Marxismus ist eine philosophische, historisch-politische und ökonomische Gesellschaftstheorie mit wissenschaftlichem Anspruch. Sie bezieht sich auf die Schriften von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895). Marxisten versuchen seit Erscheinen des dritten Bandes des „Kapitals“ 1895, diese Ideen in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu integrieren, das dem Aufbau einer sozialistischen und/oder kommunistischen Gesellschaftsordnung dienen soll.
Seitdem haben sich in der marxistischen Theorie verschiedene Richtungen entwickelt, die jeweils das Erbe der „Klassiker“ beanspruchen und sich voneinander abgrenzen. Die bekanntesten davon sind
Die Grundgedanken von Marx wurden erst nach seinem Tod systematisiert. Ihre Einordnung in eine konsistente Theorie steht unter einem doppelten Vorbehalt:
Die marxistische Theorie unterscheidet verschiedene Kernbereiche, die die Entwicklung der Ideen von Marx und Engels widerspiegeln:
Praktische Anwendung fand der Marxismus zuerst in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts, vor allem der deutschen Sozialdemokratie, welche die Theorien von Marx und Engels zur Grundlage ihrer ersten Programme und Mitgliederschulungen machte. Sodann entwickelte Lenin im Anschluss an Marx seine Imperialismustheorie, die nach der Oktoberrevolution 1917, zusammen mit den Ideen von Marx und Engels, zur neuen Staatsideologie der Sowjetunion wurde.
Dieser Marxismus-Leninismus bestimmte den so genannten real existierenden Sozialismus nach 1945 in weiten Teilen der Welt, darunter in Ost- und Mitteleuropa, China (in der modifizierten Form des Maoismus), Kuba, Nordkorea und in Nordvietnam. Ob und wie weit dieser sich noch aus den Grundideen der „Klassiker“ herleiten lässt oder eine „Fehlentwicklung“ darstellt, ist eine der umstrittensten Fragen innerhalb der marxistischen Theoriebildung. Die praktische Politik dieser Länder wird insbesondere in Nordkorea bis heute vom Stalinismus beherrscht. Heute wird das Gulag-Regime weitgehend als totalitäres System eingeordnet und von fast allen Marxisten abgelehnt.
Gegen die unterschiedlichen Ideologien von Lenin, Stalin und Mao beansprucht auch der Trotzkismus mit seiner Theorie der „permanenten Revolution“ das wahre Erbe von Marx. In Abgrenzung zu Stalinismus und Faschismus entstanden seit den frühen 1930er Jahren die Arbeiten der Frankfurter Schule, die versuchten, die Ideen von Marx auf die veränderten politisch-ökonomischen Bedingungen der Moderne anzuwenden und teils mit der Psychoanalyse zu verbinden.
In den 1960er Jahren entstanden besonders im Zusammenhang mit der weltweiten Studentenbewegung, den westeuropäischen Arbeiterstreiks und den so genannten Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt verschiedene Formen des Neomarxismus, des Eurokommunismus und des demokratischen Sozialismus.
Die Kritik am Marxismus begann zeitgleich mit seiner Entwicklung und hat sich im Laufe der Entstehung sich auf Marx berufender Staatssysteme im 20. Jahrhundert verschärft. Sie greift vor allem inhumane Politik und ökonomische Ineffizienz im Realsozialismus als Ergebnis marxistischer Theorie an. Marxistische Kritiker dagegen wenden die Marxsche Theorie auf diese Systeme selber an, um ihre Entwicklung und das praktische Scheitern der behaupteten Gesellschaftsziele als Abweichung vom Marxismus zu erklären.
Nach der Hegelschen Dialektik ist das Abbild der Welt im tätigen Begreifen ihrer Zusammenhänge von aufeinander bezogenen Gegensätzen - Thesen und Antithesen - geprägt, die sich gegenseitig im dialektischen Dreischritt zu Synthesen vorwärtsentwickeln. Diese Synthesen treiben die „objektive Wirklichkeit“ voran und „bestimmen“ damit die Zukunft, bis diese keine Widersprüche mehr enthält und im Begriff des „Absoluten" „aufgehoben" ist. Für den idealistischen Philosophen ist dieser Fortschritt, der die materielle Welt insgesamt durchwirkt, ein Produkt des menschlichen Geistes, der im Begreifen seiner selbst mit dem absoluten „Weltgeist" identisch wird.
Marx betrachtet die Hegelsche Dialektik aus Sicht des Materialismus: Er stellt sie „vom Kopf auf die Füße“ und postuliert, dass sich die objektive Wirklichkeit aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklären lässt und nicht als Verwirklichung einer göttlichen absoluten Idee oder als Produkt des menschlichen Denkens. Das heißt, objektive Realität existiert auch außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins in den ökonomischen Gesetzen, die historische Gesellschaftsordnungen maßgebend bestimmen. Dies ist der Kern von Marx' berühmtem Satz, der als Trennmarke vom Idealismus gilt:
In der marxistischen Philosophie wird das Universum wie in der universalhistorischen Philosophie Hegels als Totalität, also objektiv zusammenhängendes Ganzes gesehen. Aber Marx versteht die im Idealismus bloß geistigen Gegensätze als Abbild und Ausdruck realer, materieller Gegensätze: Auch diese hängen gegenseitig voneinander ab und befinden sich in ständiger wechselseitiger Bewegung. Diese ist insgesamt aufsteigend, d.h. sie verläuft vom Einfachen zum Komplexen und durchläuft dabei bestimmte Ebenen, denen bestimmte qualitative Veränderungen entsprechen, so dass sie die Entwicklung vorantreiben. Die praktische Austragung der Gegensätze bewirkt auch für Marx den Fortschritt zu immer höheren Gesellschaftsformationen: Sie ähneln Hegels Synthesen formal, ergeben sich für Marx aber aus sich immer stärker zuspitzenden, nicht synthetisch aufzuhebenden „Grundwidersprüchen“ (Interessen- und Klassen-Antagonismen).
