Die meisten Infektionskrankheiten können mathematisch modelliert werden, um ihr epidemiologisches Verhalten zu untersuchen oder zu prognostizieren. Dieser Artikel nutzt einige Grundannahmen und Mathematik, um Parameter für verschiedene Infektionskrankheiten zu finden. Mit diesen Parametern lassen sich beispielsweise Kalkulationen über die Auswirkung von Impfprogrammen aufstellen.
(von engl. Susceptibles) ist der Anteil der Bevölkerung, der nicht immun gegen die Krankheit ist. Dies ist eine Dezimalzahl zwischen 0 und 1.
kennzeichnet das durchschnittliche Alter, in dem eine Population von der Krankheit betroffen wird.
(von engl. Life expectancy) kennzeichnet die durchschnittliche Lebenserwartung in der Bevölkerung.
Damit eine Krankheit mit hoher Basisreproduktionsrate (unter Annahme nicht vorhandener Immunität) endemisch bleibt, muss daher zwangsläufig die Anzahl der tatsächlich Anfälligen gering sein.
Mit der oben getroffenen Voraussetzung über die Alterspyramide lässt sich annehmen, dass jedes Individuum der Population exakt die Lebenserwartung erreicht und dann stirbt. Wenn das durchschnittliche Alter der Infektion ist, sind im Mittel jüngere Individuen anfällig, während ältere Individuen bereits durch vorherige Infektion immunisiert wurden (oder noch immer infektiös sind). Folglich ist der Anteil der für die Krankheit Anfälligen:
Im endemischen Fall gilt jedoch auch:
Damit gilt
was eine Abschätzung der Basisreproduktionsrate durch leicht ermittelbare Daten ermöglicht.
Für eine Bevölkerung mit exponentieller Alterspyramide zeigt sich, dass
Die hierbei verwendete Mathematik ist komplexer und somit außerhalb des Rahmens dieser Betrachtung.
Der Grad der Kollektivimmunität wird als bezeichnet. Da für einen endemischen Zustand
erfüllt sein muss, ist , denn ist der immune Anteil der Bevölkerung und (da in diesem vereinfachten Modell jedes Individuum entweder anfällig oder immun ist). Dann gilt:
Dies ist der Schwellenwert der Kollektivimmunität, dieser muss übertroffen werden, damit die Krankheit ausstirbt. Der hier kalkulierte Wert ist die kritische Immunisierungsschwelle . Es ist der minimale Anteil der Bevölkerung, der zur Geburt (oder kurz danach) durch Impfung immunisiert werden muss, damit die Krankheit in der gegebenen Population ausstirbt.
Angenommen der bei Geburt immunisierte Anteil der Bevölkerung betrage (wobei ) und die Krankheit habe die Basisreproduktionsrate . Dann verändert das Impfprogramm zu , wobei
Diese Änderung findet schlicht aufgrund der gesunkenen Anzahl an potentiell Anfälligen statt. ist nichts Anderes als ohne diejenigen Individuen, welche unter normalen Umständen infiziert würden, aber aufgrund der Impfung nicht werden.
Aufgrund dieser gesunkenen Basisreproduktionsrate verändert sich auch das durchschnittliche Alter , unter den nicht Geimpften, auf einen Wert .
Nach obiger Relation, welche und verband, gilt (unter Annahme gleich bleibender Lebenserwartung):
Allerdings gilt , folglich:
Somit erhöht das Impfprogramm das mittlere Infektionsalter. Ungeimpfte Individuen unterliegen nun durch Anwesenheit der geimpften Gruppe einer reduzierten Infektionsrate.
Dieser Effekt ist jedoch bei Krankheiten nachteilig, deren Verlauf mit steigendem Alter schwerwiegender wird. Hierdurch kann ein nicht übertreffendes Impfprogramm letztendlich mehr Opfer fordern, als es ohne Impfprogramm gegeben hätte.
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"Mathematische Modellierung der Epidemiologie".
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