Der Gynäkologe William Howell Masters (* 27. Dezember 1915, † 16. Februar 2001) und die Psychologin Virginia Eshelman Johnson (* 11. Februar 1925) leisteten in den 1950er und 1960er Jahren Pionierarbeit mit Untersuchungen über das menschliche Sexualverhalten. Sie zeichneten die ersten Labordaten über sexuelle Reaktionen des Menschen auf und beseitigten mit ihrer Arbeit viele lang bestehende falsche Vorstellungen über die Sexualität. Masters ließ sich von seiner ersten Frau scheiden, um Johnson zu heiraten. 30 Jahre später ließen auch sie sich scheiden und beendeten damit ihre gemeinsamen Forschungen.
Sie schrieben zusammen zwei klassische Texte auf diesem Gebiet: 'Die sexuellen Reaktionen des Menschen' (1966) und 'Menschliche sexuelle Unzulänglichkeit' (1970).
Masters und Johnson begegneten sich 1957, als Wiliam Masters Virginia Johnson als Forschungsassistentin anstellte, um eine umfassende Studie über die menschliche Sexualität durchzuführen. Wegen der damals herrschenden Moralvorstellungen war die Erforschung der menschlichen Sexualität bis dahin vernachlässigt worden.
Schon vorher hatte Alfred Kinsey zwei Werke (die Kinsey-Reports) über das Sexualverhalten von Männern und Frauen veröffentlicht. Sie waren in ihrer Zeit sowohl revolutionär als auch umstritten. Kinsey hatte durch Befragungen zu erfassen versucht, wie häufig bestimmte Sexualpraktiken in der Bevölkerung auftraten. Im Gegensatz dazu wollten Masters und Johnson die Struktur, Psychologie und Physiologie des Sexualverhaltens untersuchen, indem sie Masturbation und Geschlechtsverkehr im Labor beobachteten und Messungen vornahmen.
Masters und Johnson zeichneten die ersten physiologischen Daten des menschlichen Körpers und der Geschlechtsorgane während sexueller Erregung auf. Außerdem brachten sie mit ihren Ergebnissen und Schlussfolgerungen zum Ausdruck, dass Sex eine gesunde und natürliche Aktivität ist und als Quelle der Freude und Vertrautheit genossen werden kann.
Eins der beständigsten und wichtigsten Ergebnisse ihrer Forschungen ist das Vier-Stufen-Modell der sexuellen Reaktion, das sie den 'menschlichen Reaktionszyklus' nannten (vergl. Sexueller Reaktionszyklus), welchen sie in vier Stufen unterteilten:
Mit ihrem Versuch, Struktur, Psychologie und Mechanismen der Sexualität zu verstehen, legten Masters und Johnson gleichzeitig den Grundstein für einen theoretischen Ansatz in der Behandlung von sexuellen Fehlfunktionen und -verhalten.
Sie eröffneten in Saint Louis eine Klinik zur Behandlung sexueller Probleme wie z. B. Impotenz und die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu haben. Ihre Behandlungsmethoden basierten auf den Erkenntnissen aus ihren Laboruntersuchungen.
Einige Sexualforscher - insbesondere Shere Hite - haben sich darauf konzentriert zu verstehen, wie einzelne Menschen sexuelle Erfahrungen bewerten und was sie für sie bedeuten. Hite hat Masters' und Johnsons Arbeit kritisiert, weil jene unkritisch kulturelle Einstellungen zum Sexualverhalten in ihre Forschungen einbezogen hatten.
Hites Arbeiten zeigten zum Beispiel, dass 70% der Frauen, die beim Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus haben, diesen leicht durch Masturbation erreichen können. Sie kritisierte Masters' und Johnsons Meinung, dass durch die Stösse beim Geschlechtsverkehr die Klitoris ausreichend gereizt würde, um einen Orgasmus zu erreichen und ihre Folgerung daraus, dass das Versagen hierbei Zeichen einer 'sexuellen Fehlfunktion' der Frau sei. Während sie nicht abstreitet, dass sowohl Kinsey als auch Masters und Johnson äußerst wichtige Schritte in der Sexualforschung taten, ist sie der Meinung, dass wir den kulturellen und persönlichen Aufbau der sexuellen Erfahrung verstehen müssen, wenn wir Forschungsergebnisse erzielen wollen, die auch außerhalb des Labors gültig sind.
Masters and Johnson | William Masters et Virginia Johnson | Masters & Johnson
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