Diese Weltanschauung brachte Marx dann konkret mit der Menschheits- und Sozialgeschichte in Zusammenhang und schuf damit den Historischen Materialismus.
Mit dieser Theorie beschreibt Marx den Verlauf der Geschichte als determinierte Abfolge von grundlegenden Ereignissen und durch ökonomische Prinzipien bestimmt und vorrangetrieben.
Marx benennt 5 historisch begründete Gesellschaftsformen, welche die jeweiligen Gesellschaften in der Regel linear durchlaufen:
Begründet werden die gesellschaftlichen Umwälzungen mit ökonomischen Theorien. Nach marxistischer Auffassung stehen die Individuen innerhalb in einer Gesellschaft in vielfältigen wirtschaftlichen, politischen und geistigen Beziehungen zueinander. Dabei dominieren materielle Produktionsbeziehungen, die Produktionsweisen, welche die grundsätzliche Art und Weise der Produktion von Gütern beschreiben und alle anderen Beziehungen bestimmen. Der übergeordnete Begriff Produktionsweise bezeichnet das Verhältnis der Produktivkräfte, also der zur Produktion notwendigen Dinge wie menschliche Arbeit, zu den Produktionsverhältnissen. Diese Produktionsverhältnisse stellen zur Produktion getroffene und den materiellen Produktivkräften entsprechende Verhältnisse zwischen den Menschen dar:
Menschen produzieren dabei Güter unter der Verwendung der Produktivkräfte und dem Eingehen von Produktionsverhältnissen. Zudem gibt es je nach Gesellschaftsform teilweise unterschiedliche Besitzverhältnisse der Produktionsmittel, also der zur Produktion notwendigen Dinge, in deren Herstellung schon menschliche Arbeit eingeflossen ist. Die Produktionsmittel sind Teil der Produktivkräfte.
Die privilegierte Gruppe wächst nach Marx mit den sich verbessernden Produktivkräften und dem daraus resultierenden Mehrprodukt:
Diese Klasse, anfangs meist religiöse Führer, geboten auch in Notfällen über die Vorräte und konnten aus dieser Macht heraus sich verstärkt Besitz an relevanten Produktionsmitteln verschaffen. Dieser Unterschied in Macht und Besitz ermöglichte dann in die Bildung der Sklavenhaltergesellschaft, wo sich prinzipiell Sklavenhalter ("Freie") und Sklaven ("Unfreie") antagonistisch gegenüberstanden. Dieser Antagonismus zwischen zwei grundlegenden Klassen ist durch gegensätzliche Interessen - die Privilegierten wollen den Zustand beibehalten, während die andere Klasse auf eine grundlegende Änderung drängt - gekennzeichnet und charakteristisch für die Klassengesellschaft. Aufgrund dieser unterschiedlichen Interessen und Machtverhältnisse sei die Klassengesellschaft stetig durch einen Klassenkampf geprägt.
Dann beschreibt Marx in seiner Theorie von Basis und Überbau die Produktionsverhältnisse - die je nach Zeit, Ort und Gesellschaftsform differenzieren - als ökonomische Grundlage für die Gesamtheit aller möglichen und dieser Basis entsprechenden Anschauungen und Institutionen (Staat, politische Parteien und Organisationen, u.a.), also dem Produktionsverhältnisse entsprechendem gesellschaftlichen Überbau. Damit ist die jeweilige Gesellschaftsform direkt von den ökonomischen Verhältnissen abhängig. Diese Theorie soll auch für klassenlose Gesellschaften gelten.
Dabei geschieht diese Umwälzung nie, bevor nicht alle möglichen Produktivkräfte innerhalb der alten Gesellschaft entwickelt sind. Durch diese grundlegende Änderung der Basis (der Produktionsverhältnisse und damit der Produktionsweise, also der ökonomischen Grundlage) wechselt dann auch der Überbau und damit die Gesellschaftsform:
Marx ging anfangs von einer feststehenden Abfolge der Gesellschaftsformen aus, ist davon aber später, unter anderen mit seiner Theorie von der „asiatischen Produktionsweise“, selber abgewichen. Mit diesem Begriff muss er zugestehen, dass es - beispielsweise in den asiatischen Wasserbaukulturen - verschiedene kulturelle Ausformungen von Produktionsweisen gibt, die nicht eins zu eins in die aus der europäischen Geschichte abgeleiteten Periodisierungen passen. Insbesondere Neomarxisten betonen daher die „Kontingenz“, das heißt die Zufälligkeit oder Offenheit der Geschichte. Es folgt also nicht automatisch ein Stadium dem anderen, sondern die Übergänge sind das Ergebnis von Klassenkämpfen mit immer offenem Ausgang: „Sozialismus oder Barbarei“ oder, wie es im Kommunistischen Manifest heißt, gemeinsamer Untergang der kämpfenden Klassen. So untersucht die Regulationstheorie auf dieser Grundlage die verschiedenen historischen und regionalen Ausprägungen der kapitalistischen Produktionsweise.
