Die Massai, Maasai, Maassai oder Masai sind ein nomadisch lebendes indigenes Hirtenvolk in Afrika, das in den weiten Ebenen im Süden Kenias sowie im Norden Tansanias beheimatet ist. Die Massai sind die wohl bekannteste Volksgruppe Ostafrikas. Die Massai halten einerseits an alten Traditionen und Lebensweisen fest, verstehen es aber andererseits auch, ihre Kultur touristisch zu vermarkten.
Ihre Kultur dreht sich rund um die Rinder. Ein "guter" Massai hat nicht weniger als 50 Rinder. Das Trinken von Rinderblut, teilweise vermischt mit Milch, gehört zum Leben und den Zeremonien dazu. Dabei wird dem Rind der Kopf festgehalten und mit einem Pfeil die zum Anschwellen gebrachte Halsvene angeritzt - jedoch nicht durchtrennt. Nach dem Auffangen von max. 2l wird das Rind verbunden und lebt weiter. Nach Zugabe der Milch wird das Gefäß lange geschüttelt um einen 'Blutkuchen' zu verhindern. Es wird frisch - aber auch nach einer Reifephase von 2 Tagen - getrunken und ist das Hauptnahrungsmittel der Massai. Es wird saroi genannt.
Die Hütten (enk'ang) der Massai sind aus getrocknetem Kuhdung. Sie werden oft fälschlich als manyatta bezeichnet, was aber die Hütten der Krieger meint und nicht die kraalartigen, wabenförmigen Lehm-Dung-Häuser ohne Grasdach. Um die Hütten, in denen auch Kleintiere schlafen, wird ein Dornenzaun gezogen. Nachts kommen die Rinder, Schafe und Ziegen in diesen Schutzbereich.
Es gibt viele Zeremonien. Sehr bekannt ist das springende Tanzen der Männer. Die jungen Massai, morani, springen dabei auf der Stelle so hoch wie möglich und beweisen so ihre Stärke. Das Töten eines Löwen war früher Voraussetzung, eine Frau haben zu dürfen. Es gibt Anzeichen, dass dies in abgelegenen Gebieten auch heute noch zelebriert wird. Ebenso mussten die jungen Männer oft jahrelang in einem eigens von ihnen gebauten Dorf wohnen. Dafür gibt es heute keinen Platz mehr.
Bei Männern wird Beschneidung praktiziert. Die Jungen werden alle 7 bis 15 Jahre zu einer Altersklasse zusammengefasst und dann gemeinsam beschnitten, was mit einem großen Fest gefeiert wird. Dadurch variiert das Lebensalter in einer Altersklasse erheblich. Die Mutter rasiert für das Beschneidungsritual ihrem Sohn zunächst den Schädel kahl. Stammesmitglieder hängen dem jungen Mann die zeremonielle olaibatak, eine schwarze Robe, um. Die ganze Nacht über tanzen und singen die morani das Beschneidungslied (lebarta) zu Ehren der neuen Mitglieder. Am Morgen kommt der Beschneider (der dafür etwa 5 EUR erhält), der den Jungen erst Milch über den Kopf gießt und dann ohne Betäubung und mit einem normalen Messer und ohne weitere hygienische Maßnahmen die Vorhaut abtrennt. Dabei dürfen die Jungen keinerlei Anzeichen von Schmerz zeigen – der Vater würde ihnen sonst die versprochenen Rinder nicht schenken und Schande läge über der Familie. Die dann angewandte Asche soll desinfizierend wirken – was aber keinesfalls oft schwere Infektionen verhindert, sondern eher noch auslöst. Nach der Beschneidung preisen Frauen den neuen Krieger mit Lied und Tanz. Einige Tage später können die Jungen schon wieder auf Vogeljagd gehen. Möglichst viele ausgestopften Vögel werden an einem Kopfring befestigt und steigern das Ansehen bei den jungen Frauen.
Bei den Massai haben die Frauen hohes Ansehen und viele Mitspracherechte. Trotzdem wird bei Frauen Genitalverstümmelung praktiziert. Die Mädchen, die dabei allerdings schreien dürfen, werden von älteren Frauen beschnitten. Bei der Geburt schreien Massai-Frauen keinesfalls, was ihnen in Gebieten, wo sie mit anderen Ethnien überlappen, wie z.B. im Städtchen Kilgoris mit den Kisiis und gemeinsam im Kreißsaal des Hospitals liegen, den heimlichen Vorwurf einbringt, herzlos zu sein. Die Massai-Frauen halten dagegen die Kisii-Frauen für "Waschlappen".
Mit etwa 35 Jahren wechseln die morani in einem großen Zeremoniell in die Altersklasse der Senioren über. Dieser Ältestenrat regelt alle Angelegenheiten des Stammes, da es keine Häuptlinge gibt.
Siehe auch: Indigene Völker Afrikas
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