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Ice eschede 1.jpg Der Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) bezeichnet eine Situation, bei der mit einer großen Zahl von Notfallpatienten zu rechnen ist. Diese Situation tritt zum Beispiel bei Eisenbahnunglücken, Bombenattentaten, Lebensmittelvergiftungen oder Flugzeugabstürzen ein. Dabei stößt der reguläre Rettungsdienst einer Region sehr schnell an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit - vgl. dazu Triage.

Bei einem Massenanfall von Verletzten wird versucht, die verschiedenen Rettungskräfte nach einem einheitlichen Schema in den Einsatz einzubinden und eine organisierte Struktur am Einsatzort aufzubauen. Hierzu werden in der Nähe der Unglücksstelle Verletztenablagen, Sammelstellen für Unverletzte, Behandlungsplätze für Verletzte/Erkrankte, Bereitstellungsraum für Rettungsmittel usw. errichtet. Diese wichtigen organisatorischen Maßnahmen müssen bereits von den ersteintreffenden Rettungskräften begonnen werden, typischerweise führt das zum Interessenskonflikt mit der Behandlung von Patienten. Deshalb wird so schnell wie möglich eine erweiterte Führungsstruktur geschaffen, in der Einsatzleiter (Organisatorischer Leiter, Leitender Notarzt und Hilfskräfte) die Aufgaben der Koordination übernehmen. Zusätzlich werden Verstärkungskräfte herangeführt.

Nicht als MANV wird gewertet, wenn es sich um einen Spitzenbedarf handelt, bei dem zufällig mehrere Notfälle gleichzeitig auftreten oder wenn für einzelne Notfälle Spezialmaterial (Schutzausrüstung, technische Hilfe) notwendig ist, das ggfs. auch weiter herangeführt werden muss.

=MANV-Stufen= Die Größenordnung eines MANV hängt von der Anzahl der Betroffenen, von den örtlichen Möglichkeiten bzw. der Notwendigkeit spezieller Ressourcen und vom betroffenen Gebiet ab. Zu beachten ist, dass die jeweiligen Verletztenanzahlen nur Richtwerte darstellen können. Das Auftreten von 50 Verletzten hat in einer Großstadt wie München sicherlich andere Auswirkungen als in einer eher ländlichen Gegend, da hier andere Versorgungsmöglichkeiten und Vorhaltungen existieren.

Demnach kann man einen MANV in folgende Stufen einteilen (Quelle: "Planungsplattform des Deutschen Städtetages" ):

Stufe 1


Der MANV Stufe 1 kann mit eigenen Verstärkungskräften (Schnelleinsatzgruppen) und Hilfe aus benachbarten Rettungsdienstbereichen abgearbeitet werden. Als Anzahl der Betroffenen wird dabei etwa bis zu 50 Personen angenommen.

Stufe 2


Bei der MANV-Stufe 2 sind überregionale Ressourcen notwendig, die weit über die übliche nachbarschaftliche Hilfe hinausgehen. Die Betroffenenanzahl wird hierbei auf ca. 50-500 Personen geschätzt.

Stufe 3


Die MANV-Stufe 3 erfordert bereits länderübergreifende und internationale Hilfe. Das ist bei einer Betroffenenanzahl von mehr als 500 Personen der Fall.

Stufe 4


Die höchste MANV-Stufe 4 ist gekennzeichnet durch zerstörte Infrastruktur, die trotz massiver externer Hilfe die Bewältigung erheblich erschwert.

= Überregionale Hilfeleistung beim MANV (ÜMANV) =

Ein Kennzeichen der Hilfe beim Massenanfall von Verletzten ist die überregionale Hilfeleistung. Hierzu wurde der Begriff ÜMANV geprägt (Ü = "Überregionale Hilfe").

Zur Standardisierung wurden ÜMANV-Untergruppen geschaffen, unter denen überregionale Hilfe angefordert werden kann. Folgende sind in Deutschland etabliert:

  • Ü-MANV - S (Sofort) hier werden eine bestimmte vorher festgelegte Zahl an Rettungsmitteln (NEF, RTW, KTW) aus der Regelvorhaltung entsandt
  • Ü-MANV - T (Transport) hier wird eine größere Transportkapazität (zahlreiche RTW und KTW) entsandt (siehe Ü-MANV - S)
  • Ü-MANV - U (Unfallhilfsstelle) mit diesem Stichwort wird eine Hilfsstelle mit stationärer Versorgung und mobilen Sanitätstrupps angefordert, vorrangig zur Verstärkung eines Sanitätswachdienstes
  • Ü-MANV - B (Behandlungsplatz) hier wird ein eigenständig betriebsfähiger Behandlungsplatz geschickt

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Dieses generelle Konzept ist in Hessen und Nordrhein-Westfalen verbreitet. In Bayern wurde es seit November 2005 im Rahmen der Großkomponenten des Bayerischen Roten Kreuzes eingeführt (auch bei den anderen bayerischen Hilfsorganisationen), Anlass ist die Vereinheitlichung des Sprachgebrauchs im Rahmen des Katastrophenschutzes für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Andere Bundesländer haben abweichende oder gar keine entsprechenden Begriffe.