Nach dem Übergang von der feudalen zur kapitalistischen Produktionsweise - von Feudalbauern, welche Feudalherren unterstehen und teilweise Leibeigene sind, zu Lohnarbeitern (dem Proletariat), die ihre Arbeitskraft an Personen verkaufen, denen relevante Produktionsmittel gehören (dem Bürgertum, der Bourgeoisie) - änderte sich laut Marx an der grundlegenden Struktur der Gesellschaft (in 2 grundlegende Klassen unterteilt) wenig.
Nachdem sich erste Ansätze von kapitalistischer Produktionsweise schon im 14. und 15. Jahrhundert zeigten, ermöglichen mit der Zeit - unter der Führung der Bourgeoisie - der globale Wechsel zum Kapitalismus (und der damit verbundenen Steigerung der Produktivkräfte), die Erschließung neuer Märkte, die fortschreitende Konzentration von Kapital und vor allem die Industrialisierung eine massive Produktivitätssteigerung. Dies geschieht jedoch auf Kosten des Proletariats, das nur im notwendigsten Maße entloht wird. Urbanisierung, Armut, Krankheit und ein Gefühl der Entfremdung zeichnen demnach die Angehörigen des Proletariats aus. Gleichzeitig vermindert sich - aufgrund der Konkurrenz innerhalb der Bourgeoisie - die Zahl der Kapitalisten immer mehr, sodass die Masse des Proletariats wächst.
Außerdem werden laut Marx kapitalistische Gesellschaften zu großen Teilen von einem Warenfetisch bestimmt. Analog zur Projektionstheorie ist damit der Umstand gemeint, dass historische und durch gesellschaftliche Umstände erschaffene Kategorien wie Ware und Wert als natürliche und unabänderbare Tatsachen erscheinen.
Daran anknüpfend richtet sich die Kritik auch gegen die politische Herrschaft, welche die kapitalistische Produktionsweise durch „Recht und Ordnung“ absichert und, um in der Staatenkonkurrenz zu bestehen, die Interessen der Kapitalisten möglichst gut bedienen muss, was nur auf Kosten des Proletariats geschehen kann.
Durch den Prozess der zahlenmäßigen Verkleinerung der Klasse der Bourgeoisie, findet eine Konzentration von immer mehr Kapital in immer weniger "Händen" statt, wobei gleichzeitig die Masse an Proletariern steigt. Der dadurch verstärkte Klassenkampf zwischen Bürgertum und Proletariat müsse laut Marx zum Sturz der Bourgeoisie durch die Arbeiterklasse führen. Falls den Menschen bewusst ist, dass die kapitalistische Produktionsweise nicht zwingend ist, werde damit der Weg frei für eine kommunistische, klassenlose Gesellschaft, in der die Produktionsmittel sich in Gemeinschaftsbesitz befänden:
Die Expropriateure - die "Enteigner", die zuvor die Masse der Bevölkerung enteignet hatten, werden nun selbst expropriiert (enteignet). Nachdem einst die Klassengesellschaften den Urkommunismus als klassenlose Gesellschaft negiert haben, komme es jetzt zur Negation der Negation im Sinne der Dialektik, indem die letzte Klassengesellschaft, der Kapitalismus, durch die neue klassenlose Gesellschaft, den Kommunismus, negiert werde. Als Wirtschaftsordnung schlugen Marx und Engels die - schon von Platon erwähnte - Planwirtschaft vor. Genaue Wirtschaftsstrukturen deutete Marx jedoch nur an. In der Planwirtschaft werden jegliche Betriebe vergesellschaftet und deren Produktion koordiniert. Die Entscheidungen über Produktion und Verteilung der Güter sollte nach Marx im Konsens aller Gesellschaftsteilnehmer gemeinsam gefällt werden. So könnte die verrichtete Arbeit effizient zur Verbesserung der Lebensumstände aller, anstatt zur Kapitalbeschaffung genutzt werden.
Aufgrund der großen Unterschiede zum Kapitalismus sollte als Übergangslösung zunächst der schon auf Platon und griechische Sophisten zurückgehende Sozialismus geschaffen werden. In dieser Zwischenstufe sollte die Ausbeutung und das Privateigentum an Produktionsmitteln bereits weitestgehend aufgehoben sein. Dabei wird von einem Nebeneinander der kapitalistischen und kommunistischen Produktionsweisen ausgegangen, in deren Entwicklung die kapitalistische von der kommunistischen Produktionsweise langsam abgelöst wird. Diese Entwicklung soll letztendlich zum Kommunismus führen.
Wird nun aus Waren etwas Neues geschaffen (Produktion), entsteht ein Neuwert, der sich aus der benötigten Arbeitsleistung, dem variablen Kapital v und dem „Gewinn“, dem Mehrwert m zusammensetzt. Dieses wird mit der folgenden Formel ausgedrückt: Neuwert = v + m. Da der Mehrwert einer Ware - speziell bei der Entwicklung neuer Waren, die einen potentiell höheren Mehrwert „abwerfen“ können - maßgeblich von der menschlichen Arbeit bestimmt wird, entwickelte Marx sein Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Dieses besagt, dass durch die Konzentration auf den vergleichsweise sinkenden Mehrwert im kapitalistischen Produktionsprozess die Arbeitsproduktivität mit Hilfe von Maschinen schnell vorangetrieben wird (also weniger Menschen für die Produktion benötigt werden). Nun kann laut Arbeitswertlehre nur Lohn-Arbeit gemäß ihrer Arbeitszeit Wert schaffen. Wenn Maschinen Lohnarbeiter verdrängen, wird also insgesamt weniger Wert im Verhältnis zum Wert der eingesetzten Maschinen geschaffen. Daraus schließt Marx, dass auf lange Sicht der gesamtwirtschaftliche Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital (die „Profitrate“) „tendenziell“ fallen müsste. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen durch bessere Maschinen seinen Gewinn steigert, da dieser Profit zulasten der Konkurrenz geht und sich so an der grundsätzlichen Tendenz nichts ändert.
siehe auch: Wertschöpfung
Zweitens wurde versucht, die Gesellschaftswissenschaften an die Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften anzubinden und die gesellschaftlichen Prozesse theoretisch im Gesamtzusammenhang der Welt - als „Totalität“ (Hegel) - erfassen zu können. Marx zitiert zustimmend eine Rezension, in der der soziale Organismus analoge Erscheinungen in der Biologie für die jeweilige Epoche besitzt.
