Der Begriff Marxismus-Leninismus bezeichnet die offizielle Ideologie der Sowjetunion ab Mitte der 1920er Jahre. In Folge wurde Marxismus-Leninismus in erster Linie von den Kommunistischen Parteien verwendet, um sich vom Trotzkismus und anderen zum Stalinismus in Opposition stehenden Gruppen, sowie dem Reformismus und Revisionismus der Sozialdemokratie abzugrenzen. Das Marxists Internet Archive zählt den Marxismus-Leninismus nicht zum Marxismus.
Geschichte
Lenin selbst hat seine Weltanschauung weder unter dem Begriff des
Leninismus noch unter der Bezeichnung Marxismus-Leninismus zusammengefasst. Beide Begriffe fanden erst nach seinem Tod Verbreitung. In der
Sowjetunion war seit
Stalins Herrschaft die offizielle Ideologie als Marxismus-Lenismus bezeichnet, um den
Stalinismus von der
Linken Opposition abzugrenzen, der bürgerliche Ideologie vorgeworfen wird.
Maoismus
Noch vor Stalins Tod kam es zum politischen Bruch zwischen Josef Stalin und
Mao Zedong. Die
Sowjetunion und die Volksrepublik
China bezeichneten sich jeweils als die wahren Erben des
Marxismus-Leninismus. Die
Kommunistische Partei Chinas beanspruchte für sich, die Ideen des Marxismus-Leninismus (also auch die Werke Stalins) an die chinesischen Gegebenheiten angepasst zu haben, verknüpfte damit aber auch einen universellen Geltungsanspruch. Diese Ideologie namens
Maoismus ersetzte den Begriff Marxismus-Leninismus nicht schlagartig, sondern verdrängte ihn mit der Zeit. Andere Parteien und Bewegungen, die mit der Kommunistischen Partei Chinas sympathisierten griffen diese Variation von Marxismus-Leninismus auf und orientierten sich politisch am Maoismus. Seit der marktwirtschaftlichen Liberalisierung Chinas vertreten die meisten maoistischen Parteien die Ansicht, dass sich die gegenwärtige chinesische Führung von den Prinzipien des Maoismus (und damit implizit des Marxismus-Leninismus) abgewandt habe.
Juche-Ideologie
In Nord-Korea ersetzte 1977 die
Chuch'e-Ideologie (auch Juche oder Zuche) den Begriff. Konzepte wie
Klasse und
Klassenkampf spielen hier keine signifikante Rolle mehr. Trotzdem wird das Regime von Kim-Jong Il teilweise weiterhin als marxistisch-leninistisch (bzw. stalinistisch) bezeichnet.
Marxismus-Leninismus heute
Es existieren zur Zeit drei Staaten - die Republik
Kuba, die Sozialistische Republik
Vietnam und die Demokratische Volksrepublik
Laos - die sich auf den Marxismus-Leninismus als die offizielle Staatsdoktrin berufen. In der Sozialistischen Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija (offizielle Bezeichnung für
Libyen) unterschied sich der
Panarabismus von
Muammar al-Gaddafi schon vor dem
Putsch von
1969 stark vom offiziellen Marxismus-Leninismus "sowjetischer Prägung".
Bis zum Zusammenbruch des Stalinismus 1989-1991 bezeichneten die meisten kommunistischen Parteien den Marxismus-Leninismus als ihre theoretische Grundlage, allerdings unter teilweise erheblich modifizierten Konditionen. Einige Parteien, insbesondere die so genannten EurokommunistInnen haben sich vom offiziellen Marxismus-Leninismus distanziert und beziehen sich stattdessen meistens auf „Marxismus“ und/oder „Leninismus“.
„Marxismus-Leninismus“ (ML) wird in den meisten Ländern von mehreren kommunistischen Parteien als Namensteil verwendet. Allerdings spielt bis auf Nepal und Indien keine dieser Parteien eine maßgebliche Rolle in der Landespolitik. Gewöhnlich wollen sich solche Parteien von anderen kommunistischen Parteien abgrenzen, denen sie Revisionismus vorwerfen.
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Trotzki, Leo: Bolschewismus und Stalinismus (1937), online: *
- Laufer, Heinz: Grundrechte und Marxismus-Leninismus, in: Informationen zur politischen Bildung (Heft 239), online: *
Marxismus-Leninismus
Marxism-Leninism | Marxisme-léninisme