen. Die Kalkulation, trotz häufigeren Neukaufs Geld zu sparen, berücksichtigt nicht deren meist deutlich schlechteren Liegekomfort.
Hinweis: Vielfach hat der Lattenrost an Vorspannung verloren und Mitschuld am schnellen Ende der Matratze. Auch zu große Lattenabstände (über 4 cm) raffen hochwertige, punktelastische Matratzen im Zeitraffer dahin. Wer sich hier Komfort leisten möchte, sollte werthaltige Tellerlattenroste ausprobieren, auch der Lattenrost mit Motorverstellung ist eine Alternative.
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