Dabei erhebt der Marxismus als wissenschaftlicher Sozialismus den Anspruch, eine objektive Beschreibung nicht nur der Gesellschaftssysteme der Vergangenheit und der Gegenwart zu sein, sondern auch ihre Entwicklung in der Zukunft vorhersagen zu können. Dieser Anspruch wissenschaftlicher Objektivität wird auch auf die Marxschen Begriffe ausgedehnt, die nicht als mehr oder minder brauchbare Werkzeuge zum Verständnis der Wirklichkeit, sondern als deren gültige Beschreibung betrachtet werden. Dieser Objektivitätsanspruch des Marxismus wurde von Lenin 1913 überhöht und auf die Formel gebracht: „Die Lehre von Karl Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist.“
1859 wurde das Buch Zur Kritik der politischen Ökonomie veröffentlicht, dem 1867 dann der erste Teil der knapp 3000 Seiten starken Trilogie Das Kapital folgte. Band 1: Der Produktionsprozeß des Kapitals enthält die Definition einer "Ware" und das Zustandekommen des Wertes dieser Ware ( → Wert- und Geldtheorie) sowie umfangreiche Theorien zu Geld und Arbeit (abstrakte Arbeit). Teil 2 und 3 tragen die Namen Band 2: Der Zirkulationsprozeß des Kapitals sowie Band 3: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Engels gab diese Bände nach dem Tod von Marx heraus und gab damit entscheidende Anstöße zur marxistischen Theoriebildung, auch mit eigenen populärwissenschaftlichen Zusammenfassungen.
Schon zu Lebzeiten von Marx bildete sich eine Gruppierung von Sozialisten, die sich „Marxisten“ nannte, aber bereits um die Jahrhundertwende inhaltlich schon stark divergierte.
1898 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) als Bund von drei marxistischen Organisationen gegründet, der jedoch schnell wieder verboten wurde. 1903 spaltete sich die Partei im Exil in die Bolschewiki („Mehrheit“), unter der Führung von Lenin, und Menschewiki („Minderheit“). Nachdem die Februarrevolution 1917 unter Führung der sozialdemokratischen Menschewiki nicht zum Austritt Russlands aus dem Ersten Weltkrieg führte, wurde Lenin mit Hilfe des Deutschen Reiches über Finnland nach St. Petersburg gebracht, um von dort eine weitere Revolution zu initiieren und einen Waffenstillstand auszuhandeln.
Die Oktoberrevolution 1917 war von Lenin und Leo Trotzki angeführt worden, Lenin blieb bis zu seinem Tod am 21. Januar 1924 die unbestrittene Führungsperson der Partei. Er schuf mit dem Leninismus eine totalitäre Interpretation des Marxismus, nach der die Partei „Instrument der Diktatur des Proletariats“ und ein straff „organisierter Trupp“ sein solle, die keinerlei Fraktionsbildung zulässt. Zur ideologischen Beschwichtigung der Einwände gegen die "diktatorische" Staatsmacht führte Lenin im Buch „Staat und Revolution" die „marxistische“ Theorie vom „Absterben des Staates“ an, welche nach dem Erreichen des Endzustandes des Kommunismus, wenn der Staat als Instrument der Klassenherrschaft überflüssig geworden sei, eintreten werde, wenngleich sich dieser Begriff nicht bei Karl Marx findet - was längere Zeit übersehen wurde. Josef Stalin, der schon seit Beginn der Revolution an Macht gewann, definierte den Leninismus 1924 als „Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution... die Theorie und Taktik der proletarischen Revolution im allgemeinen, die Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im besonderen.“ („Über die Grundlagen des Leninismus“). Trotzki entwickelte hingegen als Reaktion auf den Stalinismus eigene Ideen, die zunächst abwertend Trotzkismus genannt wurden. Der Begriff wurde später von seinen Anhängern übernommen. Er stützte sich im wesentlichen auf zwei Theorien: zum einen die Theorie der „permanenten Revolution“, derzufolge der Sozialismus als Übergangsgesellschaft zum Kommunismus nur auf internationaler Ebene funktionieren kann, weswegen die ganze Welt durch eine Revolution vom Kapitalismus befreit werden muss. Zum anderen die Theorie der „langen Wellen“, die das „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ nach Marx kritisiert.