Im Detail weichen aber auch die bestehenden Konzepte voneinander ab. Manche legen fixe Vorgaben der Anzahl an zu entsendenden Rettungsmitteln und Größe der Behandlungsplätze fest, andere listen einfach die Möglichkeiten der entsendenden Stellen auf, die sich dann sehr unterscheiden können.

=Ablauforganisation=

Patientenablage


Die Patienten werden von Ersthelfern und Rettungskräften an einer Patientenablage möglichst außerhalb des unmittelbaren Gefahrengebietes abgelegt.

Der Rettungsdienst/Sanitätsdienst übernimmt dort die Patienten. Hier wird die erste Triage durchgeführt und die Patienten werden nach verschiedenen Behandlungsprioritäten eingeteilt. Die Patienten werden gegebenenfalls einem zentralen Behandlungsplatz zugeführt.

Die DIN 13050 definiert die Patientenablage als Verletztenablage folgendermaßen: Eine Stelle an der Grenze des Gefahrenbereiches, an der Verletzte oder Erkrankte gesammelt und soweit möglich erstversorgt werden. Dort werden sie dem Rettungs-/Sanitätsdienst zum Transport an einen Behandlungsplatz oder weiterführende medizinische Versorgungseinrichtungen übergeben.

Behandlungsplatz


Wenn nicht ausreichend Rettungsmittel bereit stehen oder noch weitere Maßnahmen durchgeführt werden müssen, wird ein zentraler Behandlungsplatz eingerichtet.

Transport


Ambulance.jpg Nach der notfallmedizinischen Versorgung und der Herstellung der Transportstabilität werden die Patienten in Krankenhäuser transportiert. Die zuständige Rettungsleitstelle führt einen Bettennachweis, um Patienten in freie Krankenhäuser transportieren zu lassen.

(Hilfs-)Krankenhaus


Die Patienten werden möglichst sinnvoll auf Krankenhäuser verteilt. Das bedeutet, dass geeignete Versorgungsmöglichkeiten ausgewählt werden (z.B. Schwerverletzte in Schwerpunktkliniken und Traumazentren) und einzelne Krankenhäuser nicht überlastet werden. Es ist üblich, dass sich Krankenhäuser mit einem internen Ablaufschema auf die erhöhte Anzahl an Patienten einstellen und möglichst schnell Kapazitäten frei machen (z.B. durch den Stop nicht unbedingt notwendiger Operationen und Alarmierung von dienstfreiem Personal).

Falls es notwendig ist, müssen sogar Hilfskrankenhäuser errichtet werden, zum Beispiel wenn Fahrtwege nicht benutzbar sind oder reguläre Krankenhäuser keine Patienten mehr aufnehmen können.

Rettungsmittelhalteplatz


Der Rettungsmittelhalteplatz (auch genannt: Krankenkraftwagen-Halteplatz) wird nahe am Behandlungsplatz eingerichtet, um dort unter Führung des Transportkoordinators die zu transportierenden Patienten an die Fahrzeuge zu übergeben. Ein besonderer Rettungsmittelhalteplatz ist der Hubschrauberlandeplatz.

An diesem Halteplatz ist wegen der Nähe zum Schadensgebiet meist nur wenig Bewegungsfreiheit, deshalb werden die anderen bereitstehenden Rettungsfahrzeuge üblicherweise aus einem weiter entfernten Bereitstellungsraum gezielt abgerufen.

Bereitstellungsraum


KTW_RTW_Bereitstellungsraum.JPG Im Bereitstellungsraum stehen noch nicht vor Ort eingesetzte Einheiten (z.B. Schnelleinsatzgruppen) und weitere Rettungsmittel (RTW, KTW, NAW usw., auch Mannschaftswagen und Busse) von der Einsatzstelle entfernt, um dort nicht die Wege zu blockieren.

Verfügungsraum


Im Verfügungsraum postieren sich Einheiten, die bei großen Schadenslagen überörtlich angefahren sind und deren Einsatzort noch nicht bestimmt ist.

Sammelraum


Sammelplatz.jpg Der Sammelraum bezeichnet die Stelle, an der sich Einheiten, die überörtlich eingesetzt werden sollen, sammeln und zu einer größeren Einheit zusammengestellt werden. Die Anfahrt erfolgt dann gemeinsam.

Betreuung und Versorgung Unverletzter


Neben dem Massenanfall an Verletzten und Erkrankten ist auch mit einem hohen Aufkommen an Unverletzten zu rechnen. Diese werden vom Betreuungsdienst gesammelt und in Notunterkünften untergebracht bzw. zu anderen Unterkünften oder Angehörigen weitergeleitet.

=Literatur=

  • H.Peter: Notarzt und Rettungsassistent beim MANV - Aufgaben des zuerst eintreffenden Rettungsteams, 3. Auflage 2001, Stumpf und Kossendey-Verlag, Edewecht, ISBN 3-932750-61-6
  • J.Bittger: Großunfälle und Katastrophen - Einsatztaktik und -organisation, 1996, Schattauer-Verlag, Stuttgart, ISBN 3-7945-1712-1

Weblinks


Großschadensfall | Notfallmedizin | Einsatzereignis von Hilfsorganisationen | Katastrophenschutz

 

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