Die Revolution wirkte sich stark auf die internationale Arbeiterbewegung aus: ab 1918 wurden in ganz Europa kommunistische Parteien gegründet, die Mitgliedszahlen stiegen rapide und es entstand bald ein offener Konflikt mit dem Bürgertum. Vor allem in Deutschland (Weimarer Republik) und Italien kam es zu teils bürgerkriegsähnlichen Zuständen, bis Benito Mussolini 1922 in Italien und Adolf Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernahmen und jegliche Arbeiterorganisation zerschlugen oder in den Widerstand drängten. Schon um 1920 bildeten sich eine neomarxistische Denkrichtung, die sich später hauptsächlich am Realsozialismus orientierte und eine Dogmatisierung des Marxismus (z.B als „proletarische Weltanschauung“) ablehnte. „Neomarxismus“ ist jedoch schwer zu definieren, da es kaum Personen gibt, die sich „Neomarxisten“ nennen. Vielmehr wird der Begriff als Sammelbegriff für verschiedene Denkrichtungen verwendet. Stalin1.jpg Nach dem Tod von Lenin entbrannte innerhalb der KPdSU ein Machtkampf zwischen Stalin und Trotzki, der die Linke Opposition anführte. Stalin entschied diese Auseinandersetzung für sich und konzentrierte bald genug Macht in seiner Person, um Trotzki 1927 aus der KPdSU auszuschließen. Später wurde diesem noch die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen und er floh über Umwege nach Mexiko, wo er nach unzähligen anti-stalinistischen Veröffentlichungen 1940 von einem russischen Agenten ermordet wurde. Von 1929 bis 1953 war Stalin quasi Alleinherrscher über das Sowjetreich, in dieser Zeit setzte er große Teile seiner Interpretation des Leninismus, den Stalinismus, mit paranoider Angst vor Verschwörungen von innen durch. Dieser basierte zum einen auf dem Sozialismus und der Verstärkung von Klassenkämpfen, wobei Stalin auch die kompromisslose Parteiführung von Lenin übernahm. Die Klassenkämpfe sollten die Entwicklung der Gesellschaft zum Kommunismus möglichst schnell herbeiführen und so das Proletariat befreien. Praktisch war dieser Grundsatz Legitimation für verstärkte Säuberungswellen und Konzentrationslager (Gulag-Lager). 1941 griff die Armee Adolf Hitlers trotz eines Nichtangriffspaktes die Sowjetunion an (Zweiter Weltkrieg) und besetzte wesrtliche Teile des Landes, doch konnte Stalin nach großen Anstrengungen zurückschlagen und schließlich im Mai 1945 Berlin besetzen. Ac nikita.jpgEr blieb danach noch ca. acht Jahre Führer der UdSSR. Nach Stalin folgten mit Nikita Chruschtschow erste Ansätze der Entstalinisierung, wobei der Stalinismus als theoretisches Grundgerüst (und damit auch die Parteistruktur) bis zum Ende bestehen blieb.Gorbatschow.JPGDer letzte mächtige Politbürochef Michail Gorbatschow leitete die endgültige Abkehr vom Personenkult um Stalin sowie tiefgreifende Reformen (Perestroika und Glasnost) ein, worauf dann der Verlust der Satellitenstaaten und damit der Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1992 folgte.
Mit dem Ende des Faschismus in Europa fand auch der Marxismus zunächst wieder viele Anhänger; die Italienische PCI etwa hatte 1945 circa 1,8 Millionen Mitglieder. Doch diese Größenordnungen wurden bald unerreichbar und viele Marxisten waren sich - erst recht nach dem Tod Stalins - uneins, wie man mit dem Erbe des Diktators (dem Stalinismus und Marxismus-Leninismus) umgehen sollte. Viele italienische und französische Marxisten z.B. distanzierten sich von der Sowjetunion. Als dann Mitte der 60er Jahre die Studentenbewegung einsetzte und es ab 1963 eine Wiederbelebung des Neomarxismus gab, zersplitterte der Marxismus endgültig in eine Vielzahl von Gruppierungen unterschiedlichster Ausrichtungen. Bisher war von vielen Marxisten eine „Revolution“ nach bestimmten Mustern gefordert worden, doch mit dem Ende des realen Sozialismus in der UdSSR arrangierte man sich weitestgehend mit der Sozialdemokratie und beschränkte sich auf Reformvorschläge. In Italien sitzt momentan die PRC im Parlament (2005). Mao Zedong Porträt am Eingang zur Verbotenen Stadt.jpg | 1949 errang Mao Zedong mit der Kommunistischen Partei die Macht in China. Der Diktator, dessen einziger Verbündeter bis 1965 die UDSSR war, herrschte auf Basis des Maoismus bis 1976. Der Maoismus war eine weitere totalitäre Weiterentwicklung des Leninismus und Stalinismus, in der der Fortschritt eine zentrale Rolle einnahm. Die Menschen sollten sich Mao und der Partei unterordnen und den Sozialismus nicht zur Erleichterung nutzen. Im Gegensatz zur „Assoziation der freien Produzenten“ nach Marx waren die Arbeiter unter Mao Zedong starken Zwängen unterworfen. Mao Zedong, der durch den „Großen Sprung nach vorn“, eine Kampagne, die die Wirtschaftskraft der Volksrepublik China stärken sollte und eine verheerende Hungersnot zur Folge hatte, politisches Vertrauen innerhalb der Partei verloren hatte, versuchte seine Vorstellungen eines maoistischen Staates durch die 1966 ins Leben gerufene Kulturrevolution in die Tat umzusetzen. Diese „Revolution“ bestimmte bis Mao Zedongs Tod das politische Geschehen in China und führte zu exzessiven Morden, Misshandlungen, Zerstörungen kultureller Güter und Restriktionen gegenüber dem Volk. Nach dem Tod des Diktators öffnete sich China wieder mehr und mehr westlichem Kapital und damit dem Kapitalismus.
Cuba.FidelCastro.01.jpg Nachdem 1959 die Revolution erfolgreich in Kuba beendet wurde, erklärte Diktator Fidel Castro erst 1961 seine Revolte zu einer sozialistischen. Als am 2. Dezember 1961 dann die Proklamation der Sozialistischen Republik stattfand, wurde Kuba eindeutig als ein marxistisch-leninistischer Staat definiert. Im Kalten Krieg beschränkten sich die Politik- und Wirtschaftsbeziehungen auf sozialistische Staaten wie die UDSSR oder China, wobei es während der Kubakrise fast zu einen offenen Konflikt zwischen den Weltmächten gekommen wäre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion folgte eine schwere Wirtschaftskrise und dann eine Öffnung gegenüber Großkonzernen und Touristen. Momentan wird Kuba noch immer von Castro beherrscht.
Kim Il-sung führte von 1948 bis 1994 eine Diktatur auf Basis des Realsozialismus mit Orientierung am Maoismus in Nordkorea an. Nordkorea wurde und wird wirtschaftlich von China unterstützt. Der große Verbündete half auch im Koreakrieg (1950-1953) aus. Nach dem Tode Kim Il-sung's übernahm sein Sohn Kim Jong-il alle Macht und führt die Demokratische Volksrepublik Korea im Stil seines Vaters weiter.
Die Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sind bis heute theoretisches Gerüst für verschiedene marxistische Organisationen und Parteien in allen Teilen der Welt. In Europa, wo alle marxistische Vereinigungen ihren Ursprung haben, finden sie auch am meisten Zuspruch. In vielen Staaten Europas formierten sich erst kleinere Organisationen und daraus später, um das Jahr 1920, Parteien. Deren Geschichte weist europaweit starke Parallelen auf. Viele Parteien orientierten sich zumindest an der KPdSU, bis der real existierende Sozialismus mit dem Untergang der UdSSR als gescheitert galt. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurden viele Organisationen aufgelöst und in den Widerstand gedrängt, viele gingen jedoch nach 1945 gestärkt aus der Neuordnung hervor. Doch das hielt nicht lange, denn die Sozialdemokratie fand unter den europäischen Marxisten bald starken Zuspruch und spaltete und schwächte viele Organisationen. Hinzu kommt, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion kaum eine einflussreiche Partei noch von einer „Revolution“ spricht und auch sonst viel mehr Kompromissbereitschaft (oft zu Lasten eigener Grundsätze) signalisiert wird. Die politische Bedeutung marxistischer Organisationen hat so bis in die heutige Zeit, stetig abgenommen.
Im Rahmen des Europäischen Parlaments haben viele marxistische Politiker in der im Mai 2004 gegründeten Europäischen Linkspartei zueinandergefunden.
ADAV und SDAP vereinigten sich 1875 in Gotha unter dem Namen Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) auf Basis des Gothaer Programms, welches von Marx wegen seiner kompromisslerischen Anpassung gegenüber dem reformorientierten ADAV kritisiert wurde. August Bebel_2.jpg Unterdrückung, juristische Verfolgung und zeitweilige Verbote sowie die Sozialistengesetze zwischen 1878 und 1890 unter Reichskanzler Otto von Bismarck konnten die Mitgliederzuwächse von marxistischen Organisationen in diesem Zeitraum kaum stoppen und so ging dann 1890 aus der SAP die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hervor, die sich mit dem Erfurter Programm wieder stärker am Marxismus orientierte. Sie war zum damaligen Zeitpunkt die größte, ideologisch von Marx geprägte Partei und vereinigte Anhänger verschiedener marxistischer Strömungen in sich.Rosa Luxemburg.jpg In ihren Anfängen wurde die Partei durch einen starken linken/marxistischen Flügel, teils um die Person Rosa Luxemburgs versammelt, beeinflusst. Es gab um die Jahrhundertwende eine sehr kontroverse Diskussion über die politische Zielsetzung innerhalb der SPD, die u.a. durch den Aufsatz Sozialreform oder Revolution von Rosa Luxemburg zugunsten der Marxisten und der „Revolution“ entschieden wurde. Jedoch verlief der praktische politische Kurs der Partei, auch nach dem Aufsatz Die Aufgaben der Sozialdemokratie (1899) von Eduard Bernstein, in Richtung Sozialdemokratie.
Während der Novemberrevolution 1918 widersetzte sich die SPD-Führung einer Initiative zur Umwandlung des Kaiserreiches in einen sozialistischen Staat, woraufhin sich die Arbeiterbewegung endgültig in Reformisten (Sozialdemokraten) und Kommunisten spaltete. Jedoch orientierte sich ein Großteil der verschiedenen kommunistischen Strömungen an Lenin (Leninismus) oder Stalin (Stalinismus), so dass viele Grundgedanken von Marx schon zu diesem Zeitpunkt kaum mehr Beachtung fanden.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland wurde die europäische Arbeiterbewegung bis 1945 gebremst oder so gut wie handlungsunfähig. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wiederum waren die Forderungen nach einem auf dem Marxismus beruhenden Staatssystem sehr groß, so forderte etwa die neu gegründete CDU in ihrem ersten „Ahlener Programm“ die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien und eine weitgehende soziale Kontrolle der Gesamtwirtschaft. Sie ging teilweise noch über die Forderungen der KPD hinaus.
In der BRD schränkten die Verbote der FDJ (1952) und der KPD (1956, KPD-Verbot) die legalen Möglichkeiten politischer Betätigung für marxistische Gruppen stark ein. Für die meisten westdeutschen Beobachter diskreditierte die politische und ökonomische Entwicklung der DDR zusätzlich den Marxismus.
Nachdem die deutsche Spaltung vollzogen und Konrad Adenauer zum drittenmal wiedergewählt worden war, legte schließlich auch die SPD 1959 mit ihrem Godesberger Programm die marxistische Weltanschauung als ihre theoretische Grundlage ab. Durch die Kritische Theorie kam es in Teilen der Studentenbewegung der Bundesrepublik seit etwa 1963 zu einer neomarxistischen Renaissance.
Ab 1968 wurden Neugründungen von kommunistischen Parteien zugelassen.
Im wesentlichen lassen sich in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren drei marxistische Strömungen erkennen:
Aus den verschiedenen marxistischen Strömungen sind vielfältige wissenschaftliche Arbeiten bzw. spezielle Richtungen marxistischer Wissenschaft hervorgegangen. Bleibende Bedeutung haben z.B. die Abendroth-Schule innerhalb der Politikwissenschaften oder die Kritische Psychologie. Darüber hinaus haben in vielen Bereichen Vorstellungen eines kritischen Marxismus in den Alltag und den Wissenschaften Eingang gefunden, ohne dass sich in Deutschland (nach der Auflösung der DDR) spezielle marxistische Wissenschaften als solche erhalten haben.
Die Geschichte großer marxistischer Organisationen in Frankreich begann 1871 mit der Pariser Kommune, einem sozialistischen Aufstand und Experiment des Zusammenlebens in einer Großstadt, der blutig niedergeschlagen wurde. Aus den nachfolgenden Ereignissen ging die Section française de l'Internationale ouvrière (SFIO, Französische Sektion der Arbeiter-Internationale) hervor, die 1920 zerbrach. Aus Teilen der verschiedenen Flügel entstand dann 1922 die PCF oder Parti communiste français. Nach Wahlerfolgen im Jahr 1924 orientierte man sie inhaltlich sehr am Stalinismus, was zu Wahlniederlagen und Massenaustritten (Höhepunkt 1932) führte.
Nach 1945 blieb die PCF zunächst stalinistisch orientiert und wurde ab 1950 mit Finanzmitteln von der Sowjetunion gefördert. Bei den Mai-Unruhen von 1968 war die KPF gegen die Streiks und verlor deswegen einen Großteil ihrer Wählerbasis. Daraufhin wandte sie sich allmählich von Stalin als Vorbild und der sowjetischen Politik ab. 1981 beteiligte sie sich an der Regierung von Premierminister Pierre Mauroy. Danach verlor sie wieder weitgehend an Einfluss und Wählerzuspruch, besonders seit den Wahlen 2002. Bis heute hat sie noch 135.000 Mitglieder und ist damit die stärkste kommunistische Partei in Frankreich und mit der 1990 in Partito Democratico della Sinistra (PDS) mitgliederstärksten kommunistischen bzw. postkommunistischen Parteien Europas.
Die Partito della Rifondazione Comunista (PRC) ist die momentan größte kommunistische Partei und Organisation in Italien. Sie hat ihren Ursprung in der Partito Comunista Italiano (PCI), die sich 1921 um Antonio Gramsci, Amadeo Bordiga und Palmiro Togliatti gründete. Nach 1945 hatte die PCI 1,8 Millionen Mitglieder. Damit beeinflusste sie andere marxistische Parteien in Europa - etwa in Frankreich - in Richtung einer Anerkennung der Sozialdemokratie als politischen Aktionsrahmen. Nachdem die Sowjetunion 1990 auseinanderbrach und der Sozialismus gescheitert zu sein schien, formierte sich die PCI 1991 endgültig zu einer sozialdemokratisch und reformistisch orientierten Partei. Das traf jedoch auf breiten Widerstand: innerparteilich bei den Traditionalisten sowie eine Gruppe neuer Linker, die eine Neuorientierung am Marxismus forderten. Daraus ging die Gründung der PRC hervor, die überraschend schnell 100.000 Mitglieder gewann. Die inneren Streitigkeiten setzten sich fort; dennoch gelang der PRC 2001 mit 5 Prozent der Stimmen der Einzug ins italienische Parlament.
Die am 28. September 1864 in London gegründete Internationale Arbeiterassoziation (IAA) war der erste internationale Zusammenschluss marxistischer Gruppen, die sich als Internationale Organisation der Arbeiterbewegung verstanden. In ihr waren neben Anhängern des Marxschen Kommunistischen Manifests von 1848 auch weitere Gruppen sehr unterschiedlicher Ansichten vertreten. Infolge eines Richtungskampfes zwischen Karl Marx und dem Anarchisten Michail Bakunin spaltete sie sich auf ihrem Den Haager Kongress von 1872. Da der Marxsche Flügel sich durchsetzte, gründeten die Unterlegenen die Juraföderation. Danach verlor die erste Internationale an Bedeutung und löste sich 1876 formell auf. 1889 wurde die Zweite Internationale gegründet, die praktisch an der Zustimmung der SPD und der französischen Sozialisten zum 1. Weltkrieg zerbrach, aber formell bis heute existiert.
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1919 initiierte Lenin als Konsequenz aus dem Zimmerwalder Manifest die 3. Internationale (auch Komintern), der mehrere kommunistische Parteien aus Europa angehörten. Ihr Ziel war im betonten Gegensatz zur 2. Internationale unter Berufung auf das Kommunistische Manifest und Lenins Imperialismustheorie die sozialistische "Weltrevolution". Diese sollte durch die "Zerschlagung" bürgerlicher Staatsapparate realisiert werden; ab etwa 1925 gab Stalin als Hauptziel die Bekämpfung des Faschismus aus. Wer ihr beitreten wollte, musste 21 Bedingungen akzeptieren und umsetzen. 1943 löste Stalin sie auf, um die Anti-Hitler-Koalition mit den einst als "Klassenfeind" definierten Westmächten zu stärken.
Nach dem Sieg der Nationalsozialisten in Deutschland und der weitestgehend kampflosen Niederlage der KPD, welche als Ausdruck einer fehlgeleiteten Politik der Komintern angesehen wurde, spaltete sich die einst von Leo Trotzki geführte Internationale Linke Opposition 1933 von der nun als unreformierbar angesehenen Kommunistischen Internationale ab und gründete 1938 die Vierte Internationale. Sie spaltete sich 1953 und vereinigte sich teilweise 1963 wieder. Ihre zahlreichen nationalen Sektionen, u.a. in Sri Lanka (Ceylon), Bolivien, Vietnam, kamen in Europa - außer in Frankreich und zeitweise in Belgien - nirgends über den Status einer kleinen Kader- oder Splitterpartei hinaus. Heute gibt es mindestens drei internationale Organisationen, die sich als die Vierte Internationale verstehen, siehe unter Liste trotzkistischer Organisationen.
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Die 2004 gegründete Europäische Linkspartei besteht hauptsächlich aus kommunistischen Organisationen. Nach ihrer Gründung wechselten viele Linke u.a. aus der Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken zur Europäischen Linkspartei.
Neomarxisten lehnten insbesondere die Dogmatisierung des marxistischen Gedankengebäudes als "Proletarische Weltanschauung" ab, die sich vor allem in den Staatsdoktrinen des realen Sozialismus zeigte.
Eurokommunisten und Reformisten hingegen verwerfen Klassenkämpfe als Mittel zur Herbeiführung des Sozialismus und versuchen, demokratische Wege zur Überwindung der Klassengegensätze zu finden. Einige Postmarxisten zweifeln mit der Wertkritik seine Klassentheorie sowie Geschichtsphilosophie an.
Von Marx beeinflusste Denker werfen ihm vor, er habe in seiner Beschreibung des Gebrauchswertes einer Ware dessen Auswirkungen auf einen Umbruch zum Kommunismus überschätzt und die Kultur sowie die Natur kaum in seine ökonomischen Theorien einbezogen. Umstritten sind auch die Voraussetzungen für die Umgestaltung einer sozialistischen Gesellschaft in eine kommunistische. Marx selbst merkte an, dass deren Gelingen erst nach einer weltweiten Revolution möglich sei.
So sei etwa die Hegelsche Dialektik - auf der der historische und der dialektische Materialismus aufbauen - von Grund auf falsch, wie zum Beispiel Karl Raimund Popper in seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde kritisiert. Marx´ Denken führe in eine "geschlossene Gesellschaft". Diese sei dadurch gekennzeichnet, dass sie sozusagen am Reißbrett geplant werde von Eliten, die sich im Besitz angeblich wissenschaftlicher Erkenntnisse über die "objektiven Interessen" der Unterworfenen glaubten, auch wenn diese von deren subjektiv empfundenen Interessen deutlich abwichen. Die geschlossene Gesellschaft sei also eine totalitäre Diktatur. In seiner Schrift "Das Elend des Historizismus" kritisierte Popper 1957 die Vorstellung des historischen Materialismus, *dass Geschichte zielgerichtet verlaufe,
Insgesamt sei der "wissenschaftliche Sozialismus" aber keineswegs wissenschaftlich, da er nicht falsifizierbar sei. Dies gelte vor allem, wenn marxistische Thesen mit den Mitteln der Ideologiekritik nach außen abgedichtet würden: Skeptikern, die etwa das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate oder die Reduktion aller Geschichte auf die Geschichte von Klassenkämpfen bezweifelten, wird dabei unterstellt, dass ihre Zweifel gar nicht ehrlich wären, sondern nur Ideologieproduktion im Interesse der herrschenden Klasse. Je stärker der Skeptiker auf seinen Bedenken beharre, desto deutlicher glaube der Ideologiekritiker seine vermeintlich dahinter stehenden Absichten zu erkennen. Bedingungen, unter denen er zugeben würde, dass seine Thesen falsch seien, könne er somit nicht nennen. - In dieser Interpretation Poppers erscheint der Marxismus als Pseudowissenschaft. Über seine Thesen und die Wissenschaftlichkeit der dialektischen Methode wurde in den sechziger Jahren der Positivismusstreit ausgefochten.
Andere Kritiker monieren das verengte Kausalverhältnis zwischen Basis und Überbau, wie es unter anderem die Stamokap-Theorie oder in gewissen vulgärmarxistischen Kartelltheorien zu beobachten ist. Hier werden die Institutionen und Träger des Staates zu direkten Befehlsempfängern der Industriellen dargestellt, zu bloßen "Agenten des Monopolkapitalismus". Der deutsche Historiker Gerd Koenen und der amerikanische Politologe Daniel Pipes bezeichnen aus diesem Grunde den Marxismus-Leninismus als eine Verschwörungstheorie.
Kritisiert wird auch, dass der Weg zum Kommunismus über einen mächtigen Parteiapparat (Diktatur des Proletariats) die Gefahr berge, dass die mächtigen Führer keinerlei Strukturreformen im Interesse des Proletariats einleiten, sondern vor allem ihre Machtinteressen verteidigen. Viele Forscher wie z.B. die Herausgeber des Schwarzbuchs des Kommunismus nehmen daher an, dass die millionenfachen Massenmorde "marxistischer" Tyrannen wie Stalin, Mao oder Pol Pot keine Abirrungen von der eigentlich positiven marxistischen Lehre sondern in ihr selbst angelegt wären.
Gründe für das Scheitern des real existierenden Sozialismus finden sich unter Realer Sozialismus und Kommunismus.
siehe: Liste marxistischer Theoretiker und Politiker
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